Von Finnland bis Zypern

Europas Dichter auf Bustour

von Mathias Traxler
In mehreren Etappen durchmessen Gruppen von europäischen Schriftstellern den Kontinent von Norden nach Süden. Der Schweizer Autor Mathias Traxler berichtet von der Etappe München–Graz.
“Die Zugfahrt führte mich über den Semmering von Graz zurück nach Berlin. Von Graz aus. Doch war das noch wirklich Graz? Ja, Graz. Aber es war auch noch ein anderer Ort, von dem ich zurückkehrte. Einer, wo unsicher war, in welcher Stadt, in welchem Land ich mich befand, es hätte irgendwo, fast an jeder Stelle in Europa sein können. Dies war der Effekt, wenn man mit acht Autoren aus ganz Europa eine einwöchige Busreise machte. Während sich im Austausch mit den anderen die eigenen inneren nationalen Grenzen öffneten, hatte sich noch eine viel weitere Öffnung aufgetan, nämlich in der Sprache selbst.

Eine Bustour von Finnland nach Zypern mit insgesamt 100 Autoren aus 37 Ländern. «Crowd Omnibus Reading Tour», so nennt sich das von der Lettrétage Berlin, dem Forum Stadtpark Graz, dem Nuoren Voiman Liitto Helsinki und dem Ideogramma Nikosia – vier Veranstalter für zeitgenössische Literatur – ins Leben gerufene Grossprojekt. ” […] In der Originalquelle weiterlesen!

V. Lozynskyi

Am 15.07. waren Dmitri Dragilew und Vasyl Lozynskyj in der Lettrétage zu Gast.

Vasyl Lozynskyj hat aus: „Das Fest nach dem Untergang“, ukrainisch/deutsch, aus dem Ukrainischen von Jakob Mischke, Anna Kauk und Beatrix Kersten unter Mitwirkung von Ron Winkler und Uljana Wolf, hochroth Wiesenburg 2016 gelesen.

hier liest er das Gedicht: An Aus

Dmitri Dragilew hatte seinen Band: „Städtische Ligaturen“, russisch/deutsch, aus dem Russischen von Hendrik Jackson, Olga Kouvchinnikova, Ingolf Hoppmmann, Elena Blokhina und Sergei Gladkich. Mit Zeichnungen von Petrus Akkordeon und einem Nachwort von Monika Rinck, hochroth Berlin 2016 dabei.

hier hört ihr das Gedicht:  Städtische Ligaturen

 

Mehr Infos zu den Autoren gibt es hier!

Zu lange habe ich gelebt wie ein Delfin, der auf der Suche nach dem perfekten Regenbogen immer wieder aus dem spiegelglatten See springt und dabei schnattert: Was mach ich hier eigentlich?

 

Daan Heerma van Voss: Eine verspätete Reise, übersetzt von Ira Wilhelm in: Das Mag, Junge Literatur aus Flandern und den Niederlanden, Das Mag Uitgevers, Amsterdam 2016

Zitat der Woche

Lesestoff

Wer noch auf der Suche nach einer Sommerlektüre ist, kann mal hier reinschauen:

http://www.zeit.de/2016/27/literatur-tipps-buecher-sommer-urlaub

Lisa Lettrétage wünscht einen spannenden Lesesommer!

blogbild

Heute haben wir einen BLOG-Tipp für euch:

 

http://sowiesaufstehen.tumblr.com/

 

Schaut mal rein, es lohnt sich! Folgt dem Blog auf Tumblr wenn er euch gefällt :).

Lesung Bild

Für dieses Wochenende empfehlen wir euch die Veranstaltung am Sonntag, den 24.07.:

“Lauter Niemand Literaturlabor”

Im lauter niemand literaturlabor kann jeder eigene unveröffentlichte Lyrik und Prosa vortragen, um sie zur Diskussion zu stellen. Die Lesezeit für Prosa sollte möglichst 10 Minuten nicht übersteigen, bei Gedichten ist es gut einige Kopien mitzubringen. Auch Zuhörer und Mitdiskutanten sind herzlich willkommen: Hier entsteht die neue Literatur von morgen.

Beginn ca. 21.00 Uhr im

Chagall (Im Galerieraum von Bar u. Restaurant)

Kollwitzstraße 2
10405 Berlin

http://www.lauter-niemand.de/

Übrigens: für alle, die gerne schreiben, aber nicht selber lesen möchten, haben wir in der Lettrétage eine schöne Veranstaltung im September! Mehr Infos hier!

Heute Abend findet die vierte Folge der Reihe inter_poems bei uns statt!

Zu Gast sind Erín Moure aus Kanada und Uljana Wolf aus Berlin. Wir freuen uns auf einen spannenden Abend! Es geht um 20.00 Uhr los und der Eintritt beträgt 6 Euro, erm. 4 Euro.

Die Lesungen werden auf Deutsch und Englisch stattfinden, das anschließende Gespräch auf Englisch.

 

MoureErín Moure, 1955 in Calgary geboren, ist Lyrikerin und Übersetzerin aus dem Französischen, Spanischen, Galicischen und Portugiesischen. Seit 1979 sind bereits 16 Lyrikbände von ihr in Kanada erschienen. Ihre Übersetzungen wie ihre eigene Lyrik wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. den Pat Lowther Prize und den Governor General’s Award. Sie experimentiert mit mehrsprachiger Lyrik ebenso wie mit algorithmengestützten Schreibverfahren. Zuletzt erschienen die Bände „The Unmemntioable“ (sic) und „Kapusta“, die sich beide mit Entwurzelung, Vertreibung und der narbenvollen sprachpolitischen Geschichte der westlichen Ukraine auseinandersetzen (von wo ihre Familie stammt). Erín Moure lebt in Montréal.[Bild: Mélodie Inouie]

UljanaUljana Wolf, 1979 in Berlin geboren, Lyrikerin und Übersetzerin, lebt in New York und Berlin. Sie veröffentlichte drei Gedichtbände, zuletzt „meine schönste lengevitch“ (kookbooks 2013). Wolf übersetzt aus dem Englischen (John Ashbery, Yoko Ono, Matthea Harvey, Cole Swensen u.a.) und aus dem Polnischen. Für ihr lyrisches und übersetzerisches Werk erhielt sie zahlreiche Preise, u.a. den Peter Huchel Preis sowie zuletzt den Adalbert-von-Chamisso-Preis. Wolf unterrichtet Deutsch, Poesie und Literarische Übersetzung an der New York University, dem Pratt Institute und dem Institut für Sprachkunst in Wien. [Bild: Tim Koelln]

Dieser vierte Abend der Reihe inter_poems führt uns in “Translantisches”, wie Uljana Wolf sagen würde. Nicht nach dies- oder jenseits des Atlantik, sondern ins Dazwischen, in den dritten Raum der Übersetzung, zwischen den Sprachen, zwischen den Literaturen. Erín Moure aus Kanada und Uljana Wolf (D/US) sind als Autorinnen gleichermaßen Über-Setzer zwischen Nordamerika und Old Europe. Erín Moures mehrsprachige Lyrik durchzieht das kanadische Englisch mit einer Tonspur aus Portugiesisch und dessen historischem Vorläufer, dem Galizischen – eine Lyrik, die Uljana Wolf u.a. auf Mittelhochdeutsch re-inszeniert. Beide sprechen mit Daniel Graf über Muttersprachen im Plural, das Übersetzen als Erkundungsraum von “Eigenem” und “Fremdem” und über Interferenzen zwischen Schreiben und Übersetzen.

Moderation: Daniel Graf

Weitere Informationen gibt es hier

 

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Gemeinsame Sprache Literatur

Von Leonie Hoeffner

Die Themen Kultur, nationale Grenzen und welche Kulturen sich hinter diesen Grenzen verbergen ist in den letzten Monaten, ja sogar Jahren, nahezu omnipräsent. Einige Organisationen haben sich als Ziel gesetzt, den internationalen Austausch durch Literatur zu fördern und somit die Reichhaltigkeit europäischer Kulturen zu zelebrieren. Mithilfe von Gegenwartsliteratur wollen sie einen Diskurs über europäische Identität ankurbeln.

Wie lernt man einen fremden Menschen kennen? Indem er einem seine Geschichte erzählt. So scheint es nur logisch, andere Länder durch Geschichten kennenzulernen. Darüber, wie sie leben, wie sie schreiben und wie sie erzählen. Es sind die alltäglichen Erlebnisse, die uns zeigen, wie andere Menschen leben; die sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten hervorheben können. Das Wissen über persönliche Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen bringt uns anderen Menschen näher. Und was ist eine Kultur anderes, als die Menschen, die darin leben!?

Ein Netzwerk, das sich dem europäischen Austausch durch Literatur verschrieben hat, ist CROWD […]

In der Originalquelle weiterlesen

Heute Abend findet um 20.00 Uhr die nächste Ibn-Rushd-Lecture bei uns statt.

bild Mtimet

Zu Gast ist Mohamed Adel Mtimet, Professor für Philosophie und Geistesgeschichte an der
Universität Gabès – Tunesien.

Gibt es in der arabischen Kultur die Voraussetzungen für ein Dasein als Individuum, oder sind politische sowie moralische Individualität und arabische Kultur Widersprüche in sich?

Diese Frage, so aktuell wie heikel, umkreist der tunesische Philosoph Mohamed Adel Mtimet in seinem Beitrag zu den Ibn Rushd Lectures. Seine These ist, dass diese Frage bis heute nicht mit ausreichender Tiefe und Sorgfalt von den arabischen Denkern und Autoren behandelt wurde. Er findet es seltsam, Demokratie und Modernität anzustreben, aber diese imminent wichtige Frage außer Acht zu lassen, und vermutet, dass vielleicht arabische Denker und Autoren das ‘Individuum’ gar als Selbstverständlichkeit betrachten, nur weil sie selbst innerlich frei sind, und so schreiben und kreativ sein können. Die Forderung nach Individualismus sollte sich aber nicht auf das literarische oder geistige Bewusstsein der Autoren und Experten, also einer Elite, beschränken, sondern im Gegenteil die gesamte Gesellschaft und die Kultur im Allgemeinen einschließen. Auch gilt es, das Augenmerk auf die zentrale Frage zu richten: ohne Autonomie und Individualismus sind keine der angestrebten politischen Modernisierungen und also keine wirkliche Demokratie möglich? weiterlesen

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Der Sommer nähert sich und mit ihm ein verzweifeltes Verlangen nach Leben wo ich doch lebendig bin. Eine neue Chance näher an … zu kommen. Wem näher? Näher zu was? Das rechte Wort fällt mir nicht ein.

 

Luljeta Lleshanaku: Metamorphose, aus dem Albanischen von Andrea Grill, in: Lichtungen – Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik, No 146, 2016

Zitat der Woche