Donnerstag bis Sonntag, 16.-19. Dezember 2017
Zweiter WiSU-Branchentreff Literatur
im Haus der Kulturen der Welt

Der Branchentreff Literatur versammelt die Solo-Selbständigen der Literaturbranche, um aktuelle Themen der Literaturszene und politische Entwicklungen zu diskutieren. Dieses Jahr stehen alternative Formen der Arbeitsorganisation, Kooperation und Genossenschaftsmodelle im Blickpunkt der Arbeitsgruppen, Panels, Vorträge und Workshops. Im Projektemarkt findet das Crowd-Prinzip unmittelbar praktische Anwendung. Die Teilnahme am gesamten Angebot ist kostenlos.

Die offizielle Eröffnung mit einem Begrüßungswort von Moritz Malsch und einer Performance vom G13-Lyrikkollektiv findet am Freitag um 19:00 Uhr statt. Die Abschlussveranstaltung beginnt am Sonntag um 18:00Uhr: Aperó und Abschlusslesung mit Denis Abrahams (Sprecher und Schauspieler) und Ben Kraef (Saxophonist).

Mehr Informationen gibt es unter: http://literaturszene.berlin/branchentreff/

Die Anmeldung erfolgt unter: http://literaturszene.berlin/anmeldung-branchentreff-literatur-2017/

In Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt.

Der Branchentreff Literatur wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem EFRE-Fonds gefördert.

BuchBerlin 2017

Tom Bresemann —  6. November 2017 — Kommentieren

Im November findet die Buchmesse BuchBerlin zum vierten Mal statt. Auch die Lettrétage wird mit dem Projekt WiSU dort vetreten sein. Vorab haben wir mit BuchBerlin-Gründerin Steffi Bieber-Geske ein Interview geführt.

Die deutsche Literaturlandschaft besitzt mit den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig bereits zwei sehr große, prominente und international bekannte Foren für Verlage, Veranstalter und Medien. Warum braucht es da noch die Buch Berlin?
Weil die großen Buchmessen für unabhängige Verlage und Selfpublisher nur bedingt interessant sind. Viele können sich die exorbitanten Standgebühren schlicht nicht leisten – und wenn, dann sitzen sie an einem winzigen Stand, in den sich niemand hineintraut, und gehen neben den riesigen, aufwendig gestalteten Ständen der großen Verlage schlicht unter.
Das ist auf der BuchBerlin anders. Bei uns stehen die kleineren und mittelständischen Verlage sowie Autoren und Selfpublisher im Mittelpunkt.
Außerdem ist Berlin eine traditionelle Literaturstadt, in der rund 200 Verlage ansässig sind und weit mehr als 1000 Autoren leben. Viele Berliner lesen gern und freuen sich daher, nun direkt in der Hauptstadt eine Buchmesse besuchen zu können.
Bei uns geht es gemütlicher und familiärer zu als in Leipzig und Frankfurt, der Eintritt kostet viel weniger und man hat die Chance, an einem Tag alle interessanten Aussteller zu besuchen und muss sich nicht auf ein, zwei Hallen beschränken. Alle Aussteller verkaufen ihre Bücher direkt am Stand und weil zahlreiche Autoren vor Ort sind, kann man sich viele Titel auch signieren lassen.

Die Buch Berlin ist innerhalb von nur vier Jahren auf eine beträchtliche Größe gewachsen. Wie beurteilen Sie rückblickend diese Entwicklung und was erwarten Sie für die kommenden Jahre?
Bereits im ersten Jahr waren wir ausgebucht – es war daher schnell klar, dass die Verlage und Autoren auf eine Messe wie die BuchBerlin gewartet haben. Ich bin ja selbst Verlegerin und habe bei der BuchBerlin das umgesetzt, was ich mir selbst als Ausstellerin gewünscht habe. Viele Aussteller sind uns von Anfang an treu geblieben, weil sie sich auf der BuchBerlin einfach wohlfühlen – und teilweise auch wirklich gute Umsätze machen. Zahlreiche andere sind hinzugekommen.
Auch die Zahl der Besucher steigt von Jahr zu Jahr – inzwischen kommen Leseratten aus ganz Deutschland, weil sie wissen, dass sie bei uns tollen Autoren und Verlage treffen und besondere Bücher finden, die es nicht in jeder Buchhandlung und oft auch nicht auf den großen Messen gibt.
Weil viele Aussteller größere Stände gebucht haben, werden wir in diesem Jahr doch keine 300 Autoren und Verlage vor Ort haben, sondern nur knapp 250. Im nächsten Jahr werden wir dann voraussichtlich auf 300 Aussteller wachsen.
Sehr viel größer wird die BuchBerlin dann aber nicht mehr werden, denn wir hoffen, ab 2018 eine dauerhafte Location gefunden zu haben, und dort ist der Platz natürlich auch begrenzt. In Berlin eine noch größere Location zu einem Preis zu finden, bei dem wir unsere günstigen Standgebühren halten können, ist so gut wie unmöglich.
Außerdem wollen wir uns auch weiterhin gut um unsere Aussteller und Besucher kümmern und alles so professionell wie möglich organisieren. Das funktioniert bei mehr als 400 Ausstellern vermutlich nicht mehr. Wir organisieren die BuchBerlin ja nicht als Messeveranstalter mit einem großen Team, das den ganzen Tag nichts anderes tut, sondern als gemeinnütziger Verein mit viel ehrenamtlichem Engagement.

Das literarische Publikum, aber auch die AutorInnen selbst sind so vielfältig und divers aufgestellt wie nie zuvor. Welche Zielgruppe möchten Sie ansprechen und wie erreichen Sie diese?
Unsere Zielgruppe ist so bunt und vielfältig wie die unabhängige Literaturszene – und wie Berlin. Zu uns kommen Verlage und Autoren aus allen Genres und Besucher aus allen Altergruppen und gesellschaftlichen Bereichen. Nur Nazis finden bei uns kein Forum.

Die BuchBerlin findet am 25. & 26. November 2017 von 10 bis 18 Uhr im Congress Center des Hotels Estrel, Sonnenallee 225, 12057 Berlin, statt. Die Lettrétage ist im Rahmen des WiSU-Projekts auch auf der Buch Berlin vertreten: Kommt vorbei, ihr findet uns auf der Empore! An unserem Stand habt ihr die Möglichkeit euch zum Thema Freiberuflichkeit im Literaturbereich zu informieren und eine Kurzberatung in Anspruch zu nehmen: http://literaturszene.berlin/beratungsangebot/beratungen-auf-der-buchberlin/

Any questions?

JK —  24. Oktober 2017 — Kommentieren

A report by Sieglinde Geisel on the ninth CON_TEXT event by Érica Zingano, Tatiana Ilichenko, Marion Breton, Barbara Marcel and Tom Nóbrega ‘The hairy goddess’ misstory.’ Translated from German by Hester Underhill.

 

We take off our shoes because the Lettrétage space has been transformed; the floor has been covered with soft cling film, and in some areas with bubble wrap that crackles under foot, ‘Watch out for the glass’ is written on red tape. On the wall is a dark red bathrobe supspended from a hanging balance, a wreath on a loop ‘In loving memory OIKOS.’

All kinds of things are lying about in the room: an old fashioned TV set with a small propeller ventilator, a red rimmed clock on the wall displaying the wrong time, and on an old speaker I discover a perfume spray, a bottle of ketchup and a bottle of mayonnaise. Art or everyday? In a corner I find a heap of dirty cutlery, along with sponges and washing up liquid and next to it a kind of altar with candles in a shell, flowers and matches. And now real art, or at least not everyday items: diagonally at eye level in a scrolling sprawl of script, of which I can only manage to glean individual phrases. Apocalypse… Big Bang… army of the encrypted angels… hairy goddess… A disco ball rains stars over us, dry ice, faint blue light. We sit on the floor and watch what happens. The evening is named ‘The hairy goddess’ misstory’ a collaborative work by visual artist Tatiana Ilichenko (Russia) and poet and video artist Érica Zingano (Brazil), performed with assistance from Marion Breton (France), Barbara Marcel (Brazil) and Tom Nobrega (Brazil). In transparent white plastic overalls, the performers move through the room, a voice rings out from offstage in an English that isn’t easy to understand. We’re in an elevator the voice tells us, relaxation… sudden muscle contractions… the heart stops… body convulsions… end of an era… Europe is a sinking ship… At one point I pick out the word zombies.
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Am 07.10. haben Gerhild Steinbuch und Elisa Müller den österreichischen Politiker Sebastian Kurz als einen Künstler enthüllt – angeblich heiraten sie mit Elisa auch demnächst?! Alles wahr?

Ein persönlicher Bericht über die zehnte CON_TEXT Veranstaltung mit Gerhild Steinbuch und Elisa Müller, von Christian Gröschel

 

„Mir brauchen Sie gar nix erzählen!“ So beginnt der Herr Karl in dem gleichnamigen Stück von Helmut Qualtinger und Carl Merz seinen Monolog. Herr Karl ist ein Jedermann, der sich erstmal ganz sympathisch gibt, dann aber sich zunehmend als egoistischer Profiteur, kalter Opportunist und ehemals Nazi (aus Eigennutz) herausstellt. Die Autoren hielten mit dieser Figur den Österreichern 1961 einen Spiegel vor und sorgten für großes Aufsehen, fühlten sich viele doch deutlich auf den Schlips getreten.

 

Die Schriftstellerin und Dramaturgin Gerhild Steinbuch und die Schauspielerin und Performancekünstlerin Elisa Müller erzählen uns heute Abend in der Lettrétage gleich mindestens zwei Geschichten. Mit ihnen halten sie ebenfalls einen Spiegel in der Hand, den sie mal der jeweils anderen, mal dem Publikum vor Augen halten. Die beiden Künstlerinnen mischen nicht nur Fakt und Fiktion, sondern vor allem allerlei Geschichten (und Fragmente von Geschichten) in Schrift, Worten und Bildern. Und während eine Geschichte vorgetragen wird, entsteht die andere als Schrift und Bild an die Wand projiziert und umgekehrt, mal zugleich, mal linear oder in wiederholenden Schleifen, als Kommentar oder als Echo. Die Ränder sind unscharf, die Geschichten überlappen, verheddern und kreuzen sich, ufern hier und da aus. Mal folge ich der einen, dann der anderen, dann beiden oder finde die eine in der anderen wieder. Völlig trennen kann ich sie gar nicht, greife aber hier und da Einzelnes aus dem, was ich lese, höre und sehe, heraus und mache mir meinen eigenen Reim.

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Daniela Seel im Gespräch mit Gerhild Steinbuch und Elisa Müller

 

Daniela Seel: Zum Einstieg ins Projekt gab es ja dieses „Speeddating“ ‒ was hat euch füreinander eingenommen?

Gerhild Steinbuch: Ich fand interessant, dass es in unserem Gespräch gleich um formale Setzungen ging. Also weniger so datingmäßig: Man präsentiert die eigene Arbeit und muss sich verkaufen, sondern es ging relativ schnell darum: Was ist ein Lesungsformat, wie kann man damit performativ umgehen? Dann auch, dass wir beide aus dem Theater- oder Performancebereich kommen, aber aus unterschiedlichen Richtungen. Das fand ich eine spannende Kombination.

Elisa Müller: Mir ging’s ähnlich. Man hatte ja mehrere Gespräche an dem Tag, und ich fand es dann erfrischend, mit Gerhild zu sprechen, da sie eben aus dem Theater kommt. Wobei man meinen könnte, da sind jetzt zwei zusammen, die eh schon wissen … Aber so ist es nicht, eben weil wir aus unterschiedlichen Richtungen kommen und sie etwas ganz anderes macht, etwa Texte schreiben, während wir die Texte improvisieren. Ich arbeite nie mit Autor*innen zusammen. Viele von Gerhilds Texten werden dagegen eher stadttheatermäßig umgesetzt. Insofern gab es eine große Nähe und die Möglichkeit, sich über etwas zu verständigen ‒ über die performative Situation, über die Theatersituation ‒, und gleichzeitig genug Differenzen. Und auch das politische Interesse, dass wir gemerkt haben: Wir haben ähnliche Themen auf der Agenda. weiterlesen…

CON_TEXT VII: memory foam (Video)

JK —  20. Oktober 2017 — Kommentieren

Am 19.07. stellten Rike Scheffler und Jochen Roller ihre Raum-performance „memory foam“ im Rahmen der CON_TEXT Veranstaltungsreihe vor!

 

„Termini technici, gleichsam als Fundstücke, waren das strukturierende Element, das die Installation mit diesen weiteren Interventionen verband. Als Titel für ihren Beitrag wählten Rike Scheffler und Jochen Roller ebenfalls einen solchen Begriff: memory foam ist die Bezeichnung für Kunststoffe, die einen sogenannten Formgedächtniseffekt aufweisen und sich trotz zwischenzeitlicher Umformungen an frühere Zustände »erinnern« können. Wäre diese Arbeit im Rahmen irgendeiner Kunstausstellung gezeigt worden, das Publikum wäre sicherlich wesentlich schneller mit ihr »fertig« gewesen, hätte nicht so lange mit den Klängen und Überlagerungen experimentiert und auch weniger Erfahrungen mit der Klanginstallation gemacht. So erweist sich das Aufeinandertreffen von Zeit- und Raumkünsten unter den Voraussetzungen der CON_TEXT-Reihe als Chance, einer Rauminszenierung größere Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen, als das in einem anderen Rahmen möglich wäre.“ Florian Neuner über die Performance

Vera Kurlenina im Gespräch mit Marion Breton, Tatiana Ilichenko, Barbara Marcel, Tom Nóbrega und Érica Zíngano über die neunte CON_TEXT Veranstaltung „The Hairy Goddess‘ Misstory“

Wir treffen uns im weißen Raum der Lettrétage, den meine Gesprächspartner(innen) gerade für die Aufführung von „Hairy Goddess‘ Misstory“ dekorieren. Der Boden ist mit Plastikfolie ausgelegt, aus Alltagsgegenständen sind konstruktivistisch anmutende Installationen entstanden. Érica Zíngano ist dabei, kleine, akribisch beschriftete Plastiktüten mit Menstruationsblut zu sortieren, deren Abbilder später mit einem optischen Bildwerfer an die Wand projiziert werden. Die fünf Künstler(innen) haben eine Regel für das Interview aufgestellt, angeblich um das Chaos zu bewältigen: Wir werden ein „Kommunikationsrohr“ verwenden, ein Stück weißes Sanitärrohr. Wer es in der Hand hat, hat maximal drei Minuten Redezeit und darf nicht unterbrochen werden.

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Übersetzt aus dem Englischen von Katrin Behringer.

Das KuratorInnen-Team von Speaking Volumes organisiert literarische Veranstaltungen, in denen vor allem internationale nicht-weiße AutorInnen zu Wort kommen. Eine weitere Besonderheit: Die Werke werden nicht vorgelesen, sondern in unterschiedlicher Weise auf der Bühne performt. Für den am 16. November im Literaturhaus Lettrétage stattfindenden Abend haben Sharmilla Beezmohun und ihre MitstreiterInnen ein außergewöhnliches Programm zusammengestellt, um dem Berliner Publikum vier SchriftstellerInnen aus aller Welt zu präsentieren.

 

Julia Shimura: Das 2013 von dir und deiner Mitgründerin Sarah Sanders ins Leben gerufene Produktionsbüro Speaking Volumes entwickelt Veranstaltungsformate mit internationalen Autorinnen und Autoren, denen ihr in Großbritannien eine Bühne geben wollt. Euer Netzwerk umfasst mehr als 200 KünstlerInnen, von denen die meisten nicht-weißer ethnischer Herkunft bzw. „People of Color“ sind. Wann genau habt ihr euch selbstständig gemacht? Was war der Ausgangspunkt?

Sharmilla Beezmohun: Eigentlich haben wir Speaking Volumes schon 2010 gegründet. Sarah und ich hatten uns beim internationalen PEN kennengelernt, wo wir gemeinsam für die Organisation des hauseigenen fünftägigen Literaturfestivals zuständig waren. Nach zwei Jahren stellten wir dann fest, dass wir Lust hatten, unsere eigenen Veranstaltungen zu organisieren, Events mit einer größeren thematischen Bandbreite als das PEN-Festival. Wir fingen klein an und entwickelten zunächst Veranstaltungen im Auftrag von Institutionen wie dem British Council. 2012 erhielten wir dann eine finanzielle Förderung, um gemeinsam mit dem Southbank Centre die Großbritannien-Lesereise von Poetry Parnassus zu organisieren – ein Kulturereignis, für das LyrikerInnen aus allen Ländern der Welt nach London eingeladen wurden, um dort im Rahmen der Kulturolympiade an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. In dieser Zeit stieß auch Nick Chapman zu Speaking Volumes. Wir arbeiteten alle drei in Teilzeit, und dennoch gelang es uns, über 30 „Poetry Parnassus“-Veranstaltungen zu stemmen. Diese fanden, im Anschluss an die Veranstaltungen in London, über einen Zeitraum von zwei Wochen statt, und zwar in ganz Großbritannien – über 50 Dichter und Dichterinnen nahmen daran teil. Das war eine echte Feuertaufe, gleichzeitig aber auch ein großer Erfolg – von dem wir bis heute zehren. Es inspiriert und motiviert uns zu wissen, dass wir ein breites Spektrum spannender Veranstaltungen mit vielfältigen AutorInnen auf die Beine stellen können, die in Großbritannien womöglich noch relativ unbekannt sind, aber dennoch – dank einer sorgfältigen Kuratierung und durchdachter Marketingmaßnahmen – ein großes Publikum anziehen. Seit 2012 haben wir Speaking Volumes dann zu dem weiterentwickelt, was es heute ist.

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