Franz Tettinger, selbständiger Grafikdesigner, Texter und Lektor, Christian Vater Gymnasiallehrer,Autor und Verleger und T. G. Vömel ebenfalls Gymnasiallehrer, Autor und Verleger präsentieren neben anderen AutorInnen am 8.12. unter dem Motto „Mit euch nicht in einem Atemzug“ ihr Projekt „FAUN UND ZERFALL“

 

„Drei Autoren schicken sich sechs Postkarten im Kreis. Du weißt: Du bekommst eine Postkarte. Du beschreibst, überschreibst, schreibst sie fort und schickst sie an einen weiter, der sie wiederum beschreibt, überschreibt, fortschreibt, bemalt, beklebt und weiterschickt. Du weißt: Deine Karte, die du gerade geschrieben hast, gibt es bald nicht mehr. Sie wird aufgegriffen, weitergeführt, überformt. Was heißt das: Jede neue Schicht wird zum Sediment und du fragst dich am Ende: Was trägt?“

 

Wie funktioniert das? Schickt jeder Autor 2 Karten ab?
Wenn ja jede Karte überschrieben bzw. überklebt wird, wie lassen sich da gerade auch ausgehend von der Frage „Was trägt“ Erhalt und Veränderung überhaupt vermessen?

So lauteten unsere Fragen an den das Projekt betreuenden Vauvau-Verlag.

Hier die Antwort des Verlages:

In der Tat hat jeder Autor zu Beginn des Projektes zwei Postkarten gestaltet und gegenläufig zueinander losgeschickt, so dass am Ende sechs Postkarten-Zyklen entstanden sind. Der komplette erste Zyklus ist exemplarisch als Diashow auf der Startseite unserer Homepage zu sehen und sollte für eine ansprechende Konkretion sorgen.

Anhand dieses Zyklus lässt sich auch die zweite, für uns ebenfalls sehr zentrale Frage nach „Erhalt und Veränderung“ thematisieren:

Welche Elemente bleiben über mehrere Postkarten hinweg erhalten oder werden nur geringfügig modifiziert? Welche Elemente gehen verloren, werden nicht weitergeführt? Welcher Rhythmus prägt die Veränderung? Gibt es stabilere Phasen mit nur kleineren Veränderungen von Karte zu Karte – wir sprechen ja von Kontrafakturen – oder gibt es sehr starke Umbrüche? Wo gibt es diese Stabilitätszentren, wo die Umbrüche und warum gerade dort? Warum ist das so und was kommuniziert sich dadurch, kommuniziert sich zwischen Autoren und Lesern, aber auch zwischen den Autoren selbst, womit ich zuletzt bei der Interaktion der Autoren – ein zentrales Interesse unseres Verlages – angekommen bin. Die Interaktion der Autoren bringt eine Eigendynamik ins System, die sich in den Zyklenverlauf einschreibt. Nicht der einzelne Autor führt hier Regie, bestimmt darüber, was trägt, sondern gerade in der Interaktion entscheidet sich, was bleibt und was weichen muss.

 

Donnerstag, 8. Dezember 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,- Euro)
Mit euch nicht in einem Atemzug III
Autorenlesung mit mit Franz Tettinger, Christian Vater, T. G. Vömel, Bastian Winkler und Titus Meyer

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„In Berlin leben nach unseren Hochrechnungen ca. zehntausend Leute, die versuchen von und mit Literatur leben und für die wollen wir jetzt endlich ein Angebot schaffen, was zur Vernetzung der Branche  untereinander beiträgt, was zum Wissenstransfer beiträgt, also von der Szene, für die Szene …“

Originalbeitrag hier nachlesen!

 

„Wir sehen, wie die Existenzen von Autoren aussehen, wir wissen, zum Teil aus eigener Erfahrung, wie freie Lektoren arbeiten, freie Übersetzer usw. Wir haben das Bedürfnis entwickelt, durch Networking, durch gegenseitige Hilfe ein Forum ins Leben zu rufen, was die Leute bei ihrer wirtschaftlichen Existenz unterstützt.“

Bericht über das Branchentreff-Wochenende in der Lettrétage: Heute im Radio!

Lisa Lettrétage sprach anläßlich der Lesung am 8.12. mit Titus Meyer:

titusWas erwartet uns am 8.12.? Kannst Du uns schon mal ein Beispiel für ein Palindrom und ein Anagramm geben?

Palindrom: Nie deine Beruehrung. Nur Heu, Rebe. Nie dein.

Anagramm: Der schwarze Mann unter meinem Bett – Er erwartet mich, den Bann zu stemmen.

Woher kommt Deine Vorliebe für diese durchaus spielerisch anmutende Formgebung?

Naja, Spiel impliziert in meinen Augen immer eine Leichtigkeit, die das Ganze für mich überhaupt nicht hat. Irgendwie mag ich wohl das Ringen mit den strengen Formen, darum, wer wen schreibt, in welche Richtung die Leine eher zu betrachten ist. Ich schätze, es hat viel mit Ausbruch, mit der Schaffung und zugleich Überwindung einer Ohnmacht zu tun.

Welche Körperteile sollen aus der Wirklichkeit amputiert und neu zusammengesetzt werden?

Ihre Hände, mit denen sie uns fest im Griff hat und reziprokerweise auch Begreifen glauben macht, ihre Lungen, mit denen sie unser Denken mit Sinn beatmet. Mit Amputation derer meine ich sozusagen das Stoppen ihres Vergreifens an unserem Denken, das Stoppen der Zwangsbeatmung unseres Denkens. Neu zusammengesetzt werden die beiden dann vielleicht zu Hand-Lungen. Ein Begreifen, das nur so vor sich hinatmet. Oder ein Atem, der nach etwas greift und nie halten kann. Nutzlos, aber schön. Sämtliche Sinnschablonen sollen zerstört und Sätze in ihre Grundbausteine zerlegt werden, um sie anschließend wieder neu aufzubauen. (Nur dadurch, dass ich ja dann immer mit Buchstaben den Wiederaufbau beginne, und Buchstaben noch nahezu völlig frei von Bedeutung und mit nahezu nichts aufgeladen sind, Worte hingegen nicht, Wortgruppen erst recht nicht, fühle ich mich beim Errichten eines Gedichtes originell, so als hätte ich nichts hergenommen, das schon, wenn auch sehr wenig, vorverarbeitet wurde. Als hätte ich sämtliche Zutaten selbst angebaut.)

Naturverbundenheit ist doch eher idyllisch besetzt, Welche Schnittstellen zur Düsternis und zum Wahnsinn erwarten uns da?

Der fiktive Autor oder das lyrische Ich erlebt das zurückgezogene Leben in der Natur ja zunächst und grundeigentlich als pure Idylle, wird aber durch seine Kontaktlosigkeit, durch das stillebedingte sukzessive Abhandenkommen von Zeit und durch sein Kreisen und Pendeln in immer wieder nur sich selbst wie ein Anagramm, zunehmend wahnsinnig.

 

Donnerstag, 8. Dezember 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,- Euro)
Mit euch nicht in einem Atemzug III
Autorenlesung mit mit Franz Tettinger, Christian Vater, T. G. Vömel, Bastian Winkler und Titus Meyer

Wortschau: Interview

Lisa Lettretage —  5. Dezember 2016 — Kommentieren

Das Literaturmagazin „Wortschau“ veröffentlicht regelmäßig Gedichte und Kurzprosa zu  ausgesuchten Themen. Bei der Präsentation am 07.12. stellt die Herausgeberin Johanna Hansen den AutorInnen und dem Publikum die Frage: Wann waren Sie zuletzt im Paradies?

 

wortschau-bildLettretage: Johanna Hansen, wie war die Resonanz und die Beteiligung bei diesem Projekt?

Johanna Hansen: „Wir haben um die 50 Einsendungen erhalten, was für unsere Verhältnisse schon recht ordentlich ist.“

Lettretage: Nach welchen Kriterien wurden die Beiträge ausgewählt?

Johanna Hansen: „Wir haben den Fokus auch auf NewcomerInnen gelegt, also auf AutorInnen, die bisher eher wenig veröffentlicht haben. Es sind jüngere und ältere Talente darunter. Die Idee zur gemeinsamen Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Kultursalon Madame Schoscha, mit dem wir bereits zusammengearbeitet haben und der uns auf die Lettrétage aufmerksam gemacht hat.

Lettretage: Um welche Paradiese geht es? Wo lassen sich diese verorten?

Johanna Hansen: „Nun, lässt sich in einer derart zersplitterten individualisierten Welt überhaupt noch von einem einheitlichen Paradiesbegriff sprechen?

Wir werden an dem Abend dem Glück als Gemütszustand begegnen, also das, was Paradiessuchende ganz persönlich dafür halten. Es wird aber auch um konkrete Örtlichkeiten gehen, um Paradiesgärten im wahrsten Sinne, um Reiseerlebnisse, um Inseln, aber auch um ganz persönliche Rückzugsräume und um Überraschungsmomente, und natürlich auch um die Erinnerungen daran. Diese sind ja bekanntlich das Paradies, aus dem wir nicht mehr vertrieben werden können.

Ein Programm-Höhepunkt ist ein verfilmter Brief an Heinrich Heine, der als ganz persönliche Hommage an den Dichter und seine Suche nach Utopien entstanden ist und in Paris und Düsseldorf gedreht wurde. „Die Steine werden Pflanzen, die Pflanzen werden Tiere, die Tiere werden Menschen, und die Menschen werden Götter werden.“ Darin schimmert der Paradiesgedanke eines Vollkommenheitszustandes auf.  Heines „Reisebilder“ können als Wegmarken dieser Suche gelesen werden.

Lassen Sie sich überraschen.

Machen wir! Und Ihr? Seid Ihr dabei?

Mittwoch, 7. Dezember 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,- Euro)
Wann waren Sie zuletzt im Paradies?
Ein Abend über die Sucht nach dem Himmel auf Erden mit Autorinnen und Autoren der Literaturzeitschrift WORTSCHAU.

 

Sonntag, 04.12.2016
10:00-11:00 Uhr | Networking-Kaffee
11:00-13:00 Uhr | Panel  2: Digitalisierung und neue Berufsbilder
Mit: Volker Oppmann (log.os GmbH), Ines Zimzinski (DieHöragenten) und Falko Löffler (freier Game writer, Übersetzer), Andreas Wang (Journalist und Juror Sachbücher des Monats NDR Kultur/SZ), Andreas Schmiedecker (Moderation)
13:00-14:00 Uhr | Mittagspause
14:00-15:30 Uhr | Impulsworkshop 4: Stipendien mit Daniela Seel
16:00-17:30 Uhr | Impulsworkshop 5: Selfpublishing und Crowdfunding mit Ines Zimzinski
18:00-19:30 Uhr | Impulsworkshop 6: KSK, Haftungs- und Versicherungsfragen mit Alexander Schwarz
20:00-21:30 Uhr | Abschlussveranstaltung: Ich beziehe meine Weltsicht aus zweiter Hand. Live Action Lecture von Nazis & Goldmund. Mit: Jörg Albrecht, Thomas Arzt, Sandra Gugic, Thomas Köck und Gerhild Steinbuch.

Einzelberatungen: 14:00-18:00 Uhr (Anmeldung vor Ort)

Das Projekt WiSU und der Branchentreff Literatur 2016 werden von dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union (EFRE) und der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten gefördert.

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Samstag, 03.12.2016
10:00-11:00 Uhr | Networking-Kaffee
11:00-13:00 Uhr | Panel  1: Where are we now? Stand der Dinge in der freien Literaturszene, Networking, Lobbying, Vorstellung Verbände
Mit: Britta Jürgs (AvivA Verlag), Aurélie Maurin (freie Übersetzerin und Kuratorin), Eric Schumacher (Netzwerk freie Literaturszene Berlin e. V.), Michael-André Werner (freier Autor) und Andreas Schmiedecker (Moderation)
13:00-14:00 Uhr | Mittagspause
14:00-15:30 Uhr | Impulsworkshop 1: Projektmittelakquise mit Katharina Deloglu
16:00-17:30 Uhr | Impulsworkshop 2: Preisgestaltung, Angebotsstellung, Kundeakquisemit Jörg-Peter Riekert
18:00-19:30 Uhr | Impulsworkshop 3: Marktpositionierung, Profilschärfung und Kooperationen mit Andrea Margitics
20:00-21:30 Uhr | Impulsworkshop (Neu): VG Wort mit Henry Steinhau

Einzelberatungen: 14:00-20:00 Uhr (Anmeldung vor Ort)

Das Projekt WiSU und der Branchentreff Literatur 2016 werden von dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union (EFRE) und der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten gefördert.

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Foto: Renate von Mangoldt

Foto: Renate von Mangoldt

Freitag, 02.12.2016
20:00 Uhr Eröffnung des Ersten Branchentreffs Literatur
Mit Moritz Malsch (Begrüßungsworte), Birgit Kreipe (Lesung), Forde / Spallati / Mingarelli (Jazz-Trio, Klavier/Bass/Schlagzeug) & Networking

Das Projekt WiSU und der Branchentreff Literatur 2016 werden von dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union (EFRE) und der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten gefördert.

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Was soll der 1. Branchentreff der Berliner Literaturszene eigentlich bringen? Wer sich das fragt, bekommt Antworten von Moritz Malsch, der heute früh beim kulturradio vom rbb zu Gast war.

Hier zum Interview.

„Der Gedanke ist nicht: Hier sitzt ein unantastbarer Experte, der Fachchinesisch spricht, sondern: von der freien Szene für die freie Szene“

Der Branchentreff ist heute in der taz. Hier zum vollständigen Artikel.