Archiv: Lisa Lettretage

INTRE:TEXT live

Lisa Lettretage —  22. Mai 2017 — Kommentieren

Donnerstag bis Sonntag, 06. bis 09. Juli 2017, Vernissage und Finissage 19:00 Uhr, dazwischen begehbar (Eintritt frei)
Transforming Identities II
Ausstellung

Durch die steigende Mobilität der Weltbevölkerung reisen, arbeiten und leben auch Künstler_innen in einem stärker interkulturell geprägten Kontext als bisher. Das Konzept der persönlichen Künstleridentität wird dadurch beeinflusst. Heute leben immer mehr Künstler_Innen zwischen Kulturen und Identitäten und die Entstehung einer multiperspektivischen Sicht auf die Welt wächst stetig. Diese Idee der Welt des 21. Jahrhunderts reflektiert sich in der heutigen Kunst.

In der Ausstellung „Transforming Identities II“ beobachten und reflektieren KünstlerInnen ihre narzisstisch aufgeladene Idee von Identität und ihre Erfahrungen mit der Transformation ihrer Künstleridentität / Transidentität. Innerhalb einer formalistischen Ebene spielen die Künstler/innen mit verschiedenen Identitäten, welche sie auf der Suche nach einer neuen Realität zerstören, um ein neues Gebilde erstehen zu lassen: Ein künstlerisches Alter Ego. Bei der Entstehung dieses künstlerischen Alter Ego fordern
sie gleichzeitig ihre eigenen Vorstellungen und diejenigen der reflektierten Umwelt heraus. Das Resultat ist eine Multi-Perspektive – im Schnittpunkt zwischen konkretem und undefiniertem Raum. Eine Spiegelung, die hier und dort fokussiert, um neue Konstrukte entstehen zu lassen.

Transforming Identities I fand vom 02.09 bis 04.10. 2016 im Bulgarischen Kulturinstitut Berlin statt.

Akteure

Boriana Pertchinska ist 1974 in Sofia, Bulgarien geboren. 2009 zog sie nach Deutschland. Sie lebt und arbeitet heutzutage in Berlin. Sie hat eine Magistratur in Wandmalerei von der Nationalen Kunstakademie in Sofia, Bulgarien.Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und konkreter Form, wozu ihr Strukturen aus der Natur als Inspirationsquelle dienen. Technisch orientiert Pertchinska sich an den Arbeiten der „alten Meister“. Sie experimentiert auf der Basis dieser Techniken, die sie in ihre Handschrift interpretiert.

Desislava Deneva ist 1966 in Sofia, Bulgarien geboren. Sie hat Wandmalerei an der Nationalen Kunstakademie in Sofia absolviert und arbeitet auf dem Gebiet der Malerei, Grafik und Wandmalerei. Sie ist Mitglied der Union der bulgarischen Künstler. Desi Deneva hat ihre neue Ausstellung, die sie 2017 im Bulgarischen Kulturinsitut Berlin presentiert , „Die Naturgeschenke“ benannt. Es ist eine Art Allegorie der Frau verstanden als die ewige Eva, die Vitalität und Fruchtbarkeit verkörpert.

Marc Lingk ist 1964 in Berlin geboren. Er studierte Physik an der Technischen Universität Berlin und absolvierte ein Studium der Komposition an der Hochschule der Künste Berlin. Er komponierte Musikstücke für den Konzertsaal, Theater-, Tanztheater- und Filmmusiken und entwickelte elektronische und informatische interaktive Klanginstallationen und Klangobjekten in der Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern. An der Ausstellung „Transforming Identities“ wird er mit dem Klangobjekt „Sprachbox“, einem interaktiven Klangkunst-Objekt teilnehmen.

Jana Kasalová studierte Kunst und Malerei in Brünn und Prag, danach an der University of Southhampton (Prof. Vanessa Jackson) in Großbritannien. Im Jahr 2010 erreichte sie den PhD-Titel an der University of Castilla-La Mancha in Spanien. Sie erschafft Werke in vielen Kunstbereichen – Malerei, Skulptur, Installationskunst, Video und Fotografie. Ihre Arbeiten wurden in individuell oder als Teil von Gruppenausstellungen in Prag, Wien, München, Mailand, Barcelona, Madrid, New York und einigen weiteren Städten exponiert. Momentan lebt und arbeitet sie in Prag.

Joanna Hofbauer, 1971 in Polen geboren, ist Absolventin der Oberschule für Künste „Constantin Brancusi“ in Stettin / Polen. Mit Ihren Bildern verarbeitet sie den Traum von idealen Werten, Proportionen und Schönheit. Die Darstellung des weiblichen Körpers mit seiner naturgegebener Vollkommenheit und Schönheit bildet den Schwerpunkt ihrer Malerei. Ihre Arbeiten befinden sich in privaten Sammlungen in Polen, Österreich, Tschechien, den USA und Deutschland.

Aleksandr Keller ist 1989 in Samarkand, Usbekistan geboren und zog mit 16 mit seiner Familie nach Deutschland. Er beschäftigt sich mit der Malerei und der Bildhauerei, etwa veranstaltete er zwischen 2013 und 2014 zwei erfolgreiche Soloausstellungen in der Galerie „playing with eels“ in Berlin.

Marie-Thérèse Schreiber ist 1991 in Berlin geboren und lebt immer noch dort. Nach ihrem ersten Studium der Politikwissenschaft und Philosophie entschied sie sich, Europastudien mit dem Schwerpunkt Osteuropa zu studieren. Philosophisch ist ihr daran gelegen, Strukturen und Logiken zu erkennen, die alle Menschen miteinander teilen, die bei aller Transformation konstante Größen bleiben. Dies spiegelt sich in ihrer künstlerischen Arbeit wieder.

Freitag, 07. Juli 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
textes en routes
Lesung

„Es passiert ja auch immer etwas, wenn nichts passiert“, lautete einst der knappe Kommentar eines Dozenten an eine Studierende, die eine sogenannte Schreibkrise hatte. Inzwischen ist das Literaturinstitut in Biel 10 Jahre alt. Und es ist dann doch eine Menge passiert. Rund hundert Absolventen hat es hervorgebracht, viele von ihnen haben bei namhaften Verlagen publiziert und Preise erhalten. Das Schweizerische Literaturinstitut ist zu einer festen Größe in der deutschsprachigen Literaturlandschaft geworden. Aber was (ver)lernt man eigentlich genau an einem Literaturinstitut? Und wie lebt und schreibt es sich fort nach drei Jahren im abgeschiedenen Biel/Bienne?

Die Jubiläumstournee „textes en route“ findet ihren Abschluss in der Berliner lettrétage. Lesung und Gespräch mit Thomas Flahaut, Paula Fürstenberg, Matthias Nawrat und Lorena Simmel, Moderation: Aurélie Maurin. Mit großzügiger Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung und Pro Helvetia.

Morgen ist es nun endlich so weit: die Jazzlesung zu Fiston Mwanza Mujilas Debütroman „Tram 83“ steht bevor. Bereits vor wenigen Tagen erschien an höchstselbiger Stelle ja bereits ein Interview mit Saxophonist Ben Kraef, der gemeinsam mit Fyodor Stepanov, Marco Mingarelli und Denis Abrahams am 03. Mai auf Mujila und dessen Text treffen wird. Wir wollen also gar nicht noch einmal allzu viele Worte über die Charakteristik dieses außergewöhnlichen Werkes verlieren. Besser wäre es, man ließe einfach den Autor selbst sprechen.

Lettrétage: Ich fange mit der gleichen, ganz allgemeinen Frage an, die ich auch dem Rest der Gruppe gestellt habe: Welche Aspekte dieses Projektes beziehungsweise dieser Performance, überzeugte Sie, dem Event zuzustimmen?

Fiston: In meiner Heimatstadt spricht man Suaheli. In dieser Sprache schätze ich den Begriff „Makutano“. Es bedeutet der Ort der Begegnung. Leute treffen Leute, um sich über die Welt und die Gesellschaft auszutauschen. Unsere Jazzlesung ist Makutano. Jeder von uns kommt mit seiner Geschichte, seiner Einsamkeit, seinem Schicksal, seiner Poesie, seiner Freude und zusammen versuchen wir nicht den Turm zu Babel aber eine Zitadelle der Erwartung zu errichten. Denis Abrahams bringt seine Stimme, Ben Kraef am Tenorsaxphon, Fyodor Stepanov spielt Bass und Marco Mingarelli am Schlagzeug. Meine Hoffnung ist, dass die Performance nicht entweder als eine Lesung oder ein Konzert verstanden wird, sondern wie ein Gespräch zwischen Menschen. Was genau passieren wird, weiß ich noch nicht … weiterlesen…

Im Büro herrscht schon den ganzen April hindurch eine Heiden(vor)freude. Am Abend des dritten Mai gastiert bei uns der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila, der seinen erst im letzten Jahr in deutscher Übersetzung erschienenen Debütroman „Tram 83“ präsentieren wird. Das Werk stand unter anderem auf der Longlist des renommierten Man Booker Prize. Das wirklich bemerkenswerte an dieser Veranstaltung ist aber die Inszenierung des Textes, in ihrer Form so nur einmalig in der Lettrétage zu erleben: In Kooperation mit den Musikern Fyodor Stepanov (Bass), Marco Mingarelli (Schlagzeug) und Ben Kraef (Saxophon), sowie dem Sprecher Denis Abrahams wird eine Symbiose von Jazz und Literatur entstehen, die für alle Beteiligten ein Novum darstellt. Um uns über unsere Erwartungen an diese literarische Jazz-Performance klar zu werden, haben wir vorab mit Ben Kraef gesprochen.

Lettrétage: Ich beginne mit etwas Grundlegendem. Welche Aspekte des Projekts sind für Sie besonders interessant und haben Sie möglicherweise zur Zusage bewegt?

Kraef: Ich bin bei dem Projekt dabei, weil ich mich einerseits sehr für Literatur interessiere und gerne neue Autoren kennenlerne. Andererseits interessiere ich mich natürlich auch für Literatur, die sich in der einen oder anderen Form mit Musik und speziell Jazz befasst. Ein anderer Grund sind natürlich die anderen Musiker und dass ich bei einem Projekt in dieser Form auch noch nicht mitgemacht habe. weiterlesen…

„In der zweiten Klasse fahren Menschen. In der ersten fahren Sitze.“

Lisa Lettrétage liest aus „pinky helsinki“ in „faible?“ von Lütfiye Güzel © 2017 Go-Güzel-Publishing

In Vorfreude auf das Album Release Konzert am 30.03.2017 bietet Musikerin Miako Klein einen Einblick in AMA – eine Kollaboration aus MDuo (mit Michael Weilacher) und WARBLE (mit Brad Henkel).

1. Auf was für einen Abend können sich eure Zuschauer am 30. März freuen?
Miako Klein: Ich werde mit beiden Duos einzeln auftreten, eventuell spielen wir auch etwas zu dritt. Es wird von jedem Duo ein Set geben. Wir arbeiten in einem Bereich zwischen Komposition und Improvisation. Unsere Stücke entstehen eigentlich immer aus der Improvisation heraus und wir legen dann Strukturen fest. Man kann sich dies wie Klangräume vorstellen, in denen wir improvisieren. In diesen Bereichen bilden wir dann Übergänge zum nächsten Klangraum, in dem wir mit bestimmtem Klangmaterial improvisieren. Wir legen praktisch unseren Rahmen fest und können uns darin frei bewegen. Zu hören gibt es außerdem ein Stück vom Komponisten Amir Shpilman. Unsere Zuhörer können sich auf experimentelle und Neue Musik freuen.

© Carolin Röckelein

2. Was bedeutet der Albumtitel „AMA“?
MK: AMA ist ein japanischer Titel. Ama (übersetzt: „Meeresfrauen“) sind japanische Meerestaucherinnen, die ohne Taucherausrüstung – früher unbekleidet – Muscheln, Perlen und verschiedenste Meeresfrüchte sammeln. Sie können dabei bis zu 30 Meter tief zum Meeresgrund tauchen. Ama ist eine alte Tradition, die mittlerweile jedoch langsam ausstirbt. Ich finde den Titel AMA so spannend, weil dies eine vor allem weibliche Tradition ist, die schon über 2000 Jahre lang fortdauert. Da der weibliche Körper einen höheren Fettanteil besitzt und somit besser wärmt, wurde diese Tradition familienintern nur an Frauen weitergegeben. Die Verbindung zur Musik ist für mich der Klang der Unterwasserwelt: das Meeresrauschen, der langsame Fluss der Zeit, man nimmt die Welt ganz anders wahr. Was ich außerdem spannend finde ist, dass Ama beim Auftauchen tiefe Laute und Pfeifgeräusche („Isobue“) ausstoßen, um den Druck vom langen Luftanhalten auszugleichen. Lange genossen die gut verdienenden Ama-Taucherinnen ein hohes Ansehen aufgrund ihrer Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Ich finde das Gesamtbild der Ama-Tradition so spannend, deswegen habe ich es als Titel gewählt.

3. MDuo und WARBLE performen und experimentieren musikalisch sehr unterschiedlich. Lässt sich in AMA ein gemeinsamer Boden beider Stile erkennen oder harmonieren die beiden Charaktere auch nebeneinander sehr gut?

© Miako Klein

MK: WARBLE (Blockflöte + Trompete) arbeitet viel mit Verstärkung der Instrumente und experimentiert mit dem Material Instrument und Klangmaterial, sehr gering nur mit analogen Effekten. Einfach gesagt ist unser Feld Instrument + Verstärkung. Wir nehmen auch die Instrumente auseinander und spielen nur auf Teilen von ihnen. Das Innenleben unserer Instrumente machen wir auch akustisch wahrnehmbar, indem wir das Mikrofon fast in dem Musikinstrument platzieren und somit die verschiedenen Rauschklänge verstärken. Klanglich nähern sich Brad und ich uns teilweise so an, dass man nicht mehr unterscheiden kann, wer nun was spielt – so können wir kommunizieren. Wir suchen nach Klängen, die zusammenpassen. Obwohl Trompete und Blockflöte einen sehr unterschiedlichen Charakter haben, stelle ich immer wieder fest, wie toll sie sich klanglich mischen können.

© Carolin Röckelein

Bei Mduo (Blockflöte + Percussion) war das Experimentierfeld zunächst in der Instrumenten- und Klangmaterialsuche. Während bei mir die Instrumente mehr oder weniger beständig bleiben, hat Michael auf seinen Percussion natürlich eine endlose Auswahl an Klangmaterial. Er kam dann auf die Idee Plexiglasscheiben zu verwenden, was unglaublich toll klingt. Wenn ich mir die Musik aus dieser gebogenen Plexiglasscheibe anhöre ist so ein beruhigender Rhythmus, für mich hat das fast etwas pränatales an sich – wie ein Herzschlag. Besonders hier findet sich auch die Verbindung zur Meerestiefe und ihren Klängen.

In AMA ergänzen sich diese beiden Ensembles wirklich wunderbar. Ich habe an der Akademie Schloss Solitude die Möglichkeit bekommen, die Stücke beider Ensembles zusammenzubringen und das Album bei ihnen zu produzieren. Es sind beides Stücke von über 20 Minuten, dazwischen habe ich einen Ausschnitt aus John Cages‘ „Ryoanji“ gesetzt, da dies sehr passend war. Somit ist AMA sogar eine Triologie aus drei Stücken, die sich in einem dramaturgischen Spannungsbogen unglaublich gut ergänzen. Daher entstand die Idee, die beiden Duos auf einem Album zu vereinen, anstatt zwei CDs zu produzieren.

Ein kleiner Gruß an eure Zuschauer am 30. März:
MK: Sich öffnen und darauf einlassen, das ist bei der Musik das Wichtigste. Dadurch nimmt man am meisten mit. Wir freuen uns auf Euch!

Hier ein paar Eindrücke auf das, was euch am nächsten Montag den 20.März beim Künstlerprojekt LIEBESBLIND erwartet!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Bernhard Ludewig

Hier geht es zur Veranstaltung:

20.03. | Liebesblind, erster Teil: Widerrechtliche Inbesitznahme

03.05. | Tram 83

Lisa Lettretage —  15. März 2017 — 1 Kommentar

Mittwoch, 03. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt 8,-/erm. 6,-)
Tram 83 – Jazzlesung mit Fiston Mwanza Mujila
Literarische Jazzperformance

Mit: Fiston Mwanza Mujila (Autor, Rep. Kongo/Österreich)
Denis Abrahams (Sprecher und Schauspieler, Deutschland)
Ben Kraef (Saxophon, Deutschland)
Marco Mingarelli (Schlagzeug, Italien)
Fyodor Stepanov (Kontrabass, Russland)

Moderation: Linde Nadiani (Lettrétage e. V.)

© Leonhard Hilzensauer/Paul Zsolnay Verlag

Der Debütroman des in Graz lebenden kongolesischen Autors Fiston Mwanza Mujila erschien im Sommer 2016 endlich in der deutschen Übersetzung von Katharina Meyer und Lena Müller. Autor und Buch genießen seitdem große mediale Aufmerksamkeit, zu Recht wie wir finden. Bereits im Jahr 2014 arbeitete das Literaturhaus Lettrétage mit Fiston Mwanza Mujila zusammen, im Rahmen des Schüler-Projekts ¿comment! – Lesen ist schreiben ist lesen. Dieses Projekt generierte auch die erste Übersetzung einiger Seiten des Buches aus dem Französischen ins Deutsche. Ein Grund mehr, diesen erfolgreichen und äußerst spannenden Debütroman in der Lettrétage vorzustellen!

Einer der programmatischen Schwerpunkte des Literaturhauses Lettrétage ist im Jahr 2017 die interdisziplinäre Kollaboration zwischen AutorInnnen und AktuerInnen verschiedenster Kunstsparten der Berliner und internationalen freien Szene. Am 03. Mai 2017 wird eine performative Jazzlesung entstehen: Der Autor, ein deutscher Sprecher sowie drei internationale und in Berlin lebende Musiker treffen im Rahmen zweitägiger Proben aufeinander, um das Buch „Tram 83“ in ein einzigartiges musikalisches und literarisches Erlebnis zu verwandeln.

Durch gemeinsame Aktion vor Ort entsteht ein rhythmisches und komplexes Muster aus Stimmen, Klängen, Text und Jazz-Melodien. Für einen Abend wird das Berliner Publikum somit in den Nachtclub des Romangeschehens hineinversetzt.

Mit freundlicher Unterstützung des Österreichischen Kulturforum Berlin

Donnerstag, 04. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,-/erm. 4,-)
Dass wir uns haben
Luise Maier liest aus ihrem Romandebüt

 

„Ich hatte mir aus Mutters Schreibtisch ein Notizheft geklaut. Dort schrieb ich hinein: Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. […] Bis alle Seiten gefüllt waren.“

© Nora Longatti

Wenn ein junges Mädchen zu einer Erzählung über ihre Familie ansetzt und dabei eine solche Episode als Einstieg wählt, ist das wohl Anlass zur Sorge. Und in der Tat ist Luise Maiers Debütroman „Dass wir uns haben“ angefüllt mit Berichten über häusliche Gewalt, tiefe Verzweiflung und dysfunktionale Abhängigkeiten. Die namenlose Ich-Erzählerin liefert einen Report über ihre eigene Kindheit auf dem Land, der im Wesentlichen als Kammerspiel mit vier Beteiligten konzipiert ist: Mutter, Vater, Bruder und Protagonistin existieren fast ausschließlich in Bezug aufeinander und bringen es doch nicht fertig, dieses Verhältnis untereinander zu artikulieren. Die Folge ist Sehnsucht nach Nähe, genauso wie die Erfahrung von Gewalt – ein Spannungsverhältnis, an dem die Familie langsam zerbricht. Die junge Tochter der Familie erzählt die schnelle Abfolge an Episoden mit einer Distanz, fast schon Indifferenz, die den Leser paradoxerweise direkter trifft als jeder andere denkbare Ansatz. Das widersprüchliche Verhältnis von Nähe und Distanz im Umgang der Figuren untereinander wird von Maier famos in die sprachliche Gestaltung des Textes übersetzt.

Luise Maier wurde 1991 in Schardenberg in Österreich geboren und wuchs im niederbayerischen Vilshofen auf. Sie studierte ab 2012 am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne, wo sie auch heute noch lebt. Nach Veröffentlichungen verschiedener Texte u.a. in der Liesettelittéraire, der BELLA triste und den horen erschien ihr Erstling „Dass wir uns haben“ 2017 beim Wallstein Verlag.