Archiv: Mai 17

03.05. | Tram 83

Lisa Lettretage —  15. März 2017 — 1 Kommentar

Mittwoch, 03. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt 8,-/erm. 6,-)
Tram 83 – Jazzlesung mit Fiston Mwanza Mujila
Literarische Jazzperformance

Mit: Fiston Mwanza Mujila (Autor, Rep. Kongo/Österreich)
Denis Abrahams (Sprecher und Schauspieler, Deutschland)
Ben Kraef (Saxophon, Deutschland)
Marco Mingarelli (Schlagzeug, Italien)
Fyodor Stepanov (Kontrabass, Russland)

Moderation: Linde Nadiani (Lettrétage e. V.)

© Leonhard Hilzensauer/Paul Zsolnay Verlag

Der Debütroman des in Graz lebenden kongolesischen Autors Fiston Mwanza Mujila erschien im Sommer 2016 endlich in der deutschen Übersetzung von Katharina Meyer und Lena Müller. Autor und Buch genießen seitdem große mediale Aufmerksamkeit, zu Recht wie wir finden. Bereits im Jahr 2014 arbeitete das Literaturhaus Lettrétage mit Fiston Mwanza Mujila zusammen, im Rahmen des Schüler-Projekts ¿comment! – Lesen ist schreiben ist lesen. Dieses Projekt generierte auch die erste Übersetzung einiger Seiten des Buches aus dem Französischen ins Deutsche. Ein Grund mehr, diesen erfolgreichen und äußerst spannenden Debütroman in der Lettrétage vorzustellen!

Einer der programmatischen Schwerpunkte des Literaturhauses Lettrétage ist im Jahr 2017 die interdisziplinäre Kollaboration zwischen AutorInnnen und AktuerInnen verschiedenster Kunstsparten der Berliner und internationalen freien Szene. Am 03. Mai 2017 wird eine performative Jazzlesung entstehen: Der Autor, ein deutscher Sprecher sowie drei internationale und in Berlin lebende Musiker treffen im Rahmen zweitägiger Proben aufeinander, um das Buch „Tram 83“ in ein einzigartiges musikalisches und literarisches Erlebnis zu verwandeln.

Durch gemeinsame Aktion vor Ort entsteht ein rhythmisches und komplexes Muster aus Stimmen, Klängen, Text und Jazz-Melodien. Für einen Abend wird das Berliner Publikum somit in den Nachtclub des Romangeschehens hineinversetzt.

Mit freundlicher Unterstützung des Österreichischen Kulturforum Berlin

Donnerstag, 04. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,-/erm. 4,-)
Dass wir uns haben
Luise Maier liest aus ihrem Romandebüt

 

„Ich hatte mir aus Mutters Schreibtisch ein Notizheft geklaut. Dort schrieb ich hinein: Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. […] Bis alle Seiten gefüllt waren.“

© Nora Longatti

Wenn ein junges Mädchen zu einer Erzählung über ihre Familie ansetzt und dabei eine solche Episode als Einstieg wählt, ist das wohl Anlass zur Sorge. Und in der Tat ist Luise Maiers Debütroman „Dass wir uns haben“ angefüllt mit Berichten über häusliche Gewalt, tiefe Verzweiflung und dysfunktionale Abhängigkeiten. Die namenlose Ich-Erzählerin liefert einen Report über ihre eigene Kindheit auf dem Land, der im Wesentlichen als Kammerspiel mit vier Beteiligten konzipiert ist: Mutter, Vater, Bruder und Protagonistin existieren fast ausschließlich in Bezug aufeinander und bringen es doch nicht fertig, dieses Verhältnis untereinander zu artikulieren. Die Folge ist Sehnsucht nach Nähe, genauso wie die Erfahrung von Gewalt – ein Spannungsverhältnis, an dem die Familie langsam zerbricht. Die junge Tochter der Familie erzählt die schnelle Abfolge an Episoden mit einer Distanz, fast schon Indifferenz, die den Leser paradoxerweise direkter trifft als jeder andere denkbare Ansatz. Das widersprüchliche Verhältnis von Nähe und Distanz im Umgang der Figuren untereinander wird von Maier famos in die sprachliche Gestaltung des Textes übersetzt.

Luise Maier wurde 1991 in Schardenberg in Österreich geboren und wuchs im niederbayerischen Vilshofen auf. Sie studierte ab 2012 am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne, wo sie auch heute noch lebt. Nach Veröffentlichungen verschiedener Texte u.a. in der Liesettelittéraire, der BELLA triste und den horen erschien ihr Erstling „Dass wir uns haben“ 2017 beim Wallstein Verlag.

 

 

Sonntag, 14. und 21. Mai 2017, 10:00 bis 17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
Erfolgreich Projektanträge stellen
Workshop

mit Katharina Deloglu

Ob Lesereihe in der Kiezkneipe oder Literaturfestival, ob Autorenkonferenz oder Hörspiellabor – für Berliner Literaturveranstalter*innen gibt es zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten aus öffentlichen Mitteln. Doch welche passt zum geplanten Projekt? Was muss ich bei der Antragstellung unbedingt beachten, was vermeiden? Wie erstelle ich einen realistischen Finanzplan? Was verbirgt sich hinter „Kofinanzierung“, „Fehlbedarf“ und „Eigenleistung“? Wie überhaupt entwickle ich ein Projekt, das meinen persönlichen Kompetenzen entspricht und wo finde ich – wenn nötig – die geeigneten Partner?

Nach einem Überblick über das Spektrum an Finanzierungsmöglichkeiten für Literaturveranstaltungsprojekte (Kommune, Land, Bund) und einer Checkliste formaler Kriterien sehen wir uns den Antrag und seine einzelnen Bestandteile gründlich an. Wir lernen Projektmittel-Ausschreibungen genau zu lesen und zu verstehen und betrachten exemplarisch erfolgreiche geförderte Projekte. Eine Analyse des eigenen Antragsteller-Profils und ein erster Entwurf eines eigenen Projektantrags runden den zweitägigen Workshop ab.

Wer möchte, kann gern einen eigenen Projektentwurf mitbringen.

Anmeldungen bitte bis 21.04.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Katharina Deloglu studierte Komparatistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Mainz, Tours und Madrid und promovierte an der HU Berlin in Neuerer Deutscher Literatur. Bis 2005 war sie als Kultur-Journalistin für u.a. SZ, FR, NZZ, F.A.Z, 3sat Kulturzeit und als freie Mitarbeiterin des Goethe-Instituts Frankfurt tätig. Als Mitgründerin und -betreiberin der Lettrétage ist sie seit 2006 zuständig für die Konzeption und Umsetzung des laufenden Veranstaltungsprogramms sowie die Fördermittelakquise und Leitung verschiedener internationaler Projekte, zuletzt CROWD – CReating Other Ways Of Dissemination und CON_TEXT. Jurytätigkeiten: Autorenstipendien des Berliner Senats 2011, Anna Seghers-Preis 2012.

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.

 

 

Montag, 15. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,- / erm. 4,-)
Stella maris
Vorstellung des neuen Romans von Isabella Feimer

Die Menschheit hat die Grenzen des ihr bekannten Himmels überschritten, die Erde ist zu einer Nichtigkeit geworden, der Mensch selbst seines die Nacktheit beschützenden Schleiers beraubt.

Eva hat in sich Geschichten vieler Epochen und unterschiedlicher Orte versammelt. Ihre Erinnerung ist der einzige Ort, der keine Begrenzung kennt. Evas Erinnerungsfragmente fügen sich mosaikartig zu einem überbordenden Gemälde, in dem sich ihre Erlebnisse in Rom und Paris verdichten. Zwischen den antiken Ruinen Roms, die immer noch vergangene Seelen in sich tragen, wuchern Angst und Faschismus in Richtung des nahenden Krieges. Jahrzehnte später in Paris sieht sich Eva erneut mit einer Epoche der Gewalt konfrontiert, in der dem vorherrschenden Terror nur mit Anarchie und der Überschreitung einer Liebe begegnet werden kann. Doch es scheint, als hätte Eva ihren Leitstern, den Stella maris, verloren.

In poetisch-bildhafter Sprache, die zwischen Schönheit und Grausamkeit changiert, erzählt Isabella Feimer eine Höllenfahrt durch Zeit und Raum, die beginnend mit der Renaissance in eine futuristische Welt führt.

Leseprobe:

„Erde, der verblasste, aufgebrauchte Planet, der längst aus unserem Sichtfeld verschwunden ist, manchmal sehe ich das strahlende Blau noch vor mir pochen, diesen kostbaren Saphir, Blau der Erinnerung, das mit jedem neuerlichen Blick in Veränderung ist, wechselt von einer Gestalt in eine andere,

ein Stück Seide aus einem Kleid gerissen,

eine Blume zum Trocknen unter ein Kissen gelegt,

eine Liebeserklärung niemals gemacht,

Erde ist diese optische Täuschung, in der ich mich verliere, und verloren bin ich seit langer Zeit, dennoch, vielleicht einer letzten Sehnsucht folgend, tupfe ich mit den Fingerspitzen in das Blau und spüre, dass ich darin versinke, eins werde mit dem Element,

so sehe ich mich, nicht das Leben, das ich führen muss,

ein maskiertes Ich lächelt mir im Taschenspiegel, den ich immer bei mir trage, ein Schmuckstück aus einer vergessenen Zeit, und die Ornamente, die ihn zieren, zieren auch meine Gedanken an diese Zeit,

noch zähle ich die Tage der Mission und ritze mir jeden Tag, der vergangen ist, mit den Nägeln in mein Herz.“

Über die Autorin:

© Manfredo Weihs

Isabella Feimer wurde 1976 geboren und wuchs in Schwechat, Niederösterreich, auf. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Theaterregisseurin und Schriftstellerin. Sie verfasste bisher Romane, Kurzgeschichten, Reiseprosa und Theatertexte. 2012 Nominierung bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur, 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Akademie Graz, 2013 und 2015 Nominierung für den Alpha-Preis, 2013 Kulturpreis des Landes Niederösterreich, Anerkennungspreis Literatur. 2014 Stadtschreiberin von Schwaz, Tirol. 2015 erschien der Roman Trophäen bei Braumüller, und 2016 erhielt sie das Hans Weigel Stipendium des Landes Niederösterreich.

In einem Interview mit Telegramme erzählt sie: „Ich bin sehr glücklich, dass ich Stella maris geschrieben habe, nicht nur deshalb, weil ich endlich den Hauch Science-Fiction geschrieben habe, wie es schon lange mein Wunsch war, sondern auch deshalb, weil es mir für mich gelungen ist, komplexe Handlungsstränge zwischen Zeit und Raum und deren Negation zu verknüpfen und mich sprachlich wieder ein Stück weiterzuentwickeln.“ Hier geht es zum Interview, in dem Sie mehr über „Stella maris“ erfahren können.

Dienstag, 16. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt: 5,- / erm. 4,-)
Versetzter Stein
Lesung mit Nikola Madzirov und Denis Abrahams

Nikola Madzirov, 1973 in Strumica / Mazedonien geboren, hat drei Gedichtbände veröffentlicht. Er war Stipendiat in Berlin, an der University of Iowa und Gast der Villa Waldberta in München. Derzeit hält Madzirov sich als Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin auf.

»Ein Überbleibsel eines anderen Jahrhunderts sind wir«–schreibt Nikola Madzirov in einem seiner Gedichte,und Adam Zagajewski kommentiert: »–und wie kaum ein anderer vermag er uns zu überzeugen. Wir sollten auf diesen Dichter hören!« Mit diesem ersten Gedichtband in deutscher Übersetzung wird endlich dieser mazedonische Autor vorgestellt, der auf der ganzen Welt begeisterte Leser gefunden hat. Mit überraschenden Bildern und einer bezwingenden Klarheit vermisst er die Welt neu – die Kindheit, seine Heimat, seinen Glauben: »Ich will wachsen wie wildes Gras, das die Überbleibsel / unserer Kindheit umarmen wird, / eins sein mit dem Eis, dem Wasser / dem Dampf, der Leere …«

Denis Abrahams liest die deutschen Übersetzungen der Gedichte. Anschließend gibt es ein Gespräch mit dem Autor auf Englisch.

 

Montag bis Freitag, 15.- 19. Mai 2017, 10:00 bis 17:00 Uhr (Eigenbeitrag 60,-)
Buchhaltung für Kreative
Workshop

mit Hans-Christian Schmidt

Gerade für Freiberufler und Selbständige ist es notwendig, die Grundregeln der Buchhaltung zu kennen und zu beachten. Um Ihre Kreativität erfolgreich auszuleben werden Sie auf Sachkenntnis in schnöden Geldfragen nicht ganz verzichten können! Nur so ist es Ihnen möglich, ordnungsgemäße und nachvollziehbare Abrechnungen für Verwaltungen und Förderer zu erstellen. Die gute Nachricht: Alles halb so schlimm! Wenn Sie ein paar Dinge richtig machen, wird Ihr erstes Projekt nicht Ihr letztes bleiben.

Sie werden die Grundbegriffe der Buchhaltung erlernen, von der Einnahmen-Überschuss-Rechnung über das Kassen- und das Bankbuch bis hin zu Steuergesetzgebung, DATEV-Kontenrahmen und einem Liquiditätsplan. Bald können Sie Kosten und Kostenstellen unterscheiden und einordnen, und auch mit Inventarlisten und Möglichkeiten zur Abschreibung (hier lässt sich einiges sparen!) wissen Sie dann umzugehen.

Die Zusammenhänge werden dabei an Hand von Planspielen verdeutlicht, um wichtige Unterlagen korrekt und sicher zu erstellen. Nicht nur fürs Finanzamt, sondern auch für Ihren eigenen Überblick!

Anmeldungen bitte bis 21.04.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Hans-Christian Schmidt ist Diplom-Betriebswirt, Diplom-Pädagoge und Mitglied im Prüfungsausschuss der Steinbeis-Hochschule Berlin (SHB). Er unterrichtet an Volkshochschulen, Fachhochschulen und verschiedenen Lehrinstituten und Akademien in Berlin, Brandenburg und ganz Deutschland und veröffentlichte mehrere Bücher zu Themen der Buchhaltung und -führung in verschiedenen bekannten Fachbuchverlagen.

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.

 

 

18.05. | JENNY

Lisa Lettretage —  26. April 2017 — Kommentieren

Donnerstag, 18. Mai 2017, 20:00 Uhr
Blau, Blau, Blau ist meine Lieblingsfarbe
Lesung aus der vierten Ausgabe der Literaturzeitschrift JENNY

Glamour aus Wien zu Gast in Berlin: JENNY tourt durch Deutschland und legt natürlich auch in Berlin einen Stopp ein.

An diesem Abend lesen für euch: Helene Bukowski, Luca Manuel Kieser, Oravin, Frank Ruf und Jan Skudlarek. Die Zuhörer erwarten Geschichten und Verse von brachialer Liebe, sanfter Entrückung und bizarrer Courage – heftige Körperlichkeiten, vom Fleck weg Gestyltes, bezaubernde Eitelkeiten und brandgefährliche Coolness sind zu erwarten. Kurz gesagt: die hohe Literatur, nur ein bisschen fetziger, mit Schirmchen drin.

Einmal im Jahr erscheinen Texte der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur in dem aufwändig gestalteten Magazin, das in Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst in Wien erscheint und von einem kleinen Redaktionsteam aus Studenten des Instituts für Sprachkunst herausgegeben wird. JENNY ist blau, neunmalklug, über 100 Seiten stark und schön wie ein Buch.

Freitag, 19. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
„Sprachkunst aus dem Ritterverlag “
Lesung

Moderation: Florian Neuner
Unterstützt durch: BKA-Kunstsektion
Ritterverlag

Es lesen:

© Schweiger

Stefan Schweiger: liegen bleiben

„liegen bleiben“ ist die Ausfaltung eines Verlusts, der den Protagonisten sukzessive in einen stuporösen Zustand gleiten lässt. Der Textfluss, der über weite Strecken eine Dialogform zwischen Lebenden und Toten bedient, löscht die Welt des Erzählers nach und nach aus. Der Erzähler als ein von der Möglichkeit zu enden Besessener erinnert nicht nur den Tod des anderen, sondern seinen eigenen in einer treibenden Bewegung von der Zukunft wie auch von der Vergangenheit aus auf die Gegenwart zu. In einer Welt fortwährender Zerstreuung erscheint „liegen bleiben“ schließlich als einzig mögliche Alternative zum Vergessen. Stefan Schweigers Prosa ist ein lakonisch-monumentales memento mori, gerichtet an eine Gesellschaft, die Funktionieren über das Denken stellt. In staunenswerter Prägnanz und mit hintersinnigem Humor dekliniert der Autor Sprechweisen heutiger intentionsloser Hyperaktivität und chronischer Überfordertheit und lässt diese konterkarierend ins Leere laufen. „liegen bleiben“ ist eine minuziöse poetische Arbeit zum Sprach- und Bewusstseinsstand der Zeit wider das Geraune eines anything goes. (© Schweiger)

Stefan Schweiger lebt und publiziert nach dem Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft seit 1991 als Sozialpsychologe und freier Autor in Berlin. Regelmäßige Buchveröffentlichungen, zuletzt „Trennungsmuster“ gemeinsam mit Jordis Brook (2014) sowie zahlreiche Beiträge in Anthologien, Gemeinschaftsprojekten u. Literaturzeitschriften. Im Ritter Verlag erschienen: „Kiefer. Fäden. Shoah“ (2009), „ruptus. marktgeschehen“ (2012), „liegen bleiben. prosa“ (2016).

© BURQAMASCHINEN

D. Holland-Moritz: The Daily Planet. Ein Para-Feuilleton.

The Daily Planet“ versammelt ein Best Of von D. Holland-Moritz’ Kurzprosa der letzten Jahre zu einer literarischen „Konzeptzeitung“ mit „Leitartikeln“, „Breaking-News“, „Reisebeilagen“ und einem Fortsetzungsroman à la Perry Rhodan, um das zu berichten, was sonst keine Nachrichten bringen. Als Aficionado streift der Autor durch Galerien und Musik-Clubs (West-)Berlins und kreiert, deren Events und Protagonisten kommentierend, eine kühn mäandernde Form der Kritik, in die persönliche Spurensuche und Zeitanalyse eng verwoben sind. Rückblicke bis in die 1960er führen über eine Szene-Chronik zwischen hochfliegenden Ideen und substanzbedingten Abstürzen hinaus und rufen ein widerständiges Denken in Erinnerung, das stets über die Segregationsgrenzen des Undergrounds hinausreicht. Holland-Moritz’ Recherche nach Gegenkonzepten jenseits von Freiheitsschimären und obsoleter Idyllen setzt die Programme seiner letzten Bücher „Fan Base Pusher“ und „Promoter“ fort: Das heiter-melancholische, intelligent-angriffige Journal „The Daily Planet“ empfiehlt sich als Leitmedium für die konsequente Arbeit am eigenen ästhetischen und politischen Bewusstsein – ein Leben lang. (© BURQAMASCHINEN)

D. Holland-Moritz, geb. 1954 in Solingen, lebt als Germanist und freier Autor in Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen und Leseperformances seit 1983. Regelmäßig in perspektive – hefte für zeitgenössische literatur (Graz/Berlin) publizierend und mit perspektive literatur berlin e.V. operativ tätig. Unterhielt bis 2015 mit dem Publizisten Ralf B. Korte und dem Verleger Uwe Warnke den Literatursalon TEXT TOTAL. Im Ritter Verlag erschienen: „Fan Base Pusher“ (2008), „Promoter“ (2011), „The Daily Planet. Ein Para-Feuilleton“ (2017).

© Zauner

Hansjörg Zauner: 99.144 gedichtnasenlöcher schießen auf mich bis alles paßt

Hansjörg Zauner ist ein Dichter von staunenswerter Konsequenz, der sich auf einige wenige sprachmanipulative Verfahren konzentriert, die er in stets neuen Facetten und auf exzessive Weise anwendet. Geradezu ein Markenzeichen seiner Kunst ist das Auf-die-Spitze-Treiben komplexer Wortzusammensetzungen, die nach dem Maßstab herkömmlicher Semantik aberwitzig erscheinen. Alles scheint mit allem verbunden und kombinierbar, ohne Unterschied paaren sich Materialien, Gerätschaften, Pflanzen, Tier und Mensch. Im vorliegenden Gedichtband irrlichtern solcherart Monstra durch Kompanien ebenförmiger Langzeilen in Strophenformation dahin. Gegenläufig zur abstrakten Gliederung treibt der Autor ein anarchisches Wortbildungsspektakel zur Erschaffung eines schroffen, eigengesetzlichen Sprachuniversums. Hansjörg Zauners schier unstillbarer Drang nach immer neuen Kompositakreationen bereitet jeglicher Übung linearen Lesens den Garaus. Das Nachspüren der kreativen Energien seiner beispiellosen Materialausbreitung verspricht ein Lektüreerlebnis von selten erreichter Intensität. (© Zauner)

Hansjörg Zauner, geb. 1959 in Salzburg, lebt in Wien und Obertraun. Dichtung, visuelle Arbeiten, Kurzfilme, Herausgebertätigkeit. Im Ritter Verlag erschienen: „mein mund das saegeloch handtuch“ (1997), „die tafel schreibt. gedichte. Mit einem Essay von Franz Josef Czernin“ (2012), „sie ist im lieblingssong mit skistöcken als lächeln hängengeblieben“ (2013), „99.144 gedichtnasenlöcher schießen auf mich bis alles paßt“

Florian Neuner, geboren 1972 in Wels, lebt in Berlin. Sein Arbeitsschwerpunkt als Publizist ist die Neue Musik. Im Klever Verlag (Wien) gibt er die Zeitschrift Idiome. Hefte für Neue Prosa heraus und hat dort zuletzt das Buch Satzteillager veröffentlicht. Im Verlag Peter Engstler ist 2013 unter dem Titel Moor (oder Moos) eine „den Inseltexten vorgelagerte Textinsel“ erschienen. – Im Ritter Verlag erschienen: „Jena Paradies“ (2004) und „Zitat Ende“ (1997).

Samstag, 20. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
INTRE:TEXT live
Digitale Ausstellung und musikalische Installation von Werken von Maren Kames, Charlotte Warsen, T.G. Vömel, Christian Vater, Barbara Wrede und Falk Nordmann; Sound: Sabine Wortmann, Programmierung: Gregor Weichbrodt

 

© Falk Nordmann

Ein Text steht nie für sich allein. Wenn das für Sie nach einem unsäglich abgedroschenen Einstieg klingt, dann schlichtweg, weil es einer ist. Natürlich kann die Vielfalt der Arten, auf die Werke verschiedener Autoren zueinander in Beziehung stehen, nicht geleugnet werden. Was die westliche Literaturwissenschaft erst im 20. Jahrhundert nennenswert aufgriff, machte sich aber die japanische Literatur schon vor hunderten von Jahren ganz praktisch zu eigen: die Rede ist vom Prinzip des japanischen Kettengedichts.

Wir haben uns in Kooperation mit dem Berliner vauvau-verlag vorgenommen, produktiv an diese Tradition anzuknüpfen. Zusammen mit einem kleinen Kreis teilnehmender AutorInnen und KünstlerInnen wurde Anfang 2017 das Format INTRE:TEXT ins Leben gerufen. Ziel des interdisziplinären Projekts war es, die Teilnehmenden ganz explizit zur produktiven Reaktion aufeinander einzuladen. Die Beiträge sind auf der Projektseite intretext.lettretage.de nachzulesen und nachzuschauen.

Für die Live-Installation des INTRE:TEXTs haben wir einen Autoren mit Schwerpunkt auf digitaler Literatur und eine Musikerin eingeladen, die Beiträge der Webseite weiterzuverarbeiten. Das Prinzip Kettendichtung wird also ein weiteres Mal übersetzt – vom stillen Kämmerlein der Produktion hinein in die Welt der Live-Rezeption in den Räumen am Mehringdamm 61.

Die Teilnehmenden

Maren Kames wurde 1984 in Überlingen am Bodensee geboren. Sie studierte Kulturwissenschaften, Philosophie und Theaterwissenschaften in Tübingen und Leipzig, danach am Institut für Literarisches Schreiben in Hildesheim. 2016 erschien ihr literarisches Debut „HALB TAUBE HALB PFAU“. Auszüge daraus gewannen bereits 2013 den Publikumspreis des 21. Open Mike.

Charlotte Warsen, geboren 1984 in Recklinghausen, schreibt Lyrik. Ihre Texte wurden in verschiedensten Anthologien und Zeitschriften – u.a. poet, BELLA triste, und der Greif – publiziert. 2009 stand sie im Finale des 19. Open Mike. Warsen studierte zudem Kunst und Englisch in Düsseldorf, Kön und Joensuu. Zur Zeit promoviert die in Berlin lebende Schriftstellerin im Fachbereich Philosophie. Ihr Debut „vom speerwurf zu pferde“ erschien 2014.

Christian Vater und T.G. Vömel sind beide Gymnasiallehrer, Autoren und Verleger. 2015 setzten sie es sich zum Ziel, Gemeinschaftsproduktionen lyrischer Autoren zu veröffentlichen und gründeten zu diesem Zweck den vauvau-verlag. Über ihre Arbeit an Projekten wie „FAUN UND ZERFALL“ sind beide mit dem konkreten Umgang mit Intertextualität bestens vertraut.

Ursprünglich aus Niedersachsen stammend, verfolgte Barbara Wrede ihren Weg über ein Studium der freien Kunst in Kassel und ist 1995 schließlich in Berlin angekommen. Hier lebt und arbeitet sie seitdem als freie Künstlerin und Autorin. Dem Projekt Intre:Text trat sie in ersterer Funktion bei. Nach Lehraufträgen an verschiedenen Hochschulen arbeitet sie nun seit 2015 als Dozentin bei Jugend im Museum, Berlin.

Falk Nordmann ist ein in Berlin lebender Illustrator und Zeichner. In seiner Beschäftigung mit digitaler Illustration und analoger Zeichnung arbeitet er mit Pinsel und Stift genauso wie mit Photoshop. Bei Intr:Text übernimmt Nordmann die Rolle des Grafiker

Gregor Weichbrodt, geboren 1988 in Potsdam, ist Wahl-Berliner und womöglich der unterhaltsamste Programmierer der Stadt. Unter anderem programmierte er den Sündenbot – ein Twitter-Bot, der darauf programmiert ist, sich für Katastrophen zwischen 735 v. Chr. Und 2016 zu entschuldigen. Ihn darauf zu reduzieren, wäre aber kurzsichtig: Weichbrodt ist außerdem Gründer des Textkollektivs 0x0a für konzeptuelle, digitale Literatur und ver
öffentlichte 2015 das Pegida-Korpus – eine Sammlung von über 300.000 Pegida-Facebook-Kommentaren.

Sabine Wortmann schreibt als Musikerin für Theater, Radio und Film. Unter anderem wirkte sie an dem Hörspiel „Das Rätsel der Qualia“ mit, das 2011 den ARD Online Award gewann. Außerdem spielt(e) Wortmann in verschiedenen Bands aus Bereichen von Jazz, über Folk, bis hin zu noisemusic.

Das Projekt INTRE:TEXT wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

21.05. | Verbockt!

Lisa Lettretage —  19. April 2017 — Kommentieren

Sonntag, 21. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt frei)
Verbockt! Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht.
Lesung mit Markus Bock

© Markus Bock

Markus Bock spricht über das, was viele nur denken können: Wie fühlen sich Depressionen und Suizidgedanken an? Was passiert bei einer Therapie und im persönlichen Umfeld? Es geht nicht um Zahlen, Daten, Fakten, Medikamente. In „Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht …“ geht es um einen ungeschönten Blick auf die Gefühlswelt in depressiven Lebensabschnitten und deren Auswirkungen. Die Lesung ist kein Ratgeber, sondern ein verständnisvoller Tatsachenbericht, in dem Bock Einblicke in viele Abgründe gibt.