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Donnerstag bis Sonntag, 16.-19. Dezember 2017
Zweiter WiSU-Branchentreff Literatur
im Haus der Kulturen der Welt

Der Branchentreff Literatur versammelt die Solo-Selbständigen der Literaturbranche, um aktuelle Themen der Literaturszene und politische Entwicklungen zu diskutieren. Dieses Jahr stehen alternative Formen der Arbeitsorganisation, Kooperation und Genossenschaftsmodelle im Blickpunkt der Arbeitsgruppen, Panels, Vorträge und Workshops. Im Projektemarkt findet das Crowd-Prinzip unmittelbar praktische Anwendung. Die Teilnahme am gesamten Angebot ist kostenlos.

Die offizielle Eröffnung mit einem Begrüßungswort von Moritz Malsch und einer Performance vom G13-Lyrikkollektiv findet am Freitag um 19:00 Uhr statt. Die Abschlussveranstaltung beginnt am Sonntag um 18:00Uhr: Aperó und Abschlusslesung mit Denis Abrahams (Sprecher und Schauspieler) und Ben Kraef (Saxophonist).

Mehr Informationen gibt es unter: http://literaturszene.berlin/branchentreff/

Die Anmeldung erfolgt unter: http://literaturszene.berlin/anmeldung-branchentreff-literatur-2017/

In Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt.

Der Branchentreff Literatur wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem EFRE-Fonds gefördert.

BuchBerlin 2017

Tom Bresemann —  6. November 2017 — Kommentieren

Im November findet die Buchmesse BuchBerlin zum vierten Mal statt. Auch die Lettrétage wird mit dem Projekt WiSU dort vetreten sein. Vorab haben wir mit BuchBerlin-Gründerin Steffi Bieber-Geske ein Interview geführt.

Die deutsche Literaturlandschaft besitzt mit den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig bereits zwei sehr große, prominente und international bekannte Foren für Verlage, Veranstalter und Medien. Warum braucht es da noch die Buch Berlin?
Weil die großen Buchmessen für unabhängige Verlage und Selfpublisher nur bedingt interessant sind. Viele können sich die exorbitanten Standgebühren schlicht nicht leisten – und wenn, dann sitzen sie an einem winzigen Stand, in den sich niemand hineintraut, und gehen neben den riesigen, aufwendig gestalteten Ständen der großen Verlage schlicht unter.
Das ist auf der BuchBerlin anders. Bei uns stehen die kleineren und mittelständischen Verlage sowie Autoren und Selfpublisher im Mittelpunkt.
Außerdem ist Berlin eine traditionelle Literaturstadt, in der rund 200 Verlage ansässig sind und weit mehr als 1000 Autoren leben. Viele Berliner lesen gern und freuen sich daher, nun direkt in der Hauptstadt eine Buchmesse besuchen zu können.
Bei uns geht es gemütlicher und familiärer zu als in Leipzig und Frankfurt, der Eintritt kostet viel weniger und man hat die Chance, an einem Tag alle interessanten Aussteller zu besuchen und muss sich nicht auf ein, zwei Hallen beschränken. Alle Aussteller verkaufen ihre Bücher direkt am Stand und weil zahlreiche Autoren vor Ort sind, kann man sich viele Titel auch signieren lassen.

Die Buch Berlin ist innerhalb von nur vier Jahren auf eine beträchtliche Größe gewachsen. Wie beurteilen Sie rückblickend diese Entwicklung und was erwarten Sie für die kommenden Jahre?
Bereits im ersten Jahr waren wir ausgebucht – es war daher schnell klar, dass die Verlage und Autoren auf eine Messe wie die BuchBerlin gewartet haben. Ich bin ja selbst Verlegerin und habe bei der BuchBerlin das umgesetzt, was ich mir selbst als Ausstellerin gewünscht habe. Viele Aussteller sind uns von Anfang an treu geblieben, weil sie sich auf der BuchBerlin einfach wohlfühlen – und teilweise auch wirklich gute Umsätze machen. Zahlreiche andere sind hinzugekommen.
Auch die Zahl der Besucher steigt von Jahr zu Jahr – inzwischen kommen Leseratten aus ganz Deutschland, weil sie wissen, dass sie bei uns tollen Autoren und Verlage treffen und besondere Bücher finden, die es nicht in jeder Buchhandlung und oft auch nicht auf den großen Messen gibt.
Weil viele Aussteller größere Stände gebucht haben, werden wir in diesem Jahr doch keine 300 Autoren und Verlage vor Ort haben, sondern nur knapp 250. Im nächsten Jahr werden wir dann voraussichtlich auf 300 Aussteller wachsen.
Sehr viel größer wird die BuchBerlin dann aber nicht mehr werden, denn wir hoffen, ab 2018 eine dauerhafte Location gefunden zu haben, und dort ist der Platz natürlich auch begrenzt. In Berlin eine noch größere Location zu einem Preis zu finden, bei dem wir unsere günstigen Standgebühren halten können, ist so gut wie unmöglich.
Außerdem wollen wir uns auch weiterhin gut um unsere Aussteller und Besucher kümmern und alles so professionell wie möglich organisieren. Das funktioniert bei mehr als 400 Ausstellern vermutlich nicht mehr. Wir organisieren die BuchBerlin ja nicht als Messeveranstalter mit einem großen Team, das den ganzen Tag nichts anderes tut, sondern als gemeinnütziger Verein mit viel ehrenamtlichem Engagement.

Das literarische Publikum, aber auch die AutorInnen selbst sind so vielfältig und divers aufgestellt wie nie zuvor. Welche Zielgruppe möchten Sie ansprechen und wie erreichen Sie diese?
Unsere Zielgruppe ist so bunt und vielfältig wie die unabhängige Literaturszene – und wie Berlin. Zu uns kommen Verlage und Autoren aus allen Genres und Besucher aus allen Altergruppen und gesellschaftlichen Bereichen. Nur Nazis finden bei uns kein Forum.

Die BuchBerlin findet am 25. & 26. November 2017 von 10 bis 18 Uhr im Congress Center des Hotels Estrel, Sonnenallee 225, 12057 Berlin, statt. Die Lettrétage ist im Rahmen des WiSU-Projekts auch auf der Buch Berlin vertreten: Kommt vorbei, ihr findet uns auf der Empore! An unserem Stand habt ihr die Möglichkeit euch zum Thema Freiberuflichkeit im Literaturbereich zu informieren und eine Kurzberatung in Anspruch zu nehmen: http://literaturszene.berlin/beratungsangebot/beratungen-auf-der-buchberlin/

Samstag, 07. Oktober 2017, 19:00 Uhr (Eintritt frei)
CON_TEXT X: Alternative Fiction
Mit Elisa Müller und Gerhild Steinbuch

„We are not a democracy!“ (Donald Trump)

Wie werden Geschichten geschrieben – am Schreibtisch der Autorin, im Sprechen der Performerin, im Kopf der Rezipienten oder im Zwischenraum zwischen zwei Menschen, von denen er eine erzählt und der andere zuhört – oder hört, was er hören will?
Wie wird Geschichte geschrieben – an den Schreibtischen der Mächtigen, der Ohnmächtigen, in Zeitungen – oder doch eher in Kommentarspalten und OnlineForen? Wer entscheidet in Zeiten von „fake news“ auf der einen und „fake media“ auf der anderen Seite, welche Art der Geschichtsschreibung gehört wird – bzw. überhaupt gehört werden kann.?

In ihrer gemeinsamen Arbeit im Rahmen von CON_TEXT beschäftigen sich Elisa Müller und Gerhild Steinbuch mit der stillen Komplizenschaft von Autorin, Performerin und Zuhörer*innen des klassischen Lesungsformats und begeben sich in einen Wettstreit um die Gunst des Publikums. Welche Geschichte, welche Stimme wird gehört und wer schreibt hier wen?
Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Die Veranstaltungsreihe CON_TEXT vesucht das Format Lesung neu zu denken und zu thematisieren. Jeweils ein/e Autor/in und ein/e Künstler/in einer anderen Sparte erarbeiten gemeinsam eine Woche lang in der Lettrétage ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat. TänzerInnen, MusikerInnen, Bildende und Darstellende KünstlerInnen sowie FilmemacherInnen sind die künstlerischen PartnerInnen der AutorInnen. Ausgehend vom literarischen Text entwickeln die KünstlerInnen-Tandems interdisziplinäre Formate und thematisieren dabei den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Die so entstehende literarische Veranstaltung wird als ein eigenes, weit über die bloße Textpräsentation hinausgehendes, künstlerisches Werk begriffen. Die KünstlerInnen arbeiten ohne inhaltliche Vorgaben, der Prozess ist ergebnisoffen.

Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlußkonferenz statt. Zu jeder Veranstaltung erscheinen vorab ein Interview mit einem Experten und im Nachhinein eine kurze filmische Dokumentation im Lettrétagebuch. Dort findet sich auch weitere Information zur Veranstaltungsreihe und zu den beteiligten KünstlerInnen und Veranstaltungsterminen.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

 

© Christine Fenzl

Elisa Müller (Deutschland) gründete 2008 das Produktionslabel müller***** und entwickelt in unterschiedlichen Konstellationen und Zusammenarbeiten mit Künstlerinnen verschiedener Disziplinen Theater/Performanceproduktionen. In ihren Arbeiten werden gesellschaftliche, politische Zusammenhänge spielerisch auf die Theatersituation selbst und auf das Aufeinandertreffen von Darstellern und Zuschauern übertragen. Mit dem fiktiven „Institut für Widerstand im Postfordismus“ tritt sie in unterschiedlichen Plattformen und performativen Interventionen an namhaften Veranstaltungsorten an die Öffentlichkeit.

 

 

 

© privat

Gerhild Steinbuch (Österreich) studierte Szenisches Schreiben in Graz und Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst in  Berlin. Ihre Texte erschienen in verschiedenen Tageszeitungen. Sie erhielt zahlreiche Literaturpreise und war für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert. Sie gewann den Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin und war Hausautorin des Schauspielhauses Wien. Für die Arbeit an ihrem ersten Roman „Berge und Täler mit Männern und Frauen“ erhielt sie das Staatsstipendium des österreichischen Bundesministeriums. Gerhild Steinbuch unterrichtet an der Universität für angewandte Kunst in Wien und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

Am 14.09. um 20 Uhr liest Patricia Hempel aus ihrem Debütroman Metrofolklore.

Wer also keine Lust hat, den Roman alleine für sich zu lesen, sondern in guter Gesellschaft und mit dem ein oder anderen Cocktail, der ist herzlich eingeladen, am Donnerstag in die Lettrétage zu kommen und Patricia Hempels Stimme zu lauschen sowie dem Minnesang. Und wer sich überhaupt nicht gedulden kann, der kann sich vorab schon mal den Buchtrailer anschauen, um sich auf den Roman einzustimmen.

 

Veranstaltungshinweis:

Donnerstag, 14. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
METROFOLKLORE
Patricia Hempel liest aus ihrem Romandebüt

Mittwoch, 29. November 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 8,- / erm. 6,-)
Berliner Geschichten: Wie sieht die „Stadt der Anderen“ aus?
Mit Tilman Rammstedt und Jane Flett (Schottland), Lucy Fricke und Assaf Alassaf (Syrien), Maren Kames und Erica Zingano (Brasilien). Fotografien: Maria Sewcz

Berlin ist groß, vielschichtig, immer im Werden – und voller spannender Menschen und Geschichten. Jeder hat sein Bild von Berlin. Wie aber sehen die anderen die Stadt? Sehen sie dieselbe Stadt – oder eine völlig andere? Welchen Einfluss hat die eigene Herkunft und Geschichte auf die Wahrnehmung der Welt, in der man lebt? KOOK hat drei deutschsprachige und drei internationale Autor*innen, die in Berlin leben, eingeladen, einander „ihr“ Berlin zu zeigen: ihre Orte, ihre Geschichten, ihre Sicht auf die Stadt und deren Bewohner.

Assaf Alassaf, Jane Flett, Lucy Fricke, Maren Kames,  Tilman Rammstedt und Erica Zingano verabreden sich im Herbst jeweils zu zweit zu Spaziergängen durch Berlin. Begleitet werden sie von der Fotografin Maria Sewcz, die ihren eigenen künstlerischen Blick mitbringt. Literatur und Fotografie treffen Stadt. Aus diesen individuellen Touren entwickeln die Autor*innen Texte über eine Metropole im Wandel. Sie eröffnen einander neue Perspektiven, erzählen neue und alte Geschichten – von der Volksbühne, von Flüchtlingsunterkünften, der Sonnenallee oder vom alten Westberliner Zoo.

Am 29. November werden die dabei entstandenen Texte und Fotografien in der Lettrétage im Rahmen einer großen Abschlussveranstaltung vorgestellt. Die Lesungen finden auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Portugiesisch statt. Übersetzungen sind vorhanden.

© Ramy Alashek

Assaf Alassaf (* 1975, Syrien) ist Autor, Mediziner und Journalist. Seine Texte gibt es auf Facebook und bei Mikrotext, etwa das eBook „Abu Jürgen. Mein Leben mit dem deutschen Botschafter“ (2015).

 

 

 

 

©Tom Moore

Jane Flett (* 1984, Schottland), ist Autorin und Musikerin. Ihre Texte erschienen in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften. Ausserdem ist sie Teil der Roit Grrl Band „Razor Cunts“.

 

 

 

 

Lucy Fricke (* 1974) ist Autorin und Literaturveranstalterin. Zuletzt veröffentlichte sie „Takeshis Haut“ (2014, Rowohlt Verlag). 2018 erscheint ihr vierter Roman „Töchter“ (Rowohlt Verlag).

 

 

 

©Dagmar Morath

Tilman Rammstedt (* 1975) ist Autor und Kolumnist. Zuletzt veröffentlichte er den Roman „Morgen mehr“ (Hanser Verlag, 2016), dessen Entstehungsprozess zuvor als Fortsetzungsroman im Netz verfolgt werden konnte.

 

 

 

© Dirk Skiba

Maren Kames (* 1984) ist Lyrikerin. Ihr vielbeachtetes Debüt „Halb Taube Halb Pfau“ erschien 2016 im Secession Verlag.

 

 

 

 

Erica Zingano (* 1980, Brasilien) ist eine transdisziplinär arbeitende Lyrikerin. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt „eine Sache für die andere“ (bulky news press, 2017).

 

 

 

Maria Sewcz (* 1960) ist eine vielfach ausgezeichnete Fotografin. Zahlreiche Einzelausstellungen, zuletzt mit Fotografien und Videos im Haus am Kleistpark („Jetzt, Berlin“, 2016)

Montag, 4. Dezember 2017, 20 Uhr (Eintritt 5,-/4,-)
Den Berg durchgraben
Szenische Lesung und Publikumsgespräch

Diese Lesung findet ein zweites Mal statt – und zwar hier!

Sie sitzen in einem 2,5 Meter mal 3,5 Meter großen Zimmer. Die Decke ist 2 Meter hoch. Eigentlich ein volles Zimmer, das leer wirkt, weil es klein ist. Das Licht ist nur eine kleine Lampe am Tisch, eher kühl, und ein Laptop. Irgendetwas ist passiert. In diesem Zimmer. Sie sitzen nebeneinander, blicken nach vorne. Sie ist Journalistin. Er ist Autor. Sie fragt ihn, wie sich sein Schreiben durch den Krieg verändert hat. Er antwortet: Soll ich noch einen drehen?, und wartet ihre Reaktion nicht ab.

Der Text „Den Berg durchgraben“ von Luna Ali ist eine Liebesgeschichte:es geht um zwischenmenschliche Liebe, um Berufung, Identität, Sprache, Theater, Literatur und das Schreiben. Wenn wir schreiben, beschreiben wir nicht nur Realität, sondern schaffen sie zugleich neu. Aus genau dieser Motivation begibt sich eine Journalistin auf den Weg, um über das Schreiben in Konflikten zu schreiben. Sie interviewt einen syrischen Autoren zu den Bedingungen seines Schreibens. Schnell stellen sie fest, dass sich zwischen ihnen mehr abspielt. 40 Kilometer vom Abgrund der Welt entfernt geht es um Erinnerung und ihre Zerstörung, um Identität und ihre Zerstörung, um Übersetzung, Intimität, um Sprache und ihre Unvollkommenheit.

Luna AlisText „Den Berg durchgraben“ ist Monolog, Dialog, Erzählung, Dokumentation, Theaterstück und Stream-of-Consciousness zugleich und basiert zu großen Teilen auf autobiographischen Erlebnissen der Autorin.

Text: Luna Ali
Regie: Naomi Boyce
gelesen von: Carolin Kipka, Dürten Thielk, Anna Tilling
Kostüm/Fotografie: Inga Aleknaviciute

Luna Ali – *1993 in Syrien / Derzeit Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig / B.A. Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim / Theatertreffen der Jugend 2009 und 2012 / Seit 2012 Kuratorin beim Fuchsbau Festival / Treffen junger Autoren der Berliner Festspiele 2012 / Dramenwerkstatt InZukunft II 2014 / Berliner Hörspielfestival 2015 / Zusammenarbeit mit andcompany&Co. in Düsseldorf 2017

© Inga Aleknaviciute

© Inga Aleknaviciute

© Inga Aleknaviciute

Mittwoch, 6. Dezember 2017, 20 Uhr
„…because the king had no money left.“
Konzert-Premiere von ‚Axe and Pile’

In der umgangssprachlichen Welt der Musik stehen elektrische Gitarre und Schlagzeug seit der Entwicklung neuer Spieltechniken im Vordergrund der sogenannten vernakularen oder nicht geschrieben Musik: Vom Pop bis zur rein improvisierten Musik: in allen Formen und Kontexten sind beide Instrumente immer zu hören und haben ihr kulturelles Erbgut in den verschiedenen Varianten der populären Musik weit und breit durchgesetzt. Trotz der enormen Entwicklung der zeitgenössischen komponierten Musik seit den 50er-Jahren, blieben und bleiben beide Instrumente, vor allem die elektrische Gitarre, im Hintergrund und werden als Rock-, Jazz- oder reine Pop-Elemente angesehen und als Außenseiter in der zeitgenössischen Musikwelt abgestempelt. ‚Axe and Pile’ hat junge, lebendige und in Berlin lebende Komponisten, die stark beeinflusst sind durch populäre Formen der Musik, den Auftrag gegeben, neue Werke – im Rahmen und Kontext zeitgenössischer komponierter oder notierter Musik im weitesten Sinn – für sie zu schreiben.  Die reiche Klangwelt der schon länger entstehende vernakularen Tradition der elektrischen Gitarre und des Schlagzeugs kann nur durch eine neue Formalisierung und Kontextualisierung noch reicher werden. Das kulturelle Erbe der vernakularen Form der 50er-Jahre überschneidet sich mit den neuen Tendenzen der jungen Generation von Komponisten, die mehr und mehr ausschließlich in notierten Musikformen und Kontexten zeitgenössischer Musik arbeiten.

Axe and Pile sind Seth Josel (Gitarre) und Michael Weilacher (Schlagzeug). Sie spielen neue Kompositionen von Leah Muir, Thomas Meadowcroft und Amir Shpilman. Das genaue Programm wird am Abend des Konzerts veröffentlicht werden.

Der Schlagzeuger Michael Weilacher ist 1969 in Rochester NY geboren. Nach seinem Studium an der Eastman School of Music und am Conservatory of Music in Cincinnati, wo er in verschiedenen Rock-Gruppen und Orchestern aktiv war,  zog er nach Rotterdam, um am dortigen Konservatorium sein Master-Diplom abzulegen. In Europa wandte sich Weilacher zunehmend der zeitgenössischen und improvisierten Musik zu und trat mit verschiedenen Performance-
Gruppen und Ensembles auf. Seit einigen Jahren lebt Michael in Berlin, gastiert als Solist und spielt mit Ensembles. Seit 2014 ist er festes Mitglied des Berlin Piano Percussion Ensembles und tritt regelmäßig mit dem Ali Askin Jazz Quintett auf. Michael ist aktiv als Studiomusiker und widmet sich seinen eigenen Kompositionen für Film und Performance. 2014 arbeitete er mit Constanza Macras/ DorkyPark an der Produktion ‚The Past’. Hierfür entwickelte er sowohl eigene Kompositionen, improvisierte zusammen mit der Musikerin Miako Klein und interpretierte Musik des Komponisten Oscar Bianchi. Im Februar 2015 komponierte er die Musik für „Slipping“, ein Tanzstück der amerikanischen Choreografin Sandrine Harris. Michael ist zudem kontinuierlich aktiv als Schlagzeuger und Arrangeur in verschiedenen Bands in Berlin (u.a. bei The Somnambulist, Ray Gibson und dem Schachtner Weilacher Duo). Im April 2015 erschien bei Sony Classics „The Living Loving Maid“, die erste CD der Band Kronthaler, für die er im Studio einspielte und für deren Konzerte er regelmäßig als Gastmusiker auftritt.

Seth Josel wurde 1961 in New York geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung an der Manhattan School of Music in New York und der Yale University. 1988 Fulbright-Hays Stipendium der amerikanischen Regierung. 1992/93 Stipendium der Akademie Schloß Solitude, Stuttgart. Solokonzerttätigkeit seit 1986 in zahlreichen Ländern West- und Osteuropas sowie in Israel, Japan, Kanada und in den USA. Er ist als Solist bei namhaften Festivals für Neue Musik engagiert worden, darunter Donaueschingen, Eclat, Huddersfield, MaerzMusik, New York Philharmonic Biennale. 1991-2000 war er festes Mitglied der musikFabrik. Er beriet und arbeitete mit zahlreichen Komponisten zusammen, darunter Mauricio Kagel, Helmut Lachenmann, Tristan Murail, Phill Niblock und James Tenney. Zudem engagiert er sich sehr in Kollaborationen mit einigen der führenden jungen Komponisten unserer Zeit wie etwa Peter Ablinger, Richard Barrett, Chaya Czernowin, und Manfred Stahnke, die für ihn und sein Talent Werke geschrieben haben.

 

Die Veranstaltung wird gefördert von INM e.V. Berlin

Montag, 11. Dezember 2017, 20 Uhr (Eintritt 5,-/4,-)
Den Berg durchgraben
Szenische Lesung und Publikumsgespräch

Diese Lesung findet zum ersten Mal bereits am 4. Dezember statt. Siehe Ankündigung hier!

Mittwoch, 13. Dezember 2017, 19:00 Uhr (Eintritt frei)
Moshabak-Nächte
mit Ibrahim Keivo und Alina Amers

Nawras lädt euch zum ersten Abend der „Moshabak Nächte“ ein! Moshabak Nights ist eine Serie kultureller Veranstaltungen, die einmal im Monat syrische Künstler zusammenbringt, um ihre Werke und Talente zu präsentieren. Jeden Monat werden verschiedene syrische Künstler vorgestellt, die mit neuen Kunst- und Kulturformen die Gesellschaft bereichern und so einen Treffpunkt mit regelmäßigen Begegnungen zwischen Syrischen und internationalen Künstlern, Produzenten, und Aktivisten schaffen. In der Lettrétage zu Gast sein werden an diesem Abend der Musiker Ibrahim Keivo und die Künstlerin Alina Amers.

Ibrahim Keivo ist ein syrischer Sänger und Komponist aus der mesopotamischen Stadt Al-Hassakeh. Sein Werk ist durchdrungen von den Wurzeln traditioneller syrischer Musik und er ist einer der wenigen Sänger, welche die arabische, syrische, armenische und kurdische Musik weiterentwickelt und auf diese Weise das musikalische Erbe Nord-Syriens bereichert haben. Zudem ist er bekannt dafür landestypische Instrumente wie Buzug, Saz und Baghlama zu spielen. Keivo ist Preisträger der Goldenen Ornina des Syrischen Song Festivals. In ein Konzert kann man bereits hier hineinhören!

Alina Amers wurde 1988 in Odessa geboren und lebt und arbeitet zurzeit in Berlin. 2012 schloss sie ihr Studium der Architektur und Städtebauplanung in Damaskus ab. 2013 zog sie wegen des Krieges nach Beirut und versuchte sich fortan durch verschiedene Kunstformen und Medien auszudrücken. Ihr Werk umfasst Mixed Media Malerei, Installationen, Performances, Videokunst und Theater. Amers beschäftigt sich vor allem mit den versteckten Untergrundstrukturen der Stadt, jenem System, welches all die Überreste unseres alltäglichen Lebens aufnimmt und verdaut. Einen EIndruck von ihrer Arbeit kann man hier gewinnen!

Nawras ist eine gemeinnützige Organisation in Berlin, die 2016 gegründet wurde um die Kontinuität der syrischen Kunst und Kultur zu fördern. Nawras öffnet Türen für syrische Künstler in Deutschland und schafft so ein anregendes Umfeld, um die aktive Teilnahme zu ermöglichen und die Möglichkeit für Kollaborationen zu fördern, damit Künstler unabhängig und interaktiv zusammen arbeiten können. Als unabhängige kulturelle Stiftung glaubt Nawras daran, sich den Veränderungen und Herausforderungen der heutigen Zeit an diesem Ort zu stellen, indem sie Kunst und Kultur als grundlegendes Menschenrecht und als ein mächtiges Mittel für den Dialog aufrechterhält. Von diesem Gedanken ausgehend arbeitet Nawras in einer deutschen Umgebung auf verschiedenen Arten und Weisen mit dem Glauben an gemeinsame Gerechtigkeit, Würde und Frieden.