Archiv: Monatsprogramm Lettrétage

Sonntag, 17. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Atomtod und Rüschenhemd
Berlin in den Neunzigerjahren – ein literarischer Rückblick mit Markus Liske

Der Kalte Krieg ist vorbei, die Mauer gefallen. George Bush d.Ä. verkündet eine Neue Weltordnung und moderiert dabei en passant den Islamismus als neuen Feind an. In den deutschen Provinzen feiert man das Ende ihrer Zweistaatlichkeit mit brennenden Häusern und zünftigen Menschenjagden, während in Berlin die letzten Kinder des Atomtod-Zeitalters ihre schwarzen Klamotten und Grufti-LPs über Bord werfen, um der unerwarteten Möglichkeit einer Zukunft in bunten Rüschenhemden entgegen zu treten. Gegen die nachklingenden Depressionen gibt es kleine Pillen und von diesen beschwingt zelebrieren melancholische Individualisten ihr Leben nach dem überraschend ausgebliebenen Weltende als Massenkultur der Glückseligkeit …

„Ohne ‚No Future’ hätte es ‚Friede, Freude, Eierkuchen’ nie gegeben.“ – Der Autor und Publizist Markus Liske lädt zu einer literarischen Reise in jenes Jahrzehnt, in dem die alte Nachkriegsordnung zerbrach und mit reichlich „Hyper! Hyper!“ die Welt entstand, in der wir heute leben.

© Nane Diehl

Markus Liske (*1967) veröffentlichte im Verbrecher Verlag zuletzt den Neunzigerjahre-Roman „Glückschweine“. Zuvor war er Mitherausgeber der literarischen Nachwende-Anthologie „Kaltland – Eine Sammlung“ (Rotbuch 2011), des Erich Mühsam-Lesebuchs „Das seid ihr Hunde wert!“ (Verbrecher Verlag 2014) und der Essaysammlung „Vorsicht Volk!“ (Verbrecher Verlag 2015). Liske schreibt regelmäßig für die Wochenzeitung Jungle World. Seine frühen Satiren und Essays erschienen dreibändig im Verlag Edition AV.

 

Donnerstag bis Sonntag, 06. bis 09. Juli 2017, Vernissage und Finissage 19:00 Uhr, dazwischen begehbar (Eintritt frei)
Transforming Identities II
Ausstellung

Durch die steigende Mobilität der Weltbevölkerung reisen, arbeiten und leben auch Künstler_innen in einem stärker interkulturell geprägten Kontext als bisher. Das Konzept der persönlichen Künstleridentität wird dadurch beeinflusst. Heute leben immer mehr Künstler_Innen zwischen Kulturen und Identitäten und die Entstehung einer multiperspektivischen Sicht auf die Welt wächst stetig. Diese Idee der Welt des 21. Jahrhunderts reflektiert sich in der heutigen Kunst.

In der Ausstellung „Transforming Identities II“ beobachten und reflektieren KünstlerInnen ihre narzisstisch aufgeladene Idee von Identität und ihre Erfahrungen mit der Transformation ihrer Künstleridentität / Transidentität. Innerhalb einer formalistischen Ebene spielen die Künstler/innen mit verschiedenen Identitäten, welche sie auf der Suche nach einer neuen Realität zerstören, um ein neues Gebilde erstehen zu lassen: Ein künstlerisches Alter Ego. Bei der Entstehung dieses künstlerischen Alter Ego fordern
sie gleichzeitig ihre eigenen Vorstellungen und diejenigen der reflektierten Umwelt heraus. Das Resultat ist eine Multi-Perspektive – im Schnittpunkt zwischen konkretem und undefiniertem Raum. Eine Spiegelung, die hier und dort fokussiert, um neue Konstrukte entstehen zu lassen.

Transforming Identities I fand vom 02.09 bis 04.10. 2016 im Bulgarischen Kulturinstitut Berlin statt.

Akteure

Boriana Pertchinska ist 1974 in Sofia, Bulgarien geboren. 2009 zog sie nach Deutschland. Sie lebt und arbeitet heutzutage in Berlin. Sie hat eine Magistratur in Wandmalerei von der Nationalen Kunstakademie in Sofia, Bulgarien.Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und konkreter Form, wozu ihr Strukturen aus der Natur als Inspirationsquelle dienen. Technisch orientiert Pertchinska sich an den Arbeiten der „alten Meister“. Sie experimentiert auf der Basis dieser Techniken, die sie in ihre Handschrift interpretiert.

Desislava Deneva ist 1966 in Sofia, Bulgarien geboren. Sie hat Wandmalerei an der Nationalen Kunstakademie in Sofia absolviert und arbeitet auf dem Gebiet der Malerei, Grafik und Wandmalerei. Sie ist Mitglied der Union der bulgarischen Künstler. Desi Deneva hat ihre neue Ausstellung, die sie 2017 im Bulgarischen Kulturinsitut Berlin presentiert , „Die Naturgeschenke“ benannt. Es ist eine Art Allegorie der Frau verstanden als die ewige Eva, die Vitalität und Fruchtbarkeit verkörpert.

Marc Lingk ist 1964 in Berlin geboren. Er studierte Physik an der Technischen Universität Berlin und absolvierte ein Studium der Komposition an der Hochschule der Künste Berlin. Er komponierte Musikstücke für den Konzertsaal, Theater-, Tanztheater- und Filmmusiken und entwickelte elektronische und informatische interaktive Klanginstallationen und Klangobjekten in der Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern. An der Ausstellung „Transforming Identities“ wird er mit dem Klangobjekt „Sprachbox“, einem interaktiven Klangkunst-Objekt teilnehmen.

Joanna Hofbauer, 1971 in Polen geboren, ist Absolventin der Oberschule für Künste „Constantin Brancusi“ in Stettin / Polen. Mit Ihren Bildern verarbeitet sie den Traum von idealen Werten, Proportionen und Schönheit. Die Darstellung des weiblichen Körpers mit seiner naturgegebener Vollkommenheit und Schönheit bildet den Schwerpunkt ihrer Malerei. Ihre Arbeiten befinden sich in privaten Sammlungen in Polen, Österreich, Tschechien, den USA und Deutschland.

Aleksandr Keller ist 1989 in Samarkand, Usbekistan geboren und zog mit 16 mit seiner Familie nach Deutschland. Er beschäftigt sich mit der Malerei und der Bildhauerei, etwa veranstaltete er zwischen 2013 und 2014 zwei erfolgreiche Soloausstellungen in der Galerie „playing with eels“ in Berlin.

Marie-Thérèse Schreiber ist 1991 in Berlin geboren und lebt immer noch dort. Nach ihrem ersten Studium der Politikwissenschaft und Philosophie entschied sie sich, Europastudien mit dem Schwerpunkt Osteuropa zu studieren. Philosophisch ist ihr daran gelegen, Strukturen und Logiken zu erkennen, die alle Menschen miteinander teilen, die bei aller Transformation konstante Größen bleiben. Dies spiegelt sich in ihrer künstlerischen Arbeit wieder.

Freitag, 07. Juli 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
textes en routes
Lesung

„Es passiert ja auch immer etwas, wenn nichts passiert“, lautete einst der knappe Kommentar eines Dozenten an eine Studierende, die eine sogenannte Schreibkrise hatte. Inzwischen ist das Literaturinstitut in Biel 10 Jahre alt. Und es ist dann doch eine Menge passiert. Rund hundert Absolventen hat es hervorgebracht, viele von ihnen haben bei namhaften Verlagen publiziert und Preise erhalten. Das Schweizerische Literaturinstitut ist zu einer festen Größe in der deutschsprachigen Literaturlandschaft geworden. Aber was (ver)lernt man eigentlich genau an einem Literaturinstitut? Und wie lebt und schreibt es sich fort nach drei Jahren im abgeschiedenen Biel/Bienne?

Die Jubiläumstournee „textes en route“ findet ihren Abschluss in der Berliner lettrétage. Lesung und Gespräch mit Thomas Flahaut, Paula Fürstenberg, Matthias Nawrat und Lorena Simmel, Moderation: Aurélie Maurin. Mit großzügiger Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung und Pro Helvetia.

© Lorena Simmel

Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, zog als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg um. Er studierte in Freiburg und Heidelberg Biologie, danach am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Für seinen Debütroman „Wir zwei allein“ (2012) erhielt er u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, sein Roman „Unternehmer“ (2014), für den Deutschen Buchpreis nominiert, wurde u.a. mit dem Kelag-Preis und dem Bayern 2-Wortspiele-Preis ausgezeichnet. «Die vielen Tode unseres Opas Jurek» (2015), sein dritter Roman, brachte ihm den Förderpreis des Bremer Literaturpreises sowie die Alfred Döblin-Medaille ein. Matthias Nawrat lebt in Berlin.

© Gianna Molinari

Lorena Simmel, geboren in Fribourg (CH), aufgewachsen in der Schweiz, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel/Bienne, sowie an der Humboldt-Universität zu Berlin und in Warschau.

 

 

© Jonas Ludwig Walter

Paula Fürstenberg, Jahrgang 1987, wuchs in Potsdam auf. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Frankreich studierte sie von 2008 bis 2011 am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Seither lebt, schreibt und studiert sie in Berlin. Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit dem Hattinger Förderpreis für Junge Literatur und dem Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg; 2014 war sie Stipendiatin der Autorenwerkstatt am Literarischen Colloquium Berlin. Ihr Debütroman »Familie der geflügelten Tiger« erschien 2016 bei Kiepenheuer & Witsch.

© Antoine Flahaut

Thomas Flahaut wurde 1991 in Montbéliard (F) geboren. Er lebt, studiert und arbeitet in Lausanne, wo er das literarische Kollektiv „Hétérotrophes“ mitbegründet hat. Sein Debütroman „Ostwald“ erscheint im August 2017 im Pariser Verlagshaus éditions de l’Olivier.

Aurélie Maurin lebt in Berlin als freie Literaturvermittlerin, Kuratorin und Moderatorin sowohl für Institutionen (u.a.Haus für Poesie, Haus der Kulturen der Welt) als auch für zahlreiche Einrichtungen der freien Szene (u.a. Kookread, Ausland). Seit 2016 ist sie als Jurorin des Berliner Senats für die City Tax-Kulturmittel tätig und stellvertretende Vorsitzende des „Netzwerks der freien Berliner Literaturszene“ sowie Sprecherin für die Koalition der Freien Szene Berlin. Seit zwölf Jahren leitet sie die internationale Übersetzungswerkstatt „Versschmuggel“ und ist Mitherausgeberin der gleichnamigen Buchreihe (Verlag das Wunderhorn). Sie ist Publikationsdirektorin der deutsch-französischen Literaturzeitschrift „la mer gelée“, Literaturübersetzerin und auch Musikerin.

 

Montag bis Dienstag, 10. bis 11. Juli 2017, 10:00 bis 17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
Fundraising – Die richtige Mischung aus Originalität und Professionalität
Workshop

mit Monika Ruth

Nicht alle Arten von Fundraising passen zu allen Projekten. Bringen Sie gerne Ihre eigenen Projekte mit. Gemeinsam erarbeiten wir dann, welche Art, bzw. welche Förderquelle für Sie die passende ist.

Das Seminar gibt zunächst einen Einstieg ins Fundraising. Wie funktioniert Fundraising? Was hat Fundraising mit Marketing zu tun? Was gilt es zu beachten, will man erfolgreich sein? Welche Voraussetzungen sollten erfüllt sein? Welche Finanzierungsquellen gibt es? Und in welcher Weise unterscheiden sich diese voneinander?

Im Praxisteil von Tag 1 definieren alle Teilnehmenden ein Projekt und erstellen dazu unter Anleitung ein Kurzkonzept für Förderanträge. Die Gruppe übernimmt dabei die Rolle der Jury und gibt im Anschluss Feedback.

Wie sähe solch eine Anfrage aber aus, will ich sie an anderer Stelle platzieren wie z.B. bei Unternehmen, privaten Unterstützern oder auf Crowdfunding-Plattformen? Wie originell darf ich sein, wie professionell muss ich sein? Und wie reagiere ich, wenn ich einen potentiellen Geldgeber zufällig auf einer Veranstaltung treffe? Diesen Fragen widmen wir uns am 2. Tag.

Anmeldungen bitte bis 19.06.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Monika Ruth arbeitet sowohl als Fundraiserin als auch als Dozentin für Fundraising. Außerdem hat sie viele Jahre in verschiedenen Buchverlagen mitgearbeitet und ist Mitinitiatorin der bildungsbarberlin.

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.

 

 

Freitag, 21., bis Dienstag, 25. Juli 2017, Vernissage 21.07., 19:00 Uhr (Eintritt frei)
Das Tor der Verwandlung
Ausstellung mit Nune Arazyan, der „Schule des Südens“, Vladimir Egorov und Svetlana Veselova

(c) Nune Arazyan

Auch hundert Jahre nach der russischen Revolution von 1917 bleibt das Ereignis einer der faszinierendsten Fixpunkte der modernen Geschichte. Die radikale Umbruchsästhetik des Ereignisses, die in den 1920er Jahren bereits Schriftsteller wie Alexander Blok zu kreativer Höchstleistung anspornte, zieht auch Nune Arazyan an. Die Petersburger Künstlerin verfolgt in ihrer Ausstellung „Das Tor der Verwandlung“ gemeinsam mit der KünstlerInnengruppe „Schule des Südens“ sowie Vladimir Egorov und Svetlana Veselova das Motiv des Bruchs zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die drängendste Frage der Revolution, so Arazyan, sei die Frage nach der Möglichkeit des Ausbruchs aus der Unterordnung unter die Vergangenheit. Dementsprechend wird in „Das Tor der Verwandlung“ nach neuen Verknüpfungen gesucht. In einer eigens vor Ort angefertigten drehbaren Installation werden scheinbar klar einander zugeordnete Fragmente auseinandergerissen, nur um darauf gänzlich neu zusammengefügt zu werden. Sind kausale Verknüpfungen also wirklich so eindeutig wie sie scheinen? Oder ist auch der Verlauf der Geschichte Feld radikaler Neuinterpretationen? Zum 100-jährigen Jubiläum der russischen Revolution drängen sich diese Fragen auch im Programm der Lettrétage auf.

© Vladimir Egorov

Nune Arazyan ist eine in Sankt Petersburg und Berlin lebende Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin und Schriftstellerin. Arazyan ist Absolventin des drei bis fünfjährigen Schulzentrums des wohl bedeutendsten Kunstmuseums der russischsprachigen Welt, der Sankt Petersburger Ermitage. Ihre Werke hängen außerdem in Museen in Moskau, Frankfurt, Lissabon und Zagreb. Im letzten, für Nune sehr geschäftigen Jahr erschien ihr Gedichtband „Im Labyrinth der Freiheit“. Außerdem installierte sie die Ausstellung „Auf der Suche nach Zuflucht“ in Sankt Petersburg und konzipierte die Performance „Wir können es wiederholen… Nietzsche in Russland“, die sie in Velikij Novgorod zur Aufführung brachte. (Titel v. d. Red. aus dem Russischen übersetzt)

Montag bis Dienstag, 31. Juli bis 01. August 2017, 10:00 bis 17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
„Schreiben heißt Teamarbeit“
Workshop

mit Martin Jankowski und Dr. Patrick Baumgärtel

Aus der Zeit der Romantik wurde er uns überliefert: Der Traum vom Künstler, der in einsamer Genialität ein Meisterwerk erschafft und daraufhin auf ewig in die Ruhmeshallen der Weltkultur aufsteigt… und auch wenn wir heute längst ahnen, dass es irgendwie anders läuft, finden wir diese Idee immer noch reizvoll. Dass Literatur in erster Linie harte Teamarbeit ist, merkt jeder, der sich professionell auf dieses Berufsfeld einlässt.

Welche Arbeitsschritte sind existenziell wichtig? Welche Verbündeten braucht ein Autor? Wie gewinnt man sie für sich? Die individuellen Anforderungen der Teilnehmer fließen hierbei in die Betrachtung ein. Für jede Zielsetzung erarbeiten wir konkrete Umsetzungsschritte.

Auch besprechen wir die wichtigsten Aspekte literarischer Teamarbeit und geben praktische Empfehlungen für Ihren persönlichen Weg zum Berufsautor.

1.Tag – Martin Jankowski:
– Autor und Leser: Braucht es mehr?
– Wie präsentiere und positioniere ich mich?
– Wie gehe ich mit der Öffentlichkeit um?
– Vermarkter: Verlage, grafische Gestalter, Webportale
– Leserbriefe, Pressekritiken und Internet-Kommentare
– Exkurs: Strategien kollektiven Schreibens

2. Tag – Dr. Patrick Baumgärtel:
– Erstleser und wie man mit ihnen umgeht: Agenten, Lektoren, Beta-Leser
– Was macht der Lektor mit meinem Text? Wozu ist das gut?
– Agenten und Agenturen: Wer sie sind und was sie bringen
– Öffentlichkeitsarbeit im Verlag und beim Selfpublishing

Anmeldungen bitte bis 10.07.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Martin Jankowski, geb. 1965 in Greifswald lebt seit 1995 als freier Autor, Herausgeber und Kulturkurator in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher (Lyrik, Prosa, Sachthemen), gehört zu den Mitbegründern des „internationalen literaturfestivals berlin“, des „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ und leitet seit 2005 die „Berliner Literarische Aktion“. Der Autor und Projektleiter realisiert zahlreiche internationale Literaturprojekte. Als Literaturdozent ist er an zahlreichen Universitäten weltweit zu Gast, aktuell an der Portland State University in Oregon. www.martin-jankowski.de

Nach einem Germanistikstudium, einer Promotion über W.G. Sebald an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie seiner Tätigkeit bei der Literaturagentur . GS.Jreenburger in New York City stellte sich Dr. Patrick Baumgärtel 2009 der Herausforderung, in sich wandelnden Zeiten eine Full-Service-Literaturagentur (inkl. PR-Arbeit und Lektorat) zu gründen. Der „Krimimarathon“, Berlin-Brandenburgs größtes Krimifestival, das er seit 2012 leitet, ist Teil davon. Patrick Baumgärtel ist Juror des Seume-Literaturpreises und Vorsitzender des Lesekultur Berlin e.V. Er gibt Kurse zu Themen der Verlagsbranche, unterrichtet Kreatives Schreiben und arbeitet als Lektor und Schreibcoach. www.schoneburg.de

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.

 

 

03.05. | Tram 83

Lisa Lettretage —  15. März 2017 — 1 Kommentar

Mittwoch, 03. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt 8,-/erm. 6,-)
Tram 83 – Jazzlesung mit Fiston Mwanza Mujila
Literarische Jazzperformance

Mit: Fiston Mwanza Mujila (Autor, Rep. Kongo/Österreich)
Denis Abrahams (Sprecher und Schauspieler, Deutschland)
Ben Kraef (Saxophon, Deutschland)
Marco Mingarelli (Schlagzeug, Italien)
Fyodor Stepanov (Kontrabass, Russland)

Moderation: Linde Nadiani (Lettrétage e. V.)

© Leonhard Hilzensauer/Paul Zsolnay Verlag

Der Debütroman des in Graz lebenden kongolesischen Autors Fiston Mwanza Mujila erschien im Sommer 2016 endlich in der deutschen Übersetzung von Katharina Meyer und Lena Müller. Autor und Buch genießen seitdem große mediale Aufmerksamkeit, zu Recht wie wir finden. Bereits im Jahr 2014 arbeitete das Literaturhaus Lettrétage mit Fiston Mwanza Mujila zusammen, im Rahmen des Schüler-Projekts ¿comment! – Lesen ist schreiben ist lesen. Dieses Projekt generierte auch die erste Übersetzung einiger Seiten des Buches aus dem Französischen ins Deutsche. Ein Grund mehr, diesen erfolgreichen und äußerst spannenden Debütroman in der Lettrétage vorzustellen!

Einer der programmatischen Schwerpunkte des Literaturhauses Lettrétage ist im Jahr 2017 die interdisziplinäre Kollaboration zwischen AutorInnnen und AktuerInnen verschiedenster Kunstsparten der Berliner und internationalen freien Szene. Am 03. Mai 2017 wird eine performative Jazzlesung entstehen: Der Autor, ein deutscher Sprecher sowie drei internationale und in Berlin lebende Musiker treffen im Rahmen zweitägiger Proben aufeinander, um das Buch „Tram 83“ in ein einzigartiges musikalisches und literarisches Erlebnis zu verwandeln.

Durch gemeinsame Aktion vor Ort entsteht ein rhythmisches und komplexes Muster aus Stimmen, Klängen, Text und Jazz-Melodien. Für einen Abend wird das Berliner Publikum somit in den Nachtclub des Romangeschehens hineinversetzt.

Mit freundlicher Unterstützung des Österreichischen Kulturforum Berlin

Donnerstag, 04. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,-/erm. 4,-)
Dass wir uns haben
Luise Maier liest aus ihrem Romandebüt

 

„Ich hatte mir aus Mutters Schreibtisch ein Notizheft geklaut. Dort schrieb ich hinein: Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. […] Bis alle Seiten gefüllt waren.“

© Nora Longatti

Wenn ein junges Mädchen zu einer Erzählung über ihre Familie ansetzt und dabei eine solche Episode als Einstieg wählt, ist das wohl Anlass zur Sorge. Und in der Tat ist Luise Maiers Debütroman „Dass wir uns haben“ angefüllt mit Berichten über häusliche Gewalt, tiefe Verzweiflung und dysfunktionale Abhängigkeiten. Die namenlose Ich-Erzählerin liefert einen Report über ihre eigene Kindheit auf dem Land, der im Wesentlichen als Kammerspiel mit vier Beteiligten konzipiert ist: Mutter, Vater, Bruder und Protagonistin existieren fast ausschließlich in Bezug aufeinander und bringen es doch nicht fertig, dieses Verhältnis untereinander zu artikulieren. Die Folge ist Sehnsucht nach Nähe, genauso wie die Erfahrung von Gewalt – ein Spannungsverhältnis, an dem die Familie langsam zerbricht. Die junge Tochter der Familie erzählt die schnelle Abfolge an Episoden mit einer Distanz, fast schon Indifferenz, die den Leser paradoxerweise direkter trifft als jeder andere denkbare Ansatz. Das widersprüchliche Verhältnis von Nähe und Distanz im Umgang der Figuren untereinander wird von Maier famos in die sprachliche Gestaltung des Textes übersetzt.

Luise Maier wurde 1991 in Schardenberg in Österreich geboren und wuchs im niederbayerischen Vilshofen auf. Sie studierte ab 2012 am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne, wo sie auch heute noch lebt. Nach Veröffentlichungen verschiedener Texte u.a. in der Liesettelittéraire, der BELLA triste und den horen erschien ihr Erstling „Dass wir uns haben“ 2017 beim Wallstein Verlag.

 

 

Donnerstag, 11. Mai 2017, 18:30 Uhr (Eintritt frei)
Offene Werkstatt zu CON_TEXT IV: Concrete Skin
Mit Maria A. Ioannou & Momo Sanno

 

Der rumänische Tänzer und Choreograf Momo Sanno und die zypriotische Autorin Maria A. Ioannou laden am Donnerstag, 11. Mai, in die Lettrétage zu einer offenen Werkstatt ein, um gemeinsam mit ihren Besucher*innen Text und Bewegung für ihre Veranstaltung am folgenden Freitag Abend zu erkunden. CONCRETE SKIN wird auf Grundlage von Ioannous Kurzgeschichte Philip auf Objekte fokussieren. Objekte und die „Objekt-ivierung“ in Bezug auf den Körper und das Schreiben stehen im Mittelpunkt. Die Künstler versprechen Einblicke in einen Dialog zwischen Körper/Bewegung und Text/Lesung und zudem in ihre interkulturelle Zusammenarbeit.

CON_TEXT ist ein Modellprojekt, in dessen Rahmen neue, interdisziplinäre Formate von Literaturveranstaltungen von einem spartenübergreifenden Künstler-Duo konzipiert und umgesetzt werden. Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlusskonferenz statt. Die Künstler*innen arbeiten eine Woche lang gemeinsam an Ihrer Veranstaltung und stellen während dieser Produktionsphase mit einem informellen Werkstatt-Format ihre Arbeit in progress vor.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.


Freitag, 12. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
CONCRETE SKIN. CON_TEXT IV
Mit Maria A. Ioannou & Momo Sanno

 

In einer gemeinsamen Performance werden eine Schriftstellerin und ein Tänzer eine neue „Körper-Sprache“ finden. Dabei soll sich eine eigene Form der Konversation entspannen, bei der sich Bewegung und Wortbildung gegenseitig zu durchdringen suchen. Das Künstler-Tandem Maria A. Ioannou (Schriftstellerin aus Zypern) und Momo Sanno (Tänzer und Choreograph aus Rumänien) präsentiert diesen Prozess in einer öffentlichen Performance – gewissermaßen als Versuchsanordnung. Tanzende Literatur? Sprechender Tanz? Während einer vorgeschalteten Arbeitsphase (6. – 12. Mai) begegnen sich die beiden Künstler in der Lettrétage zum ersten Mal und lassen auf Grundlage von Ioannous Kurzgeschichte Philip im kreativen Akt der Konversation von Tanz und Literatur ein neues Kunstwerk entstehen. – Die Veranstaltung wird auf Englisch stattfinden, begleitet von Passagen auf Rumänisch und Griechisch. Deutsche Übersetzungen der literarischen Texte stehen zur Verfügung.

Die Veranstaltungsreihe CON_TEXT vesucht das Format Lesung neu zu denken und zu thematisieren. Jeweils ein/e Autor/in und ein/e Künstler/in einer anderen Sparte erarbeiten gemeinsam eine Woche lang in der Lettrétage ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat. TänzerInnen, MusikerInnen, Bildende und Darstellende KünstlerInnen sowie FilmemacherInnen sind die künstlerischen PartnerInnen der AutorInnen. Ausgehend vom literarischen Text entwickeln die KünstlerInnen-Tandems interdisziplinäre Formate und thematisieren dabei den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Die so entstehende literarische Veranstaltung wird als ein eigenes, weit über die bloße Textpräsentation hinausgehendes, künstlerisches Werk begriffen. Die KünstlerInnen arbeiten ohne inhaltliche Vorgaben, der Prozess ist ergebnisoffen.

Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlußkonferenz statt.
Zu jeder Veranstaltung erscheinen vorab ein Interview mit einem Experten und im Nachhinein eine kurze filmische Dokumentation im Lettrétagebuch. Dort findet sich auch weitere Information zur Veranstaltungsreihe und zu den beteiligten KünstlerInnen und Veranstaltungsterminen.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

 

 

 

Maria A. Ioannou wurde 1982 in Limassol, Zypern, geboren. Sie studierte Englische Literatur und Literatur des 20. Jahrhunderts in Großbritannien und ist derzeit Doktorandin für kreatives Schreiben. Ihre Kur

 

zgeschichtensammlung „The Gigantic Fall of an Eyelash“ (Gabrielides Publishing, Athens 2011) wurde mit dem ‚Emerging Writer Literary Prize‘ von Zyperns Ministerium für Bildung und Kultur ausgezeichnet und ausgewählt, um Zypern sowohl beim ersten Budapester Buch Festival 2014 als auch beim Kikinda Kurzgeschichten Festival zu repräsentieren. Maria A. Ioannou ist auch die Gründerin von ‚Sardam‘, einem jährlichen Literaturfestival, das seit 2013 alternative Literaturlesungen von Autoren aus Zypern und dem Ausland präsentiert. Ihre zweite Kurzgeschichtensammlung ‚Cauldron‘ wurde bei Nefeli Publishing veröffentlicht (Athen, 2015). Das Buch wurde für den ‚Best Young Writer Award‘ von Clepsydra/Enastron in Griechenland nominiert und ausgewählt, um in Serbisch und Ungarisch übersetzt zu werden.

(c) Maria Ioannou

 

(c) Alina Usurelu

Momo Sanno ist ein in Berlin und Bukarest lebender Tänzer und Choreograf. Nach einer klassischen Ausbildung mit Abschlüssen an Akademien wie der „Floria Capsali Schol of Choreography“ in Bukarest und der „John Cranko Dance Academy“ in Stuttgart entdeckte Sanno seine Liebe zum zeitgenössischen Tanz, die ihn bis heute antreibt. Seine Karriere führte in bereits zur Garth Fagan Dance Company in den USA und von dort weiter nach Brasilien, Jamaika, und Haiti. Seine weltweit gesammelte Erfahrung bündelte Momo Sanno 2009 in seiner ersten eigenen Choreographie „Travelling Body“ und dem darauf folgenden „…Minutes, Seconds“, die 2010 für NDTC Jamaika produziert wurde. Seit seiner Rückkehr nach Rumänien im Jahr 2012 arbeitete Sanno an einer Vielzahl verschiedener Projekte, unter anderem an den Choreographien „Two.One.1“ und „Forgotten Rhythms“. Darüber hinaus ist er aktuell als movement director und Tänzer in unterschiedlichen Produktionen und Kooperationen mit Künstlern aus ganz Europa tätig.