Fabian Herrmann hat erste Fragmente aus „Curiepolis“ veröffentlicht

Tom Bresemann —  14. Juni 2017 — Kommentieren

 

Seit 2012 feilt Fabian Herrmann an seinem Roman „Curiepolis“. Nun nähert sich der erste Band
dem Abschluss und der digitale Kosmos ermöglicht es uns, erste Einblicke in sein Werk zu erhalten.
Die Erzählung beginnt auf der Erde – doch ist es unsere Erde oder eine andere? – und verästelt sich
zu einem fraktalen Gebilde von Wirklichkeiten, Vollzugsebenen und Realitäten. Auf dem Planeten
Tlön finden die Handlungsfäden zusammen – um sich später wieder zu trennen.

„Er erreicht den Hügelkamm. Vor ihm dräut die Hochebene bis an den Horizont, Vulkanlandschaft
mit schwarzen Lavahalden, giftblauen Seen. Der blasse Unzufriedene erklimmt eine Geröllhalde –
seine Halbschuhe, für solche Spaziergänge völlig ungeeignet, werden staubig und zerbeult, doch
was kümmert ihn das nun – bis an den Rand des nächstliegenden Kratersees. Gläsernstarr das
Wasser. Es ist nämlich äußerst saures Wasser – eigentlich fast gar kein Wasser, sondern
konzentrierte Schwefelsäure, ätzend und nur für dickhäutige Bakterienwinzlinge als Lebenselixier
geeignet. Eigenbrötler Eusebius zieht einen der überanspruchten Halbschuhe (den linken) aus, wirft
ihn mit einem Schrei – nicht so sehr ein Wutschrei als Herausbrüllen von Langeweile und Ungeduld
– weit von sich in die Säure.
Aufzischen, Sprühen, der Schuh – feines, etwas überkandideltes Fabrikat mit Silberschnallen:
gekauft zu seiner missglückten Hochzeit (die Braut machte sich am nächsten Morgen davon mit
dem Kaffeetafelporzellan und einem Glockenwecker aus Messing) – versinkt, zerfällt. Eusebius der
Blasse schaut ihm hinterher […]“

Eusebius‘ impulsive Handlungsweise hat weitreichende Folgen: Die GROSSSTADT keimt aus dem
Boden von Tlön. Keine Großstadt wie Berlin, von Menschen erbaut, sondern ein auf seltsame Weise
lebendiges Gebilde.
Science Fiction? Doch wieso ist da ein vernunftbegabtes Eichhörnchen, ein steinerner Rabe, der
Rätsel stellt? Überrascht findet man sich eher in einer traumartigen Märchenwelt wieder, als in
einem Zukunftsroman. Die GROSSSTADT besteht aus Beton, Stahl, Kupfer, Titan, Kunststoffen –
doch sie lebt, so wie Herrmanns Sprache spielerisch und neuartig, manchmal aber auch archaischmärchenhaft
ist.
Zwischen all den Rätseln und fremdartigen Wesenheiten handeln die menschlichen Protagonisten.
Um sich in einem solchen Multiversum nicht zu verlieren, braucht es menschliche Nähe,
Freundschaft.

Hier finden Sie Herrmanns Homepage & die Leseprobe zu „curiepolis“.

 

Tom Bresemann

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