Harald Muenz

(c) Harald Muenz

Warum nimmst Du am Projekt teil? Was interessiert Dich an der beschriebenen Auseinandersetzung mit dem Format „Lesung“?

Eine Lesung muss sich nicht einfach nur auf eine Darbietung von Wortsemantik beschränken, sondern kann zum akustischen bis halbszenischen Vortrag werden. Dadurch kann einerseits die lautliche Beschaffenheit eines Textes deutlicher erfahrbar werden, als dies der inneren Prosodie des stummen Lesens möglich ist; andererseits können besipielsweise Stimmklang, Rhythmus, Akzentuierung, Tonfall die Wortsemantik unterstützen, aber auch kommentieren oder konterkarieren. Die musikalische Perspektive muss sich jedesmal ganz individuell auf die jeweilige Vorlage einstellen; für einen solchen Zugriff gibt es keinen Passepartout.

 

Harald Muenz (*1965) studierte Komposition bei Helmut Lachenmann, Johannes Fritsch, Clarence Barlow, Krzysztof Meyer, Hans-Ulrich Humpert und Martin Redel, außerdem am Detmolder Tonmeisterinstitut sowie Italienisch und Phonetik (Georg Heike) an der Kölner Universität. Neben Kammer-, Orchester- und Vokalmusik widmet er sich besonders Sprachkomposition, Ars Acustica und Instrumentalmusik mit und ohne Live-Elektronik. Häufige Kooperationsprojekte mit Schriftstellern, u.a. bei der “Liedertafel” der Berliner Singakademie; 2013 Gemeinschaftsarbeit mit dem Dichter Florian Neuner für Clang-Cut-Book des Kammerensemble Neue Musik Berlin in Berlin und Buenos Aires, aktuell Kompositionsauftrag für das Festival 8 Brücken Köln für das Ensemble hand werk.

Er erhielt Preise, Stipendien, Aufträge und Radiosendungen (fast alle ARD-Sender, BBC, RAI, Donaueschinger Musiktage, Ultraschall u.v.a.) in Deutschland, vielen europäischen Ländern, Südkorea und den USA, ist Träger des Förderpreises Musik NRW, des Forschungspreises NRW, des Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendiums Köln und wurde zu Arbeitsaufenthalten in die Villa Aurora/Los Angeles und auf den Künstlerhof Schreyahn eingeladen.

Eine Porträt-CD seiner Kammermusik mit dem Berliner ensemble mosaik ist bei Coviello erschienen (Produktion: hr2 kultur), weitere CDs u.a. bei cybele und Wergo; Partituren veröffentlichte der Feedback Studio Verlag Köln. Heft 103 (11/2004) der Zeitschrift MusikTexte war seiner künstlerischen Arbeit gewidmet. Bei Pfau gab er eine Buchpublikation zu Franco Evangelisti heraus.

Mit Sigrid und Georg Sachse bildet er das Trio sprechbohrer, das Sprechkunst aus musikalischer Perspektive aufführt (Bestenliste 3/11 Preis der deutschen Schallplattenkritik für die erste Gesamteinspielung von Helms‘ Fa:m‘ Ahniesgwow für den Hessischen Rundfunk/Wergo). Muenz unterrichtete 2001-05 Ästhetische Phonetik am Institut für Phonetik der Universität Köln und war 2006-11 künstlerischer Leiter des Elektronischen Studios der Musikhochschule Lübeck.

Seit 2005 pendelt er als Sparten übergreifender Künstler zwischen Köln und London, wo er Komposition am Centre for Contemporary Music Practice der Brunel University unterrichtet.