Im Interview: Esther Becker, Jonis Hartmann, Dominik Ritter und Clara Henssen

Lisa Lettretage —  14. Februar 2017 — Kommentieren

Kann man die Autoren und Autorinnen auch inhaltlich – sagen wir – sortieren und verorten? Gibt es bevorzugte Themen und was wird davon an dem Abend zur Sprache kommen? Worum wird es an dem Abend so alles gehen?

Esther Becker: Ich komme vom Theater, der Dramatik und bin Feministin, meine Texte sind teilweise sehr rhythmisch gebaut, thematisch geht es in meinen Arbeiten oft um Individuation im weitesten Sinn, auch um Körper geht es viel.

Jonis Hartmann: Existenzialismus, Liebe und Tod treten bei mir in Miniaturen und Gedichten fast durchgehend auf. Mal mehr, mal weniger offen, oft mir einer tragikomischen, bisweilen slapstickhaften Note in der Sprache.

Dominik Ritter: Meine Lyrik, die ich am Abend vortragen werde, durchziehen zwei Motive. Die Wüsten und die Birken. Sie behandeln das Erinnern. Die Kurzgeschichte behandelt den Moment alltäglichen Lebens einer Frau, die nach einer Zehnstundenschicht zuhause in ihrer Wohnung eine Leere spürt, mit der sie nicht umgehen kann.

Clara Henssen: Ich schließe mich Esther an, indem auch ich mich als Feministin verstehe, selbst wenn ich meinen Feminismus nicht als programmatisch für mein Schreiben verstehe. Thematisch beschäftigen mich Schönheit und Diskriminierung, stilistisch beschäftigt mich Humor. Ich arbeite auch gerne mit magischen Momenten als Disruption

des sogenannten Realen. An dem Abend wird es ganz konkret um die Behinderung einer jungen Frau mit Down-Syndrom und ihre Sexualität gehen. Sie geht eine Verwandlung durch, aber ich möchte nicht zu viel verraten!

Kurzprosa im Sinne von Kurzgeschichten? Werden in sich abgeschlossene Werke gelesen, sozusagen mit Anfang und Ende, oder sind auch „nur“ Auszüge von größeren Erzählwerken dabei?

Esther Becker: Beides, wenn auch nicht im klassischen Sinn Kurzgeschichten, da die Kapitel meines Romanprojekts als eigenständige Geschichten funktionieren.

Jonis Hartmann: Bei mir sind abgeschlossene Werke zu hören (Miniaturen und Kurzprosa) als auch Auszüge aus dem Gedichtband Bordsteinsequenzen.

Dominik Ritter: Ja, meine Kurzgeschichte ist ein abgeschlossenes Werk. Die Lyrik auch.

Clara Henssen: Ich lese einen Auszug aus meinem Roman „Down“, an dem ich seit drei Jahren arbeite und den ich gerade beende. Seit ich an diesem Roman schreibe fällt es mir schwer, mich auf Anderes zu konzentrieren. Vorher habe ich hauptsächlich Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben und gelesen, an diesem Abend aber werde ich ich einen Auszug aus dem zweiten Kapitel des Romans vorlesen, in den ich eine kurze Einleitung geben werde und der dann auch ganz gut alleine funktioniert.

„Berlin meets Hamburg“, wie viel Berlin- und wie viel Hamburg sitzen da thematisch auch mit am Tisch?

Esther Becker: Meine Geschichten sind nicht konkret verortet. Man kann sie sich also bei Bedarf sowohl im Berliner als auch im Hamburger Raum vorstellen.

Jonis Hartmann: Ich mache in Hamburg Lesereihen wie AHAB, HAFENLESUNG und WRITERS‘ ROOM JOUR FIXE und kenne Teile der unabhängigen Literaturszene recht gut, die bisher nicht den Ruf einer großen Popularität genießt, jedoch in letzter Zeit durchaus so etwas wie eine Neuformierung und -ausrichtung durchlebt.

Dominik Ritter: Thematisch findet sich Berlin meets Hamburg nicht in meiner Lyrik wieder.

Clara Henssen: Zwei (Wahl-)Hamburger und zwei (Wahl-)Berliner werden am Tisch sitzen, aber nicht thematisch!

Das Gespräch führte der Kulturjournalist Michael Lösch.

Lisa Lettretage

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