Publiziert in: LICHTUNGEN, Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik, 149/XXXVIII Jg.14/2017, S.58. Neue Arab. Literatur aus Algerien.

INTRE:TEXT live

Lisa Lettretage —  22. Mai 2017 — Kommentieren

CON_TEXT #5: Open Call

JK —  19. Mai 2017 — Kommentieren

Photo by naya collective

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Ihr bei einer spannenden Veranstaltung mitmachen wollt – für die nächste CON_TEXT Veranstaltung machen der japanische Klangkünstler Tomomi Adachi und mexikanisch-finnische Schriftsteller Daniel Malpica einen Open Call!

Es werden 6 bis 7 Personen gesucht, die sich nicht davor scheuen, mit Ihrer Stimme zu experimentieren! Working-language Englisch! Die Bewerbung läuft bis zum 28. Mai, mehr darüber könnt Ihr auf Facebook lesen: https://www.facebook.com/events/223395874817651/

 

 

Am 12. Mai fand die vierte CON_TEXT Veranstaltung statt, von der Schriftstellerin Maria A. Ioannou und dem Tänzer und Choreographen Momo Sanno gestaltet. Sieglinde Geisel hat darüber geschrieben.

 

Die Erzählung von Maria A. Ioannou handelt von einem Menschen, der lieber ein Gegenstand wäre, ein Objekt. Als er geboren wird, scheint er nicht zu atmen, und als Erwachsener wird er mehr und mehr zu einem Gegenstand, schließlich kann er nur noch seinen Kopf bewegen. Für einen Tänzer eine Herausforderung: Wie tanzt man einen, der nicht mehr tanzen will?

Der Widerspruch zwischen Erstarrung und Bewegung ist ein Leitmotiv dieser Begegnung zweier Künste. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen der Sprache und dem Tanz: Bewegen sich die Worte, erstarren die Bewegungen, schweigt die Autorin, erwacht der Tänzer zum Leben.

Momo Sanno liegt auf dem Boden, genauer: Er sitzt einem seitwärts umgekippten Stuhl, als wäre er mit dem Möbelstück verwachsen.

„We have created a doll, a doll, a doll“, liest die Autorin. Die Sprache gerät ins Schwingen, löst sich vom fixierten Text auf dem Papier. Maria A. Ioannou gibt dem Rhythmus nach, der in ihren Sätzen angelegt ist und löst die Wörter aus ihren Halterungen, so dass sie zu tanzen beginnen.

Sie hat Philip geschaffen, diesen Menschen, der sich als Objekt begreift. Der Tänzer Momo Sanno erforscht diese ungewöhnliche Figur mit seinem Körper. Es ist, als würde er sich durch seine Bewegungen in einen Bewusstseinszustand hineintasten: Wie mag es sich anfühlen, wenn man Objekt sein will, von anderen zum Objekt gemacht wird, sich selbst ins Objektsein zurückzieht? Und wie drückt man es aus, so dass das Publikum daran teil hat?

Auf der Bühne gibt es nur ein einziges auffälliges Requisit: eine Art Käfig in einem umgedrehten Tisch, mit Gitterstäben aus schwarzem Klebeband, ausgekleidet ist das Ganze mit Packpapier. Es knistert laut, als Philip sich hineinschlängelt. Doch er bleibt nur für kurze Zeit in der Geborgenheit seines Gefängnisses.

„Mum, touch me“, sagt der Text, und Philips Arme schlängeln sich in die Höhe. Liebeshungrig gleiten sie über- und ineinander – und erzählen genau damit von der Isolation, in der Philip sich befindet, in die er sich immer wieder von neuem begibt.

„Look, mum, I am a parking meter!“ Der Tänzer steht hinter einer Säule, auf dem Weiß der Wand sehen wir seine dunkelbraunen Hände, wie losgelöst von ihrem Körper. „Look how cool, cool, cool, how cool is that“, so tanzen die Wörter, während die Finger stumm zu uns sprechen.

Diese zweistimmige Performance ist eine Entdeckungsreise – für die Künstler ebenso wie für das Publikum, das sich einen eigenen Reim auf die Verschmelzung der beiden Künste macht. Wer ist der Tänzer? Ist er die Figur Philip – oder ist er Momo Sanno, der über die Figur Philip nachdenkt, mithilfe seines Körpers? Hört Philip überhaupt, was im Text über ihn gesagt wird, oder lebt er in seiner eigenen Welt? In Momo Sannos Wiedergabe kann Philip tanzen – am besten, wenn die Sprache schweigt: Manchmal ist es, als würden die Worte ihn erstarren lassen. Ohne Worte hat er den Raum, den er für seinen Tanz braucht, dann streckt er die Arme aus, weitet den Körper und dreht sich im Raum, in alle Richtungen.

„How does passion feel like?“ Sobald von Gefühlen die Rede ist, zieht sich alles Leben aus ihm zurück, die Ausdrucksstärke, die uns eben noch in Bann gehalten hat, erlischt von einem Moment auf den anderen. Als wäre der Tanz etwas Privates, das nur ihm gehört. „I like being used. I feel depressed when I am not used“ – diese Sätze sind ein Tabubruch. Sagt er sie zu sich selbst, oder ist es eine Mitteilung, eine Aufforderung an uns – und wie wäre ihr nachzukommen?

„Do you see me?“, steht unter den Packpapier-Streifen, die der Tänzer von der Wand reißt. Er bittet darum, aus der Geschlechtlichkeit entlassen zu werden – er sei ein „it“, also ein Ding. Ist es eine Befreiung vom Menschsein, vom Mann oder Frau Sein? Muss man sich diesen Philip als glücklichen Menschen vorstellen? Das kann jeder für sich selbst entscheiden.

Das Sprach-Tanz-Duett ist ein dialektisches Kunstwerk: eine Geschichte von Verweigerung und von Sehnsucht, eine Parabel vielleicht auf einen, der in sich selbst gefangen scheint, der sich dort sicher fühlt und den Menschen nicht mehr nahe sein will. Momo Sanno habe Philip glücklicher gemacht, als sie ihn in ihrem Text geschaffen habe, meint Maria A. Ioannou nach der Performance. Die Autorin und der Tänzer haben in ihrer Arbeit also jeweils am anderen Ende des Stricks gezogen. Auch das ist eine Form von Tanz.

Performed on the 14.03 in the Lettrétage Berlin, Kinga Tóth and Doro Billard were speaking about girls and water without words.

 

Am 14.03. in der Lettrétage vorgeführt – Kinga Tóth und Doro Billard sprachen über Mädchen und Wasser – ohne Wörter.

Morgen ist es nun endlich so weit: die Jazzlesung zu Fiston Mwanza Mujilas Debütroman „Tram 83“ steht bevor. Bereits vor wenigen Tagen erschien an höchstselbiger Stelle ja bereits ein Interview mit Saxophonist Ben Kraef, der gemeinsam mit Fyodor Stepanov, Marco Mingarelli und Denis Abrahams am 03. Mai auf Mujila und dessen Text treffen wird. Wir wollen also gar nicht noch einmal allzu viele Worte über die Charakteristik dieses außergewöhnlichen Werkes verlieren. Besser wäre es, man ließe einfach den Autor selbst sprechen.

Lettrétage: Ich fange mit der gleichen, ganz allgemeinen Frage an, die ich auch dem Rest der Gruppe gestellt habe: Welche Aspekte dieses Projektes beziehungsweise dieser Performance, überzeugte Sie, dem Event zuzustimmen?

Fiston: In meiner Heimatstadt spricht man Suaheli. In dieser Sprache schätze ich den Begriff „Makutano“. Es bedeutet der Ort der Begegnung. Leute treffen Leute, um sich über die Welt und die Gesellschaft auszutauschen. Unsere Jazzlesung ist Makutano. Jeder von uns kommt mit seiner Geschichte, seiner Einsamkeit, seinem Schicksal, seiner Poesie, seiner Freude und zusammen versuchen wir nicht den Turm zu Babel aber eine Zitadelle der Erwartung zu errichten. Denis Abrahams bringt seine Stimme, Ben Kraef am Tenorsaxphon, Fyodor Stepanov spielt Bass und Marco Mingarelli am Schlagzeug. Meine Hoffnung ist, dass die Performance nicht entweder als eine Lesung oder ein Konzert verstanden wird, sondern wie ein Gespräch zwischen Menschen. Was genau passieren wird, weiß ich noch nicht … weiterlesen…

Im Büro herrscht schon den ganzen April hindurch eine Heiden(vor)freude. Am Abend des dritten Mai gastiert bei uns der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila, der seinen erst im letzten Jahr in deutscher Übersetzung erschienenen Debütroman „Tram 83“ präsentieren wird. Das Werk stand unter anderem auf der Longlist des renommierten Man Booker Prize. Das wirklich bemerkenswerte an dieser Veranstaltung ist aber die Inszenierung des Textes, in ihrer Form so nur einmalig in der Lettrétage zu erleben: In Kooperation mit den Musikern Fyodor Stepanov (Bass), Marco Mingarelli (Schlagzeug) und Ben Kraef (Saxophon), sowie dem Sprecher Denis Abrahams wird eine Symbiose von Jazz und Literatur entstehen, die für alle Beteiligten ein Novum darstellt. Um uns über unsere Erwartungen an diese literarische Jazz-Performance klar zu werden, haben wir vorab mit Ben Kraef gesprochen.

Lettrétage: Ich beginne mit etwas Grundlegendem. Welche Aspekte des Projekts sind für Sie besonders interessant und haben Sie möglicherweise zur Zusage bewegt?

Kraef: Ich bin bei dem Projekt dabei, weil ich mich einerseits sehr für Literatur interessiere und gerne neue Autoren kennenlerne. Andererseits interessiere ich mich natürlich auch für Literatur, die sich in der einen oder anderen Form mit Musik und speziell Jazz befasst. Ein anderer Grund sind natürlich die anderen Musiker und dass ich bei einem Projekt in dieser Form auch noch nicht mitgemacht habe. weiterlesen…

Norbert Lange: To Say A Poem

JK —  18. April 2017 — Kommentieren

Norbert Lange writing to Mathias Traxler about ‚Haut-Parleurs‘, a literary event which was conceived and presented by both Harald Muenz and Mathias Traxler in the Lettrétage on the 23th February 2017 as part of the ‚CONT_TEXT‘ project.  (For further information about the event and its preparation, see here: video, photos, artists‘ discussions during preparation. Original text by Norbert Lange in German.)

Translation: Alice Bibbings

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Harald Muenz, Mathias Traxler, CON_TEXT, Haute Parleurs

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Die WiSU-Flyer sind da und freuen sich über interessierte Leser  – Weiterleiten erlaubt 🙂

 

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