Archiv: Leipzig

Sonntag, 02.04.2017, 20:00 (Eintritt frei)
Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten
Lyrik aus den deutschsprachigen Literaturinstituten 2017

Herausgegeben von Yevgeniy Breyger, Özlem Özgül Dündar, Alexander KappeRonya Othmann, Sibylla Vričić Hausmann, Saskia Warzecha

Leser/innnen: Maja-Maria Becker, Andreas Pargger, Moritz Grote, Timo Brandt

Moderation: Saskia Warzecha und Alexander Kappe

Die Anthologie Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten ist ein einzigartiges Experiment. Zum ersten Mal werden Gedichte von Autorinnen und Autoren aus den vier bestehenden Literaturinstituten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengetragen: aus dem Schweizerischen Literaturinstitut in Biel (gegründet 2008), aus dem Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien (neu konzipiert 2009), dem Institut für Literarisches Schreiben in Hildesheim (gegründet 1999) und dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig (neu gegründet 1995).
Michael Braun

Moritz Grote, geboren 1987 in Lüdenscheid. Ausbildung staatlich anerkannter Erzieher. Bachelorstudium Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Universität Hildesheim. Masterstudium Interdisziplinäre Antisemitismusforschung. TU Berlin. Altenpfleger. Englischlehrer. Texter. Lebt in Spanien.

Maja-Maria Becker, geboren 1976. Studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Zuletzt erschienen: „im schwerefeld des mondes“, hochroth Verlag Leipzig, 2013. Und: „material“, in: BELLA Triste 40. Zeitschrift für junge Literatur, Hildesheim 2017.

Timo Brandt, Jahrgang 1992, in Düsseldorf geboren und in Hamburg aufgewachsen. Seit 2014 Studium am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien; seit 2015 Mitherausgeber der JENNY Literaturzeitschrift. Veröffentlichungen u.a. in Bella Triste, STILL, Metamorphosen, Seitenstechen, offenes Feld und einigen Anthologien. Im Frühjahr 2017 ist sein Debüt „Enterhilfe fürs Universum“ bei der edition offenes feld erschienen.

Andreas Pargger, geboren 1986 in Lienz, studiert „Japanologie“ in Leipzig. Schreibt Prosa und Lyrik, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt: „kindheit am fluss“, 2013. 2. Platz Akademie Graz „Kurzprosa“ 2016. www.andreaspargger.com.

»Was verstehen wir unter leuchtenden Wurzeln? Wir möchten glauben, dass die Literaturinstitute Wurzel-Orte, Orte der Radikalität sind. Wir denken, dass es notwendig ist, den eigenen literarischen Standpunkt erst einmal grundsätzlich in Frage zu stellen, um etwas Lesenswertes zu schreiben; Diskussionen und Konfrontationen an den Instituten helfen häufig dabei. Leuchtend sind für uns vor allem auch die ›abwegigeren‹ Entwürfe, über die man ins Stolpern gerät, Zungenbrecher, die sich wildernd und sabotierend in sprachlichen Konventionen und literarischen Traditionen zu bewegen wissen.«
Die HerausgeberInnen

Retrospektive #3

Svenja Macht —  3. Oktober 2014 — Kommentieren

Wir bleiben noch etwas in Leipzig und der Langen Lesenacht. Erinnert ihr euch an babelsprech.org? Nein? Dann ist hier bei Retrospektive #3 die passende Gelegenheit, seine Kenntnisse aufzufrischen:

http://lettretage.de/Lettretagebuch/live-aus-leipzig-babelsprech-org-vorgestellt-bei-der-l3-in-leipzig-13-3-14/

Zu Gast: Die Schweizer Autorin liest aus ihrem Buch „Schnee im März“, das im Juli im Leipziger Literaturverlag erschienen ist.

Die Erzählerin ist auf der Suche nach der Form des Lebens. Des Lebens überhaupt und ihres eigenen. Dabei reflektiert sie über den Sinn und Zweck ihrer schreibenden Tätigkeit und über die Funktion der Sprache. Über das problematische Verhältnis zwischen Künstler und Welt, wobei sie Gesellschafts-, ebenso wie harsche Selbstkritik übt. Feinsinnig werden dabei unentwegt philosophische Fragen aufgeworfen und beleuchtet, deren Thematik sich von Liebe, Freiheit über Mystik bis hin zu Politik und Technik erstreckt. Eines führt zum Anderen, alles ist miteinander verwoben. Realität und Fantasie spielen Hand in Hand, ringen miteinander. Die Kunst als Möglichkeit über die Wirklichkeit hinauszugehen und diese zu erweitern, zu bereichern. Oder ihr nur zu entfliehen?

Metaphysische Betrachtungen und persönliche Erfahrungen und Erlebnisse gehen ineinander über und erzeugen ein bruchstückhaftes und doch geschlossenes Ganzes.

In einem Brief widmet die Erzählerin ihre Gedankenwelt einer unerreichbaren, verloren gegangenen Liebe, die tiefe Spuren in ihr zurückließ und vor dessen Hintergrund die Reflexionen über sich und die Welt erfolgen.

ChristinePfammatter

Christine Pfammatter: Schnee im März, Kurzprosa
Mittwoch, 27. August 2014, ab 20:00 Uhr in der Lettrétage (Mehringdamm 61)
Eintritt: 5,- / erm. 4, – Euro

Glückliche Fanatikerinnen am Büchertisch und andere fetzige Berichte aus Leipzig. Hier finden sich all die Beiträge zur Buchmesse, die Sie noch nie gelesen haben!

Give Geschnipsel a chance!

 

 

 

 

Hautenge Berichterstattung! Bereits Tage vor Beginn, versteckten sich unsere Korrespondenten unter den Tischen der besten Lesungsveranstaltungen während der diesjährigen Buchmesse – das Ergebnis sind Live-Mitschnitte im neuen Deluxe-Format (*.dlx).

Und hier sind sie!

Was für ein Wahnsinn! Lettrétage-Korrespondenten berichteten live aus den Gewölben des sagenumwobenen und breitseitig gescholtenen Deutschen Literaturinstituts Leipzig (DLL). Gar garstige Gestalten waren dort gesehen und unsaglichem Leiden und grausigen Geschichten mussten sich die heldenhaftesten unserer Literaturbetriebsfrontberichterstatter ausgesetzt sehen.

Sehen Sie selbst! Hier nochmal alles nachlesen: Das Nummereinsthema der diesjährigen Messe „Die Düsternis der Dudelsäcke – das DLL im Ausnahmezustand.

[ Übrigens: Eine Abordnung der hier als „Dudelsäcke“ Verbrähmten ist noch diese Woche in der Lettrétage zu bestaunen (ohne anfassen bitte)! Vier junge Autorinnen und Autoren stellen die neue DLL-Anthologie Tippgemeinschaft vor. ]

Das war’s – das Messegedudel ist rum – doch leicht ist es nicht, loszulassen … Die Lettrétage empfielt einen sanften Entzug mit deiner Lieblingsmusik und den schönsten Bildern aus Leipzig, aufgenommen von unserm Messe-Korrespondenten Jan Skudlarek, denn noch immer gilt:

Leipzig ist überall bei Tag und Nacht – Sichtungen von Jan Skudlarek.

Leipzig ist überall bei Tag und Nacht – Sichtungen von Jan Skudlarek.

20140316 111 weiterlesen…

Man muss sie treffen, wenn sie am schwächsten sind. Da passt es ja, dass ich einen der amtierenden Studentensprecher des Deutschen Literaturinstituts, Christian Mitko Hoffmann, im Morgengrauen nach einer satten Institutsfeier abfangen und zu einem kurzen Interview überreden konnte; zusammen sind wir eine Katze füttern gegangen, ich stellte ihm die Fragen, die wir alle schon einmal stellen wollten, und hörte mir an, was er nach einer Nacht ohne Schlaf zu antworten hat.

Christian Mitko Hoffmann

Wolltest du schon immer Studentensprecher werden?

Natürlich nicht. Um ehrlich zu sein, niemand wollte den Job machen. Darum haben meine Vorgänger mich betrunken gemacht. Mit Gin, glaube ich. Das steigert ja das Wohlbefinden. Jedenfalls war der Job in meiner Vorstellung mit einer Statue verbunden. Ich auf einem Bären. Braunbär. Natürlich. Aus Bronze. Aber irgendwie hat sich da noch nichts getan.

Was geht mit dieser Position einher?

Mails verschicken und Türen auf- und abschließen. Manchmal auch nett zu Fremden sein. Und einmal in der Woche müssen wir – es gibt ja zwei Studierendensprecher_innen – in der Prüfungskommission studentische Angelegenheiten vertreten.

An was arbeitest Du momentan?

Derzeit mache ich einen Selbstversuch. Ich gehe vier Mal in der Woche pumpen. Muskelaufbau. Mein Körperziel sind neunzig Kilo bei minimalem Fettanteil. Früher habe ich Sport ja für Unsinn gehalten. Naja, die Dinge ändern sich.

Zufrieden?

Mit dem Muskelaufbau? Klar! Fass ruhig mal an.

Was sind eure Aufgaben als Institutsstudenten während der Messe? Oder habt ihr durch die Nähe zu Leipzig keine besonderen Verpflichtungen?

Was die Anderen machen, weiß ich nicht. Ich jedenfalls betreue mehrere Veranstaltungen als Techniker. Dann gibt es noch die Tippgemeinschaft. Die armen Schweine haben ziemlich zu rackern. Der Rest wird hier und da irgendwas lesen und ansonsten die Gelegenheit nutzen, um mit Leuten zu trinken, die man lange nicht gesehen hat. So jedenfalls würde ich das machen.

Was hast Du Dir von den Veranstaltungen während der Messezeit bisher gegeben? Meidest Du, meidet ihr vielleicht auch eher die Buchmesse, soweit es geht?

Ich war als Gast bei der Hausdurchsuchung in der Nato. Ansonsten hatte ich weder Zeit noch Lust auf Messekram. Zwischen Tontechnik und Training – und geschrieben werden will ja auch noch – bleibt dafür auch einfach kein Raum.

Wie geht ihr intern damit um, dass sich irgendwelche Dritten über euch jetzt das Maul zerreißen? Oder ist das auch sonst kaum anders? Wenn doch, wie sehr lenkt das ab? Sind irgendwelche Reaktionen geplant?

Das Geschwätz von der Institutsprosa, von Einheitlichkeit und Stildruck, hört man ja ständig. Dass jetzt so offen über die ökonomische Herkunft geredet wird, ist für mich ungewohnt. Vorher war das anders. Aber es ist schon witzig, wie diese Debatte da geführt wird. Da äußern sich Verleger und Journalisten und alle sind froh mal wieder Piep machen zu dürfen. Das Feuilleton sollte ja abgeschaff werden, genauso wie die Stipendien und jede Form der staatlichen Förderungen. Ein wenig mehr Neoliberalismus täte der deutschen Kulturlandschaft gut.

Wie viel ist Theorie, wie viel Praxis bei eurem Studium?

Theorie ist immer Praxis und Praxis ist immer Theorie.

Wie sehr hat sich Dein Schreiben durch die Zeit hier verändert?

(Lacht) Da hat eine ziemliche Kehrtwende stattgefunden. Ich habe mit Sprachspielen angefangen und war sehr darauf fixiert, mit meinem Stil zu prahlen. Damit kann man bei Lesebühnen in der Provinz ziemlich punkten. Inzwischen will ich Geschichten erzählen. Die klassischen Themen. Männer, die ihre Frauen erschießen, Frauen, die ihre Kinder verlassen, Rache und Zorn. Man könnte sagen, dass mich Fragen der Moral inzwischen mehr interessieren als Probleme der Form.

Wie sehr hat sich Deine Vorstellung von einem Literaturinstitut verändert, seitdem Du hier studierst?

Es ist viel viel freundlicher, als ich anfangs dachte. Vielleicht sogar zu freundlich. Alle sind nett, und wenn im Seminar dann doch mal die Fetzen fliegen, schreiten die Dozenten ein und am Ende sind doch wieder alle Freunde. Das soll ja vor ein paar Jahren noch ganz anders gewesen sein. Wer weiß.

Was würdest Du am DLL ändern wollen?

Es sollte einen Trainingsraum geben. Die sind alle zu verweichlicht. Und einen Chor sollte es geben. Einen Institutschor. Den wollte ich immer haben. Aber leider hatte niemand Lust.

Wem würdest Du ein Studium am DLL nicht ans Herz legen?

Dir. Die würden dich hassen.


Die Fragen stellte Stefan Baudisch für die Lettrétage.

Leipzig ist überall bei Tag und Nacht – Sichtungen von Jan Skudlarek.

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