Archiv: Lesung

Wiener Literatur-Edition FZA
Publikationen aus dem aktuellen Verlagsprogramm
Die Wiener Literatur-Edition FZA aus Wien ist zum wiederholten Mal in der Lettrétage zu Gast und stellt Publikationen aus dem aktuellen Verlagsprogramm vor. Mit Texten von Mareen Bruns, Katja Schraml und Orla Wolf sorgen gleich drei Berliner Autorinnen für ein Heimspiel. Sebastian Hage-Packhäuser aus Paderborn bereichert das vielfältige Programm mit lyrischen Kontrasten. Mareen Bruns ist Hautpreisträgerin des Wiener Werkstattpreises 2017 und erhält den Preis gleich in Berlin verliehen. Orla Wolf stellt ihren neuen Lyrikband „Temporäre Zone“ vor. Katja Schraml und Sebastian Hage-Packhäuser lesen eigene Texte aus „Freie Räume“, der brandneuen Anthologie zum Wiener Werkstattpreis 2017. Peter Schaden, Verleger und Herausgeber der Edition FZA, präsentiert die neue Kulturzeitschrift „FLUCH’T’RAUM“.

Mareen Bruns Geboren 1989 in Bremen, absolvierte einen M.A. in Deutsche Gegenwartsliteratur an der Universität Göteborg; Lyrikerin und Übersetzerin für schwedische Literatur, 2015 war sie Stipendiatin der Bayrischen Akademie des Schreibens für das Lyrikseminar 2014 Stipendiatin des Bayrischen Kunstsommers für die Meisterklasse Lyrik, sie lebt in Berlin, Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften.

Sebastian Hage-Packhäuser ( : Jahrgang 1981 – ) / ( : nach der Geburt – / : langwieriger Spracherwerb – / ( : dann Studium der Mathematik – / ( : im Anschluss – / : Promotion – )) / : naturgemäße Alterung – / ( : bei täglichem Gebrauch von Sprache – ) / : & trotz Textarbeit auf engem Raum – / ( : Lyrik – ) / : erste Anzeichen von Zersetzung – / ( : Auflösung inbegriffen – / ( : work in progress – Als Einzelveröffentlichungen sind seine Gedichte bereits in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen. Verschiedene Auszeichnungen und Literaturpreise dokumentieren die sprachlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre.

Katja Schraml Geboren 1977 in Bayern, Studium der Neueren deutschen Literatur, Sprachwissenschaft und Soziologie in Würzburg, lebt in Berlin. 2015 erschien ihr Debütroman „Josef der Schnitzer Stumpf“ im KUUUK-Verlag. Gewinnerin beim BR Hörspielmanuskript- und Ideen-Wettbewerb Public Workshop 2016. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften (u.a. Wiener Werkstattpreis 2016, Karussell, keine!delikatessen, Am Erker, mosaik).

Orla Wolf Geboren 1971 in Düsseldorf, lebt als Autorin, Filmemacherin und Künstlerin in Berlin. Werke (Auswahl): Unter Insekten, Kurzprosa, Edition Hammer + Veilchen, Hamburg, 2016. Schwebende Architekturen, Gedichte & Fotografien, edition fza, Wien, 2015. Last Statement, Kurzfilm (30 min), Deutschland | USA | Kanada, 2013. Protokoll eines Nachtfalters, Gedichte, fixpoetry, Hamburg, 2010. Transit, Kurzfilm (20 min), Deutschland, 2008. entkernt, Theaterstück, UA: Theater unterm Dach, Berlin, 2008. Todesarten, Kurzfilm (13 min), Deutschland, 2007.

Dienstag, 07. November, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
Versehentliche Asymmetrien
Lesung und Gespräch der Berliner Autor*innen Esther Becker, Sebastian Janata, Mariola Grzyb und Magdalene Schrefel. Moderation: Dr. Tomasz Stompor

Vier Berliner Autor*innen erzählen von küssenden Walen, Bikinis als Seeschlangen, tätowierten Armen, mutigem Handeln, zu optimierenden Körpern und zu ändernden Hosen.

Esther Becker liest aus ihrem entstehenden Körperroman Frauen und Behinderte (Arbeitstitel). Der Körper der Icherzählerin macht, was er will – nicht was er soll: Die Augen sehen nicht gut und stehen zu eng für eine Filmkarriere, die bikiniunfähige Brust vereitelt das Schwimmabzeichen, die Pubertät lässt den schlanken Kinderkörper zu einem unverschämt fetten, faulen, ungewaschenen Ding werden. Der Körper wird im wörtlichen Sinn zu einer Angriffsfläche, die es zu optimieren bzw. minimieren gilt.

Sebastian Janata liest aus seinem entstehenden Roman die ambassadorin (Arbeitstitel), der in Berlin und Wien spielt, auf Beerdigungen und Familienessen, in Kneipen und der Änderungsschneiderei von Tessa.

Mariola Grzyb liest Gedichte aus ihrem entstehenden Lyrikband Versehentliche Asymmetrien (Arbeitstitel). Haltungen, Räume und Lücken werden erkundet und ausgebreitet, erleben Ortswechsel. Das Gedicht, ein gelenkiges Gebilde, das auch im Außen bewegt werden will.

Bold, Never Regular ist der Titel der szenischen Erzählung von Magdalene Schrefel, nach der Tätowierung auf dem Arm einer Kollegin der Sicherheitsfachkraft, die im Zentrum der Erzählung steht. Im Interview mit einer Radioreporterin rekonstruiert sie die Ereignisse des Tages, an dem sie eben so gehandelt hat: mutig und nicht einfach nur regelgerecht.

Esther Becker ist Dramatikerin, Erzählerin und Performerin. Sie absolvierte den Masterstudiengang Scenic Arts Practice an der Hochschule der Künste Bern und studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Ihre Theatertexte werden vom Verlag Felix Bloch Erben vertreten.

Sebastian Janata arbeitet als Musiker und Autor in Berlin. Seit 2006 ist er Mitglied bei der Gruppe Ja, Panik. Nach fünf erfolgreichen Studioalben (Coverstorys unter anderen im Musikexpress, Spex, Falter) veröffentlichte die Gruppe 2016 das im Kollektiv geschriebene Buch FUTUR II, welches sich auf unkonventionelle Weise mit der eigenen Bandhistorie auseinandersetzt.

Mariola Grzyb wurde in Zbrosławice geboren und lebt nach Stationen in Minden und Bielefeld seit 2008 in Berlin. Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrerin, Tänzerin und Choreographin arbeitet sie seit einigen Jahren als Autorin und Musikerin.

Magdalena Schrefel ist geboren und aufgewachsen in Wien. Nach längeren Arbeitsaufenthalten in Vukovar und Göteborg studierte sie Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Universität Wien sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie schreibt Prosa und szenische Texte und lebt in Berlin.

Freitag, 08. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei, Spenden erbeten)
Es liest Alexander Skidan
Im Gespräch mit Tillmann Severin

Der Lyriker, Essayist, Kritiker und Übersetzer Alexander Skidan gehört zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen russischen Kulturszene. Für Kulturwissenschaftler Michail Jampolski ist Skidan „eine einzigartige Erscheinung in der zeitgenössischen russischen Literatur. Er vereint die Rationalität eines scharfsinnigen Analytikers und unparteiischen Kritikers mit einem feinen Gespür für das Poetische.“ Seine Prosa und Lyrik wurde mit den bedeutendsten russischen Literaturpreisen ausgezeichnet, so auch dem Andrei-Bely-Preis. Seine Gedichtbände wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Autor Norbert Niemann schreibt: „Skidans Lyrik versteht sich als Kommentar zur postsowjetischen Wirklichkeit […] Er beobachtet einen gesellschaftlichen Prozess zunehmender sozialer und ideologischer Verwerfungen, bei dem sich alte und neue politische und religiöse Systeme vermischen, ineinander schieben, verkeilen. […] Was Alexander Skidan interessiert, ist die ‚linguistische spur des realen‘.“ In der Lettrétage spricht der LCB-Stipendiat mit Schriftsteller und Übersetzer Tillmann Severin und liest aus seinem Werk. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Russisch mit Verdolmetschung statt.

Alexander Skidan geboren 1965 in Leningrad, lebt derzeit in St. Petersburg, Russland.

Mittwoch, 13. September 2017, 20:00 Uhr, (Eintritt 5,-/ erm. 4,-)
Wie Alchemie um- und umgeschrieben
Lesung mit Ute ECKENFELDER

Die Autorin Ute Eckenfelder arbeitet mit ihren Gedichten das Prozesshafte der Sprache heraus; denn Sprache hat mit Alchemie gemein, dass sie sich nicht scheut, mit unterschiedlichsten Materialien, sinnlichen, bildhaften und geistigen Substanzen zu experimentieren – so entsteht eine Vielfalt ihres Sprechens, wodurch nicht nur die Sprache selber, sondern auch wir von der Sprache immer wieder umgeschrieben werden. Vielleicht so wie Rilke – für unsere heutigen Ohren etwas zu pathetisch – formulierte: Jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, liebt in dem Schwung der Figur nichts als den wendenden Punkt.

 

Ute ECKENFELDER

Geboren 1938 in Sulz am Neckar. Studium der Erziehungswissenschaften, M.A. Unterrichtete langjährig als Dozentin am Pestalozzi-Fröbel-Haus.

Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in zahlreichen Zeitschriften, u.a. Lichtungen, Jahrbuch der Lyrik, Ostra-Gehege, Sinn und Form.

sowie im Rundfunk. Publikationen: Mitlesebuch 19 (1997) Einblicke (1998) Falkner, bis grün dich durchwächst (2002) Ist wo die Eule (2006) War oder wird Eiszeit (2010)

Zuletzt erschien der Lyrikband: G‘schnipf für Zieglers Ziegen (Keiper 2014 / Podium 2016).

 

Nachwort von Helwig Brunner zum Buch G’schnipf füZieglers Ziegen 

„Wer die Gedichte Ute Eckenfelders liest, kommt rasch zum Staunen und hört nicht so bald wieder damit auf. Allerdings ist nicht sofort klar, woher das Staunen rührt, denn die Dichterin legt es nicht auf diese Wirkung an, sie tut nichts auf ersten Blick Außerordentliches. Sie schreibt doch nur Gedichte, möchte man sagen, so wie man über jemand anderen vielleicht sagt: Der will doch nur spielen.

[…] Kaum […] nämlich hat man erlebt, dass eine Dichterin oder ein Dichter die Sprache derart furios in sämtliche Register auffächert, sie scheinbar mühelos in ihren Höhen und Tiefen durchmisst, ohne Scheu vor ihrem Gewicht und ihrer Flüchtigkeit, ohne Berührungsängste gegenüber ihren Banalitäten […]. Dies spiegelt sich auch in der enormen Vielfalt der Motive, der thematischen und personellen Bezüge wider: Gemeinsam mit der Autorin begegnen wir Brentano, Rilke, Hofmannsthal, Hölderlin und Nietzsche, studieren Goethes Farbenlehre, Hokusais zartlinige Natur- und Landschaftsansichten, Brueghels apokalyptische Visionen und Van Goghs flackernden Himmel, besuchen die Kathedrale St. Bavo und den Hof der Beginen, treffen auf zeitgenössische Künstler wie Carsten Höller, Martin Kippenberger und Jannis Kounellis. Mit derselben Selbstverständlichkeit gehen in diesen Gedichten aber auch der Liedrijan und der Hallodri um, tummeln sich Schweine und Ziegen – samt dem für sie vorgesehenen Futter, dem »G’schnipf« –, Maulaffe und Hollerhund, weiters Radfahrer und Clowns, der Rasenmäher und die Bodenschleifmaschine.

[…] So konfigurieren sich aus der sprachkosmischen Ursuppe, die sie uns serviert, immer wieder kraftvoll-zarte poetische Fügungen, etwa ein geduldiges Grau, tantiges Handtaschen-Grün, Wahnsinnsgewölk, schnabulierende Zettel oder das Geblinzel lichtdurchlässiger Jalousien; […] Hier, in Eckenfelders entgrenzter Sprachwelt, finden wir uns in einem poetischen Kosmos wieder, der entscheidend über die Dimensionierung gewöhnlichen Sprechens hinausreicht.

So viel sprachschöpferische Virtuosität müsste Misstrauen wecken, wenn sie Selbstzweck bliebe. Doch dem ist ganz offensichtlich nicht so. »Worte sind in ihrem Sinn unendlich beweglich, ständig metaphorisch bezogen und neu beziehbar, nie selber ein letztes Fundament«, schrieb Karl Jaspers. Genau diese unendliche Beweglichkeit, dieses Fehlen eines letzten Fundaments scheint der Motor zu sein, der Eckenfelders Sprache so außerordentlich umtreibt. Schon in jungen Jahren beeindruckt von Hölderlins Sprachmagie und im Wissen um die Vordenkerrolle der Sprache, um ein in der Sprache angelegtes Verstehen vor dem Verstehen, geht Eckenfelder in ihren Gedichten aufs Ganze, nimmt die Dinge in ihrer »unausdeutbaren Deutbarkeit« (Hugo von Hofmannsthal) in den Blick. In diesen Versen werden daher weder Fragen gestellt noch Antworten gesucht – […] Vielmehr verhält sich Eckenfelders Poesie wie ein offener Sternenhimmel, auf dem man immer mehr Gestirne entdecken kann, je genauer man hinsieht. Die Dichterin ist sich der Dimension ihres Unterfangens durchaus bewusst; sie bezeichnet das Wort als anderszeitig inmitten der Zeit, schreibt von delirierenden Texten. Zu wünschen ist ihr, dass sie sich zusammen mit ihren Leserinnen und Lesern auch an der Dimension des Gelingens freut, denn diese, das darf hier mit Überzeugung gesagt werden, ist nicht vielen Dichtenden vergönnt.

Ja, Ute Eckenfelder schreibt nur Gedichte. Sie will doch nur spielen. Doch die Poesie ist wahrlich ein großes Spiel, wenn sie, also die Poesie, es ernst nimmt.“

Helwig Brunner

 

 

Donnerstag, 14. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
METROFOLKLORE
Patricia Hempel liest aus ihrem Romandebüt

»Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn einem das Flattern durch Mark und Bein schießt, sobald die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Anbetung einer unerreichbaren Geliebten ist zwar in der Theorie ganz nett, stellt aber in Wahrheit kein erfülltes Lebenskonzept dar. Doch selbst wenn einem Ovid mit seinen Verführungskünsten unter die Arme greift – wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftig auftretenden Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Mit romantischen Gesprächen über Spermabeschaffung am Frühstückstisch? Alea non iacta est. Noch können Monogamie und schreiender Nachwuchs auf den geeigneten Lebensentwurf hin überprüft werden. Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.

 

© Annette Hauschild/Ostkreuz

Patricia Hempel, geboren 1983 in Berlin, studierte erst Ur- und Frühgeschichte, bis es sie von Berlin nach Hildesheim und von der Archäologie zum literarischen Schreiben zog. Es folgten Veröffentlichungen in Zeitschriften, Magazinen und Anthologien und 2014 die Ernennung zur Wolfsburger Stadtschreiberin. Heute arbeitet Patricia Hempel als freie Journalistin und Autorin in Berlin. »Metrofolklore« ist ihr erster Roman.

 

Sonntag, 17. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
ATOMTOD UND RÜSCHENHEMD
Berlin in den Neunzigerjahren – ein literarischer Rückblick mit Markus Liske

 

Die Lesung fällt leider aus!

 

21.09. | Cronos Cube

Tom Bresemann —  5. September 2017 — Kommentieren

Donnerstag, 21. September 2017, 20:00 Uhr

CRONOS CUBE ist der Erstlingsroman von Thekla Kraußeneck. Sie entwirft ein dystopisches Szenario im Jahr 2030 und zeigt uns eine Welt, in der Drohnen über den Straßen Europas patrouillieren, Smartphones getrackt und Internetverläufe überprüft werden – jede*r ist ortbar. Die permanente Überwachung und eine vom Staat aufoktroyierte Transparenz setzen der Gesellschaft sowohl seelisch als auch finanziell zu. Menschen ohne Perspektive vegetieren in riesigen Wohnblöcken vor sich hin. Das Virtual-Reality-Spiel Cronos Cube wird zum Ausweg für Spaßsüchtige oder Verzweifelte – als letzter Hort freier Meinungsäußerung aber auch zur Brutstätte des Widerstands.

Erschienen ist der Text 2017 im „Liesmich Verlag“. Liesmich ist ein 2013 gegründeter, unabhängiger Verlag aus Leipzig mit belletristischem Schwerpunkt. Die Grenzen zwischen den Kompetenzbereichen der einzelnen Mitwirkenden sind fließend. Jeder darf sich frei einbringen und aktiv mitgestalten. Der Verlag setzt auf ungewöhnliche Vermarktungsstrategien, organisiert mobile Lesungen und entwirft Fahrrad- und Landkarten. Es ist erklärtes Ziel des Verlags, insbesondere unkonventionelle Ideen zu fördern und (bisher) unbekannten Autor*innen eine Plattform zu bieten. Der Liesmich Verlag sucht nach Geschichten, die aus der Reihe tanzen.

Thekla Kraußeneck, Jahrgang 1987, ist Berlinerin und bringt ihren lebenslangen Schreibprozess mit ihrem Debütroman „Cronos Cube“ in Buchform. Die passionierte Gamerin arbeitet seit vielen Jahren als freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung und studiert in München Ethnologie und Philosophie.

 

Sonntag, 01. Oktober 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
»Ungläubige« Gedichte und der Essay »Interview mit einem Gespenst«
Lesung John Mateer, Einleitung und Moderation: Daniel Terkl

Zweisprachige Lesung auf Englisch und Deutsch, Gespräch auf Englisch

»Kafir« ist ein arabisch-islamischer Begriff, der Personen bezeichnet, die »die Wahrheit verbergen«, aus islamischer Perspektive Ungläubige. Es ist die Wurzel des südafrikanischen Apartheid-Schimpfworts »Kaffer«, das aber zuerst von Arabern für Afrikaner, Xhosa und Bantu, verwendet wurde. »Wie kam ein Wort, das von Arabern für Afrikaner oder sollte ich eher sagen, von Muslimen für Afrikaner verwendet wurde, in die Sprache der weißen Männer?«, fragt sich John Mateer, und diese Frage stellt eine prototypische Kristallisation seiner Poetik dar. John Mateer spürt dichtend den Migrationsprozessen in den Sprachen und den mit ihnen verbundenen Wanderungs- und Verschleppungsvorgängen der Menschen mit einem Blick aufs große Ganze nach. Ungläubige sind auch – Perspektivenwechsel – aus Sicht des Westens die (islamischen) Mauren, die mit der Reconquista aus Spanien und Portugal vertrieben wurden und man könnte sich, wie John Mateer es tut, fragen, in welcher Art die folgende Kolonialisierung beinahe der gesamten Welt, von Spanien und Portugal ausgehend, eine Fortsetzung dieses Krieges war und wie die heutigen weltpolitischen Verwerfungen damit zusammenhängen. Literarisch mündet alles in dem nun vorliegenden, vollständig übersetzten Buch auch in eine umfangreiche Reise- und Biographie-Erzählung:
Wenn ich in meinem Traum auftauche / bin ich gar nicht wie John Mateer. // Ich bin ein alter chinesischer Mann, mit Stäbchen stöbere ich / durch Staub, Knochen und aschige Dinge // für einen Brocken Gold, einen Glanz, / der ihn zum Singen bringen wird.

John Mateer, *1971 in Roodeport/Johannesburg, Südafrika, wuchs dort und in Kanada auf. 1989 mit der Familie Übersiedelung nach Australien, Melbourne und später Perth, wo er heute als Kunstkritiker, Ausstellungskurator und Dichter lebt. Rege Reisetätigkeit. Regelmäßige Beiträge für Art Monthly Australia, Beiträge für internationale Literaturzeitschriften wie die Cerise Press. A Journal of Literature, Arts & Culture oder Jacket2. 2001 wurde er mit dem Victorian Premier’s Prize for Poetry bedacht. Gedichtbände: Burning Swans (1994); The Civic Poems (1996); Anachronism(1997); (Echo) (1998); Spitting Out Seeds (1999); Mister! Mister! Mister! (1999); Barefoot Speech(2000); Loanwords (2002); Makwerekwere (2002); The Ancient Capital of Images/Imaji no Koto(2003 und 2006); The Brewery Site: Six Poems (2004); Words in the Mouth of a Holy Ghost (2006); Southern Barbarians (2007); Elsewhere (2007); Ex-White/Einmal weiß (dt. von Ludwig Roman Fleischer, 2009); The Language (mit Layli Raksha, 2009); The Republic of the East (2009), Travels(2009); The West: Australien Poems 1989–2009 (2010); The Azanians (2010); This Dark Book/Este Livro Escuro (Übers.: Înes Dias, 2012); Der Narbenbaum (dt. von Andreas Schachermayr, 2015). Prosa: Semar’s Cave: an Indonesian Journal (2004); The Quiet Slave. A history in eight episodes(2015).

27.10 | Frische Texte!

Tom Bresemann —  18. September 2017 — Kommentieren

Die Abschlusslesung der Schreibwerkstatt „WARE WORTE“

Wert und Werte in der Literatur. Kann man vom Schreiben leben? Wie brotlos ist die Kunst? Ist ein Wort mehr wert als andere? Sind Bestseller Zufall? Welche Begriffe stehen gerade hoch im Kurs? Wer kauft mir sowas ab? Gibt es hier Zeilenhonorar? Was sind Literatur, Texte, Schreiben wert? Kann kommerziell überhaupt künstlerisch sein? Und Kunst kommerziell? Ist ein Buch viel wert, wenn es viel gekauft wird? Wo kann man Leser kaufen? Damit haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendschreibwerkstatt »WARE WORT« vier Tage lang beschäftigt. Am letzten Abend präsentieren sie die Ergebnisse.

Lucija Stupica und Tone Škrjanec, eine performative Lesung

Poesie aus Slowenien, neuübersetzt und begleitet mit Musik und Film. In Zusammenarbeit mit Periskop e.V. und dem Slowenischen Schriftstellerverband, mit freundlicher Unterstützung von Slowenischer Buchagentur

Lucija Stupica (1971, Celje, Slowenien) ist Dichterin und Innenarchitektin. Ihr erster Gedichtband „Čelo na soncu“ (2000) wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. 2010 erhielt sie den deutschen Hubert Burda Preis für junge osteuropäische Lyrik, 2014 den schwedischen Klas de Vylder Preis für Literatur. Sie ist Autorin zahlreicher interdisziplinärer künstlerischer Projekte. Zusammen mit Urška P. Černe ist sie Mitbegründerin des Pranger-Poesie-Festivals, einem Zusammentreffen slowenischer Lyriker, Kritiker und Lyrikübersetzer. Lucija Stupica lebt heute in Schweden, auf der Insel Oaxen. Foto: Henrik C. Enbohm

Tone Škrjanec (1953, Ljubljana, Slowenien) ist Dichter und Übersetzer moderner amerikanischer, kroatischer und serbischer Literatur. Er veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände und Albums mit Poesie und Musik. Im Mai 2017 wurde er mit dem slowenischen nationalen Poesie-Preis „čaša nesmrtnosti“ für sein hervorragendes Opus ausgezeichnet. Škrjanec ist auch als Programmkoordinator der Kulturinstitution „KUD Franceta Prešerna“ und als Organisator des Ljubljana Poesiefestivals „Trnovski terceti“ tätig.

Foto: David Konečny