Archiv: Lesung

Im Büro herrscht schon den ganzen April hindurch eine Heiden(vor)freude. Am Abend des dritten Mai gastiert bei uns der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila, der seinen erst im letzten Jahr in deutscher Übersetzung erschienenen Debütroman „Tram 83“ präsentieren wird. Das Werk stand unter anderem auf der Longlist des renommierten Man Booker Prize. Das wirklich bemerkenswerte an dieser Veranstaltung ist aber die Inszenierung des Textes, in ihrer Form so nur einmalig in der Lettrétage zu erleben: In Kooperation mit den Musikern Fyodor Stepanov (Bass), Marco Mingarelli (Schlagzeug) und Ben Kraef (Saxophon), sowie dem Sprecher Denis Abrahams wird eine Symbiose von Jazz und Literatur entstehen, die für alle Beteiligten ein Novum darstellt. Um uns über unsere Erwartungen an diese literarische Jazz-Performance klar zu werden, haben wir vorab mit Ben Kraef gesprochen.

Lettrétage: Ich beginne mit etwas Grundlegendem. Welche Aspekte des Projekts sind für Sie besonders interessant und haben Sie möglicherweise zur Zusage bewegt?

Kraef: Ich bin bei dem Projekt dabei, weil ich mich einerseits sehr für Literatur interessiere und gerne neue Autoren kennenlerne. Andererseits interessiere ich mich natürlich auch für Literatur, die sich in der einen oder anderen Form mit Musik und speziell Jazz befasst. Ein anderer Grund sind natürlich die anderen Musiker und dass ich bei einem Projekt in dieser Form auch noch nicht mitgemacht habe. weiterlesen…

Donnerstag, 04. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,-/erm. 4,-)
Dass wir uns haben
Luise Maier liest aus ihrem Romandebüt

 

„Ich hatte mir aus Mutters Schreibtisch ein Notizheft geklaut. Dort schrieb ich hinein: Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. […] Bis alle Seiten gefüllt waren.“

© Nora Longatti

Wenn ein junges Mädchen zu einer Erzählung über ihre Familie ansetzt und dabei eine solche Episode als Einstieg wählt, ist das wohl Anlass zur Sorge. Und in der Tat ist Luise Maiers Debütroman „Dass wir uns haben“ angefüllt mit Berichten über häusliche Gewalt, tiefe Verzweiflung und dysfunktionale Abhängigkeiten. Die namenlose Ich-Erzählerin liefert einen Report über ihre eigene Kindheit auf dem Land, der im Wesentlichen als Kammerspiel mit vier Beteiligten konzipiert ist: Mutter, Vater, Bruder und Protagonistin existieren fast ausschließlich in Bezug aufeinander und bringen es doch nicht fertig, dieses Verhältnis untereinander zu artikulieren. Die Folge ist Sehnsucht nach Nähe, genauso wie die Erfahrung von Gewalt – ein Spannungsverhältnis, an dem die Familie langsam zerbricht. Die junge Tochter der Familie erzählt die schnelle Abfolge an Episoden mit einer Distanz, fast schon Indifferenz, die den Leser paradoxerweise direkter trifft als jeder andere denkbare Ansatz. Das widersprüchliche Verhältnis von Nähe und Distanz im Umgang der Figuren untereinander wird von Maier famos in die sprachliche Gestaltung des Textes übersetzt.

Luise Maier wurde 1991 in Schardenberg in Österreich geboren und wuchs im niederbayerischen Vilshofen auf. Sie studierte ab 2012 am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne, wo sie auch heute noch lebt. Nach Veröffentlichungen verschiedener Texte u.a. in der Liesettelittéraire, der BELLA triste und den horen erschien ihr Erstling „Dass wir uns haben“ 2017 beim Wallstein Verlag.

 

 

Montag, 15. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,- / erm. 4,-)
Stella maris
Vorstellung des neuen Romans von Isabella Feimer

Die Menschheit hat die Grenzen des ihr bekannten Himmels überschritten, die Erde ist zu einer Nichtigkeit geworden, der Mensch selbst seines die Nacktheit beschützenden Schleiers beraubt.

Eva hat in sich Geschichten vieler Epochen und unterschiedlicher Orte versammelt. Ihre Erinnerung ist der einzige Ort, der keine Begrenzung kennt. Evas Erinnerungsfragmente fügen sich mosaikartig zu einem überbordenden Gemälde, in dem sich ihre Erlebnisse in Rom und Paris verdichten. Zwischen den antiken Ruinen Roms, die immer noch vergangene Seelen in sich tragen, wuchern Angst und Faschismus in Richtung des nahenden Krieges. Jahrzehnte später in Paris sieht sich Eva erneut mit einer Epoche der Gewalt konfrontiert, in der dem vorherrschenden Terror nur mit Anarchie und der Überschreitung einer Liebe begegnet werden kann. Doch es scheint, als hätte Eva ihren Leitstern, den Stella maris, verloren.

In poetisch-bildhafter Sprache, die zwischen Schönheit und Grausamkeit changiert, erzählt Isabella Feimer eine Höllenfahrt durch Zeit und Raum, die beginnend mit der Renaissance in eine futuristische Welt führt.

Leseprobe:

„Erde, der verblasste, aufgebrauchte Planet, der längst aus unserem Sichtfeld verschwunden ist, manchmal sehe ich das strahlende Blau noch vor mir pochen, diesen kostbaren Saphir, Blau der Erinnerung, das mit jedem neuerlichen Blick in Veränderung ist, wechselt von einer Gestalt in eine andere,

ein Stück Seide aus einem Kleid gerissen,

eine Blume zum Trocknen unter ein Kissen gelegt,

eine Liebeserklärung niemals gemacht,

Erde ist diese optische Täuschung, in der ich mich verliere, und verloren bin ich seit langer Zeit, dennoch, vielleicht einer letzten Sehnsucht folgend, tupfe ich mit den Fingerspitzen in das Blau und spüre, dass ich darin versinke, eins werde mit dem Element,

so sehe ich mich, nicht das Leben, das ich führen muss,

ein maskiertes Ich lächelt mir im Taschenspiegel, den ich immer bei mir trage, ein Schmuckstück aus einer vergessenen Zeit, und die Ornamente, die ihn zieren, zieren auch meine Gedanken an diese Zeit,

noch zähle ich die Tage der Mission und ritze mir jeden Tag, der vergangen ist, mit den Nägeln in mein Herz.“

Über die Autorin:

© Manfredo Weihs

Isabella Feimer wurde 1976 geboren und wuchs in Schwechat, Niederösterreich, auf. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Theaterregisseurin und Schriftstellerin. Sie verfasste bisher Romane, Kurzgeschichten, Reiseprosa und Theatertexte. 2012 Nominierung bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur, 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Akademie Graz, 2013 und 2015 Nominierung für den Alpha-Preis, 2013 Kulturpreis des Landes Niederösterreich, Anerkennungspreis Literatur. 2014 Stadtschreiberin von Schwaz, Tirol. 2015 erschien der Roman Trophäen bei Braumüller, und 2016 erhielt sie das Hans Weigel Stipendium des Landes Niederösterreich.

In einem Interview mit Telegramme erzählt sie: „Ich bin sehr glücklich, dass ich Stella maris geschrieben habe, nicht nur deshalb, weil ich endlich den Hauch Science-Fiction geschrieben habe, wie es schon lange mein Wunsch war, sondern auch deshalb, weil es mir für mich gelungen ist, komplexe Handlungsstränge zwischen Zeit und Raum und deren Negation zu verknüpfen und mich sprachlich wieder ein Stück weiterzuentwickeln.“ Hier geht es zum Interview, in dem Sie mehr über „Stella maris“ erfahren können.

Dienstag, 16. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt: 5,- / erm. 4,-)
Versetzter Stein
Lesung mit Nikola Madzirov und Denis Abrahams

Nikola Madzirov, 1973 in Strumica / Mazedonien geboren, hat drei Gedichtbände veröffentlicht. Er war Stipendiat in Berlin, an der University of Iowa und Gast der Villa Waldberta in München. Derzeit hält Madzirov sich als Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin auf.

»Ein Überbleibsel eines anderen Jahrhunderts sind wir«–schreibt Nikola Madzirov in einem seiner Gedichte,und Adam Zagajewski kommentiert: »–und wie kaum ein anderer vermag er uns zu überzeugen. Wir sollten auf diesen Dichter hören!« Mit diesem ersten Gedichtband in deutscher Übersetzung wird endlich dieser mazedonische Autor vorgestellt, der auf der ganzen Welt begeisterte Leser gefunden hat. Mit überraschenden Bildern und einer bezwingenden Klarheit vermisst er die Welt neu – die Kindheit, seine Heimat, seinen Glauben: »Ich will wachsen wie wildes Gras, das die Überbleibsel / unserer Kindheit umarmen wird, / eins sein mit dem Eis, dem Wasser / dem Dampf, der Leere …«

Denis Abrahams liest die deutschen Übersetzungen der Gedichte. Anschließend gibt es ein Gespräch mit dem Autor auf Englisch.

 

18.05. | JENNY

Lisa Lettretage —  26. April 2017 — Kommentieren

Donnerstag, 18. Mai 2017, 20:00 Uhr
Blau, Blau, Blau ist meine Lieblingsfarbe
Lesung aus der vierten Ausgabe der Literaturzeitschrift JENNY

Glamour aus Wien zu Gast in Berlin: JENNY tourt durch Deutschland und legt natürlich auch in Berlin einen Stopp ein.

An diesem Abend lesen für euch: Helene Bukowski, Luca Manuel Kieser, Oravin, Frank Ruf und Jan Skudlarek. Die Zuhörer erwarten Geschichten und Verse von brachialer Liebe, sanfter Entrückung und bizarrer Courage – heftige Körperlichkeiten, vom Fleck weg Gestyltes, bezaubernde Eitelkeiten und brandgefährliche Coolness sind zu erwarten. Kurz gesagt: die hohe Literatur, nur ein bisschen fetziger, mit Schirmchen drin.

Einmal im Jahr erscheinen Texte der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur in dem aufwändig gestalteten Magazin, das in Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst in Wien erscheint und von einem kleinen Redaktionsteam aus Studenten des Instituts für Sprachkunst herausgegeben wird. JENNY ist blau, neunmalklug, über 100 Seiten stark und schön wie ein Buch.

Freitag, 19. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
„Sprachkunst aus dem Ritterverlag “
Lesung

Moderation: Florian Neuner
Unterstützt durch: BKA-Kunstsektion
Ritterverlag

Es lesen:

© Schweiger

Stefan Schweiger: liegen bleiben

„liegen bleiben“ ist die Ausfaltung eines Verlusts, der den Protagonisten sukzessive in einen stuporösen Zustand gleiten lässt. Der Textfluss, der über weite Strecken eine Dialogform zwischen Lebenden und Toten bedient, löscht die Welt des Erzählers nach und nach aus. Der Erzähler als ein von der Möglichkeit zu enden Besessener erinnert nicht nur den Tod des anderen, sondern seinen eigenen in einer treibenden Bewegung von der Zukunft wie auch von der Vergangenheit aus auf die Gegenwart zu. In einer Welt fortwährender Zerstreuung erscheint „liegen bleiben“ schließlich als einzig mögliche Alternative zum Vergessen. Stefan Schweigers Prosa ist ein lakonisch-monumentales memento mori, gerichtet an eine Gesellschaft, die Funktionieren über das Denken stellt. In staunenswerter Prägnanz und mit hintersinnigem Humor dekliniert der Autor Sprechweisen heutiger intentionsloser Hyperaktivität und chronischer Überfordertheit und lässt diese konterkarierend ins Leere laufen. „liegen bleiben“ ist eine minuziöse poetische Arbeit zum Sprach- und Bewusstseinsstand der Zeit wider das Geraune eines anything goes. (© Schweiger)

Stefan Schweiger lebt und publiziert nach dem Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft seit 1991 als Sozialpsychologe und freier Autor in Berlin. Regelmäßige Buchveröffentlichungen, zuletzt „Trennungsmuster“ gemeinsam mit Jordis Brook (2014) sowie zahlreiche Beiträge in Anthologien, Gemeinschaftsprojekten u. Literaturzeitschriften. Im Ritter Verlag erschienen: „Kiefer. Fäden. Shoah“ (2009), „ruptus. marktgeschehen“ (2012), „liegen bleiben. prosa“ (2016).

© BURQAMASCHINEN

D. Holland-Moritz: The Daily Planet. Ein Para-Feuilleton.

The Daily Planet“ versammelt ein Best Of von D. Holland-Moritz’ Kurzprosa der letzten Jahre zu einer literarischen „Konzeptzeitung“ mit „Leitartikeln“, „Breaking-News“, „Reisebeilagen“ und einem Fortsetzungsroman à la Perry Rhodan, um das zu berichten, was sonst keine Nachrichten bringen. Als Aficionado streift der Autor durch Galerien und Musik-Clubs (West-)Berlins und kreiert, deren Events und Protagonisten kommentierend, eine kühn mäandernde Form der Kritik, in die persönliche Spurensuche und Zeitanalyse eng verwoben sind. Rückblicke bis in die 1960er führen über eine Szene-Chronik zwischen hochfliegenden Ideen und substanzbedingten Abstürzen hinaus und rufen ein widerständiges Denken in Erinnerung, das stets über die Segregationsgrenzen des Undergrounds hinausreicht. Holland-Moritz’ Recherche nach Gegenkonzepten jenseits von Freiheitsschimären und obsoleter Idyllen setzt die Programme seiner letzten Bücher „Fan Base Pusher“ und „Promoter“ fort: Das heiter-melancholische, intelligent-angriffige Journal „The Daily Planet“ empfiehlt sich als Leitmedium für die konsequente Arbeit am eigenen ästhetischen und politischen Bewusstsein – ein Leben lang. (© BURQAMASCHINEN)

D. Holland-Moritz, geb. 1954 in Solingen, lebt als Germanist und freier Autor in Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen und Leseperformances seit 1983. Regelmäßig in perspektive – hefte für zeitgenössische literatur (Graz/Berlin) publizierend und mit perspektive literatur berlin e.V. operativ tätig. Unterhielt bis 2015 mit dem Publizisten Ralf B. Korte und dem Verleger Uwe Warnke den Literatursalon TEXT TOTAL. Im Ritter Verlag erschienen: „Fan Base Pusher“ (2008), „Promoter“ (2011), „The Daily Planet. Ein Para-Feuilleton“ (2017).

© Zauner

Hansjörg Zauner: 99.144 gedichtnasenlöcher schießen auf mich bis alles paßt

Hansjörg Zauner ist ein Dichter von staunenswerter Konsequenz, der sich auf einige wenige sprachmanipulative Verfahren konzentriert, die er in stets neuen Facetten und auf exzessive Weise anwendet. Geradezu ein Markenzeichen seiner Kunst ist das Auf-die-Spitze-Treiben komplexer Wortzusammensetzungen, die nach dem Maßstab herkömmlicher Semantik aberwitzig erscheinen. Alles scheint mit allem verbunden und kombinierbar, ohne Unterschied paaren sich Materialien, Gerätschaften, Pflanzen, Tier und Mensch. Im vorliegenden Gedichtband irrlichtern solcherart Monstra durch Kompanien ebenförmiger Langzeilen in Strophenformation dahin. Gegenläufig zur abstrakten Gliederung treibt der Autor ein anarchisches Wortbildungsspektakel zur Erschaffung eines schroffen, eigengesetzlichen Sprachuniversums. Hansjörg Zauners schier unstillbarer Drang nach immer neuen Kompositakreationen bereitet jeglicher Übung linearen Lesens den Garaus. Das Nachspüren der kreativen Energien seiner beispiellosen Materialausbreitung verspricht ein Lektüreerlebnis von selten erreichter Intensität. (© Zauner)

Hansjörg Zauner, geb. 1959 in Salzburg, lebt in Wien und Obertraun. Dichtung, visuelle Arbeiten, Kurzfilme, Herausgebertätigkeit. Im Ritter Verlag erschienen: „mein mund das saegeloch handtuch“ (1997), „die tafel schreibt. gedichte. Mit einem Essay von Franz Josef Czernin“ (2012), „sie ist im lieblingssong mit skistöcken als lächeln hängengeblieben“ (2013), „99.144 gedichtnasenlöcher schießen auf mich bis alles paßt“

Florian Neuner, geboren 1972 in Wels, lebt in Berlin. Sein Arbeitsschwerpunkt als Publizist ist die Neue Musik. Im Klever Verlag (Wien) gibt er die Zeitschrift Idiome. Hefte für Neue Prosa heraus und hat dort zuletzt das Buch Satzteillager veröffentlicht. Im Verlag Peter Engstler ist 2013 unter dem Titel Moor (oder Moos) eine „den Inseltexten vorgelagerte Textinsel“ erschienen. – Im Ritter Verlag erschienen: „Jena Paradies“ (2004) und „Zitat Ende“ (1997).

21.05. | Verbockt!

Lisa Lettretage —  19. April 2017 — Kommentieren

Sonntag, 21. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt frei)
Verbockt! Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht.
Lesung mit Markus Bock

© Markus Bock

Markus Bock spricht über das, was viele nur denken können: Wie fühlen sich Depressionen und Suizidgedanken an? Was passiert bei einer Therapie und im persönlichen Umfeld? Es geht nicht um Zahlen, Daten, Fakten, Medikamente. In „Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht …“ geht es um einen ungeschönten Blick auf die Gefühlswelt in depressiven Lebensabschnitten und deren Auswirkungen. Die Lesung ist kein Ratgeber, sondern ein verständnisvoller Tatsachenbericht, in dem Bock Einblicke in viele Abgründe gibt.

Donnerstag, 25. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
„Bessermann“ 
Lesung mit Adrian Kasnitz und Kathrin Bach 

Der traumatisierte Kriegsreporter Bessermann kehrt nach Deutschland zurück, schottet sich in seiner Wohnung ab und beschränkt die Kontakte mit der Außenwelt auf ein Minimum: Menschen in seiner Straße, die Kreuzung, das Lokal gegenüber werden zu erzählerischen Miniaturen, Splitter einer narrativen Kamerafahrt, bei der der Autor mit Perspektivenwechseln spielt. Adrian Kasnitz hat einen Roman über Bedrohung, Gewalt und die Paranoia geschrieben, die alle langsam befällt. Gibt es ein Schicksal, dem niemand entkommt? Oder gelingt es Bessermann, sich Schritt für Schritt von seiner Isolation zu befreien?

© Knithaki

„Sie kümmerten sich um ihn, fragten nach dem Wohlergehen, nach den Plänen für diese Woche und schlugen ihm einen kleinen Text vor, einen Kommentar oder Erinnerungsbericht, den er ohne weiteres hätte aufschreiben können, galt er doch als Experte. Aber er war nicht willens. (…) Er kannte ja die Frage und sie wussten seine Antwort. Also ging es ihnen um etwas anderes, um eine Versicherung, dass er noch am Leben sei.“

Adrian Kasnitz, an der Ostsee geboren, lebt als Schriftsteller und Herausgeber in Köln. Er veröffentlichte den Roman „Wodka und Oliven“ (2012) und mehrere Gedichtbände, zuletzt „Glückliche Niederlagen“ (2016) und „Kalendarium #1 bis #3“ (2015f.). Er betreut die Edition parasitenpresse und ist Gastgeber der Kölner Lesereihe Literaturklub.

Es lesen Kathrin Bach und Adrian Kasnitz. Moderation: Mladen Gladić

Donnerstag, 6. April 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 3,-)
Tippgemeinschaft
Die Jahresanthologie der Studierenden am Deutschen Literaturinstitut Leipzig

© Moritz Zeller

© Moritz Zeller

Die „Tippgemeinschaft – die Jahresanthologie der Studierenden am Deutschen Literaturinstitut Leipzig“ 2017 stellt sich vor! Das studentische Projekt des Deutschen Literaturinstituts vereinigt Texte verschiedenster Art miteinander und fügt alles zu einem leckeren ‚Sandwich‘ zusammen. Lesen werden Mia Göhring, Peter Lünenschloß, Anne Oltscher und Theresa Pleitner.

 

© Peter Lünenschloß

Peter Lünenschloß: Geboren 1984 in Berlin. Bachelor-Studium der Mathematik an der Technischen Universität Braunschweig. Master-Studium Logik und Wissenschaftstheorie an der Universität Leipzig. Seit 2014 Student am deutschen Literaturinstitut Leipzig.

 

 

Mia Göhring: Geboren 1995 in Berlin, lebt und arbeitet seit 2015 in Leipzig.

© Theresa Pleitner

Theresa Pleitner: Geboren 1991 in Stuttgart. Gehörte gehörte zu den Jahrespreisträger*innen des Lyrix-Wettbewerbs 2008, ausgeschrieben vom Deutschlandradio Kultur. Der Einladung zum „Treffen Junger Autoren“ folgte sie 2011, 2016 war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses. Sie studierte Psychologie in Heidelberg von 2010-2013, arbeitete danach in einer psychiatrischen Klinik und als Menschenrechtsbeobachterin in Chiapas, Mexiko. Seit 2014 studiert sie literarisches Schreiben in Leipzig, seit 2016 im Master Psychologie in Berlin.

 

© Franz Grünewald

Anne Oltscher: Geboren 1993 in Nürnberg, seit 2015 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Montag und Dienstag, 24. & 25. 04.2017, 10:00-17:00 Uhr (Eintritt 24,-)
„Die Autorenlesung – Methoden für den Erfolg im Literaturbetrieb“
Workshop

Lesungen – für die einen sind sie die ungeliebte Pflicht eines Profis der Selbst- und Buchvermarktung. Für diejenigen, die das Potential sehen und schätzen sind sie aber ein willkommener und wichtiger Bestandteil des Jobprofils. Daran vorbei kommt man als erfolgssuchender  Autor allerdings sowieso nicht. Wenn Sie sich darauf einlassen – ob Sie nun müssen oder (hoffentlich) wollen – zeigen wir Ihnen, wie man eine Lesung professionell vorbereitet und zum Erfolg werden lässt.

An Tag 1 erfahren Sie, wie Sie im Literaturbetrieb ankommen – von den ersten Schritten in die Literaturszene vor Erscheinen des ersten Buchs bis zur professionellen Selbstvermarktung erfolgreicher Autoren. Welche „handwerklichen“ Fähigkeiten und Methoden sind unerlässlich, damit ich überhaupt zu Lesungen eingeladen werde? Wie kann ich „nachhelfen“, wo gerate ich in eine Sackgasse? Was ist mit dem Bourdieu‘schen Begriff des „Symbolischen Kapitals“ gemeint? Wie kann ich mit selbst ausgerichteten Veranstaltungen und eigenen Veranstaltungsformaten punkten? Wie schaffe ich es, dass diese Aktivitäten mich nicht von anderen Arbeiten abhalten?

An Tag 2 erfahren Sie, wie man eine Lesung konkret gestaltet: Wie moderiert man sich selbst und die Lesestelle an? Wie viel darf verraten werden, was soll erzählt, was vorgelesen werden? Wie erstellt man eine Lese-Strichfassung? Wie funktioniert professionelles Sprechen und Vorlesen? Was kann ich tun, damit meine Lesung spannend ist und die Zuhörer aus Interesse und Begeisterung bleiben. Nicht etwa aus Höflichkeit. Oder gar nicht. Poets welcome!

Moritz Malsch ist Mitbegründer und –betreiber des Literaturhauses Lettrétage. Als Lektor, Übersetzer und Kleinverleger ist er seit rund zwölf Jahren in der Berliner Literaturszene aktiv. Er studierte Germanistik und Musikwissenschaft an der TU Berlin und arbeitete rund zwei Jahre lang in einem kleinen Literaturverlag. Seit Gründung der Lettrétage 2006 sammelt er Erfahrungen in allen Bereichen des literarischen Veranstaltens – von der inhaltlichen Konzeption von Lesungen und Veranstaltungsprojekten übers Fundraising bis hin zum Management eines Literaturhauses. www.lettretage.de

© Richard Heidinger

Tina Kemnitz ist Diplom-Sprechwissenschaftlerin und Literaturvermittlerin. Sie arbeitete viele Jahre als Dozentin für Sprecherziehung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ (HfS) Berlin und ist selbst Vorleserin und Sprecherin. In ihrer Buchempfehlungsshow macht sie bundesweit Kinder und Jugendliche auf Bücher neugierig. Erwähnt sein soll auch die – leider viel zu kurze – Zusammenarbeit mit Harry Rowohlt (CD „Stories von Kurt Vonnegut“). www.sprechart.de / www.tollesbuch.de

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.

Anmeldungen bitte bis 07.04.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.