Archiv: Lesung

Sonntag, 17. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Atomtod und Rüschenhemd
Berlin in den Neunzigerjahren – ein literarischer Rückblick mit Markus Liske

Der Kalte Krieg ist vorbei, die Mauer gefallen. George Bush d.Ä. verkündet eine Neue Weltordnung und moderiert dabei en passant den Islamismus als neuen Feind an. In den deutschen Provinzen feiert man das Ende ihrer Zweistaatlichkeit mit brennenden Häusern und zünftigen Menschenjagden, während in Berlin die letzten Kinder des Atomtod-Zeitalters ihre schwarzen Klamotten und Grufti-LPs über Bord werfen, um der unerwarteten Möglichkeit einer Zukunft in bunten Rüschenhemden entgegen zu treten. Gegen die nachklingenden Depressionen gibt es kleine Pillen und von diesen beschwingt zelebrieren melancholische Individualisten ihr Leben nach dem überraschend ausgebliebenen Weltende als Massenkultur der Glückseligkeit …

„Ohne ‚No Future’ hätte es ‚Friede, Freude, Eierkuchen’ nie gegeben.“ – Der Autor und Publizist Markus Liske lädt zu einer literarischen Reise in jenes Jahrzehnt, in dem die alte Nachkriegsordnung zerbrach und mit reichlich „Hyper! Hyper!“ die Welt entstand, in der wir heute leben.

© Nane Diehl

Markus Liske (*1967) veröffentlichte im Verbrecher Verlag zuletzt den Neunzigerjahre-Roman „Glückschweine“. Zuvor war er Mitherausgeber der literarischen Nachwende-Anthologie „Kaltland – Eine Sammlung“ (Rotbuch 2011), des Erich Mühsam-Lesebuchs „Das seid ihr Hunde wert!“ (Verbrecher Verlag 2014) und der Essaysammlung „Vorsicht Volk!“ (Verbrecher Verlag 2015). Liske schreibt regelmäßig für die Wochenzeitung Jungle World. Seine frühen Satiren und Essays erschienen dreibändig im Verlag Edition AV.

 

Thomas Maier liest „To the lightest of dogs“ und „The Liquid R“ aus dem 2018 erscheinenden Band „Another City“ des amerikanischen Dichters David Keplinger. Keplinger selbst wird seine Gedichte am 12.06. um 19 Uhr in der Lettrétage lesen, ins Deutsche übersetzt und gelesen werden sie von Jan Wagner.

Interview und Beitrag von Thomas Maier

 

Jennifer Bennett, schweizerisch-amerikanische Künstlerin, ist unter Umständen gar nicht so einverstanden damit, dass ich sie gleich zu Beginn dieses Beitrags mittels Parenthese über ihre Staatsbürgerschaften definiere. Bennett befasst sich in ihrem Buch SAVE, bei uns live gelesen und diskutiert zu erleben am 11.06., nämlich hoch kritisch mit einigen der drängendsten Fragen unserer Zeit . Was ist eigentlich ein Nationalstaat und warum dominiert die Vorstellung von ihm unsere gedankliche Aufteilung der Welt in dem Maße, in dem sie es eben tut? Welche Rolle spielen multinationale Konzerne in diesem systemischen Machtgefüge? Und wo kommt dabei das Individuum ins Spiel, das sich der Faktizität seiner Existenz irgendwo mittendrin in diesem ganzen Schlamassel ja nunmal nicht entziehen kann, so sehr es das vielleicht auch möchte? Bennetts Fragen an die Welt reichen von der Klärung (scheinbar) grundlegender Prinzipien bis hin zu solchen, die beinahe schon philosophische Dimension annehmen. Bennett hätte da auch die Textform der Dissertation wählen können. Zum Glück tat sie es nicht, sondern begab sich auf eine Interviewreise, traf Menschen, redete und vor allem – ließ reden. Und letzteres tun wir jetzt auch.

 

TM: Jennifer, SAVE ist ja ein Werk, in dem ungemein viel Arbeit steckt. Du bist durch Chile, Argentinien, Mexiko und die USA gereist, hast etliche Interviewpartner zu Wort kommen lassen und auch die Info-Einschübe schreiben sich ja nicht ohne Recherche. Könntest du etwas dazu erzählen, wie das Projekt in diesem Umfang zu Stande gekommen ist, was deine Motivation dahinter war, und wie die Durchführung ausgesehen hat? weiterlesen…

Freitag, 07. Juli 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
textes en routes
Lesung

„Es passiert ja auch immer etwas, wenn nichts passiert“, lautete einst der knappe Kommentar eines Dozenten an eine Studierende, die eine sogenannte Schreibkrise hatte. Inzwischen ist das Literaturinstitut in Biel 10 Jahre alt. Und es ist dann doch eine Menge passiert. Rund hundert Absolventen hat es hervorgebracht, viele von ihnen haben bei namhaften Verlagen publiziert und Preise erhalten. Das Schweizerische Literaturinstitut ist zu einer festen Größe in der deutschsprachigen Literaturlandschaft geworden. Aber was (ver)lernt man eigentlich genau an einem Literaturinstitut? Und wie lebt und schreibt es sich fort nach drei Jahren im abgeschiedenen Biel/Bienne?

Die Jubiläumstournee „textes en route“ findet ihren Abschluss in der Berliner lettrétage. Lesung und Gespräch mit Thomas Flahaut, Paula Fürstenberg, Matthias Nawrat und Lorena Simmel, Moderation: Aurélie Maurin. Mit großzügiger Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung und Pro Helvetia.

© Lorena Simmel

Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, zog als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg um. Er studierte in Freiburg und Heidelberg Biologie, danach am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Für seinen Debütroman „Wir zwei allein“ (2012) erhielt er u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, sein Roman „Unternehmer“ (2014), für den Deutschen Buchpreis nominiert, wurde u.a. mit dem Kelag-Preis und dem Bayern 2-Wortspiele-Preis ausgezeichnet. «Die vielen Tode unseres Opas Jurek» (2015), sein dritter Roman, brachte ihm den Förderpreis des Bremer Literaturpreises sowie die Alfred Döblin-Medaille ein. Matthias Nawrat lebt in Berlin.

© Gianna Molinari

Lorena Simmel, geboren in Fribourg (CH), aufgewachsen in der Schweiz, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel/Bienne, sowie an der Humboldt-Universität zu Berlin und in Warschau.

 

 

© Jonas Ludwig Walter

Paula Fürstenberg, Jahrgang 1987, wuchs in Potsdam auf. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Frankreich studierte sie von 2008 bis 2011 am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Seither lebt, schreibt und studiert sie in Berlin. Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit dem Hattinger Förderpreis für Junge Literatur und dem Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg; 2014 war sie Stipendiatin der Autorenwerkstatt am Literarischen Colloquium Berlin. Ihr Debütroman »Familie der geflügelten Tiger« erschien 2016 bei Kiepenheuer & Witsch.

© Antoine Flahaut

Thomas Flahaut wurde 1991 in Montbéliard (F) geboren. Er lebt, studiert und arbeitet in Lausanne, wo er das literarische Kollektiv „Hétérotrophes“ mitbegründet hat. Sein Debütroman „Ostwald“ erscheint im August 2017 im Pariser Verlagshaus éditions de l’Olivier.

Aurélie Maurin lebt in Berlin als freie Literaturvermittlerin, Kuratorin und Moderatorin sowohl für Institutionen (u.a.Haus für Poesie, Haus der Kulturen der Welt) als auch für zahlreiche Einrichtungen der freien Szene (u.a. Kookread, Ausland). Seit 2016 ist sie als Jurorin des Berliner Senats für die City Tax-Kulturmittel tätig und stellvertretende Vorsitzende des „Netzwerks der freien Berliner Literaturszene“ sowie Sprecherin für die Koalition der Freien Szene Berlin. Seit zwölf Jahren leitet sie die internationale Übersetzungswerkstatt „Versschmuggel“ und ist Mitherausgeberin der gleichnamigen Buchreihe (Verlag das Wunderhorn). Sie ist Publikationsdirektorin der deutsch-französischen Literaturzeitschrift „la mer gelée“, Literaturübersetzerin und auch Musikerin.

 

Morgen ist es nun endlich so weit: die Jazzlesung zu Fiston Mwanza Mujilas Debütroman „Tram 83“ steht bevor. Bereits vor wenigen Tagen erschien an höchstselbiger Stelle ja bereits ein Interview mit Saxophonist Ben Kraef, der gemeinsam mit Fyodor Stepanov, Marco Mingarelli und Denis Abrahams am 03. Mai auf Mujila und dessen Text treffen wird. Wir wollen also gar nicht noch einmal allzu viele Worte über die Charakteristik dieses außergewöhnlichen Werkes verlieren. Besser wäre es, man ließe einfach den Autor selbst sprechen.

Lettrétage: Ich fange mit der gleichen, ganz allgemeinen Frage an, die ich auch dem Rest der Gruppe gestellt habe: Welche Aspekte dieses Projektes beziehungsweise dieser Performance, überzeugte Sie, dem Event zuzustimmen?

Fiston: In meiner Heimatstadt spricht man Suaheli. In dieser Sprache schätze ich den Begriff „Makutano“. Es bedeutet der Ort der Begegnung. Leute treffen Leute, um sich über die Welt und die Gesellschaft auszutauschen. Unsere Jazzlesung ist Makutano. Jeder von uns kommt mit seiner Geschichte, seiner Einsamkeit, seinem Schicksal, seiner Poesie, seiner Freude und zusammen versuchen wir nicht den Turm zu Babel aber eine Zitadelle der Erwartung zu errichten. Denis Abrahams bringt seine Stimme, Ben Kraef am Tenorsaxphon, Fyodor Stepanov spielt Bass und Marco Mingarelli am Schlagzeug. Meine Hoffnung ist, dass die Performance nicht entweder als eine Lesung oder ein Konzert verstanden wird, sondern wie ein Gespräch zwischen Menschen. Was genau passieren wird, weiß ich noch nicht … weiterlesen…

Im Büro herrscht schon den ganzen April hindurch eine Heiden(vor)freude. Am Abend des dritten Mai gastiert bei uns der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila, der seinen erst im letzten Jahr in deutscher Übersetzung erschienenen Debütroman „Tram 83“ präsentieren wird. Das Werk stand unter anderem auf der Longlist des renommierten Man Booker Prize. Das wirklich bemerkenswerte an dieser Veranstaltung ist aber die Inszenierung des Textes, in ihrer Form so nur einmalig in der Lettrétage zu erleben: In Kooperation mit den Musikern Fyodor Stepanov (Bass), Marco Mingarelli (Schlagzeug) und Ben Kraef (Saxophon), sowie dem Sprecher Denis Abrahams wird eine Symbiose von Jazz und Literatur entstehen, die für alle Beteiligten ein Novum darstellt. Um uns über unsere Erwartungen an diese literarische Jazz-Performance klar zu werden, haben wir vorab mit Ben Kraef gesprochen.

Lettrétage: Ich beginne mit etwas Grundlegendem. Welche Aspekte des Projekts sind für Sie besonders interessant und haben Sie möglicherweise zur Zusage bewegt?

Kraef: Ich bin bei dem Projekt dabei, weil ich mich einerseits sehr für Literatur interessiere und gerne neue Autoren kennenlerne. Andererseits interessiere ich mich natürlich auch für Literatur, die sich in der einen oder anderen Form mit Musik und speziell Jazz befasst. Ein anderer Grund sind natürlich die anderen Musiker und dass ich bei einem Projekt in dieser Form auch noch nicht mitgemacht habe. weiterlesen…

Donnerstag, 04. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,-/erm. 4,-)
Dass wir uns haben
Luise Maier liest aus ihrem Romandebüt

 

„Ich hatte mir aus Mutters Schreibtisch ein Notizheft geklaut. Dort schrieb ich hinein: Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. […] Bis alle Seiten gefüllt waren.“

© Nora Longatti

Wenn ein junges Mädchen zu einer Erzählung über ihre Familie ansetzt und dabei eine solche Episode als Einstieg wählt, ist das wohl Anlass zur Sorge. Und in der Tat ist Luise Maiers Debütroman „Dass wir uns haben“ angefüllt mit Berichten über häusliche Gewalt, tiefe Verzweiflung und dysfunktionale Abhängigkeiten. Die namenlose Ich-Erzählerin liefert einen Report über ihre eigene Kindheit auf dem Land, der im Wesentlichen als Kammerspiel mit vier Beteiligten konzipiert ist: Mutter, Vater, Bruder und Protagonistin existieren fast ausschließlich in Bezug aufeinander und bringen es doch nicht fertig, dieses Verhältnis untereinander zu artikulieren. Die Folge ist Sehnsucht nach Nähe, genauso wie die Erfahrung von Gewalt – ein Spannungsverhältnis, an dem die Familie langsam zerbricht. Die junge Tochter der Familie erzählt die schnelle Abfolge an Episoden mit einer Distanz, fast schon Indifferenz, die den Leser paradoxerweise direkter trifft als jeder andere denkbare Ansatz. Das widersprüchliche Verhältnis von Nähe und Distanz im Umgang der Figuren untereinander wird von Maier famos in die sprachliche Gestaltung des Textes übersetzt.

Luise Maier wurde 1991 in Schardenberg in Österreich geboren und wuchs im niederbayerischen Vilshofen auf. Sie studierte ab 2012 am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne, wo sie auch heute noch lebt. Nach Veröffentlichungen verschiedener Texte u.a. in der Liesettelittéraire, der BELLA triste und den horen erschien ihr Erstling „Dass wir uns haben“ 2017 beim Wallstein Verlag.

 

 

Montag, 15. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,- / erm. 4,-)
Stella maris
Vorstellung des neuen Romans von Isabella Feimer

Die Menschheit hat die Grenzen des ihr bekannten Himmels überschritten, die Erde ist zu einer Nichtigkeit geworden, der Mensch selbst seines die Nacktheit beschützenden Schleiers beraubt.

Eva hat in sich Geschichten vieler Epochen und unterschiedlicher Orte versammelt. Ihre Erinnerung ist der einzige Ort, der keine Begrenzung kennt. Evas Erinnerungsfragmente fügen sich mosaikartig zu einem überbordenden Gemälde, in dem sich ihre Erlebnisse in Rom und Paris verdichten. Zwischen den antiken Ruinen Roms, die immer noch vergangene Seelen in sich tragen, wuchern Angst und Faschismus in Richtung des nahenden Krieges. Jahrzehnte später in Paris sieht sich Eva erneut mit einer Epoche der Gewalt konfrontiert, in der dem vorherrschenden Terror nur mit Anarchie und der Überschreitung einer Liebe begegnet werden kann. Doch es scheint, als hätte Eva ihren Leitstern, den Stella maris, verloren.

In poetisch-bildhafter Sprache, die zwischen Schönheit und Grausamkeit changiert, erzählt Isabella Feimer eine Höllenfahrt durch Zeit und Raum, die beginnend mit der Renaissance in eine futuristische Welt führt.

Leseprobe:

„Erde, der verblasste, aufgebrauchte Planet, der längst aus unserem Sichtfeld verschwunden ist, manchmal sehe ich das strahlende Blau noch vor mir pochen, diesen kostbaren Saphir, Blau der Erinnerung, das mit jedem neuerlichen Blick in Veränderung ist, wechselt von einer Gestalt in eine andere,

ein Stück Seide aus einem Kleid gerissen,

eine Blume zum Trocknen unter ein Kissen gelegt,

eine Liebeserklärung niemals gemacht,

Erde ist diese optische Täuschung, in der ich mich verliere, und verloren bin ich seit langer Zeit, dennoch, vielleicht einer letzten Sehnsucht folgend, tupfe ich mit den Fingerspitzen in das Blau und spüre, dass ich darin versinke, eins werde mit dem Element,

so sehe ich mich, nicht das Leben, das ich führen muss,

ein maskiertes Ich lächelt mir im Taschenspiegel, den ich immer bei mir trage, ein Schmuckstück aus einer vergessenen Zeit, und die Ornamente, die ihn zieren, zieren auch meine Gedanken an diese Zeit,

noch zähle ich die Tage der Mission und ritze mir jeden Tag, der vergangen ist, mit den Nägeln in mein Herz.“

Über die Autorin:

© Manfredo Weihs

Isabella Feimer wurde 1976 geboren und wuchs in Schwechat, Niederösterreich, auf. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Theaterregisseurin und Schriftstellerin. Sie verfasste bisher Romane, Kurzgeschichten, Reiseprosa und Theatertexte. 2012 Nominierung bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur, 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Akademie Graz, 2013 und 2015 Nominierung für den Alpha-Preis, 2013 Kulturpreis des Landes Niederösterreich, Anerkennungspreis Literatur. 2014 Stadtschreiberin von Schwaz, Tirol. 2015 erschien der Roman Trophäen bei Braumüller, und 2016 erhielt sie das Hans Weigel Stipendium des Landes Niederösterreich.

In einem Interview mit Telegramme erzählt sie: „Ich bin sehr glücklich, dass ich Stella maris geschrieben habe, nicht nur deshalb, weil ich endlich den Hauch Science-Fiction geschrieben habe, wie es schon lange mein Wunsch war, sondern auch deshalb, weil es mir für mich gelungen ist, komplexe Handlungsstränge zwischen Zeit und Raum und deren Negation zu verknüpfen und mich sprachlich wieder ein Stück weiterzuentwickeln.“ Hier geht es zum Interview, in dem Sie mehr über „Stella maris“ erfahren können.

Dienstag, 16. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt: 5,- / erm. 4,-)
Versetzter Stein
Lesung mit Nikola Madzirov und Denis Abrahams

Nikola Madzirov, 1973 in Strumica / Mazedonien geboren, hat drei Gedichtbände veröffentlicht. Er war Stipendiat in Berlin, an der University of Iowa und Gast der Villa Waldberta in München. Derzeit hält Madzirov sich als Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin auf.

»Ein Überbleibsel eines anderen Jahrhunderts sind wir«–schreibt Nikola Madzirov in einem seiner Gedichte,und Adam Zagajewski kommentiert: »–und wie kaum ein anderer vermag er uns zu überzeugen. Wir sollten auf diesen Dichter hören!« Mit diesem ersten Gedichtband in deutscher Übersetzung wird endlich dieser mazedonische Autor vorgestellt, der auf der ganzen Welt begeisterte Leser gefunden hat. Mit überraschenden Bildern und einer bezwingenden Klarheit vermisst er die Welt neu – die Kindheit, seine Heimat, seinen Glauben: »Ich will wachsen wie wildes Gras, das die Überbleibsel / unserer Kindheit umarmen wird, / eins sein mit dem Eis, dem Wasser / dem Dampf, der Leere …«

Denis Abrahams liest die deutschen Übersetzungen der Gedichte. Anschließend gibt es ein Gespräch mit dem Autor auf Englisch.

 

18.05. | JENNY

Lisa Lettretage —  4. Mai 2017 — Kommentieren

Donnerstag, 18. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 3,-)
Blau, blau, blau ist meine Lieblingsfarbe
Fünf Autoren aus der vierten Ausgabe der Literaturzeitschrift JENNY lesen

 

Glamour aus Wien zu Gast in Berlin – JENNY tourt durch Deutschland und legt auch in Berlin einen Stopp ein.

An diesem Abend lesen für euch: Helene Bukowski, Luca Manuel Kieser, Oravin, Frank Ruf und Jan Skudlarek. Die Zuhörer erwarten Geschichten und Verse von brachialer Liebe, sanfter Entrückung und bizarrer Courage – heftige Körperlichkeiten, vom Fleck weg Gestyltes, bezaubernde Eitelkeiten und brandgefährliche Coolness. Kurz gesagt: die hohe Literatur, nur ein bisschen fetziger, mit Schirmchen drin.

Einmal im Jahr erscheinen Texte der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur in dem aufwändig gestalteten Magazin, das in Zusammenarbeit mit dem Wiener Grafikdesignbüro studio VIE entsteht und von einem kleinen Redaktionsteam aus Studenten des Instituts für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien herausgegeben wird. JENNY ist blau, neunmalklug, über 100 Seiten stark und schön wie ein Buch.