Archiv: Lesung

Montag, 27. November 2017, 19:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Junge slowenische Lyrik
Lesung mit Katja Gorečan, Uroš Prah, Kaja Teržan und Jure Vuga 

 

Im Rahmen der Erarbeitung einer Anthologie junger slowenischer Lyrik in deutscher Sprache erfolgen in Berlin in Koorganisation des slowenischen Kulturzentrums in Berlin und des Lyrikers und Kritikers Aljaž Koprivnikar mehrere Lesungen junger slowenischer Lyriker und Lyrikerinnen in Übersetzung von Boštjan Dvořák. Das Projekt fokussiert sich auf junge und schon etablierte dichterische Namen, die mit ihrem Schaffen bedeutende Bewegungen in der slowenischen Literaturszene erzeugen. Die erste der Lesungen bringt am 27. November 2017 um 19 Uhr dem Berliner Publikum die Poetik von Katja Gorečan, Uroš Prah, Kaja Teržan und Jure Vuga näher. Im Anschluss folgt der Lesung noch ein Durchblick über das Schaffen des slowenischen Architekten Jože Plečnik anlässlich seines 60. Todestags und seines 145. Geburstags. Dazu wird in den Räumen der Lettrétage eine Ausstellung seiner Werke, wie auch eine Projektion seiner Freiheitskathedrale (Kristijan Tavčar) gezeigt. Die Lesung wird auf Slowenisch mit deutschen Übersetzungen gehalten, die Moderation findet auf Slowenisch statt und wird auf Deutsch gedolmetscht.

 

 

 

© Manca Suvajac

Katja Gorečan (1989) geb. in Celje. Studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und ist zurzeit an der Akademie für Theater, Radio, Film und Television in Ljubljana im Masterstudiumgang Dramaturgie. 2007 wurde ihr erster Gedichtband Angeli istega porekla veröffentlicht, 2012 der Gedischtband Trpljenje mlade Hane, beim Zentrum für slowenische Literatur, mit dem sie für den Jenkova Preis nominiert wurde und für das BJCEM (Mediterranea Young Artists Biennale) ausgewählt worden ist. Sie ist in der Organisation des Literaturkritikfestivals Prager und als Dramaturgin tätig.

 

 

 

 

Uroš Prah (1988, Maribor) ist Lyriker, Redakteur, Übersetzer und Publizist. Bisher erschienen zwei seiner Gedichtbände: Čezse polzeči (CSK 2012), der 2017 in Kroatisch erscheint (Biakova, Zagreb), und Tišima (CSK 2015), der es 2016 auf die Short-Listen der zwei bedeutesten Lyrikpreise Sloweniens schaffte: den Simon Jenko Preis und den Veronika Preis. 2017 erhielt er das Autorenstipendium der Slowenischen Buchagentur. Übersetzungen seiner Texte wurden bis jetzt in Deutschland, Österreich, Kroatien, Serbien, Montenegro, Italien, Rumänien, Argentinien, Kanada und den USA veröffentlicht. Er war Mitbegründer und langjähriger Chefredakteur der Literaturzeitschrift IDIOT (2009-2016), Programmleiter des Internationalen Festivals für Literatur in Entwicklung Literodrom (2015-2016) und Mitbegründer des Museums des Wahnsinns, Trate. Zurzeit lebt er in Wien.
 

 

 

 

Kaja Teržan (1986) veröffentlichte 2015 beim Zentrum für slowenische Literatur ihr Debut-Lyrikband Delta, der auch für den Veronika Preis nominiert worden ist. Im selben Jahr nam sie mit der gleichnamigen Performance an der internationalen Bienale für junge Künstler Mediterranea in Mailand teil. 2016 schloß sie sich auch mit der Pianistin Manca Udovič zusammen, mit der sie häufig gemeinsam auftritt. Auch im Jahr 2016 bekam sie auf dem Lyrikturnier des Verlags Pivec den Preis des Plublikums für ihr Gedicht Ruj.

 

 

 

 

Jure Vuga (1983) geb. in Koper, fing mit schreiben auf dem Gymnasium in Koper unter der Mentorschaft der Dichterin Ines Cergol an. 2009 schloss er seinen Bachelor of Arts in Kunstgeschichte und Soziologie der Kultur ab. Im selben Jahr erschien beim Verlag Beletrina sein erster Gedichtsband Pod kamni plešem. Er studierte in Ljubljana, Florenc, Röm, Venedig, Mailand und London. 2015 veröffentlichte er beim Verlag Mladinska knjiga seinen zweiten Gedichtsband Modri plamen. 2016 präsentierte er seine Doktorarbeit mit dem Titel Vpliv Hypnerotomachie Poliphili na Giorgionejevo „Nevihto“. Er lebt in Ljubljana wo er als Reiseführer tätig ist.

 

Dienstag, 5. Dezember 2017, 20.00 Uhr (Eintritt 5,-/3,-)
Konzept*Feuerpudel
Anonyme Lesebühne. Zu Gast: Stefan Mesch, Journalist, Herausgeber und Übersetzer. 

Das Konzept*Feuerpudel ist eine monatliche Lesebühne für Autor*innen in Berlin. Oder sollte es „Vorlesebühne“ heißen? Denn beim Pudel liest einer, namentlich Diether Kabow, Texte vor, deren Urheber*innen sich anonym unters Publikum mischen. Auf diese Weise geben wir schreibenden Menschen die Möglichkeit, ihre Texte unter die Leute zu bringen, ohne dass sie selbst performen. Warum? Weil die Wirkung des Textes dann nicht von der Person der*des Autor*in abhängt. Autor*innen können heimlich im Publikum sitzen, sich gemütlich einen antrinken, unerkannt über ihre Texte sprechen oder einfach nur beobachten, wie ihre Texte – und nicht sie selbst – ankommen.

Konzept*Feuerpudel ist eine Lesebühne für die Neugierigen und Chaot*innen, Austester*innen, Anfänger*innen und alte Hasen. Ihre Texte entwickeln ein Eigenleben und die Autor*innen neue Perspektiven auf das eigene kreative Schaffen und sie erhalten die Möglichkeit, ihre Arbeit kritisch zu reflektieren. Während der Lesung entwirft ein*e IllustratorIn Zeichnungen zu jedem Text. Das Publikum kann die Entstehung der Illustrationen live mitverfolgen. Die GewinnerInnen erhalten ihre Illustration als Preis. Seit 2017 geben auch spannende Gäste aus dem Literaturbetrieb im Gespräch Insidertipps. Zu Gast im Dezember ist Stefan Mesch, Journalist, Herausgeber und Übersetzer.

Die Texte werden vor der Lesung durchgesehen, aber nicht ausgewählt – das Los entscheidet. Jede*r kann einen Text einreichen. Acht Texte werden am Abend verlesen. Drei wählt das Publikum zu Gewinnern. Zur Preisverleihung können die Autor*innen den schützenden Mantel der Anonymität ablegen und sich feiern lassen – wenn sie es möchten. Die kleinen, unerhörten Schreiber*innen, die heimlichen Textverliebten und genialen Angsthasen werden geliebt und gesucht.

Einen kleinen Vorgeschmack, was euch erwartet, gibt es hier!

06.11. | Freie Räume

Tom Bresemann —  18. September 2017 — Kommentieren

Montag, 06. November 2017, 19:00 Uhr
Freie Räume
Verlagspräsentation der Edition FZA

Die Wiener Literatur-Edition FZA aus Wien ist zum wiederholten Mal in der Lettrétage zu Gast und stellt Publikationen aus dem aktuellen Verlagsprogramm vor. Mit Texten von Mareen Bruns, Katja Schraml und Orla Wolf sorgen gleich drei Berliner Autorinnen für ein Heimspiel. Sebastian Hage-Packhäuser aus Paderborn bereichert das vielfältige Programm mit lyrischen Kontrasten. Mareen Bruns ist Hautpreisträgerin des Wiener Werkstattpreises 2017 und erhält den Preis gleich in Berlin verliehen. Orla Wolf stellt ihren neuen Lyrikband „Temporäre Zone“ vor. Katja Schraml und Sebastian Hage-Packhäuser lesen eigene Texte aus „Freie Räume“, der brandneuen Anthologie zum Wiener Werkstattpreis 2017. Peter Schaden, Verleger und Herausgeber der Edition FZA, präsentiert die neue Kulturzeitschrift „FLUCH’T’RAUM“.

Mareen Bruns Geboren 1989 in Bremen, absolvierte einen M.A. in Deutsche Gegenwartsliteratur an der Universität Göteborg; Lyrikerin und Übersetzerin für schwedische Literatur, 2015 war sie Stipendiatin der Bayrischen Akademie des Schreibens für das Lyrikseminar 2014 Stipendiatin des Bayrischen Kunstsommers für die Meisterklasse Lyrik, sie lebt in Berlin, Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften.

 

 

 

 

 

Sebastian Hage-Packhäuser ( : Jahrgang 1981 – ) / ( : nach der Geburt – / : langwieriger Spracherwerb – / ( : dann Studium der Mathematik – / ( : im Anschluss – / : Promotion – )) / : naturgemäße Alterung – / ( : bei täglichem Gebrauch von Sprache – ) / : & trotz Textarbeit auf engem Raum – / ( : Lyrik – ) / : erste Anzeichen von Zersetzung – / ( : Auflösung inbegriffen – / ( : work in progress – Als Einzelveröffentlichungen sind seine Gedichte bereits in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen. Verschiedene Auszeichnungen und Literaturpreise dokumentieren die sprachlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre.

 

Katja Schraml Geboren 1977 in Bayern, Studium der Neueren deutschen Literatur, Sprachwissenschaft und Soziologie in Würzburg, lebt in Berlin. 2015 erschien ihr Debütroman „Josef der Schnitzer Stumpf“ im KUUUK-Verlag. Gewinnerin beim BR Hörspielmanuskript- und Ideen-Wettbewerb Public Workshop 2016. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften (u.a. Wiener Werkstattpreis 2016, Karussell, keine!delikatessen, Am Erker, mosaik).

 

 

 

 

 

Orla Wolf Geboren 1971 in Düsseldorf, lebt als Autorin, Filmemacherin und Künstlerin in Berlin. Werke (Auswahl): Unter Insekten, Kurzprosa, Edition Hammer + Veilchen, Hamburg, 2016. Schwebende Architekturen, Gedichte & Fotografien, edition fza, Wien, 2015. Last Statement, Kurzfilm (30 min), Deutschland | USA | Kanada, 2013. Protokoll eines Nachtfalters, Gedichte, fixpoetry, Hamburg, 2010. Transit, Kurzfilm (20 min), Deutschland, 2008. entkernt, Theaterstück, UA: Theater unterm Dach, Berlin, 2008. Todesarten, Kurzfilm (13 min), Deutschland, 2007.

 

Dienstag, 07. November, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
Versehentliche Asymmetrien
Lesung und Gespräch der Berliner Autor*innen Esther Becker, Sebastian Janata, Mariola Grzyb und Magdalene Schrefel. Moderation: Dr. Tomasz Stompor

Vier Berliner Autor*innen erzählen von küssenden Walen, Bikinis als Seeschlangen, tätowierten Armen, mutigem Handeln, zu optimierenden Körpern und zu ändernden Hosen.

Esther Becker liest aus ihrem entstehenden Körperroman Frauen und Behinderte (Arbeitstitel). Der Körper der Icherzählerin macht, was er will – nicht was er soll: Die Augen sehen nicht gut und stehen zu eng für eine Filmkarriere, die bikiniunfähige Brust vereitelt das Schwimmabzeichen, die Pubertät lässt den schlanken Kinderkörper zu einem unverschämt fetten, faulen, ungewaschenen Ding werden. Der Körper wird im wörtlichen Sinn zu einer Angriffsfläche, die es zu optimieren bzw. minimieren gilt.

Sebastian Janata liest aus seinem entstehenden Roman die ambassadorin (Arbeitstitel), der in Berlin und Wien spielt, auf Beerdigungen und Familienessen, in Kneipen und der Änderungsschneiderei von Tessa.

Mariola Grzyb liest Gedichte aus ihrem entstehenden Lyrikband Versehentliche Asymmetrien (Arbeitstitel). Haltungen, Räume und Lücken werden erkundet und ausgebreitet, erleben Ortswechsel. Das Gedicht, ein gelenkiges Gebilde, das auch im Außen bewegt werden will.

Bold, Never Regular ist der Titel der szenischen Erzählung von Magdalene Schrefel, nach der Tätowierung auf dem Arm einer Kollegin der Sicherheitsfachkraft, die im Zentrum der Erzählung steht. Im Interview mit einer Radioreporterin rekonstruiert sie die Ereignisse des Tages, an dem sie eben so gehandelt hat: mutig und nicht einfach nur regelgerecht.


Esther Becker ist Dramatikerin, Erzählerin und Performerin. Sie absolvierte den Masterstudiengang Scenic Arts Practice an der Hochschule der Künste Bern und studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Ihre Theatertexte werden vom Verlag Felix Bloch Erben vertreten.

 

 

 

 

 

© Francoise Caraco
Sebastian Janata arbeitet als Musiker und Autor in Berlin. Seit 2006 ist er Mitglied bei der Gruppe „Ja, Panik.“ Nach fünf erfolgreichen Studioalben (Coverstorys u.a. im Musikexpress, Spex, Falter) veröffentlichte die Gruppe 2016 das im Kollektiv geschriebene Buch FUTUR II, welches sich auf unkonventionelle Weise mit der eigenen Bandhistorie auseinandersetzt.

 

 

 

 

© Alina Strmljan
Mariola Grzyb wurde in Zbrosławice geboren und lebt nach Stationen in Minden und Bielefeld seit 2008 in Berlin. Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrerin, Tänzerin und Choreographin arbeitet sie seit einigen Jahren als Autorin und Musikerin.

 

 

 

 

 

© Charlie Jouvet
Magdalena Schrefel ist geboren und aufgewachsen in Wien. Nach längeren Arbeitsaufenthalten in Vukovar und Göteborg studierte sie Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Universität Wien sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie schreibt Prosa und szenische Texte und lebt in Berlin.

 

 

 

 

 

© Sarah Horvath

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13.11 | Literazah

Tom Bresemann —  11. Oktober 2017 — Kommentieren

Montag, 13.11.2017, 19 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Literazah
Extremperformance

Aus gesundheitlichen Gründen wurde die Veranstaltung ins Jahr 2018 verschoben. Wir bitten um Verständnis. Sobald ein neuer Termin feststeht, werden wir Sie informieren.

Literazah ist eine dreistündige Extremperformance, bei der die beiden Performer Raphaela Edelbauer und Jan Braun durchgehend Gewichte heben, während ein Text über Körperkult, Fitnesswahn und Rausch, der nur für diesen Anlass geschrieben wurde, rezitiert wird. Dabei erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Konzepten von Leibesformung, Bodybuilding aber auch mit dem Trend zur Selbstzerstörung. Auch das Publikum wird an seine Grenzen geführt: Immer aufdringlichere Körperrhythmen, Leidensszenen und Wortorgien führen auch die Rezipienten zu einer quasi-sportlichen Erfahrung.
https://www.youtube.com/watch?v=9x-rhv78Vhk

Raphaela Edelbauer wurde 1990 in Wien geboren und studierte nach der Matura 2008 Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst unter Robert Schindel. Abschluss 2012 mit dem Hörspiel Die drei Affen. Seit 2012 Studium der Philosophie an der Universität Wien; z.Z. als studentische Mitarbeiterin am Philosophischen Institut tätig. Arbeitsstipendium des BKA 2015 für Entdecker, das im Februar 2017 im Klever-Verlag erschienen ist. 2017 Finalistin des Berliner Hörspielfestivals. Ebenfalls seit 2017 Stipendiatin des Deutschen Literaturfonds für ihren gerade in Arbeit befindlichen Roman „Das flüssige Land“.

 

14.11 | Der raue Gesang

Tom Bresemann —  27. September 2017 — Kommentieren

Dienstag, 14. November 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
Premiere „Der raue Gesang“
Cornelia Becker stellt ihren neuen Roman vor

Was verbindet den jungen Berliner Koch Philipp mit dem Lebenswerk des Bildhauers Eduardo Chillidas? Wieso reist er kreuz und quer durch Spanien, um die Skulpturen des baskischen Künstlers zu besuchen? Was hofft er bei ihnen zu finden? Wie kommt ein zwölfjähriger Junge dazu, sich zu fragen, woher die Wellen kommen und ob man den Wind kämmen kann? Und was ist ein Gudari? Dies sind nur einige der Fragen, auf die der Roman „Der raue Gesang“, Antworten gibt. Das Buch versucht herauszufinden, wie Kunst in schwierigen Zeiten zum Navigator werden kann, durch unbekannte und unheilvolle Transitstrecken. www.corneliabecker.jimdo.com

„Fremd. Seit sie im Hafen eingelaufen waren, klang alles fremd. Noch hatte er das Brummen der Schiffsmotoren in den Ohren, und schon wurde es vom Lärm der Insel übertönt. Das Geschrei der Möwen, die Brandung, der Wind und die Stimmen der Menschen. Diese Klänge waren laut und grell wie das Licht draußen vor seinem Fenster. Und jeden Morgen, mit den ersten Sonnenstrahlen brach der Tumult wieder los; zuerst öffnete die Nachbarin gegenüber mit einem lauten Knall ihre Fensterläden, hustete ausgiebig, und schon fielen die Laute von Menschen und Tieren, Dingen und Maschinen ein. Der Silbo – eine Reihung von durchdringenden, mehrsilbigen Pfeiftönen – klang vom Hafen herüber: Fra-ge. Ant-wort. Es war ein brodelndes, wildes Durcheinander aus Tönen und Geräuschen; sie kletterten rechts den Hügel hinauf, mischten sich mit dem frühen Krähen der Hähne, krochen wieder herunter, näher zu Philipp heran – die knarrende Stimme von Fuscano, seinem Nachbarn links hinter der Mauer, übertönte für einen Moment alles – und dann waren sie bis spät in die Nacht hinein überall. Sie füllten die Luft im Tal. Lachten und polterten, flüsterten und weinten, wie die Klageweiber aus dem Chor in der griechischen Tragödie, von denen ihm sein Vater erzählt hatte. Nur in den heißen Mittagsstunden, während der Siesta, zogen sie sich zurück und summten leise hinter verschlossenen Türen, wie in einem Bienenstock.“

Cornelia Becker schrieb bisher Erzählungen und Hörstücke, die in Literaturzeitschriften und im Rundfunk publiziert wurden. 2009 wurde mit dem Hörbuch MagentaRot eine Sammlung von Erzählungen herausgegeben, schon zwei Jahre später erschien der Erzählungsband Eintritt frei. Im August 2014 publizierte sie den Roman Die Unsterblichkeit der Signora Vero im LangenMüller Verlag. Im März 2017 wurde die Erzählung Die Kinder meines Vaters im Bübül Verlag Berlin veröffentlicht. Im Sommer dieses Jahres hat der Contra-Bass-Verlag den Roman Der raue Gesang herausgegeben. Für ihre Arbeiten erhielt sie Auszeichnungen und Stipendien.

 

Freitag, 10. November 2017, 17:00 Uhr (Eintritt 12,-/erm. 8,-)
Girolamini – Der Fall der Bücher. Ein Kunstkrimi
Theaterstück unter der Regie von Simon Köslich

Eine ausgeraubte Bibliothek in Neapel, eine Buchfälschung in New York, ein Jahrhundertfund in Berlin. Die Begebenheiten rund um einen korrupten Bibliotheksdirektor sind Stoff für einen wahren Krimi. Wie wird man Direktor einer der bedeutendsten Bibliotheken Südeuropas? Wie stiehlt man tausende Bücher, ohne dass es jemand mitbekommt? Wie fälscht man Bücher aus dem 17. Jahrhundert? Wie haut man die weltbesten Kunsthistoriker übers Ohr? Die Faszination eines italienischen Privatgelehrten für Galileo Galilei mündet in einer ungeheuren kriminellen Energie, einem Kosmos des Betrugs und der Täuschung, an dem zuletzt auch ein Berliner Kunsthistoriker zu zerbrechen droht. Das Recherchetheaterprojekt taucht anhand von Originalmaterial in die Welt der alten Bücher ein und untersucht die Verflechtungen von Wissenschaft, Leidenschaft, Markt und Kriminalität.

Simon Köslich wurde 1982 in Konstanz geboren. Nach dem Zivildienst in Neapel studierte er Italienisch und Filmwissenschaft an der FU Berlin und arbeitete als Stadtführer. Ab 2006 absolvierte er sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Von 2010 bis 2014 war er am Staatstheater Darmstadt als Schauspieler engagiert und realisierte dort erste eigene Projekte. Seit 2016 arbeitet Simon Köslich als freier Schauspieler und Regisseur.

Freitag, 08. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei, Spenden erbeten)
Es liest Alexander Skidan
Im Gespräch mit Tillmann Severin

Der Lyriker, Essayist, Kritiker und Übersetzer Alexander Skidan gehört zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen russischen Kulturszene. Für Kulturwissenschaftler Michail Jampolski ist Skidan „eine einzigartige Erscheinung in der zeitgenössischen russischen Literatur. Er vereint die Rationalität eines scharfsinnigen Analytikers und unparteiischen Kritikers mit einem feinen Gespür für das Poetische.“ Seine Prosa und Lyrik wurde mit den bedeutendsten russischen Literaturpreisen ausgezeichnet, so auch dem Andrei-Bely-Preis. Seine Gedichtbände wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Autor Norbert Niemann schreibt: „Skidans Lyrik versteht sich als Kommentar zur postsowjetischen Wirklichkeit […] Er beobachtet einen gesellschaftlichen Prozess zunehmender sozialer und ideologischer Verwerfungen, bei dem sich alte und neue politische und religiöse Systeme vermischen, ineinander schieben, verkeilen. […] Was Alexander Skidan interessiert, ist die ‚linguistische spur des realen‘.“ In der Lettrétage spricht der LCB-Stipendiat mit Schriftsteller und Übersetzer Tillmann Severin und liest aus seinem Werk. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Russisch mit Verdolmetschung statt.

Alexander Skidan geboren 1965 in Leningrad, lebt derzeit in St. Petersburg, Russland.

Mittwoch, 13. September 2017, 20:00 Uhr, (Eintritt 5,-/ erm. 4,-)
Wie Alchemie um- und umgeschrieben
Lesung mit Ute ECKENFELDER

Die Autorin Ute Eckenfelder arbeitet mit ihren Gedichten das Prozesshafte der Sprache heraus; denn Sprache hat mit Alchemie gemein, dass sie sich nicht scheut, mit unterschiedlichsten Materialien, sinnlichen, bildhaften und geistigen Substanzen zu experimentieren – so entsteht eine Vielfalt ihres Sprechens, wodurch nicht nur die Sprache selber, sondern auch wir von der Sprache immer wieder umgeschrieben werden. Vielleicht so wie Rilke – für unsere heutigen Ohren etwas zu pathetisch – formulierte: Jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, liebt in dem Schwung der Figur nichts als den wendenden Punkt.

 

Ute ECKENFELDER

Geboren 1938 in Sulz am Neckar. Studium der Erziehungswissenschaften, M.A. Unterrichtete langjährig als Dozentin am Pestalozzi-Fröbel-Haus.

Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in zahlreichen Zeitschriften, u.a. Lichtungen, Jahrbuch der Lyrik, Ostra-Gehege, Sinn und Form.

sowie im Rundfunk. Publikationen: Mitlesebuch 19 (1997) Einblicke (1998) Falkner, bis grün dich durchwächst (2002) Ist wo die Eule (2006) War oder wird Eiszeit (2010)

Zuletzt erschien der Lyrikband: G‘schnipf für Zieglers Ziegen (Keiper 2014 / Podium 2016).

 

Nachwort von Helwig Brunner zum Buch G’schnipf füZieglers Ziegen 

„Wer die Gedichte Ute Eckenfelders liest, kommt rasch zum Staunen und hört nicht so bald wieder damit auf. Allerdings ist nicht sofort klar, woher das Staunen rührt, denn die Dichterin legt es nicht auf diese Wirkung an, sie tut nichts auf ersten Blick Außerordentliches. Sie schreibt doch nur Gedichte, möchte man sagen, so wie man über jemand anderen vielleicht sagt: Der will doch nur spielen.

[…] Kaum […] nämlich hat man erlebt, dass eine Dichterin oder ein Dichter die Sprache derart furios in sämtliche Register auffächert, sie scheinbar mühelos in ihren Höhen und Tiefen durchmisst, ohne Scheu vor ihrem Gewicht und ihrer Flüchtigkeit, ohne Berührungsängste gegenüber ihren Banalitäten […]. Dies spiegelt sich auch in der enormen Vielfalt der Motive, der thematischen und personellen Bezüge wider: Gemeinsam mit der Autorin begegnen wir Brentano, Rilke, Hofmannsthal, Hölderlin und Nietzsche, studieren Goethes Farbenlehre, Hokusais zartlinige Natur- und Landschaftsansichten, Brueghels apokalyptische Visionen und Van Goghs flackernden Himmel, besuchen die Kathedrale St. Bavo und den Hof der Beginen, treffen auf zeitgenössische Künstler wie Carsten Höller, Martin Kippenberger und Jannis Kounellis. Mit derselben Selbstverständlichkeit gehen in diesen Gedichten aber auch der Liedrijan und der Hallodri um, tummeln sich Schweine und Ziegen – samt dem für sie vorgesehenen Futter, dem »G’schnipf« –, Maulaffe und Hollerhund, weiters Radfahrer und Clowns, der Rasenmäher und die Bodenschleifmaschine.

[…] So konfigurieren sich aus der sprachkosmischen Ursuppe, die sie uns serviert, immer wieder kraftvoll-zarte poetische Fügungen, etwa ein geduldiges Grau, tantiges Handtaschen-Grün, Wahnsinnsgewölk, schnabulierende Zettel oder das Geblinzel lichtdurchlässiger Jalousien; […] Hier, in Eckenfelders entgrenzter Sprachwelt, finden wir uns in einem poetischen Kosmos wieder, der entscheidend über die Dimensionierung gewöhnlichen Sprechens hinausreicht.

So viel sprachschöpferische Virtuosität müsste Misstrauen wecken, wenn sie Selbstzweck bliebe. Doch dem ist ganz offensichtlich nicht so. »Worte sind in ihrem Sinn unendlich beweglich, ständig metaphorisch bezogen und neu beziehbar, nie selber ein letztes Fundament«, schrieb Karl Jaspers. Genau diese unendliche Beweglichkeit, dieses Fehlen eines letzten Fundaments scheint der Motor zu sein, der Eckenfelders Sprache so außerordentlich umtreibt. Schon in jungen Jahren beeindruckt von Hölderlins Sprachmagie und im Wissen um die Vordenkerrolle der Sprache, um ein in der Sprache angelegtes Verstehen vor dem Verstehen, geht Eckenfelder in ihren Gedichten aufs Ganze, nimmt die Dinge in ihrer »unausdeutbaren Deutbarkeit« (Hugo von Hofmannsthal) in den Blick. In diesen Versen werden daher weder Fragen gestellt noch Antworten gesucht – […] Vielmehr verhält sich Eckenfelders Poesie wie ein offener Sternenhimmel, auf dem man immer mehr Gestirne entdecken kann, je genauer man hinsieht. Die Dichterin ist sich der Dimension ihres Unterfangens durchaus bewusst; sie bezeichnet das Wort als anderszeitig inmitten der Zeit, schreibt von delirierenden Texten. Zu wünschen ist ihr, dass sie sich zusammen mit ihren Leserinnen und Lesern auch an der Dimension des Gelingens freut, denn diese, das darf hier mit Überzeugung gesagt werden, ist nicht vielen Dichtenden vergönnt.

Ja, Ute Eckenfelder schreibt nur Gedichte. Sie will doch nur spielen. Doch die Poesie ist wahrlich ein großes Spiel, wenn sie, also die Poesie, es ernst nimmt.“

Helwig Brunner

 

 

Donnerstag, 14. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
METROFOLKLORE
Patricia Hempel liest aus ihrem Romandebüt

»Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn einem das Flattern durch Mark und Bein schießt, sobald die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Anbetung einer unerreichbaren Geliebten ist zwar in der Theorie ganz nett, stellt aber in Wahrheit kein erfülltes Lebenskonzept dar. Doch selbst wenn einem Ovid mit seinen Verführungskünsten unter die Arme greift – wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftig auftretenden Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Mit romantischen Gesprächen über Spermabeschaffung am Frühstückstisch? Alea non iacta est. Noch können Monogamie und schreiender Nachwuchs auf den geeigneten Lebensentwurf hin überprüft werden. Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.

 

© Annette Hauschild/Ostkreuz

Patricia Hempel, geboren 1983 in Berlin, studierte erst Ur- und Frühgeschichte, bis es sie von Berlin nach Hildesheim und von der Archäologie zum literarischen Schreiben zog. Es folgten Veröffentlichungen in Zeitschriften, Magazinen und Anthologien und 2014 die Ernennung zur Wolfsburger Stadtschreiberin. Heute arbeitet Patricia Hempel als freie Journalistin und Autorin in Berlin. »Metrofolklore« ist ihr erster Roman.