Archiv: Lettrétage

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Lisa Lettretage —  22. Mai 2017 — Kommentieren

Performed on the 14.03 in the Lettrétage Berlin, Kinga Tóth and Doro Billard were speaking about girls and water without words.

 

Am 14.03. in der Lettrétage vorgeführt – Kinga Tóth und Doro Billard sprachen über Mädchen und Wasser – ohne Wörter.

Montag bis Dienstag, 31. Juli bis 01. August 2017, 10:00 bis 17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
„Schreiben heißt Teamarbeit“
Workshop

mit Martin Jankowski und Dr. Patrick Baumgärtel

Aus der Zeit der Romantik wurde er uns überliefert: Der Traum vom Künstler, der in einsamer Genialität ein Meisterwerk erschafft und daraufhin auf ewig in die Ruhmeshallen der Weltkultur aufsteigt… und auch wenn wir heute längst ahnen, dass es irgendwie anders läuft, finden wir diese Idee immer noch reizvoll. Dass Literatur in erster Linie harte Teamarbeit ist, merkt jeder, der sich professionell auf dieses Berufsfeld einlässt.

Welche Arbeitsschritte sind existenziell wichtig? Welche Verbündeten braucht ein Autor? Wie gewinnt man sie für sich? Die individuellen Anforderungen der Teilnehmer fließen hierbei in die Betrachtung ein. Für jede Zielsetzung erarbeiten wir konkrete Umsetzungsschritte.

Auch besprechen wir die wichtigsten Aspekte literarischer Teamarbeit und geben praktische Empfehlungen für Ihren persönlichen Weg zum Berufsautor.

1.Tag – Martin Jankowski:
– Autor und Leser: Braucht es mehr?
– Wie präsentiere und positioniere ich mich?
– Wie gehe ich mit der Öffentlichkeit um?
– Vermarkter: Verlage, grafische Gestalter, Webportale
– Leserbriefe, Pressekritiken und Internet-Kommentare
– Exkurs: Strategien kollektiven Schreibens

2. Tag – Dr. Patrick Baumgärtel:
– Erstleser und wie man mit ihnen umgeht: Agenten, Lektoren, Beta-Leser
– Was macht der Lektor mit meinem Text? Wozu ist das gut?
– Agenten und Agenturen: Wer sie sind und was sie bringen
– Öffentlichkeitsarbeit im Verlag und beim Selfpublishing

Anmeldungen bitte bis 10.07.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Martin Jankowski, geb. 1965 in Greifswald lebt seit 1995 als freier Autor, Herausgeber und Kulturkurator in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher (Lyrik, Prosa, Sachthemen), gehört zu den Mitbegründern des „internationalen literaturfestivals berlin“, des „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ und leitet seit 2005 die „Berliner Literarische Aktion“. Der Autor und Projektleiter realisiert zahlreiche internationale Literaturprojekte. Als Literaturdozent ist er an zahlreichen Universitäten weltweit zu Gast, aktuell an der Portland State University in Oregon. www.martin-jankowski.de

Nach einem Germanistikstudium, einer Promotion über W.G. Sebald an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie seiner Tätigkeit bei der Literaturagentur . GS.Jreenburger in New York City stellte sich Dr. Patrick Baumgärtel 2009 der Herausforderung, in sich wandelnden Zeiten eine Full-Service-Literaturagentur (inkl. PR-Arbeit und Lektorat) zu gründen. Der „Krimimarathon“, Berlin-Brandenburgs größtes Krimifestival, das er seit 2012 leitet, ist Teil davon. Patrick Baumgärtel ist Juror des Seume-Literaturpreises und Vorsitzender des Lesekultur Berlin e.V. Er gibt Kurse zu Themen der Verlagsbranche, unterrichtet Kreatives Schreiben und arbeitet als Lektor und Schreibcoach. www.schoneburg.de

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.

 

 

Morgen ist es nun endlich so weit: die Jazzlesung zu Fiston Mwanza Mujilas Debütroman „Tram 83“ steht bevor. Bereits vor wenigen Tagen erschien an höchstselbiger Stelle ja bereits ein Interview mit Saxophonist Ben Kraef, der gemeinsam mit Fyodor Stepanov, Marco Mingarelli und Denis Abrahams am 03. Mai auf Mujila und dessen Text treffen wird. Wir wollen also gar nicht noch einmal allzu viele Worte über die Charakteristik dieses außergewöhnlichen Werkes verlieren. Besser wäre es, man ließe einfach den Autor selbst sprechen.

Lettrétage: Ich fange mit der gleichen, ganz allgemeinen Frage an, die ich auch dem Rest der Gruppe gestellt habe: Welche Aspekte dieses Projektes beziehungsweise dieser Performance, überzeugte Sie, dem Event zuzustimmen?

Fiston: In meiner Heimatstadt spricht man Suaheli. In dieser Sprache schätze ich den Begriff „Makutano“. Es bedeutet der Ort der Begegnung. Leute treffen Leute, um sich über die Welt und die Gesellschaft auszutauschen. Unsere Jazzlesung ist Makutano. Jeder von uns kommt mit seiner Geschichte, seiner Einsamkeit, seinem Schicksal, seiner Poesie, seiner Freude und zusammen versuchen wir nicht den Turm zu Babel aber eine Zitadelle der Erwartung zu errichten. Denis Abrahams bringt seine Stimme, Ben Kraef am Tenorsaxphon, Fyodor Stepanov spielt Bass und Marco Mingarelli am Schlagzeug. Meine Hoffnung ist, dass die Performance nicht entweder als eine Lesung oder ein Konzert verstanden wird, sondern wie ein Gespräch zwischen Menschen. Was genau passieren wird, weiß ich noch nicht … weiterlesen…

Im Büro herrscht schon den ganzen April hindurch eine Heiden(vor)freude. Am Abend des dritten Mai gastiert bei uns der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila, der seinen erst im letzten Jahr in deutscher Übersetzung erschienenen Debütroman „Tram 83“ präsentieren wird. Das Werk stand unter anderem auf der Longlist des renommierten Man Booker Prize. Das wirklich bemerkenswerte an dieser Veranstaltung ist aber die Inszenierung des Textes, in ihrer Form so nur einmalig in der Lettrétage zu erleben: In Kooperation mit den Musikern Fyodor Stepanov (Bass), Marco Mingarelli (Schlagzeug) und Ben Kraef (Saxophon), sowie dem Sprecher Denis Abrahams wird eine Symbiose von Jazz und Literatur entstehen, die für alle Beteiligten ein Novum darstellt. Um uns über unsere Erwartungen an diese literarische Jazz-Performance klar zu werden, haben wir vorab mit Ben Kraef gesprochen.

Lettrétage: Ich beginne mit etwas Grundlegendem. Welche Aspekte des Projekts sind für Sie besonders interessant und haben Sie möglicherweise zur Zusage bewegt?

Kraef: Ich bin bei dem Projekt dabei, weil ich mich einerseits sehr für Literatur interessiere und gerne neue Autoren kennenlerne. Andererseits interessiere ich mich natürlich auch für Literatur, die sich in der einen oder anderen Form mit Musik und speziell Jazz befasst. Ein anderer Grund sind natürlich die anderen Musiker und dass ich bei einem Projekt in dieser Form auch noch nicht mitgemacht habe. weiterlesen…

In Vorfreude auf das Album Release Konzert am 30.03.2017 bietet Musikerin Miako Klein einen Einblick in AMA – eine Kollaboration aus MDuo (mit Michael Weilacher) und WARBLE (mit Brad Henkel).

1. Auf was für einen Abend können sich eure Zuschauer am 30. März freuen?
Miako Klein: Ich werde mit beiden Duos einzeln auftreten, eventuell spielen wir auch etwas zu dritt. Es wird von jedem Duo ein Set geben. Wir arbeiten in einem Bereich zwischen Komposition und Improvisation. Unsere Stücke entstehen eigentlich immer aus der Improvisation heraus und wir legen dann Strukturen fest. Man kann sich dies wie Klangräume vorstellen, in denen wir improvisieren. In diesen Bereichen bilden wir dann Übergänge zum nächsten Klangraum, in dem wir mit bestimmtem Klangmaterial improvisieren. Wir legen praktisch unseren Rahmen fest und können uns darin frei bewegen. Zu hören gibt es außerdem ein Stück vom Komponisten Amir Shpilman. Unsere Zuhörer können sich auf experimentelle und Neue Musik freuen.

© Carolin Röckelein

2. Was bedeutet der Albumtitel „AMA“?
MK: AMA ist ein japanischer Titel. Ama (übersetzt: „Meeresfrauen“) sind japanische Meerestaucherinnen, die ohne Taucherausrüstung – früher unbekleidet – Muscheln, Perlen und verschiedenste Meeresfrüchte sammeln. Sie können dabei bis zu 30 Meter tief zum Meeresgrund tauchen. Ama ist eine alte Tradition, die mittlerweile jedoch langsam ausstirbt. Ich finde den Titel AMA so spannend, weil dies eine vor allem weibliche Tradition ist, die schon über 2000 Jahre lang fortdauert. Da der weibliche Körper einen höheren Fettanteil besitzt und somit besser wärmt, wurde diese Tradition familienintern nur an Frauen weitergegeben. Die Verbindung zur Musik ist für mich der Klang der Unterwasserwelt: das Meeresrauschen, der langsame Fluss der Zeit, man nimmt die Welt ganz anders wahr. Was ich außerdem spannend finde ist, dass Ama beim Auftauchen tiefe Laute und Pfeifgeräusche („Isobue“) ausstoßen, um den Druck vom langen Luftanhalten auszugleichen. Lange genossen die gut verdienenden Ama-Taucherinnen ein hohes Ansehen aufgrund ihrer Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Ich finde das Gesamtbild der Ama-Tradition so spannend, deswegen habe ich es als Titel gewählt.

3. MDuo und WARBLE performen und experimentieren musikalisch sehr unterschiedlich. Lässt sich in AMA ein gemeinsamer Boden beider Stile erkennen oder harmonieren die beiden Charaktere auch nebeneinander sehr gut?

© Miako Klein

MK: WARBLE (Blockflöte + Trompete) arbeitet viel mit Verstärkung der Instrumente und experimentiert mit dem Material Instrument und Klangmaterial, sehr gering nur mit analogen Effekten. Einfach gesagt ist unser Feld Instrument + Verstärkung. Wir nehmen auch die Instrumente auseinander und spielen nur auf Teilen von ihnen. Das Innenleben unserer Instrumente machen wir auch akustisch wahrnehmbar, indem wir das Mikrofon fast in dem Musikinstrument platzieren und somit die verschiedenen Rauschklänge verstärken. Klanglich nähern sich Brad und ich uns teilweise so an, dass man nicht mehr unterscheiden kann, wer nun was spielt – so können wir kommunizieren. Wir suchen nach Klängen, die zusammenpassen. Obwohl Trompete und Blockflöte einen sehr unterschiedlichen Charakter haben, stelle ich immer wieder fest, wie toll sie sich klanglich mischen können.

© Carolin Röckelein

Bei Mduo (Blockflöte + Percussion) war das Experimentierfeld zunächst in der Instrumenten- und Klangmaterialsuche. Während bei mir die Instrumente mehr oder weniger beständig bleiben, hat Michael auf seinen Percussion natürlich eine endlose Auswahl an Klangmaterial. Er kam dann auf die Idee Plexiglasscheiben zu verwenden, was unglaublich toll klingt. Wenn ich mir die Musik aus dieser gebogenen Plexiglasscheibe anhöre ist so ein beruhigender Rhythmus, für mich hat das fast etwas pränatales an sich – wie ein Herzschlag. Besonders hier findet sich auch die Verbindung zur Meerestiefe und ihren Klängen.

In AMA ergänzen sich diese beiden Ensembles wirklich wunderbar. Ich habe an der Akademie Schloss Solitude die Möglichkeit bekommen, die Stücke beider Ensembles zusammenzubringen und das Album bei ihnen zu produzieren. Es sind beides Stücke von über 20 Minuten, dazwischen habe ich einen Ausschnitt aus John Cages‘ „Ryoanji“ gesetzt, da dies sehr passend war. Somit ist AMA sogar eine Triologie aus drei Stücken, die sich in einem dramaturgischen Spannungsbogen unglaublich gut ergänzen. Daher entstand die Idee, die beiden Duos auf einem Album zu vereinen, anstatt zwei CDs zu produzieren.

Ein kleiner Gruß an eure Zuschauer am 30. März:
MK: Sich öffnen und darauf einlassen, das ist bei der Musik das Wichtigste. Dadurch nimmt man am meisten mit. Wir freuen uns auf Euch!

03.05. | Tram 83

Lisa Lettretage —  15. März 2017 — 1 Kommentar

Mittwoch, 03. Mai 2017, 19:00 Uhr (Eintritt 8,-/erm. 6,-)
Tram 83 – Jazzlesung mit Fiston Mwanza Mujila
Literarische Jazzperformance

Mit: Fiston Mwanza Mujila (Autor, Rep. Kongo/Österreich)
Denis Abrahams (Sprecher und Schauspieler, Deutschland)
Ben Kraef (Saxophon, Deutschland)
Marco Mingarelli (Schlagzeug, Italien)
Fyodor Stepanov (Kontrabass, Russland)

Moderation: Linde Nadiani (Lettrétage e. V.)

© Leonhard Hilzensauer/Paul Zsolnay Verlag

Der Debütroman des in Graz lebenden kongolesischen Autors Fiston Mwanza Mujila erschien im Sommer 2016 endlich in der deutschen Übersetzung von Katharina Meyer und Lena Müller. Autor und Buch genießen seitdem große mediale Aufmerksamkeit, zu Recht wie wir finden. Bereits im Jahr 2014 arbeitete das Literaturhaus Lettrétage mit Fiston Mwanza Mujila zusammen, im Rahmen des Schüler-Projekts ¿comment! – Lesen ist schreiben ist lesen. Dieses Projekt generierte auch die erste Übersetzung einiger Seiten des Buches aus dem Französischen ins Deutsche. Ein Grund mehr, diesen erfolgreichen und äußerst spannenden Debütroman in der Lettrétage vorzustellen!

Einer der programmatischen Schwerpunkte des Literaturhauses Lettrétage ist im Jahr 2017 die interdisziplinäre Kollaboration zwischen AutorInnnen und AktuerInnen verschiedenster Kunstsparten der Berliner und internationalen freien Szene. Am 03. Mai 2017 wird eine performative Jazzlesung entstehen: Der Autor, ein deutscher Sprecher sowie drei internationale und in Berlin lebende Musiker treffen im Rahmen zweitägiger Proben aufeinander, um das Buch „Tram 83“ in ein einzigartiges musikalisches und literarisches Erlebnis zu verwandeln.

Durch gemeinsame Aktion vor Ort entsteht ein rhythmisches und komplexes Muster aus Stimmen, Klängen, Text und Jazz-Melodien. Für einen Abend wird das Berliner Publikum somit in den Nachtclub des Romangeschehens hineinversetzt.

Mit freundlicher Unterstützung des Österreichischen Kulturforum Berlin

Donnerstag, 04. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,-/erm. 4,-)
Dass wir uns haben
Luise Maier liest aus ihrem Romandebüt

 

„Ich hatte mir aus Mutters Schreibtisch ein Notizheft geklaut. Dort schrieb ich hinein: Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. Ich darf niemals Kinder haben. […] Bis alle Seiten gefüllt waren.“

© Nora Longatti

Wenn ein junges Mädchen zu einer Erzählung über ihre Familie ansetzt und dabei eine solche Episode als Einstieg wählt, ist das wohl Anlass zur Sorge. Und in der Tat ist Luise Maiers Debütroman „Dass wir uns haben“ angefüllt mit Berichten über häusliche Gewalt, tiefe Verzweiflung und dysfunktionale Abhängigkeiten. Die namenlose Ich-Erzählerin liefert einen Report über ihre eigene Kindheit auf dem Land, der im Wesentlichen als Kammerspiel mit vier Beteiligten konzipiert ist: Mutter, Vater, Bruder und Protagonistin existieren fast ausschließlich in Bezug aufeinander und bringen es doch nicht fertig, dieses Verhältnis untereinander zu artikulieren. Die Folge ist Sehnsucht nach Nähe, genauso wie die Erfahrung von Gewalt – ein Spannungsverhältnis, an dem die Familie langsam zerbricht. Die junge Tochter der Familie erzählt die schnelle Abfolge an Episoden mit einer Distanz, fast schon Indifferenz, die den Leser paradoxerweise direkter trifft als jeder andere denkbare Ansatz. Das widersprüchliche Verhältnis von Nähe und Distanz im Umgang der Figuren untereinander wird von Maier famos in die sprachliche Gestaltung des Textes übersetzt.

Luise Maier wurde 1991 in Schardenberg in Österreich geboren und wuchs im niederbayerischen Vilshofen auf. Sie studierte ab 2012 am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne, wo sie auch heute noch lebt. Nach Veröffentlichungen verschiedener Texte u.a. in der Liesettelittéraire, der BELLA triste und den horen erschien ihr Erstling „Dass wir uns haben“ 2017 beim Wallstein Verlag.

 

 

Sonntag, 14. und 21. Mai 2017, 10:00 bis 17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
Erfolgreich Projektanträge stellen
Workshop

mit Katharina Deloglu

Ob Lesereihe in der Kiezkneipe oder Literaturfestival, ob Autorenkonferenz oder Hörspiellabor – für Berliner Literaturveranstalter*innen gibt es zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten aus öffentlichen Mitteln. Doch welche passt zum geplanten Projekt? Was muss ich bei der Antragstellung unbedingt beachten, was vermeiden? Wie erstelle ich einen realistischen Finanzplan? Was verbirgt sich hinter „Kofinanzierung“, „Fehlbedarf“ und „Eigenleistung“? Wie überhaupt entwickle ich ein Projekt, das meinen persönlichen Kompetenzen entspricht und wo finde ich – wenn nötig – die geeigneten Partner?

Nach einem Überblick über das Spektrum an Finanzierungsmöglichkeiten für Literaturveranstaltungsprojekte (Kommune, Land, Bund) und einer Checkliste formaler Kriterien sehen wir uns den Antrag und seine einzelnen Bestandteile gründlich an. Wir lernen Projektmittel-Ausschreibungen genau zu lesen und zu verstehen und betrachten exemplarisch erfolgreiche geförderte Projekte. Eine Analyse des eigenen Antragsteller-Profils und ein erster Entwurf eines eigenen Projektantrags runden den zweitägigen Workshop ab.

Wer möchte, kann gern einen eigenen Projektentwurf mitbringen.

Anmeldungen bitte bis 10.05.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Katharina Deloglu studierte Komparatistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Mainz, Tours und Madrid und promovierte an der HU Berlin in Neuerer Deutscher Literatur. Bis 2005 war sie als Kultur-Journalistin für u.a. SZ, FR, NZZ, F.A.Z, 3sat Kulturzeit und als freie Mitarbeiterin des Goethe-Instituts Frankfurt tätig. Als Mitgründerin und -betreiberin der Lettrétage ist sie seit 2006 zuständig für die Konzeption und Umsetzung des laufenden Veranstaltungsprogramms sowie die Fördermittelakquise und Leitung verschiedener internationaler Projekte, zuletzt CROWD – CReating Other Ways Of Dissemination und CON_TEXT. Jurytätigkeiten: Autorenstipendien des Berliner Senats 2011, Anna Seghers-Preis 2012.

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.

 

 

Montag, 15. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt: 5,- / erm. 4,-)
Stella maris
Vorstellung des neuen Romans von Isabella Feimer

Die Menschheit hat die Grenzen des ihr bekannten Himmels überschritten, die Erde ist zu einer Nichtigkeit geworden, der Mensch selbst seines die Nacktheit beschützenden Schleiers beraubt.

Eva hat in sich Geschichten vieler Epochen und unterschiedlicher Orte versammelt. Ihre Erinnerung ist der einzige Ort, der keine Begrenzung kennt. Evas Erinnerungsfragmente fügen sich mosaikartig zu einem überbordenden Gemälde, in dem sich ihre Erlebnisse in Rom und Paris verdichten. Zwischen den antiken Ruinen Roms, die immer noch vergangene Seelen in sich tragen, wuchern Angst und Faschismus in Richtung des nahenden Krieges. Jahrzehnte später in Paris sieht sich Eva erneut mit einer Epoche der Gewalt konfrontiert, in der dem vorherrschenden Terror nur mit Anarchie und der Überschreitung einer Liebe begegnet werden kann. Doch es scheint, als hätte Eva ihren Leitstern, den Stella maris, verloren.

In poetisch-bildhafter Sprache, die zwischen Schönheit und Grausamkeit changiert, erzählt Isabella Feimer eine Höllenfahrt durch Zeit und Raum, die beginnend mit der Renaissance in eine futuristische Welt führt.

Leseprobe:

„Erde, der verblasste, aufgebrauchte Planet, der längst aus unserem Sichtfeld verschwunden ist, manchmal sehe ich das strahlende Blau noch vor mir pochen, diesen kostbaren Saphir, Blau der Erinnerung, das mit jedem neuerlichen Blick in Veränderung ist, wechselt von einer Gestalt in eine andere,

ein Stück Seide aus einem Kleid gerissen,

eine Blume zum Trocknen unter ein Kissen gelegt,

eine Liebeserklärung niemals gemacht,

Erde ist diese optische Täuschung, in der ich mich verliere, und verloren bin ich seit langer Zeit, dennoch, vielleicht einer letzten Sehnsucht folgend, tupfe ich mit den Fingerspitzen in das Blau und spüre, dass ich darin versinke, eins werde mit dem Element,

so sehe ich mich, nicht das Leben, das ich führen muss,

ein maskiertes Ich lächelt mir im Taschenspiegel, den ich immer bei mir trage, ein Schmuckstück aus einer vergessenen Zeit, und die Ornamente, die ihn zieren, zieren auch meine Gedanken an diese Zeit,

noch zähle ich die Tage der Mission und ritze mir jeden Tag, der vergangen ist, mit den Nägeln in mein Herz.“

Über die Autorin:

© Manfredo Weihs

Isabella Feimer wurde 1976 geboren und wuchs in Schwechat, Niederösterreich, auf. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Theaterregisseurin und Schriftstellerin. Sie verfasste bisher Romane, Kurzgeschichten, Reiseprosa und Theatertexte. 2012 Nominierung bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur, 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Akademie Graz, 2013 und 2015 Nominierung für den Alpha-Preis, 2013 Kulturpreis des Landes Niederösterreich, Anerkennungspreis Literatur. 2014 Stadtschreiberin von Schwaz, Tirol. 2015 erschien der Roman Trophäen bei Braumüller, und 2016 erhielt sie das Hans Weigel Stipendium des Landes Niederösterreich.

In einem Interview mit Telegramme erzählt sie: „Ich bin sehr glücklich, dass ich Stella maris geschrieben habe, nicht nur deshalb, weil ich endlich den Hauch Science-Fiction geschrieben habe, wie es schon lange mein Wunsch war, sondern auch deshalb, weil es mir für mich gelungen ist, komplexe Handlungsstränge zwischen Zeit und Raum und deren Negation zu verknüpfen und mich sprachlich wieder ein Stück weiterzuentwickeln.“ Hier geht es zum Interview, in dem Sie mehr über „Stella maris“ erfahren können.