Archiv: Lyrik

Montag, 27. November 2017, 19:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Junge slowenische Lyrik
Lesung mit Katja Gorečan, Uroš Prah, Kaja Teržan und Jure Vuga 

 

Im Rahmen der Erarbeitung einer Anthologie junger slowenischer Lyrik in deutscher Sprache erfolgen in Berlin in Koorganisation des slowenischen Kulturzentrums in Berlin und des Lyrikers und Kritikers Aljaž Koprivnikar mehrere Lesungen junger slowenischer Lyriker und Lyrikerinnen in Übersetzung von Boštjan Dvořák. Das Projekt fokussiert sich auf junge und schon etablierte dichterische Namen, die mit ihrem Schaffen bedeutende Bewegungen in der slowenischen Literaturszene erzeugen. Die erste der Lesungen bringt am 27. November 2017 um 19 Uhr dem Berliner Publikum die Poetik von Katja Gorečan, Uroš Prah, Kaja Teržan und Jure Vuga näher. Im Anschluss folgt der Lesung noch ein Durchblick über das Schaffen des slowenischen Architekten Jože Plečnik anlässlich seines 60. Todestags und seines 145. Geburstags. Dazu wird in den Räumen der Lettrétage eine Ausstellung seiner Werke, wie auch eine Projektion seiner Freiheitskathedrale (Kristijan Tavčar) gezeigt. Die Lesung wird auf Slowenisch mit deutschen Übersetzungen gehalten, die Moderation findet auf Slowenisch statt und wird auf Deutsch gedolmetscht.

 

 

 

© Manca Suvajac

Katja Gorečan (1989) geb. in Celje. Studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und ist zurzeit an der Akademie für Theater, Radio, Film und Television in Ljubljana im Masterstudiumgang Dramaturgie. 2007 wurde ihr erster Gedichtband Angeli istega porekla veröffentlicht, 2012 der Gedischtband Trpljenje mlade Hane, beim Zentrum für slowenische Literatur, mit dem sie für den Jenkova Preis nominiert wurde und für das BJCEM (Mediterranea Young Artists Biennale) ausgewählt worden ist. Sie ist in der Organisation des Literaturkritikfestivals Prager und als Dramaturgin tätig.

 

 

 

 

Uroš Prah (1988, Maribor) ist Lyriker, Redakteur, Übersetzer und Publizist. Bisher erschienen zwei seiner Gedichtbände: Čezse polzeči (CSK 2012), der 2017 in Kroatisch erscheint (Biakova, Zagreb), und Tišima (CSK 2015), der es 2016 auf die Short-Listen der zwei bedeutesten Lyrikpreise Sloweniens schaffte: den Simon Jenko Preis und den Veronika Preis. 2017 erhielt er das Autorenstipendium der Slowenischen Buchagentur. Übersetzungen seiner Texte wurden bis jetzt in Deutschland, Österreich, Kroatien, Serbien, Montenegro, Italien, Rumänien, Argentinien, Kanada und den USA veröffentlicht. Er war Mitbegründer und langjähriger Chefredakteur der Literaturzeitschrift IDIOT (2009-2016), Programmleiter des Internationalen Festivals für Literatur in Entwicklung Literodrom (2015-2016) und Mitbegründer des Museums des Wahnsinns, Trate. Zurzeit lebt er in Wien.
 

 

 

 

Kaja Teržan (1986) veröffentlichte 2015 beim Zentrum für slowenische Literatur ihr Debut-Lyrikband Delta, der auch für den Veronika Preis nominiert worden ist. Im selben Jahr nam sie mit der gleichnamigen Performance an der internationalen Bienale für junge Künstler Mediterranea in Mailand teil. 2016 schloß sie sich auch mit der Pianistin Manca Udovič zusammen, mit der sie häufig gemeinsam auftritt. Auch im Jahr 2016 bekam sie auf dem Lyrikturnier des Verlags Pivec den Preis des Plublikums für ihr Gedicht Ruj.

 

 

 

 

Jure Vuga (1983) geb. in Koper, fing mit schreiben auf dem Gymnasium in Koper unter der Mentorschaft der Dichterin Ines Cergol an. 2009 schloss er seinen Bachelor of Arts in Kunstgeschichte und Soziologie der Kultur ab. Im selben Jahr erschien beim Verlag Beletrina sein erster Gedichtsband Pod kamni plešem. Er studierte in Ljubljana, Florenc, Röm, Venedig, Mailand und London. 2015 veröffentlichte er beim Verlag Mladinska knjiga seinen zweiten Gedichtsband Modri plamen. 2016 präsentierte er seine Doktorarbeit mit dem Titel Vpliv Hypnerotomachie Poliphili na Giorgionejevo „Nevihto“. Er lebt in Ljubljana wo er als Reiseführer tätig ist.

 

17.11. | Polly

Tom Bresemann —  18. Oktober 2017 — Kommentieren

Freitag, 17. November 2017, 19 Uhr (Eintritt 5,-)
Polly
Endrunde des Preises für politische Lyrik

Der 6. Wettbewerb des Preises für politische Lyrik, der diesmal dem Thema ‚Europa‘ gewidmet ist, geht in die Endrunde. 15 ausgewählte Autorinnen und Autoren lesen ihre Texte oder lassen sie lesen. Anschließend wählt das Publikum drei Preisträger. Wer zuvor im Buchhandel das Zweijahresbuch der politischen Lyrik 2017/18 (ISBN  978-3-940781-85-7) mit den nominierten Texten und anderen interessanten Beiträgen für 12 € erwirbt, hat freien Eintritt. Eine nummerierte Stimmkarte liegt dem Buch bei. Sie kann auch bis zum 17. November per Post an Lettrétage, Methfesselstraße 23-25, 10965 Berlin gesandt werden und wird bei der Abstimmung mitgezählt. Einzelheiten unter www.pollypreis.de.

Der Stifter Jörn Sack wurde 1944 in Thüringen geboren, aufgewachsen ist er in (West-)Berlin. Von Beruf Jurist, der nahezu 30 Jahre lang bei der Europäischen Kommission in Brüssel und dort in den letzten Jahren in den Außenbeziehungen der EU tätig war (u.a. Beitrittsverhandlungen). Seit 2005 als Privatgelehrter und freier Schriftsteller wieder in Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen – neben Lyrik vor allem zu historischen und philosophischen Themen. www.joernsack.eu

 

Freitag, 08. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei, Spenden erbeten)
Es liest Alexander Skidan
Im Gespräch mit Tillmann Severin

Der Lyriker, Essayist, Kritiker und Übersetzer Alexander Skidan gehört zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen russischen Kulturszene. Für Kulturwissenschaftler Michail Jampolski ist Skidan „eine einzigartige Erscheinung in der zeitgenössischen russischen Literatur. Er vereint die Rationalität eines scharfsinnigen Analytikers und unparteiischen Kritikers mit einem feinen Gespür für das Poetische.“ Seine Prosa und Lyrik wurde mit den bedeutendsten russischen Literaturpreisen ausgezeichnet, so auch dem Andrei-Bely-Preis. Seine Gedichtbände wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Autor Norbert Niemann schreibt: „Skidans Lyrik versteht sich als Kommentar zur postsowjetischen Wirklichkeit […] Er beobachtet einen gesellschaftlichen Prozess zunehmender sozialer und ideologischer Verwerfungen, bei dem sich alte und neue politische und religiöse Systeme vermischen, ineinander schieben, verkeilen. […] Was Alexander Skidan interessiert, ist die ‚linguistische spur des realen‘.“ In der Lettrétage spricht der LCB-Stipendiat mit Schriftsteller und Übersetzer Tillmann Severin und liest aus seinem Werk. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Russisch mit Verdolmetschung statt.

Alexander Skidan geboren 1965 in Leningrad, lebt derzeit in St. Petersburg, Russland.

Mittwoch, 13. September 2017, 20:00 Uhr, (Eintritt 5,-/ erm. 4,-)
Wie Alchemie um- und umgeschrieben
Lesung mit Ute ECKENFELDER

Die Autorin Ute Eckenfelder arbeitet mit ihren Gedichten das Prozesshafte der Sprache heraus; denn Sprache hat mit Alchemie gemein, dass sie sich nicht scheut, mit unterschiedlichsten Materialien, sinnlichen, bildhaften und geistigen Substanzen zu experimentieren – so entsteht eine Vielfalt ihres Sprechens, wodurch nicht nur die Sprache selber, sondern auch wir von der Sprache immer wieder umgeschrieben werden. Vielleicht so wie Rilke – für unsere heutigen Ohren etwas zu pathetisch – formulierte: Jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, liebt in dem Schwung der Figur nichts als den wendenden Punkt.

 

Ute ECKENFELDER

Geboren 1938 in Sulz am Neckar. Studium der Erziehungswissenschaften, M.A. Unterrichtete langjährig als Dozentin am Pestalozzi-Fröbel-Haus.

Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in zahlreichen Zeitschriften, u.a. Lichtungen, Jahrbuch der Lyrik, Ostra-Gehege, Sinn und Form.

sowie im Rundfunk. Publikationen: Mitlesebuch 19 (1997) Einblicke (1998) Falkner, bis grün dich durchwächst (2002) Ist wo die Eule (2006) War oder wird Eiszeit (2010)

Zuletzt erschien der Lyrikband: G‘schnipf für Zieglers Ziegen (Keiper 2014 / Podium 2016).

 

Nachwort von Helwig Brunner zum Buch G’schnipf füZieglers Ziegen 

„Wer die Gedichte Ute Eckenfelders liest, kommt rasch zum Staunen und hört nicht so bald wieder damit auf. Allerdings ist nicht sofort klar, woher das Staunen rührt, denn die Dichterin legt es nicht auf diese Wirkung an, sie tut nichts auf ersten Blick Außerordentliches. Sie schreibt doch nur Gedichte, möchte man sagen, so wie man über jemand anderen vielleicht sagt: Der will doch nur spielen.

[…] Kaum […] nämlich hat man erlebt, dass eine Dichterin oder ein Dichter die Sprache derart furios in sämtliche Register auffächert, sie scheinbar mühelos in ihren Höhen und Tiefen durchmisst, ohne Scheu vor ihrem Gewicht und ihrer Flüchtigkeit, ohne Berührungsängste gegenüber ihren Banalitäten […]. Dies spiegelt sich auch in der enormen Vielfalt der Motive, der thematischen und personellen Bezüge wider: Gemeinsam mit der Autorin begegnen wir Brentano, Rilke, Hofmannsthal, Hölderlin und Nietzsche, studieren Goethes Farbenlehre, Hokusais zartlinige Natur- und Landschaftsansichten, Brueghels apokalyptische Visionen und Van Goghs flackernden Himmel, besuchen die Kathedrale St. Bavo und den Hof der Beginen, treffen auf zeitgenössische Künstler wie Carsten Höller, Martin Kippenberger und Jannis Kounellis. Mit derselben Selbstverständlichkeit gehen in diesen Gedichten aber auch der Liedrijan und der Hallodri um, tummeln sich Schweine und Ziegen – samt dem für sie vorgesehenen Futter, dem »G’schnipf« –, Maulaffe und Hollerhund, weiters Radfahrer und Clowns, der Rasenmäher und die Bodenschleifmaschine.

[…] So konfigurieren sich aus der sprachkosmischen Ursuppe, die sie uns serviert, immer wieder kraftvoll-zarte poetische Fügungen, etwa ein geduldiges Grau, tantiges Handtaschen-Grün, Wahnsinnsgewölk, schnabulierende Zettel oder das Geblinzel lichtdurchlässiger Jalousien; […] Hier, in Eckenfelders entgrenzter Sprachwelt, finden wir uns in einem poetischen Kosmos wieder, der entscheidend über die Dimensionierung gewöhnlichen Sprechens hinausreicht.

So viel sprachschöpferische Virtuosität müsste Misstrauen wecken, wenn sie Selbstzweck bliebe. Doch dem ist ganz offensichtlich nicht so. »Worte sind in ihrem Sinn unendlich beweglich, ständig metaphorisch bezogen und neu beziehbar, nie selber ein letztes Fundament«, schrieb Karl Jaspers. Genau diese unendliche Beweglichkeit, dieses Fehlen eines letzten Fundaments scheint der Motor zu sein, der Eckenfelders Sprache so außerordentlich umtreibt. Schon in jungen Jahren beeindruckt von Hölderlins Sprachmagie und im Wissen um die Vordenkerrolle der Sprache, um ein in der Sprache angelegtes Verstehen vor dem Verstehen, geht Eckenfelder in ihren Gedichten aufs Ganze, nimmt die Dinge in ihrer »unausdeutbaren Deutbarkeit« (Hugo von Hofmannsthal) in den Blick. In diesen Versen werden daher weder Fragen gestellt noch Antworten gesucht – […] Vielmehr verhält sich Eckenfelders Poesie wie ein offener Sternenhimmel, auf dem man immer mehr Gestirne entdecken kann, je genauer man hinsieht. Die Dichterin ist sich der Dimension ihres Unterfangens durchaus bewusst; sie bezeichnet das Wort als anderszeitig inmitten der Zeit, schreibt von delirierenden Texten. Zu wünschen ist ihr, dass sie sich zusammen mit ihren Leserinnen und Lesern auch an der Dimension des Gelingens freut, denn diese, das darf hier mit Überzeugung gesagt werden, ist nicht vielen Dichtenden vergönnt.

Ja, Ute Eckenfelder schreibt nur Gedichte. Sie will doch nur spielen. Doch die Poesie ist wahrlich ein großes Spiel, wenn sie, also die Poesie, es ernst nimmt.“

Helwig Brunner

 

 

Thomas Maier liest „To the lightest of dogs“ und „The Liquid R“ aus dem 2018 erscheinenden Band „Another City“ des amerikanischen Dichters David Keplinger. Keplinger selbst wird seine Gedichte am 12.06. um 19 Uhr in der Lettrétage lesen, ins Deutsche übersetzt und gelesen werden sie von Jan Wagner.

Dienstag, 18. Juli 2017, 18:00 Uhr (Eintritt frei)
Try-Out CON_TEXT VII: memory foam
Mit Rike Scheffler und Jochen Roller

In einem sensorischen Raum inszenieren die Lyrikerin Rike Scheffler und der Choreograf Jochen Roller Text als raumklangliches und haptisches Ganzkörpererlebnis. Das Berliner Publikum ist herzlich zu einem öffentlichen Try-Out am 18. Juli eingeladen: Während des Testlaufs können die Teilnehmer*Innen die Installation erproben und den Künstler*innen ihr Feedback geben!
Die finale Veranstaltung „memory foam“ findet am darauffolgenden Mitwoch, den 19.07., statt.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Mittwoch, 07. Juni 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
Time to deliver: X³. CON_TEXT V
Mit Tomomi Adachi und Daniel Malpica

Bei der fünften Auflage unserer Reihe CON_TEXT trifft der Komponist und Klangpoet Tomomi Adachi auf den Autoren Daniel Malpica. Die Performance der beiden Autoren wird ausgesprochen besonderer Natur sein: im Mittelpunkt steht nämlich ein 3D-Drucker, der im Laufe der Veranstaltung ein Modell des Buchstaben X produzieren wird. Dieser Vorgang wird doppelt eingerahmt. Einerseits werden zusätzlich geladene Schauspieler den Druckvorgang inszenieren. Andererseits wird die visuelle Ebene verknüpft mit Malpicas Gedicht-Serie „Se escribe con X“, eigens für diesen Abend ins Deutsche übersetzt, und dem Poem „Voice Sound Poetry Form Begun with X“ des futuristischen Dichters Hide Kinoshita.

Die Veranstaltung findet größtenteils auf Englisch mit deutscher Übersetzung, teils auf Spanisch und Japanisch, statt.

Die Veranstaltungsreihe CON_TEXT vesucht das Format Lesung neu zu denken und zu thematisieren. Jeweils ein/e Autor/in und ein/e Künstler/in einer anderen Sparte erarbeiten gemeinsam eine Woche lang in der Lettrétage ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat. TänzerInnen, MusikerInnen, Bildende und Darstellende KünstlerInnen sowie FilmemacherInnen sind die künstlerischen PartnerInnen der AutorInnen. Ausgehend vom literarischen Text entwickeln die KünstlerInnen-Tandems interdisziplinäre Formate und thematisieren dabei den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Die so entstehende literarische Veranstaltung wird als ein eigenes, weit über die bloße Textpräsentation hinausgehendes, künstlerisches Werk begriffen. Die KünstlerInnen arbeiten ohne inhaltliche Vorgaben, der Prozess ist ergebnisoffen.

Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlußkonferenz statt.
Zu jeder Veranstaltung erscheinen vorab ein Interview mit einem Experten und im Nachhinein eine kurze filmische Dokumentation im Lettrétagebuch. Dort findet sich auch weitere Information zur Veranstaltungsreihe und zu den beteiligten KünstlerInnen und Veranstaltungsterminen.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

 

© Naya Collective

Tomomi Adachi ist Künstler, Komponist, Klang- und visueller Poet sowie Instrumentenbauer. Bekannt für seinen vielseitigen Stil, führte er seine eigene Stimme und außerdem elektronische Stücke, Klangpoesie, improvisierte Musik und Gegenwartsmusik auf. Darüber hinaus präsentierte er standortspezifische Kompositionen, Kompositionen für klassische Ensembles und Chorstücke für ungeschulte Musik an verschiedensten Orten der Welt, einschließlich der Tate Modern, der Märzmusik, dem Centre Pompidou, dem Poesiefestival Berlin und dem Walker Art Center.

In seiner Arbeit bedient er sich an einem breitem Spektrum von Materialien: Dazu gehören selbst hergestellte Instrumente, Twitter Texte und sogar paranormale Phänomene. Als der einzige japanische Performer für Klangpoesie führte er 1996 Kurt Schwitters ‚Ursonate‘ als japanische Premiere auf. Seine CDs beinhalten das Soloalbum von Tzadik, Omegapoint und naya records.

Er war Gast des Artists-in-Berlin Programm des DAAD im Jahre 2012.

 

 

© Jaime Culebro

Daniel Malpica (geboren in Mexico City) lebt als Lyriker, Grafik Designer und Herausgeber in Helsinki. Derzeit ist er Co-Direktor, Produzent und Designer des Sivuvalo Projekts. Zwischen 2011 und 2014 war er Mitbegründer, Chefredakteur und Designer des [Radiador] Magazins. Als Lyriker, Produzent und Multimedia-Künstler veranstaltete Daniel Malpica unkonventionelle literarische Events in Finnland und Mexiko. Er nahm an vielen internationalen Festivals über experimentelle und multidisziplinäre Kunst teil und stand bereits mit weltbekannten Autoren wie Amiri Baraka oder Michel Houellebecq auf der Bühne. Malpica ist Autor von Paréntesis (RDLPS,2007), Marduk: SenectusSignum (2009) und Ex-Aether (Molinosde,2012). Für sein jüngstes Werk‚ Seescribe con X‘ (‚Man schreibt es mit X‘) erhielt 2014 ein Stipendium des ‚Arts Promotion Centre Finland‘, es ist bisher jedoch unveröffentlicht.

Montag, 16. Januar 2017 20:00 Uhr (Eintritt frei)
Poesie und Musik aus Patagonien
Lesung und Konzert

Am 16. Januar empfängt die Lettrétage hohen Besuch aus dem tiefen Süden: Die patagonischen Autoren Yenny Paredes, Jorge Spíndola, Sergio Mansilla Torres lesen aus ihren poetischen Werken. Anschließend nimmt uns Anahí Rayen Mariluan mit auf eine musikalische Reise durch die Klangwelten der Mapuche.

Anahí Rayen Mariluan

„Wenn man davon ausgeht, dass es Formen der Selbstdefinition gibt – denn in meiner Kultur sind Definitionen nichts Statisches –, würde man wahrscheinlich sagen: Sängerin oder Übersetzerin der Geräusche, die uns umgeben. Um sich selbst vorzustellen, sollte man seine tuwun, seine Herkunft beschreiben und so würde man auf seine Vorfahren zu sprechen kommen und auf das Land, das sie bewohnten. Hier beginnt das Zentrum dessen, was man ist: Man ist ein wir, eine lange Vergangenheit und eine noch längere Zukunft.“

Die Sängerin Anahí Rayen Mariluan wurde in der argentinischen Stadt Neuquén Capital geboren und wohnt derzeit in Bariloche. Ihre Liedtexte sind größtenteils in Mapuzungun, der Sprache der Mapuche verfasst. Musikalisch greift die Sängerin auf Traditionen der Mapuche zurück, lässt jedoch auch zeitgenössische Elemente einfließen. Instrumente der Mapuche treffen bei ihr auf Klangwelten verschiedener Herkunft.

Mehr Informationen über Anahí Rayen Mariluan finden Sie auf der Homepage der Künstlerin oder in ihrer Biografie.

Yenny Paredes (*1968 in Valdivia, Chile)

Yenny Paredes ist Dichterin, Graffiti-Künstlerin und Dozentin für Literatur an der Universidad Austral de Chile. Im Jahr 2008 veröffentlichte sie Manoblanca y los pájaros del pavimento.

Jorge Spíndola (*1961 in Comodoro Rivadavia, Argentinien)

Jorge Spíndola war Leiter des Künstler- und Autorentreffens Culturas del Sur del Mundo, das sich an Akteure aus dem Süden Argentiniens und Chiles richtet. Er ist Gründer der Biblioteca popular Rodolfo Walsh in Trelew im Süden Argentiniens und Koordinator des dort ansässigen Künstlerkollektivs Bajo los Huesos. Derzeit promoviert er an der Universidad Austral de Valvida in Chile. Er veröffentlichte mehrere Gedichtesammlungen, darunter Mátame si no te sirvo (1994), Calles laterales (2003), Jerez volcado (2008) und Perro lamiendo luna (2014).

Sergio Mansilla Torres (*1958 in Anchao/Chiloe, Chile)

Sergio Mansilla Torres ist Professor für Literatur an der Universidad Austral de Chile. Als Akademiker und Autor veröffentlichte er zahlreiche Lyrikbände sowie kritische Studien zur Literatur und Handbücher der Sprach- und Literaturvermittlung. Im Jahr 2009 wurde er für sein Werk Retratos y autorretratos deformes mit dem Preis Consejo de Libro y la Lectura in der Kategorie „unveröffentlichte Poesie“ ausgezeichnet. Zu seinen weiteren Publikationen zählen Cauquil (Santiago: Cuarto Propio, 2005), Óyeme como quien oye llover (Ottawa: Editorial Poetas Antiimperialistas de América, 2004), Respirar en el desfiladero (Valdivia: Ediciones Pudú, 2000), De la huella sin pie (Valdivia: Ediciones Barba de Palo, 1995, 2ª ed. aumentada, Santiago: Editorial Cuarto Propio, 2000), El sol y los acorralados danzantes (Valdivia: Paginadura, 1991), Noche de agua (Santiago: Rumbos, 1986).

Donnerstag, 8. Dezember 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,- Euro)
Mit euch nicht in einem Atemzug III
Autorenlesung mit Franz Tettinger, Christian Vater, T. G. Vömel, Bastian Winkler und Titus Meyer

Titus Meyer arbeitet gerne mit Buchstaben- und Silbenanordnungen. Er schreibt hauptsächlich Anagramm- und Palindrom-Gedichte, die stets versuchen, menschliche Körperteile aus der Wirklichkeit heraus zu amputieren um sie anschließend zu ganz neuen textlichen Gebilden und Bedeutungen zusammenzusetzen. Es mündet in Gedankenskulpturen und Dekors, die sich aber ebenso wie ihre Ausgangsmodelle dem Verbleib in der Lebenswirklichkeit verpflichtet fühlen.

Er wird heute Texte lesen, die seinem geplanten Gedichtband entstammen. Es handelt sich um düstere, naturverbundene Themen aus der Feder eines fiktiven, wahnsinnigen Einsiedlers.

 


Bastian Winkler dichtet sich frei von schlechter Atmosphäre. Er sucht das Weite durch Ahnenflucht, steigt nicht ins Auto von Vertrauten und fährt 0,5-herzig den Berg der Verwerfung hinauf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Franz Tettinger lebt in Wien als selbständiger Grafikdesigner, Texter und Lektor. Er schreibt Lyrik und Kurzprosa und arbeitet an transmedialen Projekten mit Schriftstellern und Künstlern aus anderen Medien.

Christian Vater lebt seit 2001 in Berlin, wo er derzeit als Gymnasiallehrer tätig ist. Autor und Verleger, hat er u.a. schon mit dem Fotografen Andreas W. Rausch und dem Grafiker und Autor Franz R. Tettinger zusammengearbeitet.

T. G. Vömel lebt seit 1995 in Berlin. 1999 gründete er mit dem Kunstkritiker Sven Grünwitzky den Künstlersalon „Der Blaue Salon“ und hat in Literaturzeitschriften wie z. B. „Lauter Niemand“, „Intendenzen“, „Feigenblatt“ u.a. Texte veröffentlicht. Zurzeit ist er als Gymnasiallehrer, Autor und Verleger tätig.

 

FAUN UND ZERFALL 

… abkratzen, einfärben, abstempeln, überschreiben, kaschieren, aufkleben, beflecken, radieren, zerschneiden, retuschieren, bedrucken, schwärzen und weißen … Worte schreiben sich ein, lösen sich ab, Spruchbänder reißen Lücken, öffnen Räume. Bilder suchen sich, fliehen weiter, werfen Schatten, verlieren Kontur und Raum. Was heißt das konkret? Drei Autoren schicken sich sechs Postkarten im Kreis. Du weißt: Du bekommst eine Postkarte. Du beschreibst, überschreibst, schreibst sie fort und schickst sie an einen weiter, der sie wiederum beschreibt, überschreibt, fortschreibt, bemalt, beklebt und weiterschickt. Du weißt: Deine Karte, die du gerade geschrieben hast, gibt es bald nicht mehr. Sie wird aufgegriffen, weitergeführt, überformt. Was heißt das: Jede neue Schicht wird zum Sediment und du fragst dich am Ende: Was trägt und bleibt?

 


In Zusammenhang mit dem im Februar 2016 gegründete vauvau-verlg für interaktive lyrik. www.vauvau-verlag.com

Lisa Lettrétage liest Brief under Water von Cyrus Console. © 2016 Brueterich Press.