Archiv: Mara Genschel

Freitag, 28. Februar 2014, 20:00 Uhr, Eintritt frei!

literaturlabor in der Lettrétage, gefördert vom Berliner Senat

Vor einem Jahr, im Januar/Februar 2013 gründete Nikola Richter den Berliner Digitalverlag mikrotext. Das erste Programm, mit einem Essay von Alexander Kluge und den Statusmeldungen des syrischen Autors Aboud Saeed, fand schnell Aufmerksamkeit. Seitdem erscheinen vierteljährlich zwei Ebooks zu einem gemeinsamen Thema, zwischendurch die Spontanproduktionen namens „shots“. „Zeitgeist für 2,99“, „Ebooks zum Kaffeepreis“ bezeichnete Holger Heimann (Börsenblatt) die Verlagsstrategie.

Wer und was noch so dahinter steckt, erzählen die Verlegerin Nikola Richter und ihre Verlagskollegin Andrea Nienhaus (Cover, Printdesign, Kommunikationsberatung) bei der mikrotext-Geburtstagsfeier natürlich anhand einer Facebookshow.

Dazu bringen mikrotext-Autorinnen und Autoren Texte und andere Kulturgüter mit: Jan Kuhlbrodt liest etwa per Skype aus einem Essay zur Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, an dem er gerade arbeitet, von Thomas Palzer gibt es Kostproben seines Spam Poetry-Hörspiels, Aboud Saeed erklärt, unterstützt von Sandra Hetzl, wie er zusammen mit seinem syrischen Autorfreund Lukman Derky über Facebookfotos das Literaturverständnis revolutionieren will (vielleicht aber auch etwas ganz anderes), Sarah Khan zeigt Horror. Auftreten werden aber auch Sebastian Christ, Isabel Fargo Cole, Chloe Zeegen. Und vielleicht gibts noch einen Überraschungsgast aus dem Frühjahrsprogramm 2014.

Danach Tanzen mit Musik von DJ Koalblao und DJ Andrea.

Join the digital party! Fesbuk.

Auch unter: www.mikrotext.de oder bei Facebook und twitter.

Zuß und Ames suchen Streit und begegnen sich in Berlin; in der Art in der ein Freistoßschütze dem Torwart begegnet; wer wer ist, ist egal, weil es wechselt. Es geht um Kollegialität, um Polemik, Poetik, um zwölf coole Arbeiter im Lyrikstandort Berlin, um Unzufriedenheit und andere Beweggründe und „Konsonanz ist nur ein Teil künstlerischen Schaffens; Dissonanz, Digression und Überraschung die anderen. Wir beobachten hier das Verfahren der Anreicherung neben forcierter Flapsigkeit […] und harte Zäsuren und weite Sprünge neben zarten Zoten.“
(Konstantin Ames: sTiL.e(ins) Art und Weltwaisen. S. 6f.)

 

Teil VII – Die Kommunikation der Literatur: Gesichtsschwitzer und zwölf coole Arbeiter (unrohe Störer), die dann doch vierzehn sind

Wenn Einzelkämpfer (Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche, Kurt Tucholsky, Thomas Kling) oder Einzelkämpferinnen (Barbara Köhler, Renate Rasp, Helga M. Novak, Sarah Kirsch, Mascha Kaléko) antraten und antreten, ergab und ergibt es Sinn, diesen Personen Mut zu attestieren.

Mir kommt es schlicht bigott vor, wenn jemand verzweifelt versucht, einen anarchistischen Markenkern zu erhalten: durch gezielte Schüsse aus dem sicheren Dickicht nahender bürgerlicher Ehrbezeigungen heraus. Clever mag das sein, interessant ist es nicht. Wenn eine Angehörige einer literarischen Clique Kollegen plump anmacht, Dekadenz, Perversion, Dummheit, Protzerei unterstellend, dann sehe ich mich außerstande, diesem Tun Mut und poetologische Substanz zuzugestehen.

Es gibt diese besondere Neigung zur Niedertracht: Deutsch im Endstadium.

Wenn nicht mehr übers Gedicht im 39. Jahrhundert gemunkelt wird, coole Bandwürmer auch einen Existenzberechtigungsschein ausgestellt bekommen, wenn nicht mehr altklug-clevere Mitmenschen von einem Zuviel an Poesieproduktion unken, dann kann die Poesie und die Poetik des 21. Jahrhunderts in ihre konstruktive Phase übergehen. Dann ist die »innere Dreizehnjährigkeit« (Bernhard Pörksen) überwunden, dann sind die Möglichkeiten der Poesie als Kommunikationsspiel zu erproben.

Wenn irgendwer keine zwölf coolen Arbeiter kennt und loben kann, ist er ignorant. Allein in Berlin kenne ich zwölf coole Arbeiter. Da sind Tom Bresemann, Richard Duraj, Elke Erb und Christian Filips*, Mara Genschel, Catherine Hales, Ursula Krechel, Simone Kornappel, Norbert Lange, Georg Leß, Katharina Schultens*, Ulf Stolterfoht. Es sind auch Wunderkinder darunter, ich habe sie markiert, für den Fall, dass das Wunderkindhafte irgendwen interessiert. Wer jünger ist als 25 Jahre bei der Publikation seines Debüts, der galt in den Nullerjahren offenbar als Wunderkind, und heute wieder. – Mir ist das egal; was ist ein Wunderkind gegen einen coolen Arbeiter, hm? Eben. Das würden nur Stalinisten versuchen niederzumaulen, die alles nur regional betrachten können, die Pablisten. – Diese zwölf coolen Arbeiter, mit Brigitte Oleschinski und Ron Winkler sind es übrigens vierzehn (was vermag ein Abendmahl, so ein Cliquen-Dinner, gegen ein Sonett?) zeichnen sich durch vita activa im Sinne Hannah Arendts aus, und durch etwas, was man sich noch nicht vollends abgewöhnt hat, progressive Absicht zu nennen. Literaturpolitiker sprechen von Avantgarde; handkehrum von Retro-Avantgarde und deren Irrelevanz. Relevanter Realismus; handfeste Verse mitten aus dem Leben; Authentizität? Ihr und Eure redundanten PR-Shows!

Es gibt bereits Gründungsdokumente und Unabhängigkeitserklärungen. Es gibt ein Format der Polemik, das konstruktiv ist: die Anthologie, und zwar solche, die nicht bloß mitleidswürdige Beispiele ideologischer Onanie oder Auswüchse karrieristischer Egozentrik oder quietistische Leistungsschau sind (Selbst diese Antologien enthalten noch Rohrkrepierer. Was ja klar ist.) Poesie- und Poetik-Anthologien aus den Jahren 2008 bis 2014, der Maxime ›intelligent werden, intelligent bleiben!‹ verpflichtet, wären zu untersuchen. Ein andermal mehr davon.

Zuß, ein Freund von Kunstkatalogen, Agrarministerbesuchen auf Agrarmessen; Analyst meiner Einkaufszettel, übrigens mit einer Wonne, als gingen nach heftigstem Drogenabusus die Drogen zur Neige. Schnee unter der Haut – bekanntes Gefühl. Aktionismus, schnell wechselnde Launen, dünkeldeutschländische Wahl schlechtester Substrate. Ach Zuß! Itzt kömmt er, tritt an mich heran, und erbittet den Vortrag eines Poems der Droste; er bettelt darum, er fleht und sieht mich dabei mit pferdsgroßen Augen eines totwundgeschossenen Pferds an – Ich willfahre ihm und lasse mich also vernehmen:

 

Das Spiegelbild

Schaust du mich an aus dem Kristall

Mit deiner Augen Nebelball,

Kometen gleich, die im Verbleichen;

Mit Zügen, worin wunderlich

Zwei Seelen wie Spione sich

Umschleichen, ja, dann flüstre ich:

Phantom, du bist nicht meinesgleichen!

 

Bist nur entschlüpft der Träume Hut,

Zu eisen mit das warme Blut,

Die dunkle Locke mir zu blassen;

Und dennoch, dämmerndes Gesicht,

Drin seltsam spielt ein Doppellicht,

Trätest du vor, ich weiß es nicht,

Würd ich dich lieben oder hassen?

 

Zu deiner Stirne Herrscherthron,

Wo die Gedanken leisten Fron

Wie Knechte, würd ich schüchtern blicken;

Doch von des Auges kaltem Glast,

Voll toten Lichts, gebrochen fast,

Gespenstig, würd, ein scheuer Gast,

Weit, weit ich meinen Schemel rücken.

 

Und was den Mund umspielt so lind,

So weich und hülflos wie ein Kind,

Das möchte in teure Hut ich bergen;

Und wieder, wenn er höhnend spielt,

Wie von gespanntem Bogen zielt,

Wenn leis es durch die Züge wühlt,

Dann möchte ich fliehen wie vor Schergen.

 

Es ist gewiß, du bist nicht Ich,

Ein fremdes Dasein, dem ich mich

Wie Moses nahe, unbeschuhet,

Voll Kräfte, die mir nicht bewußt,

Voll fremden Leides, fremder Lust;

Gnade mir Gott, wenn in der Brust

Mir schlummernd deine Seele ruhet!

 

Und dennoch fühl ich, wie verwandt,

Zu deinen Schauern mich gebannt,

Und Liebe muß der Furcht sich einen.

Ja, trätest aus Kristalles Rund,

Phantom, du lebend auf den Grund,

Nur leise zittern würd ich, und

Mich dünkt – ich würde um dich weinen!

 

(Ames öffnet die Augen. ZdW ist verschwunden. Er hebt einen angeschwitzten grünen Schein vom Boden auf.)

 

Zuß, du fieses Schwein! Komm zurück! Was soll ich mit diesem doofen 20-D-Mark-Schein!?

 

 

Vorhergehender Teil

 

Die Reihe „Zuß und Ames suchen Streit“ ist eine e-Polemik und Bestandteil des literaturlabors in der Lettrétage, gefördert vom Berliner Senat. Das Lettretagebuch ist hierbei als eine Art Fortsetzung des Raumes “Literaturhaus” mit digitalen Mitteln zu verstehen. Wir schließen auf, stellen die Biere kalt und sprechen offen miteinander. Beiträge herzlich willkommen!

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Zuß und Ames suchen Streit und begegnen sich in Berlin; in der Art in der ein Freistoßschütze dem Torwart begegnet; wer wer ist, ist egal, weil es wechselt. Es geht um Kollegialität, um Polemik, Poetik, um zwölf coole Arbeiter im Lyrikstandort Berlin, um Unzufriedenheit und andere Beweggründe und „Konsonanz ist nur ein Teil künstlerischen Schaffens; Dissonanz, Digression und Überraschung die anderen. Wir beobachten hier das Verfahren der Anreicherung neben forcierter Flapsigkeit […] und harte Zäsuren und weite Sprünge neben zarten Zoten.“
(Konstantin Ames: sTiL.e(ins) Art und Weltwaisen. S. 6f.)

 

Teil VI – Die Kommunikation der Literatur: In jedem achten Menschen steckt ein Kind, das will spielen.

Auf einem Spielplatz in Zwischen sitzen Zuß, mittlerweile wieder einfacher Wimpernknecht, und Ames (Ames) auf den jeweiligen Enden einer Wippe. Sie warten darauf, dass Christian Morgenstern erscheint. Natürlich wird über München geredet, das kost’ ja nix, und bevor sie es in Zwischen mit schönem Unfug treiben, ist das doch eine gute Sache. Christians sind den beiden sowieso bekannt, da gibt’s ja echt so einige.

A Hab Angst, als hätte ich kalt. Wenn der Morgenstern jetzt echt kommt. Der beißt mich vielleicht ins Ohr oder ins Kinn. Wenn das nu’ ein Zombie ist. Das kann ich grade ganz schlecht ab. – Ey! Nich’ so doll, bin doch keine 29 mehr! Lass mich runter, sonst …

ZdW Ja, vielleicht sind Sie eh’ gleich ein Zombie! Tod durch Idol!

A Pass auf, hinter Dir (zeigt mit dem Finger)

ZdW

A Der älteste Trick der Welt. (ZdW zetert FSK-18-mäßig) Frage: Warum hat Flapsigkeit einen dermaßen schlechten Ruf. Taucht ein Kalauer auf, verwandeln sich die meisten Kulturmenschen im öffentlichen Raum in Flagellanten.

Als ich am 13. November in München in den Nachtzug nach Berlin stieg, hatte ich mir schon den Kopf zergrübelt, wieso in der Geburtsstadt von Christian Morgenstern ein Publikum Poesie lauscht, das offenbar erwartete, mit dem Weltgeist persönliche Bekanntschaft zu schließen … Da war von mangelnden metaphysischen Qualitäten meiner Gedichte die Rede; ernsthaft! (wippt wieder)

ZdW Hm. War der Vorwurf der Flapsigkeit an Ihre Gedichte gerichtet war, oder an Sie selbst, an ihre Person bzw. an Ihre Attitüde?

A Kann eigentlich nur letzteres gewesen sein, oder? Wenn man davon ausgeht, dass Gedichte keine Manieren, geschliffene Verhaltensweisen und keinen Dresscode haben können. Wären wir also wieder beim guten altmodischen Biographismus angelangt. Ein bisschen Psychologie aus der Suppenküche des Alltagsgrauens, etwas „Menschenkenntnis“ beim Betrachten eines Indivi-duums und der vorurteilsfreien Einschätzung, hier müsse es sich um einen Saupreiß’ handeln; …

ZdW Läuft das jetzt auf ein Publikumsbeschimpfung und Abrechnung hinaus?

A Quatsch. Die Veranstalter des Lyrikpreises München sind übrigens hoch zu loben. Die halten Literaturpolitiker draußen, also Leute mit Parteibuch, die von Sachkenntnis kaum je berührt worden sind. Das Preisgeld ist zwar nicht üppig; die Juroren sind, anderes als die Vorjuroren, nicht immer hochkarätig, – und dies nicht nur mit Blick auf die Lesung am 13. November 2013. In den Runden vorher wurden auch Maren Kames und Dagrun Hintze mit hanebüchenen Kommentaren vonseiten einzelner Jurorinnen und Juroren bedacht. Wer in München diffamiert wird, erhält andernorts einen Jury- und einen Publikumspreis: Wie von einigen Jurorinnen und Juroren über Poesie befunden wurde, empfinde ich als erschütternd altbacken! – aber …

ZdW Vielleicht ist der Gewinn beim open mike ja auch ein echter Hinderungsgrund, um beim Münchner Bewerb auch nur in die Endrunde zu kommen? Man muss den Hals ganz einfach auch mal voll kriegen! Wettbewerbe sind doch nur was für kleinbürgerliche Streber. Nur die Auszeichnung, die jemand ohne Streberei zuerkannt wurde, ist irgendwas wert!

A Das ist mir zu unsportlich gedacht. Viele glotzen doch nur deswegen scheel auf Wettbewerbe, weil sie genau wissen, dass sie dort nie eine echte Chance hätten. Weil sie die Bühnenpräsenz eines schlecht angeleckten Kuverts haben. Das ist wie mit dem Fuchs und den unerreichbaren Trauben im Märchen – Die Trauben sind dann plötzlich sauer. Da gehen Neid und Schisshasigkeit Hand in Hand. Ein Wettbewerb bezieht seine Glaubwürdigkeit doch aus der Expertise der Juroren, nicht aus deren Prominenz, der Überraschbarkeit des Publikums und dem Temperament der Auftretenden.

ZdW Das sind doch nur Hypothesen. Beweise will ich sehen! Fakten, Fakten, Fakten!

A (unterdrückt einen starken Würgereiz) Einmal unterstellt, es sei so, wie ich es behauptet habe und es wäre mir gestattet, Belege dafür nachzureichen …

ZdW Ich will hier und jetzt Beweise!

A Reicht einstweilen eine Heuristik?

ZdW

A Man muss noch nicht auf die anthropologische Konstante ‹Menschliches Bedürfnis nach Anerkennung› abstellen, freilich mit seinen Nebenwirkungen (übersteigerte) Eitelkeit und Konkurrenzlust: Es reicht doch ein Blick auf die anhaltende Konjunktur des Poetry-Slams, um eine Idee davon zu bekommen, dass das Erlebnis kompetitiver Situationen ein menschliches Grundbedürfnis ist.

ZdW Dschungelcamp, GNTM und DSDS erfüllen auch Grundbedürfnisse, oder nicht? Wollen Sie nicht noch Bohlen und Zietlow in die Jury einladen?

A Sire, Sie sind ein Aushilfsmassenpsychologe … Irgendeine Idee, welche Menschen als Juroren des Lyrikpreises in München in Frage kommen?

ZdW Gegenfrage: Wer bezahlt die?

A Wie wär’s mit Crowdfunding? Auf Mäzene ist doch sowieso kein Verlass. Und sachfremde Literaturpolitiker haben meistens eine geschmäcklerische Agenda und lieben die Fortschreibung von Tautologien. – Also, hör ich eine Liste mit Namen?

ZdW Spinner.

A Bourgeois.

ZdW Also gut: Nora Gomringer, Ulrike Draesner, Monika Rinck, Ursula Krechel, Michael Lentz, Michael Gratz, Bertram Reinecke, Ulf Stolterfoht, Michael Krüger, Hans Thill. Hör ich ein Amen!?

A Nö, aber Ergänzungen: Annette Kühn und Christian Lux, Daniela Seel, Urs Engeler, Tom Bresemann, Florian Höllerer, Norbert Lange, Norbert Wehr. Warum nicht auch PeterLicht oder Helge Schneider in die Jury des Lyrikpreises München einladen? Das würde der Publizität dieses Poesiewettbewerbs guttun und ihm womöglich zu großem Ansehen verhelfen. Anders als die Einspeisung von buchhändlerischen Sachzwängen und Vergabestrategien: Michael Krügers Vorschlag mit dem Großpreis für deutschsprachige Poesie mag ja gut gemeint sein … – Und die Literaturkritik haben wir ganz vergessen …

ZdW Nein! Vielleicht wäre gerade das reizvoll, dass es kollegial, aber nicht gemütlich zugeht, aber eben nicht wie beim Haitauchen ohne Käfig oder, frei nach Walter Benjamin, wie beim Säuglingsfressen unter Kannibalen. Das Klagenfurter Autorenschlachten gibt es ja noch immer. – Aber jetzt mal ganz generell: Wieso eigentlich noch einen weiteren Preis?

A Na, zum einen, weil es in Deutschland nicht zentralistisch zugehen soll Immerwährender Kampf . Und bei den Preisvergaben zweier medial präsenter Gedicht-Preise kam es doch zu nicht gerade wenigen Fehlentscheidungen in den letzten Jahren. Warum haben 2007 nicht Crauss. und/oder Mara Genschel und/oder Norbert Lange wenigstens einen Förderpreis erhalten? Für das Jahr 2009 ist die gleiche Frage in Bezug auf Kerstin Preiwuß zu stellen; für 2011 bezüglich Walter Fabian Schmid und Tom Bresemann. War für das Jahr 2005 nicht eher Gerhard Falkners Gegensprechstadt  – ground zero des Peter-Huchel-Preises würdig? Und für 2009 nicht eher Monika Rincks Helle Verwirrung? Und für 2011 nicht eher gierstabil von Katharina Schultens? Und für 2012 nicht eher Norbert Langes Das Schiefe, das Harte und das Gemalene oder kummerang von Dagmara Kraus? Und für 2013 nicht eher Prachtvolle Mitternacht? – Beide Preise, der Peter-Huchel-Preis wie auch der Leonce-und-Lena-Preis haben aufgrund tendenziöser Jury-Entscheidungen nur noch eine schmächtige Aussagekraft …

ZdW Das sind doch müßige Erwägungen!

A Au contraire, Züßchen! Wenn aber nun zwei angesehene Preise für Poesie kaum noch wertig sind, muss tatsächlich ein Preis her, der das Vertrauen der Leser wieder herstellt und auf Anschlussfähigkeit wie hohes Niveau gleichermaßen setzt. Anschlussfähigkeit allein reicht aber nicht aus: Literaturpreise, die nach Wilhelm Busch und nach Robert Gernhardt benannt sind, die gibt es bereits. Warum diesen Preis also nicht nach Christian Morgenstern benennen. Die Auszeichnung wäre ein Ersatz für den entfallenen Oskar-Pastior-Preis.

ZdW Ach, endlich mal ein passgenau auf Sie zugeschnittener …

Morgenstern (erscheint mitten auf der Wippe, wendet sich an ZdW) Pst! Zuhören, Pöbel!

A Bei allem Respekt: Das ist kein Pöbel, das ist meine Figur!

ZdW Am Arsch die Räuber! Sie ramm’ ich ungespitzt …

M (schaltet ZdW stumm und umgibt ihn mit einer undurchdringlichen Kugel; ZdW zetert munter weiter) Sie haben vielleicht ein bisschen zu viel Respekt und Nachsicht, Herr Ames!

A Es ist mir ja auch ernst, man muss doch auch seine Gegner ernst nehmen! Und …

M Ernst?! Gegner?! Na, Ihnen kann geholfen werden, junger Mensch Ernst . Und jetzt will ich wissen, wer in meinem Namen ausgezeichnet werden soll und wofür! Wenn Sie es wagen sollten, Ihren eigenen Namen zu nennen, muss ich Sie übrigens auf stumm schalten – und zwar für immer. Sie sind gewarnt …

A Mir fällt auf Anhieb eine ganze Reihe geeigneter Kandidaten ein, seltsamer Weise sogar in alphabetischer Namensreihenfolge: Tom Bresemann (Berliner Fenster), Crauss. (crausstrophobie), Gerhard Falkner (wemut, Kanne Blumma) Christian Filips (Heiße Fusionen), Mara Genschel (Tonbrand Schlaf, Referenzfläche), Simone Kornappel (raumanzug), Dagmara Kraus (kummerang), Norbert Lange (Dummkopfelegien), Georg Leß (Schlachtgewicht), Hans Manz (Lebenswerk), Bertram Reinecke (Sleutel voor de hoogdoitse Spraakkunst), Valeri Scherstjanoi (Scribentische Blätter), Sabine Scho (Tiere in Architektur), Ulf Stolterfoht (holzrauch über heslach. Die 1000 Tage des Brueterich), Ron Winkler (Prachtvolle Mitternacht), Uljana Wolf (falsche freunde)

M Und in München soll das stattfinden?

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Mara Genschel im literaturlabor in der Lettrétage

Einen Monat lang, vom 13. Januar bis zum 13. Feburar 2014, widmete sich Mara Genschel in einem Blogversuch der ehrenvollen Aufgabe, gängige literarische (und andere) Formate zu sprengen. Die Ergebnisse dieses JOURNALS VON DER BEZAHLTEN SPRENGUNG GÄNGIGER FORMATE präsentierte Mara Genschel bei einer Vernissage-Lesung-Performance-Gala-Gesprächsabendveranstaltung vergangene Woche.

Das literaturlabor in der Lettrétage wurde gefördert vom Berliner Senat.

 

Mara Genschel im literaturlabor in der Lettrétage

Einen Monat lang, vom 13. Januar bis zum 13. Feburar 2014, widmete sich Mara Genschel in einem Blogversuch der ehrenvollen Aufgabe, gängige literarische (und andere) Formate zu sprengen. Die Ergebnisse dieses JOURNALS VON DER BEZAHLTEN SPRENGUNG GÄNGIGER FORMATE präsentierte Mara Genschel bei einer Vernissage-Lesung-Performance-Gala-Gesprächsabendveranstaltung vergangene Woche. Wie dieses Video vom Video vom Herrn Büchertisch beweist.

Das literaturlabor in der Lettrétage wurde gefördert vom Berliner Senat.

About_About

Das literaturlabor in der Lettrétage, unterstützt vom Berliner Senat, on- und offline im Lettrétagebuch und am Mehringdamm 61, in Kreuzberg 61. Mara Genschel in persona diesen Freitag in der Lettrétage!

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Sätze_Grundierung

Das literaturlabor in der Lettrétage, unterstützt vom Berliner Senat, on- und offline im Lettrétagebuch und am Mehringdamm 61, in Kreuzberg 61. Mara Genschel in persona diesen Freitag in der Lettrétage!

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Sprich: die Frage in welcher Form literarische Produkte verwertet werden (könnten), treibt ihre Wurzeln noch viel tiefer hinein in den Vorgang des Produzierens selbst. Sogar noch tiefer: die Frage nach dem Anlass.

Mein Anlass klebt hier überall Post-it®-förmig an den Wänden des literaturlabors: den Krieg gegen das kulturelle Verwertungsmanagement gewinnen, wie erbärmlich. Und auch noch ohne essayistische Kompetenzen. Am Ansatz wiederum zu kleben, gleicht strukturell einer geistigen Krankheit. Nicht einer Besessenheit oder ähnlich edel Konnotiertem. Eher der Verkantung darin, dem Hängenbleiben. (Nicht der Sucht!)

Nicht zum Beispiel bewirken zu können, dass keine Produzenten vor den europäischen Grenzen mehr ertrinken müssen

hat mehr mit der Ohnmacht im literaturlabor zu tun, als

Nicht zum Beispiel beschreiben zu können, wie Produzenten vor den europäischen Grenzen ertrinken

wen Kulturmanager vor den europäischen Grenzen ertränken

bzw.

Das literaturlabor in der Lettrétage, unterstützt vom Berliner Senat, on- und offline im Lettrétagebuch und am Mehringdamm 61, in Kreuzberg 61. Mara Genschel in persona diesen Freitag in der Lettrétage!

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Aber das Wort „Sex“ steht nur in der Headline, um die minimal gebotene Aufmerksamkeit für mein Anliegen weiterhin zu gewährleisten. In Wirklichkeit laufen hier alle bisherigen Fäden zusammen:

Das Mädchen nämlich, das ich überwunden und gesprengt glaubte, traf ich am Wochenende wieder. Diesmal in Form, nicht einer Pädagogik-, auch keiner Medienpädagogik- sondern einer Kulturmanagementstudentin und zwar auf einem subventionierten Event mit kostenlosem Alkohol.

Und unser Gespräch verlief derart günstig, dass ich mich bald schon in der Lage sah sie zu fragen, ob denn nun auch in ihrer, gutaussehenden, modisch versierten, sehr professionellen Szene an oberster Stelle, weit über Geld und Schönheit noch, weit über dem, was sie unter dem Stichwort „Kultur“ zu hegen / pflegen trachteten, ob denn nun an oberster Stelle auch bei ihnen allen der sogenannte Eros prange, und zwar in seiner allevordergründigsten Definiton, sprich: ob der angestrebte Erfolg sich letztendlich nicht auch bei ihnen allen ausschließlich in sexuellen Zugriffssmöglichkeiten spiegele. Bei „uns“ sei das so, so ich –

und wie sie da JA gesagt hatte, sehr aufrecht und ohne zu zucken, es mir sehr kämpferisch, im Grunde karrieristisch direkt ins Gesicht gesagt hatte: „JA, auch bei uns Kulturmanagern spiegelt sich der angestrebte Erfolg letztendlich in sexuellen Zugriffsmöglichkeiten“ –

seit dieser Stunde sind mir Gestalt und Ausmaß unseres Konfliktes neu bewusst.

Ich sage das hier sehr ernst und ironiefrei: zwischen Kulturproduzenten und Kulturmanagern herrscht Krieg. Und er wird schlimmer werden, er wird sehr schlimm werden. Er wird sich absolut zulasten der Produktion entwickeln –

Das literaturlabor in der Lettrétage, unterstützt vom Berliner Senat, on- und offline im Lettrétagebuch und am Mehringdamm 61, in Kreuzberg 61. Mara Genschel in persona am 14. Februar!

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