Archiv: Maria Ioannou

Am 12. Mai fand die vierte CON_TEXT Veranstaltung statt, von der Schriftstellerin Maria A. Ioannou und dem Tänzer und Choreographen Momo Sanno gestaltet. Sieglinde Geisel hat darüber geschrieben.

 

Die Erzählung von Maria A. Ioannou handelt von einem Menschen, der lieber ein Gegenstand wäre, ein Objekt. Als er geboren wird, scheint er nicht zu atmen, und als Erwachsener wird er mehr und mehr zu einem Gegenstand, schließlich kann er nur noch seinen Kopf bewegen. Für einen Tänzer eine Herausforderung: Wie tanzt man einen, der nicht mehr tanzen will?

Der Widerspruch zwischen Erstarrung und Bewegung ist ein Leitmotiv dieser Begegnung zweier Künste. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen der Sprache und dem Tanz: Bewegen sich die Worte, erstarren die Bewegungen, schweigt die Autorin, erwacht der Tänzer zum Leben.

Momo Sanno liegt auf dem Boden, genauer: Er sitzt einem seitwärts umgekippten Stuhl, als wäre er mit dem Möbelstück verwachsen.

„We have created a doll, a doll, a doll“, liest die Autorin. Die Sprache gerät ins Schwingen, löst sich vom fixierten Text auf dem Papier. Maria A. Ioannou gibt dem Rhythmus nach, der in ihren Sätzen angelegt ist und löst die Wörter aus ihren Halterungen, so dass sie zu tanzen beginnen.

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Donnerstag, 11. Mai 2017, 18:30 Uhr (Eintritt frei)
Offene Werkstatt zu CON_TEXT IV: Concrete Skin
Mit Maria A. Ioannou & Momo Sanno

 

Der rumänische Tänzer und Choreograf Momo Sanno und die zypriotische Autorin Maria A. Ioannou laden am Donnerstag, 11. Mai, in die Lettrétage zu einer offenen Werkstatt ein, um gemeinsam mit ihren Besucher*innen Text und Bewegung für ihre Veranstaltung am folgenden Freitag Abend zu erkunden. CONCRETE SKIN wird auf Grundlage von Ioannous Kurzgeschichte Philip auf Objekte fokussieren. Objekte und die „Objekt-ivierung“ in Bezug auf den Körper und das Schreiben stehen im Mittelpunkt. Die Künstler versprechen Einblicke in einen Dialog zwischen Körper/Bewegung und Text/Lesung und zudem in ihre interkulturelle Zusammenarbeit.

CON_TEXT ist ein Modellprojekt, in dessen Rahmen neue, interdisziplinäre Formate von Literaturveranstaltungen von einem spartenübergreifenden Künstler-Duo konzipiert und umgesetzt werden. Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlusskonferenz statt. Die Künstler*innen arbeiten eine Woche lang gemeinsam an Ihrer Veranstaltung und stellen während dieser Produktionsphase mit einem informellen Werkstatt-Format ihre Arbeit in progress vor.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.


Freitag, 12. Mai 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
CONCRETE SKIN. CON_TEXT IV
Mit Maria A. Ioannou & Momo Sanno

 

In einer gemeinsamen Performance werden eine Schriftstellerin und ein Tänzer eine neue „Körper-Sprache“ finden. Dabei soll sich eine eigene Form der Konversation entspannen, bei der sich Bewegung und Wortbildung gegenseitig zu durchdringen suchen. Das Künstler-Tandem Maria A. Ioannou (Schriftstellerin aus Zypern) und Momo Sanno (Tänzer und Choreograph aus Rumänien) präsentiert diesen Prozess in einer öffentlichen Performance – gewissermaßen als Versuchsanordnung. Tanzende Literatur? Sprechender Tanz? Während einer vorgeschalteten Arbeitsphase (6. – 12. Mai) begegnen sich die beiden Künstler in der Lettrétage zum ersten Mal und lassen auf Grundlage von Ioannous Kurzgeschichte Philip im kreativen Akt der Konversation von Tanz und Literatur ein neues Kunstwerk entstehen. – Die Veranstaltung wird auf Englisch stattfinden, begleitet von Passagen auf Rumänisch und Griechisch. Deutsche Übersetzungen der literarischen Texte stehen zur Verfügung.

Die Veranstaltungsreihe CON_TEXT vesucht das Format Lesung neu zu denken und zu thematisieren. Jeweils ein/e Autor/in und ein/e Künstler/in einer anderen Sparte erarbeiten gemeinsam eine Woche lang in der Lettrétage ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat. TänzerInnen, MusikerInnen, Bildende und Darstellende KünstlerInnen sowie FilmemacherInnen sind die künstlerischen PartnerInnen der AutorInnen. Ausgehend vom literarischen Text entwickeln die KünstlerInnen-Tandems interdisziplinäre Formate und thematisieren dabei den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Die so entstehende literarische Veranstaltung wird als ein eigenes, weit über die bloße Textpräsentation hinausgehendes, künstlerisches Werk begriffen. Die KünstlerInnen arbeiten ohne inhaltliche Vorgaben, der Prozess ist ergebnisoffen.

Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlußkonferenz statt.
Zu jeder Veranstaltung erscheinen vorab ein Interview mit einem Experten und im Nachhinein eine kurze filmische Dokumentation im Lettrétagebuch. Dort findet sich auch weitere Information zur Veranstaltungsreihe und zu den beteiligten KünstlerInnen und Veranstaltungsterminen.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

 

 

 

Maria A. Ioannou wurde 1982 in Limassol, Zypern, geboren. Sie studierte Englische Literatur und Literatur des 20. Jahrhunderts in Großbritannien und ist derzeit Doktorandin für kreatives Schreiben. Ihre Kur

 

zgeschichtensammlung „The Gigantic Fall of an Eyelash“ (Gabrielides Publishing, Athens 2011) wurde mit dem ‚Emerging Writer Literary Prize‘ von Zyperns Ministerium für Bildung und Kultur ausgezeichnet und ausgewählt, um Zypern sowohl beim ersten Budapester Buch Festival 2014 als auch beim Kikinda Kurzgeschichten Festival zu repräsentieren. Maria A. Ioannou ist auch die Gründerin von ‚Sardam‘, einem jährlichen Literaturfestival, das seit 2013 alternative Literaturlesungen von Autoren aus Zypern und dem Ausland präsentiert. Ihre zweite Kurzgeschichtensammlung ‚Cauldron‘ wurde bei Nefeli Publishing veröffentlicht (Athen, 2015). Das Buch wurde für den ‚Best Young Writer Award‘ von Clepsydra/Enastron in Griechenland nominiert und ausgewählt, um in Serbisch und Ungarisch übersetzt zu werden.

(c) Maria Ioannou

 

(c) Alina Usurelu

Momo Sanno ist ein in Berlin und Bukarest lebender Tänzer und Choreograf. Nach einer klassischen Ausbildung mit Abschlüssen an Akademien wie der „Floria Capsali Schol of Choreography“ in Bukarest und der „John Cranko Dance Academy“ in Stuttgart entdeckte Sanno seine Liebe zum zeitgenössischen Tanz, die ihn bis heute antreibt. Seine Karriere führte in bereits zur Garth Fagan Dance Company in den USA und von dort weiter nach Brasilien, Jamaika, und Haiti. Seine weltweit gesammelte Erfahrung bündelte Momo Sanno 2009 in seiner ersten eigenen Choreographie „Travelling Body“ und dem darauf folgenden „…Minutes, Seconds“, die 2010 für NDTC Jamaika produziert wurde. Seit seiner Rückkehr nach Rumänien im Jahr 2012 arbeitete Sanno an einer Vielzahl verschiedener Projekte, unter anderem an den Choreographien „Two.One.1“ und „Forgotten Rhythms“. Darüber hinaus ist er aktuell als movement director und Tänzer in unterschiedlichen Produktionen und Kooperationen mit Künstlern aus ganz Europa tätig.