Archiv: Martin Jankowski

Montag, 13. Februar, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
Stadtsprachen – Berlins internationale Literaturszenen 2017
Offenes Forum

Wie geht es weiter mit der Idee der STADTSPRACHEN? Offenes Forum der polylingualen Autoren Berlins mit neuesten Infos und Gesprächen zur Fortführung des Berliner Programms der literarischen Vielsprachigkeit. Zu Gast u.a. Jürgen J. Becker und Claudia Schütze vom Projekt „Based in Berlin“. Mit literarischen Beiträgen in fremden Sprachen, Gastgeber Martin Jankowski (Projektleiter Parataxe). Eintritt frei!

Das Projekt „WiSU – Wirtschaftliche Stärkung der UrheberInnen in der freien Literaturszene Berlin“ ist eine Relaisstation, über die Autorinnen, Lektoren, Literaturveranstalterinnen, Literaturübersetzer und Kleinverlegerinnen miteinander in Kontakt treten, Informationen austauschen, kooperieren, einander unterstützen und GEMEINSAM neue Ideen entwickeln.

WiSU auf der Buch Berlin, 19. und 20. November 2016:

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Jeder muss seinen eigenen Weg zum Erfolg in der Buchbranche finden. Dafür benötigt man Ausdauer, Leidenschaft und Know-how. Hier erhalten Sie eine kostenlose Beratung von etablierten und erfolgreichen AutorInnen, LektorInnen, ÜbersetzerInnen, die es geschafft haben.

Mehr Infos zu allen BeraterInnen und Beratungsthemen finden Sie hier.
Reservieren Sie Ihren Wunschtermin!
Oder kommen Sie einfach spontan an unserem Beratungsstand auf der Bühne der Buch Berlin vorbei.

Save the date | 1. Branchentreff Literatur 02.-04.12.2016
Wann: Eröffnung am 02.12.2016, 19 Uhr | 3.-4.12.2016 jeweils 10-18 Uhr Panels, Workshops und Beratungen, ab 20 Uhr Vorträge
Wo: Lettrétage e. V., Mehringdamm 61, 10961 Berlin
Programm  hier verfügbar. Teilnahme kostenlos, um Anmeldung wird gebeten.

 

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Montag, 5. Dezember 10:00 Uhr bis Dienstag, 6. Dezember 17:00 Uhr, Eigenbetrag 24 Euro
Wort.Kunst.Markt – Rund um die Selbstständigkeit
Workshop mit Martin Jankowski und Dr. Patrick Baumgärtel

Aus der Zeit der Romantik wurde er uns überliefert: Der Traum vom Künstler, der in einsamer Genialität ein Meisterwerk erschafft und daraufhin auf ewig in die Ruhmeshallen der Weltkultur aufsteigt… und auch wenn wir heute längst ahnen, dass es irgendwie anders läuft, finden wir diese Idee immer noch reizvoll. Dass Literatur in erster Linie harte Teamarbeit ist, merkt jeder, der sich professionell auf dieses Berufsfeld einlässt. Welche Arbeitsschritte sind existenziell wichtig, welche Verbündeten braucht ein Autor und vor allem – wie findet man sie? Die persönlichen Ansätze der Teilnehmer sollen hierbei (soweit gewünscht) berücksichtigt werden und für die jeweiligen Zielsetzungen konkrete Umsetzungsschritte erarbeitet werden. Wir besprechen die wichtigsten Aspekte literarischer Teamarbeit und geben praktische Empfehlungen, wie man als Autor damit umgehen sollte, um beruflich erfolgreich sein zu können.

1.Tag – Martin Jankowski – Autor und Leser: Braucht es mehr?
– Wie präsentiere und positioniere ich mich?
– Wie gehe ich mit der Öffentlichkeit um?
– Vermarkter: Verlage, Gestalter (Grafik), Webportale (PR)
– Leserbriefe, Pressekritiken, Internet-Kommentare etc.
– Exkurs: Strategien kollektiven Schreibens

2. Tag – Dr. Patrick Baumgärtel – Erstleser und wie man mit ihnen umgeht: Agenten, Lektoren, Beta-Leser
– Was macht der Lektor mit meinem Text? Wozu ist es gut?
– Agenten und Agenturen: Wer sie sind, was sie bringen.
– Öffentlichkeitsarbeit im Verlag und beim Selfpublishing

Anmeldungen bitte bis 15.11.2016 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Martin Jankowski, geb. 1965 in Greifswald lebt seit 1995 als freier Autor, Herausgeber und Kulturkurator in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher (Lyrik, Prosa, Sachthemen), gehört zu den Mitbegründern des „internationalen literaturfestivals berlin“, des „Netzwerks freie Literaturszene Berlin“ und leitet seit 2005 die „Berliner Literarische Aktion“. Als Autor und Projektleiter realisiert er zahlreiche internationale Literaturprojekte; als Literaturdozent war er an zahlreichen Universitäten weltweit zu Gast, aktuell an der Portland State University (Oregon, USA). www.martin-jankowski.de Nach einem Germanistikstudium, einer Promotion über W.G. Sebald an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Arbeit bei der amerikanischen Literaturagentur S.J. Greenburger (New York) stellte sich Dr. Patrick Baumgärtel 2009 der Herausforderung, in sich wandelnden Zeiten eine Full-Service-Literaturagentur (inkl. PR-Arbeit und Lektorat) zu gründen. Der Krimimarathon, Berlin-Brandenburgs größtes Krimifestival, den Patrick Baumgärtel seit 2012 leitet, ist Teil dessen. Patrick Baumgärtel ist Juror des Seume-Literaturpreises und Vorsitzender des Lesekultur Berlin e.V. Patrick Baumgärtel gibt Kurse zum Thema Verlagsbranche und Kreatives Schreiben und arbeitet als Lektor und Schreibcoach. www.schoneburg.de

Dieser Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem Netzwerk Freie Literaturszene Berlin für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm Qualifizierung Kulturwirtschaft (KuWiQ). Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig

Ab nächstem Freitag, dem 28. Oktober bis zum 6. November findet zum ersten Mal das mehrsprachiges Literaturfestival STADTSPRACHEN statt. Verschiedene Literaturinitiativen des Netzwerks Freie Literaturszene Berlin e.V. (die Lettrétage auch!) haben erstmals als Partner an das Projekt der Berliner Literarischen Aktion zusammen gearbeitet. Es wird sehr spannend.

Hier ein Kurz-Interview mit dem Leiter des Festivals – Martin Jankowski.

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Mit welcher Intention haben Sie das STADTSPRACHEN Festival ins Leben gerufen?

Vor einiger Zeit fiel uns bei einer Diskussion des Netzwerks freie Literaturszene Berlins (NFLB) über die Autorenförderung auf,  dass es Schriftstellern in Berlin nahezu unmöglich ist, ein Stipendium oder einen Leseauftritt zu bekommen, wenn sie nicht auf Deutsch schreiben. Dabei ist allgemein bekannt, dass Berlin seit fast zwei Jahrhunderten ein weltliterarischer Lebensort für Autoren aller Sprachen ist. Auch tauchen die fremdsprachigen Berliner Dichter und Literaten in den Literaturhäusern und  Festivals dieser Stadt unverständlich selten auf. Wir meinen, dass es höchste Zeit ist die vielsprachige Gegenwartsliteratur Berlins und ihre Protagonisten mit einer gemeinsamen, stadtweiten Aktion sichtbar zu machen, auch damit das Berliner Publikum und auch die Kulturpolitiker dieser Stadt sichtbar vor Augen geführt bekommen, was für eine reichhaltige Weltliteratur das heutige Berlin auch jenseits von Deutsch und Englisch hervorbringt. So reifte der Plan, mit den STADTSPRACHEN erstmals die vielen verschiedenen literarischen Sprachen Berlins öffentlich zu präsentieren.

Wie kam es zur Zusammenarbeit der verschiedenen Literaturinitiativen?

Die sehr diverse und individuelle freie Literaturszene Berlins ist seit einigen Jahren dabei, sich gemeinsam zu organisieren, wie es auch in anderen Kunstsparten geschehen ist, weil wir gemerkt haben, dass wir nur so eine Stimme erhalten, die kulturpolitisch in dieser Stadt Gehör findet. Das große Ungleichgewicht zwischen der weltweiten Bedeutung der Berliner Literaturszene und ihrer beinahe stiefmütterlichen Behandlung durch die Berliner Kulturpolitik bei schwindenden Freiräumen und wegschmelzenden Kleinstförderungen hat uns dazu gewissermaßen gezwungen. Zugleich hat sich die Kulturszene der Stadt seit dem Mauerfall erfreulich internationalisiert – Berlin ist ja vor allem eine kulturelle Weltmetropole. So reifte die Idee, dass die Literaturinitiativen dieser Stadt ihre besonderen Fähigkeiten, Projekte und auch die vielsprachigen Literaten ihrer jeweiligen künstlerischen Netzwerke in eine große, stadtweite Aktion einbringen, die mit ungewöhnlichen Veranstaltungsformen zugleich auch die Vielfalt der Literaturszene sichtbar macht.

Was ist das Besondere an dem Festival, inwiefern unterscheidet es sich von anderen Berliner Literaturfestivals?

Die STADTSPRACHEN sind mit über 90% internationaler Autoren vermutlich das internationalste Literaturfestival Berlins – und dies ohne einen einzigen Cent für Reisekosten auszugeben: Die Weltliteratur wohnt ja bereits in Berlin! Wir müssen sie bloß entdecken. Etliche internationale Autoren aus Berlin präsentieren wir tatsächlich zum ersten Mal in einem größeren öffentlichen Zusammenhang, und das, obwohl sie andernorts längst Literaturstars sind. Um dem Publikum ihre Literatur zu erschließen, lassen wir Texte dieser Berliner Autoren eigens für unsere Veranstaltungen und Aktionen übersetzen. Zugleich können Sie mit dem Programm dieses Festivals auch die wichtigsten und interessantesten Hotspots der Berliner Literaturlandschaft kennenlernen – abseits der üblichen Kulturpfade lassen sich nicht nur hochinteressante Autoren, sondern auch faszinierende neue Veranstaltungsorte der Szene entdecken.

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Wie wurde die Teilnehmerauswahl getroffen?

Das Programm wurde in einem zweijährigen Prozess von einem Kuratorium aus zehn erfahrenen Literaturveranstaltern Berlins zusammengestellt, wobei jede und jeder dieser Kuratoren ein bestimmtes Programmprojekt beisteuert und verantwortet, das sich aus den Besonderheiten und Künstlernetzwerken der eigenen Arbeit in dieser Stadt ergab. Denn niemand kennt diese Stadt und ihren Reichtum an interessanten Autoren so gut, wie diejenigen, die sich Tag für Tag mit großer Leidenschaft und ohne feste Bezahlung um das Treiben an der literarischen Basis Berlins kümmern.

Ist im nächsten Jahr eine Fortsetzung geplant?

Wir haben nicht vor, die STADTSPRACHEN zu einem jährlich wiederkehrenden Dauerfestival werden zu lassen, da ist uns die Routine anderer Kulturprojekte dieser Stadt eine deutliche Warnung. Allerdings wollen wir die Präsenz der internationalen Autoren dieser Stadt in der Tat dauerhaft verankern und damit auch das Bewusstsein der Berliner für die vielsprachige Gegenwartsliteratur ihrer Stadt schärfen. Und wir setzten uns für eine lebendige Literaturszene ein, die sich nicht nur für die junge deutschsprachige Literatur plus ein paar internationaler Großmeister interessiert, sondern die die Vielfalt der Sprachen und Formen der Literatur widerspiegelt, die täglich in dem Hinterhöfen und Clubs unserer Stadt entsteht, sie fördert und sichtbar macht. Dazu hat die freie Literaturszene Berlins für die kommenden Jahre etliche weiterführende Projekte und Aktionen geplant, denn vor allem wollen wir von diesen kleinen, punktuellen Alibi-Veranstaltungen hin zu einer dauerhaften Veränderung der Berliner Literaturlandschaft. Wir sind also gekommen, um zu bleiben, denn Berlin wird in aller Welt ja vor allem deshalb so geliebt, weil die Szene hier bunter, lebendiger und weltoffener als anderswo ist. Wir werden mit zahlreichen Aktivitäten dazu beitragen, dass dies in den Zeiten von Gentrifizierung und Kulturzentralisierung auch so bleibt, neue Perspektiven gewinnt – und dass es vor allem auch von den Berlinern selbst geschätzt und unterstützt wird.

Interview: Anna Giannessi

Redaktion: Birger Hoyer

 

Mehr Infos dazu:

Stadtsprachen Literaturfestival

Programm des Festivals

Facebook-Seite

Blog

 

Im September 2015 haben wir in der Reihe „5 Fragen an“ mit Martin Jankowski gesprochen.

 

Martin Jankowski

Martin Jankowski ist Autor, Blogger und Mitbegründer der Berliner Literarischen Aktion. Seine Wurzeln liegen in der Szene der Untergrundautoren im Leipzig der 80er Jahre. Trotz oder gerade wegen eines Veröffentlichungsverbotes der Stasi kam er dazu, Lesungen zu veranstalten. Nicht nur in Berlin sondern mittlerweile auch international ist er als Veranstalter und Autor bekannt und aktiv.

 

Gab es für dich ein Erlebnis, nach dem du beschlossen hast, dich literarisch zu engagieren – wann und wie ist der Funke übergesprungen?

Ich lebte Mitte der 80er Jahre in Leipzig und durfte wie viele andere nicht veröffentlichen. Aus der Notsituation sind „Wohnzimmerlesungen“ entstanden. Die ersten Literatursalons, die ich in meiner Einzimmerwohnung veranstaltete, ergaben sich aus der politischen Notsituation von DDR-Untergrundautoren. Damals bin ich noch als Liedermacher aufgetreten, um auf diese Weise meine Texte einem Publikum präsentieren zu können, das waren allerdings „illegale“ Bühnenprogramme, denn ich bekam dank der Stasi keine Auftrittsgenehmigung. Da lag es nahe selbst etwas zu organisieren, um beispielsweise auch verbotene Autoren einzuladen, die man bewunderte – es gab ja sonst keine Möglichkeit, um diese Art Texte kennenzulernen. Das ist also die Tradition aus der ich komme… Als ich Mitte der 90er schließlich als freier Autor in Berlin gelandet bin, habe ich das alles wieder aufgegriffen… Teile der Leipziger Szene fanden sich in Berlin wieder. Zudem ergaben sich erste Veranstaltungsreihen ganz natürlich, zum Beispiel als meine Schwester mit Freunden aus der Theaterwelt im Prenzlauer Berg eine Szenekneipe eröffnete und mich sozusagen familiär verpflichtete, dort Lesungen zu veranstalten.
Bis heute ist es immer wieder von Vorteil, selbst Autor und gut vernetzt zu sein – auch international, weil man dann eben interessante Leute für sich gewinnen kann, auch für wenig oder kein Honorar hier zu lesen. Heute haben wir ein Netzwerk von Veranstaltungsreihen und Partnern auf der ganzen Welt. 2005 kamen wir dann auf die Idee, dieses Netzwerk zu professionalisieren. So entstand die Berliner Literarische Aktion e.V.

Ihr arbeitet im Prenzlauer Berg –

Wie sich das für einen echten Ostdichter gehört! (lacht)

Warum genau dort und welchen Einfluss hat Berlin auf deine Arbeit?

Berlin steckt ja schon im Namen der Berliner Literarischen Aktion. Obwohl meine Anfänge in der ostdeutschen Literaturszene liegen, sind wir total durchmixt und arbeiten international. Unter den Gründungsmitgliedern des Vereins sind zum Beispiel eine Kurdin, eine Schweizerin und eine Italienerin – wir waren von Anfang an mehrsprachig. Dieser Aspekt ist uns sehr wichtig und findet sich in Berlin, denke ich, wie kaum sonst in Deutschland. Der Prenzlauer Berg hat sich für mich aus zwei Gründen ergeben: erstens wegen der Anknüpfung an die Ostberliner Literaturszene, die hier beheimatet ist und zweitens aus familiären Gründen. Allerdings ist es nicht wirklich wohlüberlegt, dass wir hier sitzen – unser Büro könnte genauso gut im Friedrichshain, in Mitte oder im Wedding sein.

Gerade auch vor dem Hintergrund deiner persönlichen Geschichte: Wie politisch muss, darf oder soll Literatur sein?

Na muss schon mal gar nicht – Literatur muss nichts und darf alles, genau wie Satire. „Kunst ist Waffe“, ein Zitat von Friedrich Wolf, war bei meinem Abitur noch Thema für den DDR-Prüfungsaufsatz. Das fand ich damals schon bescheuert! Allerdings stimmt es insofern, als dass man Literatur natürlich in den Dienst von politischer Propaganda stellen kann – etwas, was mir völlig fern liegt. Und deshalb antworte ich salomonisch: Kunst kann und darf, muss aber nicht politisch sein. Ich persönlich bin schon immer auch politisch aktiv, trenne aber beide Bereiche gerne ganz bewusst.

Für die Berliner Literarische Aktion ist aber folgender Aspekt ganz wichtig: Wir denken, dass Literatur eine gesellschaftliche Kraft ist, deren Wirkung heute oft unterschätzt wird. Wir betonten genau diesen Aspekt, für den sich Buchmarkt und Betriebsrummel zumeist nicht interessieren.

Die Berliner Literarische Aktion schreibt auf ihrer Website, dass sie sich all jenem verschrieben hat, was „nicht einsam am Schreibtisch stattfindet“. Denkst du, dass der klassische Literaturbetrieb und –rezeption, beides ja sehr einsam, überholt ist?

Nein, das denke ich nicht – was gibt es schöneres, als sich mit einem guten Buch aufs Sofa zu legen? Aber wenn den gesellschaftlichen Aspekt der Literatur betonen will, so wie wir es tun, dann merkt man schnell, dass man mit gemeinsamen Aktionen Menschen in Bewegung setzen kann. Und wenn ich egoistisch antworten darf: Als Autor fühle ich mich auch oft einsam, wenn ich den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitze und vor mich hin schreibe. Ich möchte gern mit Menschen zu tun haben. Deshalb treffe ich mich mit Leuten, die das auch wollen. Texte können viel mehr als den Einzelnen auf dem Sofa zu erreichen. Egal, ob es nun die klassische Wasserglas-Lesung oder durchgeplante internationale Projekte sind – genau da setzt die Berliner Literarische Aktion an.

Wie soll es für dich und für den Verein weitergehen? Was sind eure Pläne, eure Ziele?

„Schauen wir mal“ – so funktioniert das bei uns meistens. Wir sammeln Ideen und Vorschläge. Wichtig ist, dass Leute da sind, die Ideen haben, von denen sie begeistert sind. Um Dinge wie Logistik, Geld, Kontakte und so weiter kümmern wir uns dann peu a peu. Deshalb sehen unsere Projekte ganz unterschiedlich aus. Tägliches Brot sozusagen sind diverse Literatursalons, die wir hier in Berlin seit Jahren monatlich betreiben.
Ein Projekt, das mir derzeit persönlich am Herzen liegt, ist „Literatur hinter Gittern“, mit der wir in den letzten Jahren europaweit Aufmerksamkeit und Nachahmer gefunden haben. Jetzt möchten wir gern ein Modellprojekt zu Schreibwerkstätten für Gefangene in deutschen Gefängnissen realisieren. Leider gibt es das bislang noch gar nicht und es fehlt uns dafür dringend an einer Finanzierung, dabei ist landesweit bereits die nötige Logistik vorhanden. Andere europäische Länder sind da schon viel weiter… Aber wie bei so vielem anderen: Wir bleiben dran, bis es klappt.

Wer Martin Jankowski kennenlernen möchte hat übrigens schon bald die Gelegenheit, denn er ist  im September bei folgenden Veranstaltungen von uns dabei:

Der Literaturmarkt für Einsteiger

Der Autor und das Gegenüber

Nachtbus nach Mitte

 

Donnerstag und Freitag, 08. September – 09. September, 10:00 – 17:00 Uhr.
Wort.Kunst.Markt – Der Literaturmarkt für Einsteiger
WORKSHOP mit Martin Jankowski

Neben einem sachlichen Überblick und verschiedenen Kontaktvorschlägen sowie „unbedingt versuchen/ auf jeden Fall sein lassen“-Empfehlungslisten diskutieren wir die klassischen Einsteigerfragen für Autoren: Wie kann ich als junger/neuer Autor eine berufliche Existenz planen und starten? Wie komme ich zu meinem ersten Buch? Welche Möglichkeiten und welche Fallen bietet die Berliner Literaturszene?

Mehr Informationen unter: foerderband.org .
Anmeldung unter: weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27

Eigenbeitrag 24,- Euro

Montag und Dienstag, 12. September – 13. September, 10:00 – 17:00 Uhr.
Wort.Kunst.Markt – Der Autor und das Gegenüber
WORKSHOP mit Martin Jankowski und Dr. Patrick Baumgärtel

Aus der Zeit der Romantik wurde er uns überliefert: Der Traum vom Künstler, der in einsamer Genialität ein Meisterwerk erschafft und daraufhin auf ewig in die Ruhmeshallen der Weltkultur aufsteigt… und auch wenn wir heute längst ahnen, dass es irgendwie anders läuft, finden wir diese Idee immer noch reizvoll. Dass Literatur in erster Linie harte Teamarbeit ist, merkt jeder, der sich professionell auf dieses Berufsfeld einlässt. Welche Arbeitsschritte sind existenziell wichtig, welche Verbündeten braucht ein Autor und vor allem – wie findet man sie? Die persönlichen Ansätze der Teilnehmer sollen hierbei (soweit gewünscht) berücksichtigt werden und für die jeweiligen Zielsetzungen konkrete Umsetzungsschritte erarbeitet werden. Wir besprechen die wichtigsten Aspekte literarischer Teamarbeit und geben praktische Empfehlungen, wie man als Autor damit umgehen sollte, um beruflich erfolgreich sein zu können.

Mehr Informationen unter: foerderband.org .
Anmeldung unter: weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27

Eigenbeitrag 24,- Euro

Donnerstag, 29.September, 20.00 Uhr, Eintritt 5 Euro, erm. 4 Euro
Nachtbus nach Mitte
mit Jan Wagner, Martin Jankowski, Tom Bresemann u.a.m.

 

Nachtbus

Wie klingt Berlin heute, im Jahr 2016? Fragen wir doch die Dichter! Die Sprache dieser Stadt hat sich rasch und heftig gewandelt. Herz mit Schnauze ist eine Inszenierung im Traditionskabinett des lokalen Heimatmuseums, auch aufmüpfig proklamierend nur noch in den Retrokneipen, auf den Straßen spricht man fragend global. 50 lebende Lyriker haben Martin Jankowski und Birger Hoyer angefragt, Berlingedichte von heute vorzuschlagen. Entstanden ist eine erstaunliche Gedichtsammlung: „Nachtbus nach Mitte. Berliner Gedichte von heute“ (vbb – Verlag für Berlin-Brandenburg). Gibt es einen Klang des gegenwärtigen Berlins, der mehr ist als die Summe unvergleichlicher Unikate? Mit Jan Wagner, Martin Jankowski, Tom Bresemann und weiteren Überraschungsgästen.

 

 

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Jan Wagner, geboren 1971 in Hamburg, lebt in Berlin. 2001 erschien sein erster Gedichtband Probebohrung im Himmel. Für seine Lyrik wurde er vielfach ausgezeichnet. Mit seinem letzten Gedichtband Regentonnenvariationen gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse.

 

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Martin Jankowski, geboren 1965 in Greifswald, lebt seit 1995 als freier Autor, Herausgeber und Kulturkurator in Berlin. Er ist Mitbegründer der Berliner Literarischen Aktion und realisierte zahlreiche internationale Kulturprojekte.

 

 

 

 

TomTom Bresemann, geboren 1978 in Berlin, Veröffentlichung von Gedichtbänden und einer Erzählung, zuletzt: Arbeiten und Wohnen im Denkmal (Wiesbaden 2014). Er ist Mitbegründer der Lettrétage in Berlin sowie des europäischen LiteraturaktivistInnen-Netzwerks CROWD.

 

Where does an author get his theme from? In which way could the reader give an author thematically input without telling him to do something?

Montag, 15. Dezember 2014, 20:00 Uhr, Eintritt 5,-/erm. 4,- Euro
literaturlabor II – „Schwantke & Stolz“
Poetische Improvisation und Musik mit Rainer Stolz und Christoph Schwantke
In der Reihe literaturlabor II

„Schwantke & Stolz“ eröffnen der poetischen Sprachimprovisation einen Erkundungs- und Probierraum, ein Labor und Experimentierfeld.


© Fotos: Sushma U. Gütter

Rainer Stolz, geboren 1966 in Hamburg, studierte nach einer Ausbildung zum Verlagskaufmann Soziologie, Philosophie, Psychologie und Pädagogik. Seit 1995 lebt er in Berlin. Er ist aktiv im Autorenforum sowie Mitgründer des Berliner Lyrikkreises „Die Freuden des jungen Konverters“, für den er 2003 die Anthologie „Feuer bitte. Berliner Gedichte über die Liebe“ herausgab. Neben Gedichten und Kürzesttexten („Minimalistik“) macht er spartenübergreifende Kunstprojekte sowie die „Offene Bühne Poesie & Musik“ im „Exploratorium Berlin“. Sein zuletzt erschienenes Gedichtband „Selbstporträt mit Chefkalender“ (Horlemann 2014) versammelt bildreiche Gedichte mit autobiografischen Anklängen. Von der Berliner Zeitung bezeichnet als „Lyriker mit Witz und Biss“.

Christoph Schwantke, Arzt, geboren 1960 in Deutschland, nimmt seit dem 11. Lebensjahr Musikunterricht und macht seit dem 19. Lebensjahr musikalische Improvisation. Seit mehreren Jahren: Autodidaktisches Training in Sprachimprovisation mit lyrischem Anspruch, diverse Auftritte auf offenen Bühnen.

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