Archiv: Norbert Lange

Norbert Lange: To Say A Poem

JK —  18. April 2017 — 1 Kommentar

Norbert Lange writing to Mathias Traxler about ‚Haut-Parleurs‘, a literary event which was conceived and presented by both Harald Muenz and Mathias Traxler in the Lettrétage on the 23th February 2017 as part of the ‚CONT_TEXT‘ project.  (For further information about the event and its preparation, see here: video, photos, artists‘ discussions during preparation. Original text by Norbert Lange in German.)

Translation: Alice Bibbings

 

7/3/2017

Dear Mathias,

That was a great reunion! And also a lovely opportunity to refresh the themes that we often come back to in our conversations together. The right word to describe the Robin Blaser’s way with words occurred to me afterwards on the way home. It wasn’t ‚elegance‘ that I was thinking of and that I first tried to explain to you, even though that is most certainly a characteristic of Blaser’s poetry; rather, the word I was looking for was ‚attentiveness‘. I like to think that you can hear just how much or how little room poets give words in their poetry. When I listen to Blaser (and I had the same impression when listening to Harald Muenz and yourself) I can sense that a certain attention has been paid to the words that allows them to really express themselves. It shows that the words have be treated with real care, as you become aware of just how sensitive they are and equally of the wrath that they can unleash if they are not handled properly. Sensitivity and fragility are not synonymous, after all.

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Norbert Lange an Mathias Traxler anläßlich der von Harald Muenz und Mathias Traxler gemeinsam konzipierten und präsentierten Literaturveranstaltung „Haut-Parleurs“ am 23. Februar 2017 in der Lettrétage im Rahmen des Projekts CON_TEXT:

 

7.3.2017

 

Lieber Mathias,

 

das war ein gutes Treffen! Auch eine schöne Gelegenheit, die Themen aufzufrischen, auf die wir in unseren Gesprächen oft zurückkommen. Auf dem Heimweg ist mir dann noch das richtige Wort eingefallen, um Robin Blasers Umgang mit den Wörtern zu beschreiben: Es war nicht „Eleganz“, an die ich dachte und wie ich zuerst erklären versuchte, auch wenn das, ganz sicher sogar, eine Eigenschaft von Blasers Gedichten ist; sondern das Wort, nach dem ich suchte, war „Achtsamkeit“. Ich bilde mir ein, dass man Dichtern anhören kann, wie sehr sie in ihren Gedichten den Wörtern Raum geben, oder wie wenig sie ihn ihnen überlassen. Wenn ich Blaser höre – und als ich Harald Muenz und Dir zuhörte, hatte ich denselben Eindruck –, spüre ich eine Aufmerksamkeit, die den Wörtern die Möglichkeit lässt, sich zu artikulieren. Es ist ein Hegen der Wörter, da man um ihre Sensibilität weiß und ebenso darum, welchen Zorn sie über einem entladen können, wenn sie falsch angefasst werden. Sensibilität und Zerbrechlichkeit sind eben nicht synonym. Die Angewohnheit der Wörter, sich gegen den zu wenden, der sie gebraucht, tritt dazwischen. Und nur Schwachköpfe oder selbstgerechte Autokraten glaubten dann, dass sie ihnen blind folgen. So schnell kann sich täuschen, wer meint, mit Wörtern auf etwas hinauszulaufen, während sie mit ihm schon umspringen, wie es ihnen gefällt. Wie man auf Wörter gekommen ist, so hat man sie sich möglicherweise schon eingefangen. Und wer trotz mehrerer Backpfeifen noch meint, keinen Grund zum Zweifel am eigenen Verhalten zu haben, der wurde unlängst zur Marionette seiner empfindlichen Wärter.

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25.2. | Leichte Geografie

Larissa —  25. Februar 2016 — Kommentieren

Leichte Geografie: Poetische Korrespondenzen.

20 Uhr, Eintritt frei

hochrothLesungFebruar

Poesie als Einverleibung des Anderen oder Erfremdung des Eigenen, über Zeiten und Räume, Sprachen und Kulturen hinweg: Die Verlage hochroth und Reinecke & Voss sowie die Literaturzeitschrift karawa.net laden zu einem vielstimmigen Abend voller Annäherungen und Ableitungen, Ein- und Überschreibungen, Appropriationen und Collagen, otherings und transcreations im Spielraum zwischen Vorbild und Vorwand:

Norbert Lange macht sich auf die Suche nach Federico García Lorcas Duende in den Einschreibungen José F.A. Olivers, den Variationen Jerome Rothenbergs und seinem eigenen Schreiben. Érica Zingano zeichnet und textet von Arp bis Zürn, Achim Wagner verdichtet die türkische Moderne in subjektiven Essenzen, Bertram Reinecke erkundet mit Kollegen das Werk Miron Białoszewskis in synoptischen Nachdichtungen und Dirk Uwe Hansen gibt Antworten auf Sappho von Mytilene.

AutorInnenlesung in der Lettrétage!

hochrothLesungFebruar

Poesie als Einverleibung des Anderen oder Erfremdung des Eigenen, über Zeiten und Räume, Sprachen und Kulturen hinweg: Die Verlage hochroth und Reinecke & Voss sowie die Literaturzeitschrift karawa.net laden zu einem vielstimmigen Abend voller Annäherungen und Ableitungen, Ein- und Überschreibungen, Appropriationen und Collagen, otherings und transcreations im Spielraum zwischen Vorbild und Vorwand:

Norbert Lange macht sich auf die Suche nach Federico García Lorcas Duende in den Einschreibungen José F.A. Olivers, den Variationen Jerome Rothenbergs und seinem eigenen Schreiben. Érica Zingano zeichnet und textet von Arp bis Zürn, Achim Wagner verdichtet die türkische Moderne in subjektiven Essenzen, Bertram Reinecke erkundet mit Kollegen das Werk Miron Białoszewskis in synoptischen Nachdichtungen und Dirk Uwe Hansen gibt Antworten auf Sappho von Mytilene.

 

20:00 Uhr, Mehringdamm 61. Eintritt frei

Lisa Lettrétage liest Suchbild 3 (Studioversion) von Norbert Lange, das schiefe, das harte und das gemalene, © 2012 luxbooks.

Dann gerate ich wieder in ein Gedankenspiel, an dem ich schon öfter herumgesponnen habe: Was würde sich ändern, wenn wir Gedichten das Potential zu einem ‚Business’ überhaupt zutrauten? Die Rede von der sterbenden Gattung verdeckt doch nur, dass bisher niemand einen Weg gefunden hat, sie im eigentlichen Sinne zu kapitalisieren.


Brigitte Oleschinski, ETWAS AUS WORTEN, AUS ANDEREN / NICHT, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Brigitte Oleschinski, ETWAS AUS WORTEN, AUS ANDEREN / NICHT, in ‚Metonymie‘

goodman: das ziel ist der zweck. goodman: das mittel ist oralität.
doch jetzt ist es zu spät. abwinkender zuck. abfuck sprengt dich mitten
entzwei. einerlei. weibchenspucke kittet, lötet und macht wieder heil.
es ist: das semantische seil. der bestrickende akt. vollständig nackt.

ihr seid ein stück gesotten nun. didaktisches tun. fließkraft ist eigener
saft. ihr seid verstörend devot. also immer voll auf die botten. doch
jetzt ist es zu spät. die djane schlafft ab. phrygische maus. die djane
war im haus. fortschreitende räude. die djane verläßt das gebäude.


Ulf Stolterfoht, DJANE HUSSERL, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Ulf Stolterfoht, DJANE HUSSERL, in ‚Metonymie‘

Auch wenn Fantasy, wie Paul West bemerkte, etwas für Menschen ist, denen die mittelalterliche Literatur nicht mittelalterlich genug ist, habe ich von ihr etwas lernen können. Dass nämlich jeder, der ein Buch aufschlägt, Eskapismus betreibt. Denn wollte er sein Leben wirklich ändern, würde er es einfach tun. Die Literatur beruht auf der Annahme, man könnte den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, indem man den noch größeren Eskapismus betreibt, Bücher zu schreiben, in denen dann zum Beispiel steht: Du mußt dein Leben ändern.


Thorsten Krämer, (NON) SEQUITUR, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Thorsten Krämer, (NON) SEQUITUR, in ‚Metonymie‘

deutlich wird dieser unterschied von gestalt, anschaulich die eventuelle engstirnigkeit ihrer auffassung hier vielleicht anhand der gegenüberstellung einiger gedichte, zunächst solchen, die sich in ihrer gestalt sogar ähneln, sich zeitlich und intentional jedoch weit voneinander entfernen: theodor kornfelds apfel (1685) und apfel mit wurm (1965) von reinhard döhl.


Simone Kornappel, VERSUS, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Simone Kornappel, VERSUS, in ‚Metonymie‘

Führt man sich diese Zusammenhänge vor Augen, so erscheint die Tonbandsequenz als komplexe Konstellation, deren weit streuenden Bedeutungspotentiale Brinkmann mit seiner unprätentiösen Materialpräsentation und der scheinbar naiven Erzählung über Tomatensuppenessen in London gekonnt überspielt. Wobei ja nichts dagegen spricht, dass Brinkmann eine Tomatensuppe in London gegessen hat, dass diese gut geschmeckt hat und er sich gern daran erinnert.


Johann Reißer, TONBANDBLENDEN UND BIBLIOTHEKSATTRAPPEN, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Johann Reißer, TONBANDBLENDEN UND BIBLIOTHEKSATTRAPPEN, in ‚Metonymie‘