Archiv: Norbert Lange

25.2. | Leichte Geografie

Larissa —  25. Februar 2016 — Kommentieren

Leichte Geografie: Poetische Korrespondenzen.

20 Uhr, Eintritt frei

hochrothLesungFebruar

Poesie als Einverleibung des Anderen oder Erfremdung des Eigenen, über Zeiten und Räume, Sprachen und Kulturen hinweg: Die Verlage hochroth und Reinecke & Voss sowie die Literaturzeitschrift karawa.net laden zu einem vielstimmigen Abend voller Annäherungen und Ableitungen, Ein- und Überschreibungen, Appropriationen und Collagen, otherings und transcreations im Spielraum zwischen Vorbild und Vorwand:

Norbert Lange macht sich auf die Suche nach Federico García Lorcas Duende in den Einschreibungen José F.A. Olivers, den Variationen Jerome Rothenbergs und seinem eigenen Schreiben. Érica Zingano zeichnet und textet von Arp bis Zürn, Achim Wagner verdichtet die türkische Moderne in subjektiven Essenzen, Bertram Reinecke erkundet mit Kollegen das Werk Miron Białoszewskis in synoptischen Nachdichtungen und Dirk Uwe Hansen gibt Antworten auf Sappho von Mytilene.

AutorInnenlesung in der Lettrétage!

hochrothLesungFebruar

Poesie als Einverleibung des Anderen oder Erfremdung des Eigenen, über Zeiten und Räume, Sprachen und Kulturen hinweg: Die Verlage hochroth und Reinecke & Voss sowie die Literaturzeitschrift karawa.net laden zu einem vielstimmigen Abend voller Annäherungen und Ableitungen, Ein- und Überschreibungen, Appropriationen und Collagen, otherings und transcreations im Spielraum zwischen Vorbild und Vorwand:

Norbert Lange macht sich auf die Suche nach Federico García Lorcas Duende in den Einschreibungen José F.A. Olivers, den Variationen Jerome Rothenbergs und seinem eigenen Schreiben. Érica Zingano zeichnet und textet von Arp bis Zürn, Achim Wagner verdichtet die türkische Moderne in subjektiven Essenzen, Bertram Reinecke erkundet mit Kollegen das Werk Miron Białoszewskis in synoptischen Nachdichtungen und Dirk Uwe Hansen gibt Antworten auf Sappho von Mytilene.

 

20:00 Uhr, Mehringdamm 61. Eintritt frei

Lisa Lettrétage liest Suchbild 3 (Studioversion) von Norbert Lange, das schiefe, das harte und das gemalene, © 2012 luxbooks.

Dann gerate ich wieder in ein Gedankenspiel, an dem ich schon öfter herumgesponnen habe: Was würde sich ändern, wenn wir Gedichten das Potential zu einem ‚Business’ überhaupt zutrauten? Die Rede von der sterbenden Gattung verdeckt doch nur, dass bisher niemand einen Weg gefunden hat, sie im eigentlichen Sinne zu kapitalisieren.


Brigitte Oleschinski, ETWAS AUS WORTEN, AUS ANDEREN / NICHT, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Brigitte Oleschinski, ETWAS AUS WORTEN, AUS ANDEREN / NICHT, in ‚Metonymie‘

goodman: das ziel ist der zweck. goodman: das mittel ist oralität.
doch jetzt ist es zu spät. abwinkender zuck. abfuck sprengt dich mitten
entzwei. einerlei. weibchenspucke kittet, lötet und macht wieder heil.
es ist: das semantische seil. der bestrickende akt. vollständig nackt.

ihr seid ein stück gesotten nun. didaktisches tun. fließkraft ist eigener
saft. ihr seid verstörend devot. also immer voll auf die botten. doch
jetzt ist es zu spät. die djane schlafft ab. phrygische maus. die djane
war im haus. fortschreitende räude. die djane verläßt das gebäude.


Ulf Stolterfoht, DJANE HUSSERL, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Ulf Stolterfoht, DJANE HUSSERL, in ‚Metonymie‘

Auch wenn Fantasy, wie Paul West bemerkte, etwas für Menschen ist, denen die mittelalterliche Literatur nicht mittelalterlich genug ist, habe ich von ihr etwas lernen können. Dass nämlich jeder, der ein Buch aufschlägt, Eskapismus betreibt. Denn wollte er sein Leben wirklich ändern, würde er es einfach tun. Die Literatur beruht auf der Annahme, man könnte den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, indem man den noch größeren Eskapismus betreibt, Bücher zu schreiben, in denen dann zum Beispiel steht: Du mußt dein Leben ändern.


Thorsten Krämer, (NON) SEQUITUR, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Thorsten Krämer, (NON) SEQUITUR, in ‚Metonymie‘

deutlich wird dieser unterschied von gestalt, anschaulich die eventuelle engstirnigkeit ihrer auffassung hier vielleicht anhand der gegenüberstellung einiger gedichte, zunächst solchen, die sich in ihrer gestalt sogar ähneln, sich zeitlich und intentional jedoch weit voneinander entfernen: theodor kornfelds apfel (1685) und apfel mit wurm (1965) von reinhard döhl.


Simone Kornappel, VERSUS, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Simone Kornappel, VERSUS, in ‚Metonymie‘

Führt man sich diese Zusammenhänge vor Augen, so erscheint die Tonbandsequenz als komplexe Konstellation, deren weit streuenden Bedeutungspotentiale Brinkmann mit seiner unprätentiösen Materialpräsentation und der scheinbar naiven Erzählung über Tomatensuppenessen in London gekonnt überspielt. Wobei ja nichts dagegen spricht, dass Brinkmann eine Tomatensuppe in London gegessen hat, dass diese gut geschmeckt hat und er sich gern daran erinnert.


Johann Reißer, TONBANDBLENDEN UND BIBLIOTHEKSATTRAPPEN, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Johann Reißer, TONBANDBLENDEN UND BIBLIOTHEKSATTRAPPEN, in ‚Metonymie‘

Vor den Bildschirmen sitzen Zwerginnen, in meinem Kopf blättern sie. Vor dem Block. Drei Mal drei Reihen vor einer Riesenleinwand, auf der kann man die Rakete zünden. Sie schauen sich jedes Wort genau an, bevor sie feuern. In der Mitte der Riesenleinwand liegt ein Buchdeckel. Geschlossen. Trägt keinen Namen. Kein Gewicht. Ich stopfe mir die Ohren zu, mag keine Gründe, kein Vernünfteln hören (Kant KdU §33). Sitze am Satzsammelplatz. Mülltonnennah. Kopflos.


Swantje Lichtenstein, KOMMENTARBEDÜRFTIGKEIT, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Swantje Lichtenstein, KOMMENTARBEDÜRFTIGKEIT, in ‚Metonymie‘

Das Wissen um diejenigen Eigenschaften der einen Sprache, die in der anderen unmöglich zu wiederholen und zu leben sind, obwohl sie unweigerlich immer hineinfunken, bedeutet gleichsam die schmerzhafte Einsicht, dass meine Bereicherung, meine Verdoppelung bedeutet, in der einen Sprache jeweils der anderen zu entbehren oder einen Überschuss an ihr zu haben: es ist immer ein Zuwenig oder Zuviel an Sprachw. Ich bin um das halbiert, worum ich bereichert bin.


Léonce W. Lupette, IN SPRECH1N 2 SPRACHEN, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Léonce W. Lupette, IN SPRECH1N 2 SPRACHEN, in ‚Metonymie‘