Archiv: Rezension

Am 12. Mai fand die vierte CON_TEXT Veranstaltung statt, von der Schriftstellerin Maria A. Ioannou und dem Tänzer und Choreographen Momo Sanno gestaltet. Sieglinde Geisel hat darüber geschrieben.

 

Die Erzählung von Maria A. Ioannou handelt von einem Menschen, der lieber ein Gegenstand wäre, ein Objekt. Als er geboren wird, scheint er nicht zu atmen, und als Erwachsener wird er mehr und mehr zu einem Gegenstand, schließlich kann er nur noch seinen Kopf bewegen. Für einen Tänzer eine Herausforderung: Wie tanzt man einen, der nicht mehr tanzen will?

Der Widerspruch zwischen Erstarrung und Bewegung ist ein Leitmotiv dieser Begegnung zweier Künste. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen der Sprache und dem Tanz: Bewegen sich die Worte, erstarren die Bewegungen, schweigt die Autorin, erwacht der Tänzer zum Leben.

Momo Sanno liegt auf dem Boden, genauer: Er sitzt einem seitwärts umgekippten Stuhl, als wäre er mit dem Möbelstück verwachsen.

„We have created a doll, a doll, a doll“, liest die Autorin. Die Sprache gerät ins Schwingen, löst sich vom fixierten Text auf dem Papier. Maria A. Ioannou gibt dem Rhythmus nach, der in ihren Sätzen angelegt ist und löst die Wörter aus ihren Halterungen, so dass sie zu tanzen beginnen.

weiterlesen…

[hier: Fotos zur Veranstaltung, Interview mit den Künstlerinnen]

Von Ricoh Gerbl

Es ist Dienstag Abend. Kurz vor zwanzig Uhr. Ich laufe den Mehringdamm entlang. Bin auf dem Weg in die Lettrétage. Eine Autorin, Kinga Tóth, und eine Zeichnerin, Doro Billard, präsentieren das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit. Sie hatten eine Woche lang Zeit sich mit ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen anzunähern. Vereinfacht gesagt: irgendwie zusammen zu kommen. Dass Literatur auf andere Kunstrichtungen trifft ist Teil der Veranstaltungsreihe CON_TEXT. Autoren und Autorinnen treffen auf Künstler und Künstlerinnen aus verschiedenen Sparten und sollen gemeinsam etwas erarbeiten. Heute Abend wird dem Publikum der dritte Ausgang von so einer „Karambolage“ präsentiert. Ich biege in den Hinterhof ein. Ein paar Leute stehen vor dem Eingang. Rauchen. weiterlesen…

Bernd Breitbach - Ein Garten auf dem MondDer namenlose Protagonist ist jemand, der sich durchs Leben treiben lässt. Der Debütroman des Duisburger Schriftstellers Bernd Breitbach lädt dazu ein, ihm auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu folgen. „Ein Garten auf dem Mond“ erzählt in 18 Episoden von einschneidenden Kindheitserlebnissen, ersten Liebesbeziehungen, abgedrehten Freunden und verschrobenen Familienmitgliedern. Sollte man jedoch meinen, dass einem der Protagonist, dessen Erlebnisse man liest, wirklich nahe kommt ist, liegt man falsch. Die Hauptfigur ist vielmehr ein Beobachter und nimmt diese Position zweifelsohne auch in seinem Leben allzu oft ein. Stets konfrontiert mit obskuren Vorstellungen von vermeintlich gelungenen zwischenmenschlichen Beziehungen und Lebensentwürfen befindet sich der Protagonist immer mittendrin im Strom des Lebens, aber nur als passive Figur, die alles mit sich machen lässt und das Geschehen aus der Distanz verfolgt. Dies ermöglicht zwar zahlreiche amüsante, teils auch melancholisch-lakonische Schilderungen, wirkt auf Dauer jedoch auch ermüdend. Gerade die zahlreichen Episoden mit geradezu austauschbaren Geliebten und Liebesbeziehungen stellen sich bald in ihrer Gänze als austauschbar und belanglos heraus. Als Leser fragt man sich phasenweise, wieso immer noch eine weitere Geschichte über eine gescheiterte Beziehung folgt, wozu das führt, vermag jede weitere Anekdote doch dem unscheinbaren Protagonisten auch nicht zu mehr Charaktertiefe zu verhelfen. Mögen die Episoden noch so absonderlich sein, der rechte Sinn für den Handlungsverlauf des Romans bleibt unklar. Sicherlich verweist der Autor gerade durch die episodenhafte Struktur seines Romans auf die Banalität vieler Lebensereignisse, allerdings geben die einzelnen Anekdoten dem Roman insgesamt zu wenig Substanz. Der Protagonist bleibt blass, mit jeder weiteren Episode schwindet zunehmend das Interesse, sich weiter mit einer solchen Romanfigur auseinanderzusetzen. weiterlesen…