Archiv: Tomomi Adachi

Die Geister, die wir riefen…

JK —  12. Juni 2017 — 1 Kommentar

Von Sieglinde Geisel

Wie kann ein Text dreidimensional werden? Indem man seine Buchstaben in Gegenstände verwandelt. Der 3-D-Drucker macht’s möglich: Er ist die heimliche Hauptfigur dieses Abends. Mit seinem Artefakt, dem Buchstaben X, ist er der Solist, nachdem er die ganze Zeit sozusagen im Hintergrund emsig gewerkelt hat, denn die Performance ist so getimt, dass sie zugleich mit dem Druckvorgang endet: Eine kleine Lampe strahlt den 3-D-Drucker nach vollbrachter Aufgabe wie ein Spotlight an.

Die Idee der Veranstaltungsreihe CON_TEXT besteht darin, Sprache in andere Dimensionen zu übertragen, Texte in anderen Kontexten zu zeigen. Dem aus Mexiko stammenden, in Finnland lebenden Dichter Daniel Malpica und dem japanischen Klangpoeten und Komponisten Tomomi Adachi ist es an dem Abend gelungen, dieses Feld auf unerwartete Weise zu erweitern. Selten erlebt man eine Performance, in der Dinge geschehen, die man noch nie gehört oder gesehen hat – samt der Irritation, die das Neue begleitet. Denn für das Neue gibt es, naturgemäß, noch kein Modell und damit auch keine Maßstäbe, an denen man es messen kann. Man bleibt zurückgeworfen auf das eigene Erleben, ein verunsichernder Zustand – und eine Befreiung.
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Florian Neuner, Daniel Malpica, Tomomi Adachi, CON_TEXT, Time to deliver X³, Gespräch, Hide Kinoshita, Dadaismus, X

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Montag, 31. Juli 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,- / erm. 4,-)
Asemische Dialoge
Mit Tomomi Adachi und Jaap Blonk

Asemische Dichtung (Dichtung ohne semantische Bedeutung) tauchte als Kunstform erstmals vor rund 100 Jahren, in den frühen Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts wie Dada, Futurismus und Konstruktivismus, auf. Tomomi Adachi und Jaap Blonk haben sich intensiv mit dem Material aus dieser Zeit auseinandergesetzt und es immer wieder neu präsentiert. Texte von Kurt Schwitters, Hugo Ball, Raoul Hausmann, Welimir Chlebnikow und – in Tomomis Adachis Fall auch von frühen japanischen Autoren – brachten sie zur erneuten Darbietung.

Trotzdem sind beide Performer auch einen Schritt weiter gegangen und haben ihre eigene Ausdrucksweise in diesem Bereich entwickelt. Sie spielen mit spontaner und strukturierter, manchmal auch computergenerierter Sprache und beleben dieses Spiel durch umfangreiche Erkundungen der komplexen Phonetik und zeitgenössischen Klangverarbeitung. Mit dem kreativen Einsatz von Live-Elektronik erweitern sie ihre Arbeit fortwährend. Unterstützt durch ihre starke Bühnenpräsenz sprengt die Aufführung die Grenzen von Poesie und Musik, Text und Klang, Komposition und Improvisation, Akustik und Elektronik.

 

© naya collective

Tomomi Adachi ist Künstler, Komponist, Klang- und visueller Poet sowie Instrumentenbauer. Er ist bekannt für seinen vielseitigen Stil, führt seine eigene Stimme und außerdem elektronische Stücke, Klangpoesie, improvisierte Musik und Gegenwartsmusik auf. Er hat standortspezifische Kompositionen, Kompositionen für klassische Ensembles und Chorstücke für ungeschulte Musiker geschrieben und an den verschiedensten Orten der Welt, einschließlich der Tate Modern, dem Festival MaerzMusik, dem Centre Pompidou, dem Poesiefestival Berlin und dem Walker Art Center präsentiert. Adachi arbeitet mit selbst hergestellten Instrumenten, Twitter-Texten und sogar paranormalen Phänomenen. Als der einzige japanische Performer für Klangpoesie führte er 1996 Kurt Schwitters ‚Ursonate‘ als japanische Premiere auf. Seine CDs sind bei den Labels Tzadik, Omegapoint und naya records erschienen. Adachi war Gast des Artists-in-Berlin Programm des DAAD im Jahre 2012.

 

© Etang Chen

Jaap Blonk (geboren 1953 in Woerden, Niederlande) ist Komponist, Dichter, Musiker und Performer. Sein Studium der Physik, Mathematik und Musikwissenschaft brach er ab und begann, Saxophon zu spielen und zu improvisieren. In den frühen 80er Jahren entdeckte er sein stimmliches Potenzial und experimentierte fortan über Jahre mit Phonetik und den Möglichkeiten der menschlichen Stimme. Heute ist er ein Spezialist für das Kreieren und Aufführen von Lautpoesie. Er tritt weltweit auf und gibt regelmäßig Workshops. Mit dem Einsatz von Live-Elektronik hat der Spielraum und die Reichweite seiner Arbeit eine beträchtliche Erweiterung erfahren. Von seinen Lautpoesie-Partituren hat er darüber hinaus ein eigenes Werk an großformatigen Zeichnungen erschaffen, das veröffentlicht und in Ausstellungen gezeigt wurde. Seine Musik ist auf bislang 22 CDs bei seinem eigenen Label Kontrans erschienen; andere Aufnahmen finden sich u.a. bei VICTO (Kanada), Monotype Records (Polen) und Balance Point Acoustics (USA).

 

Mittwoch, 07. Juni 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
Time to deliver: X³. CON_TEXT V
Mit Tomomi Adachi und Daniel Malpica

Bei der fünften Auflage unserer Reihe CON_TEXT trifft der Komponist und Klangpoet Tomomi Adachi auf den Autoren Daniel Malpica. Die Performance der beiden Autoren wird ausgesprochen besonderer Natur sein: im Mittelpunkt steht nämlich ein 3D-Drucker, der im Laufe der Veranstaltung ein Modell des Buchstaben X produzieren wird. Dieser Vorgang wird doppelt eingerahmt. Einerseits werden zusätzlich geladene Schauspieler den Druckvorgang inszenieren. Andererseits wird die visuelle Ebene verknüpft mit Malpicas Gedicht-Serie „Se escribe con X“, eigens für diesen Abend ins Deutsche übersetzt, und dem Poem „Voice Sound Poetry Form Begun with X“ des futuristischen Dichters Hide Kinoshita.

Die Veranstaltung findet größtenteils auf Englisch mit deutscher Übersetzung, teils auf Spanisch und Japanisch, statt.

Die Veranstaltungsreihe CON_TEXT vesucht das Format Lesung neu zu denken und zu thematisieren. Jeweils ein/e Autor/in und ein/e Künstler/in einer anderen Sparte erarbeiten gemeinsam eine Woche lang in der Lettrétage ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat. TänzerInnen, MusikerInnen, Bildende und Darstellende KünstlerInnen sowie FilmemacherInnen sind die künstlerischen PartnerInnen der AutorInnen. Ausgehend vom literarischen Text entwickeln die KünstlerInnen-Tandems interdisziplinäre Formate und thematisieren dabei den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Die so entstehende literarische Veranstaltung wird als ein eigenes, weit über die bloße Textpräsentation hinausgehendes, künstlerisches Werk begriffen. Die KünstlerInnen arbeiten ohne inhaltliche Vorgaben, der Prozess ist ergebnisoffen.

Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlußkonferenz statt.
Zu jeder Veranstaltung erscheinen vorab ein Interview mit einem Experten und im Nachhinein eine kurze filmische Dokumentation im Lettrétagebuch. Dort findet sich auch weitere Information zur Veranstaltungsreihe und zu den beteiligten KünstlerInnen und Veranstaltungsterminen.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

 

© Naya Collective

Tomomi Adachi ist Künstler, Komponist, Klang- und visueller Poet sowie Instrumentenbauer. Bekannt für seinen vielseitigen Stil, führte er seine eigene Stimme und außerdem elektronische Stücke, Klangpoesie, improvisierte Musik und Gegenwartsmusik auf. Darüber hinaus präsentierte er standortspezifische Kompositionen, Kompositionen für klassische Ensembles und Chorstücke für ungeschulte Musik an verschiedensten Orten der Welt, einschließlich der Tate Modern, der Märzmusik, dem Centre Pompidou, dem Poesiefestival Berlin und dem Walker Art Center.

In seiner Arbeit bedient er sich an einem breitem Spektrum von Materialien: Dazu gehören selbst hergestellte Instrumente, Twitter Texte und sogar paranormale Phänomene. Als der einzige japanische Performer für Klangpoesie führte er 1996 Kurt Schwitters ‚Ursonate‘ als japanische Premiere auf. Seine CDs beinhalten das Soloalbum von Tzadik, Omegapoint und naya records.

Er war Gast des Artists-in-Berlin Programm des DAAD im Jahre 2012.

 

 

© Jaime Culebro

Daniel Malpica (geboren in Mexico City) lebt als Lyriker, Grafik Designer und Herausgeber in Helsinki. Derzeit ist er Co-Direktor, Produzent und Designer des Sivuvalo Projekts. Zwischen 2011 und 2014 war er Mitbegründer, Chefredakteur und Designer des [Radiador] Magazins. Als Lyriker, Produzent und Multimedia-Künstler veranstaltete Daniel Malpica unkonventionelle literarische Events in Finnland und Mexiko. Er nahm an vielen internationalen Festivals über experimentelle und multidisziplinäre Kunst teil und stand bereits mit weltbekannten Autoren wie Amiri Baraka oder Michel Houellebecq auf der Bühne. Malpica ist Autor von Paréntesis (RDLPS,2007), Marduk: SenectusSignum (2009) und Ex-Aether (Molinosde,2012). Für sein jüngstes Werk‚ Seescribe con X‘ (‚Man schreibt es mit X‘) erhielt 2014 ein Stipendium des ‚Arts Promotion Centre Finland‘, es ist bisher jedoch unveröffentlicht.

Samstag, 5.November 20:00 Uhr, Eintritt 6.-/erm- 4.- Euro
THE LANGUAGE FACTORY
Lesung im Rahmen des Literaturfestivals STADTSPRACHEN
mit Cia Rinne, Tomomi Adachi, Roberto Equisoain, Andrej Hočevar und Haukur Már Helgason.

DichterInnen erschaffen ihre Sprache heute selbst, heißt es. Die TeilnehmerInnen der LANGUAGE FACTORY tun dies in einem fast wörtlichen Sinne: Fünf dauerhaft oder temporär in Berlin lebende LyrikerInnen aus fünf verschiedenen Ländern mit mehr als fünf verschiedenen Muttersprachen schreiben eine Woche lang zusammen ein Gedicht. In der Dialektik des Gruppengedichts müssen also nicht nur fünf Poetiken und fünf Persönlichkeiten Platz finden, sondern letztlich müssen auch fünf oder mehr Sprachen unter einen Hut gebracht werden. Da die einzige Verständigungssprache der fünf nicht-muttersprachliches Englisch ist, bildet dieses Broken English die Basis für den gemeinsamen Text – ob als verbindlicher Sprachstandard oder eher als poetischer Generator, wird sich zeigen.

Das Setup des Projekts verweist nicht nur auf die babylonische Sprachverwirrung, die Teile der Stadt Berlin ergriffen hat, sowie auf das Pfingstwunder des meist funktionierenden Zusammenlebens und -arbeitens – es reflektiert zugleich die Produktionsbedingungen und Voraussetzungen von Lyrik und Literatur überhaupt. Das übliche romantische Klischeemodell – ARMER Poet sitzt EINSAM und ALLEIN und NACHTS im Kämmerlein und schafft GENIALES – wird partiell auf den Kopf gestellt und die Dichter werden wenigstens vorübergehend fest angestellt. Lyriker als Nine-to-Five-Job – wird das funktionieren? Am Samstagabend stellen die fünf ProtagonistInnen ihre lyrische Wochenproduktion dem Publikum vor.

Mehr über die Autoren: Cia Rinne, Tomomi Adachi, Roberto Equisoain, Andrej Hočevar und Haukur Már Helgason.

Konzeption: Moritz Malsch

STADTSPRACHEN  LogoHKF-S-RGB[1]

Geben am Sonntag ordentlich was aus Ohr: Jelle Meander, Tomomi Adachi, Cia Rinne und Ernesto Estrella setzen in ihrer Performance Poesie, experimentelle Musik und linguistische Konzepte auseinander und puzzeln sie neu zusammen…

If you´re not distracted, you haven´t payed attention!

 

Sonntag,  09. November 2014, 20:00 Uhr, Eintritt 5,- / erm. 4,- Euro