Archiv: Tram 83

Zugegeben nicht gerade gestern, sondern bereits am 29.05., wurde die Shortlist des 9. internationalen Literaturpreises vom Haus der Kulturen der Welt bekannt gegeben. Die seit 2009 verliehene Auszeichnung prämiert jährlich ein herausragendes Werk der internationalen Erzählliteratur und dessen Übersetzung ins Deutsche. In diesem Bereich zählt der internationale Literaturpreis zu einer der renommiertesten Ehrungen. Unser Glückwunsch gilt bereits jetzt allen Nominierten, richtet sich aber ganz besonders auch an Fiston Mwanza Mujila, sowie die Übersetzerinnen Lena Müller und Katharina Meyer. Fistons Debütroman „Tram 83“ erschien 2016, nachdem er bereits international für Furore gesorgt hatte, endlich auf Deutsch und erfährt nun auch hier verdiente Wertschätzung. Für uns ist das Ganze auch eine persönliche Freude: Fiston ist ein Freund des Hauses und hat seinen Roman im Mai in einer furiosen Jazzlesung in der Lettrétage inszeniert. Außerdem erfolgte die Übersetzung erster Passagen von „Tram 83“ im Rahmen eines Projekts, an dem auch unser Literaturhaus beteiligt war. Darüber hinaus ist er aber auch einfach eine großartige Person und ein noch besserer Autor, weshalb ihm auch diese Nominierung nur zu gönnen ist.

Hier die vollständige Shortlist mit all den hervorragenden Nominierten:

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Morgen ist es nun endlich so weit: die Jazzlesung zu Fiston Mwanza Mujilas Debütroman „Tram 83“ steht bevor. Bereits vor wenigen Tagen erschien an höchstselbiger Stelle ja bereits ein Interview mit Saxophonist Ben Kraef, der gemeinsam mit Fyodor Stepanov, Marco Mingarelli und Denis Abrahams am 03. Mai auf Mujila und dessen Text treffen wird. Wir wollen also gar nicht noch einmal allzu viele Worte über die Charakteristik dieses außergewöhnlichen Werkes verlieren. Besser wäre es, man ließe einfach den Autor selbst sprechen.

Lettrétage: Ich fange mit der gleichen, ganz allgemeinen Frage an, die ich auch dem Rest der Gruppe gestellt habe: Welche Aspekte dieses Projektes beziehungsweise dieser Performance, überzeugte Sie, dem Event zuzustimmen?

Fiston: In meiner Heimatstadt spricht man Suaheli. In dieser Sprache schätze ich den Begriff „Makutano“. Es bedeutet der Ort der Begegnung. Leute treffen Leute, um sich über die Welt und die Gesellschaft auszutauschen. Unsere Jazzlesung ist Makutano. Jeder von uns kommt mit seiner Geschichte, seiner Einsamkeit, seinem Schicksal, seiner Poesie, seiner Freude und zusammen versuchen wir nicht den Turm zu Babel aber eine Zitadelle der Erwartung zu errichten. Denis Abrahams bringt seine Stimme, Ben Kraef am Tenorsaxphon, Fyodor Stepanov spielt Bass und Marco Mingarelli am Schlagzeug. Meine Hoffnung ist, dass die Performance nicht entweder als eine Lesung oder ein Konzert verstanden wird, sondern wie ein Gespräch zwischen Menschen. Was genau passieren wird, weiß ich noch nicht … weiterlesen…

Im Büro herrscht schon den ganzen April hindurch eine Heiden(vor)freude. Am Abend des dritten Mai gastiert bei uns der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila, der seinen erst im letzten Jahr in deutscher Übersetzung erschienenen Debütroman „Tram 83“ präsentieren wird. Das Werk stand unter anderem auf der Longlist des renommierten Man Booker Prize. Das wirklich bemerkenswerte an dieser Veranstaltung ist aber die Inszenierung des Textes, in ihrer Form so nur einmalig in der Lettrétage zu erleben: In Kooperation mit den Musikern Fyodor Stepanov (Bass), Marco Mingarelli (Schlagzeug) und Ben Kraef (Saxophon), sowie dem Sprecher Denis Abrahams wird eine Symbiose von Jazz und Literatur entstehen, die für alle Beteiligten ein Novum darstellt. Um uns über unsere Erwartungen an diese literarische Jazz-Performance klar zu werden, haben wir vorab mit Ben Kraef gesprochen.

Lettrétage: Ich beginne mit etwas Grundlegendem. Welche Aspekte des Projekts sind für Sie besonders interessant und haben Sie möglicherweise zur Zusage bewegt?

Kraef: Ich bin bei dem Projekt dabei, weil ich mich einerseits sehr für Literatur interessiere und gerne neue Autoren kennenlerne. Andererseits interessiere ich mich natürlich auch für Literatur, die sich in der einen oder anderen Form mit Musik und speziell Jazz befasst. Ein anderer Grund sind natürlich die anderen Musiker und dass ich bei einem Projekt in dieser Form auch noch nicht mitgemacht habe. weiterlesen…