Archiv: Verlagshaus J.Frank

deutlich wird dieser unterschied von gestalt, anschaulich die eventuelle engstirnigkeit ihrer auffassung hier vielleicht anhand der gegenüberstellung einiger gedichte, zunächst solchen, die sich in ihrer gestalt sogar ähneln, sich zeitlich und intentional jedoch weit voneinander entfernen: theodor kornfelds apfel (1685) und apfel mit wurm (1965) von reinhard döhl.


Simone Kornappel, VERSUS, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Simone Kornappel, VERSUS, in ‚Metonymie‘

Dann gerate ich wieder in ein Gedankenspiel, an dem ich schon öfter herumgesponnen habe: Was würde sich ändern, wenn wir Gedichten das Potential zu einem ‚Business’ überhaupt zutrauten? Die Rede von der sterbenden Gattung verdeckt doch nur, dass bisher niemand einen Weg gefunden hat, sie im eigentlichen Sinne zu kapitalisieren.


Brigitte Oleschinski, ETWAS AUS WORTEN, AUS ANDEREN / NICHT, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Brigitte Oleschinski, ETWAS AUS WORTEN, AUS ANDEREN / NICHT, in ‚Metonymie‘

goodman: das ziel ist der zweck. goodman: das mittel ist oralität.
doch jetzt ist es zu spät. abwinkender zuck. abfuck sprengt dich mitten
entzwei. einerlei. weibchenspucke kittet, lötet und macht wieder heil.
es ist: das semantische seil. der bestrickende akt. vollständig nackt.

ihr seid ein stück gesotten nun. didaktisches tun. fließkraft ist eigener
saft. ihr seid verstörend devot. also immer voll auf die botten. doch
jetzt ist es zu spät. die djane schlafft ab. phrygische maus. die djane
war im haus. fortschreitende räude. die djane verläßt das gebäude.


Ulf Stolterfoht, DJANE HUSSERL, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Ulf Stolterfoht, DJANE HUSSERL, in ‚Metonymie‘

Führt man sich diese Zusammenhänge vor Augen, so erscheint die Tonbandsequenz als komplexe Konstellation, deren weit streuenden Bedeutungspotentiale Brinkmann mit seiner unprätentiösen Materialpräsentation und der scheinbar naiven Erzählung über Tomatensuppenessen in London gekonnt überspielt. Wobei ja nichts dagegen spricht, dass Brinkmann eine Tomatensuppe in London gegessen hat, dass diese gut geschmeckt hat und er sich gern daran erinnert.


Johann Reißer, TONBANDBLENDEN UND BIBLIOTHEKSATTRAPPEN, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Johann Reißer, TONBANDBLENDEN UND BIBLIOTHEKSATTRAPPEN, in ‚Metonymie‘

An welchen Stellen dieser Stadt bist du schon einmal aus einem dieser Herzgerüste heraus? Dann das Hoffen, nicht in eine neue Hetzjagd zu geraten. Meine wiederkehrende Angst, schweissgebadet, von einer Horde Schwuler mit Baseballschlägern gejagt und blutig geschlagen zu werden.


Mathias Traxler, INSZENIERTE WUT_2, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Mathias Traxler, INSZENIERTE WUT_2, in ‚Metonymie‘

Ob sie stumm aufschaut zu den verschneiden Spitzen der Berge oder ob sie, die Hände vorgestreckt, über die Wiesen stolpert und singt, das, mein liebes Gedächtnis, habe ich vergessen, ich danke dir dafür.


Martin Lechner, DUNKEL ERINNERTE FILME, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Martin Lechner, DUNKEL ERINNERTE FILME, in ‚Metonymie‘

Auch wenn Fantasy, wie Paul West bemerkte, etwas für Menschen ist, denen die mittelalterliche Literatur nicht mittelalterlich genug ist, habe ich von ihr etwas lernen können. Dass nämlich jeder, der ein Buch aufschlägt, Eskapismus betreibt. Denn wollte er sein Leben wirklich ändern, würde er es einfach tun. Die Literatur beruht auf der Annahme, man könnte den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, indem man den noch größeren Eskapismus betreibt, Bücher zu schreiben, in denen dann zum Beispiel steht: Du mußt dein Leben ändern.


Thorsten Krämer, (NON) SEQUITUR, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Thorsten Krämer, (NON) SEQUITUR, in ‚Metonymie‘

Vor den Bildschirmen sitzen Zwerginnen, in meinem Kopf blättern sie. Vor dem Block. Drei Mal drei Reihen vor einer Riesenleinwand, auf der kann man die Rakete zünden. Sie schauen sich jedes Wort genau an, bevor sie feuern. In der Mitte der Riesenleinwand liegt ein Buchdeckel. Geschlossen. Trägt keinen Namen. Kein Gewicht. Ich stopfe mir die Ohren zu, mag keine Gründe, kein Vernünfteln hören (Kant KdU §33). Sitze am Satzsammelplatz. Mülltonnennah. Kopflos.


Swantje Lichtenstein, KOMMENTARBEDÜRFTIGKEIT, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Swantje Lichtenstein, KOMMENTARBEDÜRFTIGKEIT, in ‚Metonymie‘

Das Wissen um diejenigen Eigenschaften der einen Sprache, die in der anderen unmöglich zu wiederholen und zu leben sind, obwohl sie unweigerlich immer hineinfunken, bedeutet gleichsam die schmerzhafte Einsicht, dass meine Bereicherung, meine Verdoppelung bedeutet, in der einen Sprache jeweils der anderen zu entbehren oder einen Überschuss an ihr zu haben: es ist immer ein Zuwenig oder Zuviel an Sprachw. Ich bin um das halbiert, worum ich bereichert bin.


Léonce W. Lupette, IN SPRECH1N 2 SPRACHEN, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Léonce W. Lupette, IN SPRECH1N 2 SPRACHEN, in ‚Metonymie‘

Ich warf mich immer wieder auf den Lachsack drauf. Und je nachdem, wie man sich auf ihn geworfen hatte, schrie dieser Lyrik oder Leben oder gab einen entsetzlich schrecklichen Schmerzensschrei von sich. Ein Geratter und Geleuchte rundum. Ein Schausteller, der dabeistand, sah mich seltsam an und sagte: Kommen Sie in ein paar Jahren wieder. Ich sagte: Vielleicht als Phantom.


Mathias Traxler, INSZENIERTE WUT_2, in ‚Metonymie‚, erschienen im Verlagshaus J. Frank, herausgegeben von Norbert Lange.

Mathias Traxler, INSZENIERTE WUT_2, in ‚Metonymie‘