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April 2017



Sonntag, 2. April 2017 20:00 Uhr (Eintritt frei)
Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten
Lyrik aus den deutschsprachigen Literaturinstituten 2017

Herausgegeben von Yevgeniy Breyger, Özlem Ögül Dündar, Alexander Kappe, Ronya Othmann, Sibylla Vricic Hausmann und Saskia Warzecha

Leser/innnen: Maja-Maria Becker, Andreas Pargger, Moritz Grote, Timo Brandt

Moderation: Saskia Warzecha und Alexander Kappe

Die Anthologie Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten ist ein einzigartiges Experiment. Zum ersten Mal werden Gedichte von Autorinnen und Autoren aus den vier bestehenden Literaturinstituten in Deuschland, Österreich und der Schweiz zusammengetragen: aus dem Schweizerischen Literaturinstitut in Biel (gegründet 2008), aus dem Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien (neu konzipiert 2009), dem Institut für Literarisches Schreiben in Hildesheim (gegründet 1999) und dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig (neu gegründet 1995).
Michael Braun

Moritz Grote, geboren 1987 in Lüdenscheid. Ausbildung staatlich anerkannter Erzieher. Bachelorstudium Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Universität Hildesheim. Masterstudium Interdisziplinäre Antisemitismusforschung. TU Berlin. Altenpfleger. Englischlehrer. Texter. Lebt in Spanien.

Maja-Maria Becker, geboren 1976. Studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Zuletzt erschienen: „im schwerefeld des mondes“, hochroth Verlag Leipzig, 2013. Und: "material", in: BELLA Triste 40. Zeitschrift für junge Literatur, Hildesheim 2017.

Timo Brandt, Jahrgang 1992, in Düsseldorf geboren und in Hamburg aufgewachsen. Seit 2014 Studium am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien; seit 2015 Mitherausgeber der JENNY Literaturzeitschrift. Veröffentlichungen u.a. in Bella Triste, STILL, Metamorphosen, Seitenstechen, offenes Feld und einigen Anthologien. Im Frühjahr 2017 ist sein Debüt „Enterhilfe fürs Universum“ bei der edition offenes feld erschienen.

Andreas Pargger, geboren 1986 in Lienz, studiert „Japanologie“ in Leipzig. Schreibt Prosa und Lyrik, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt: „kindheit am fluss“, 2013. 2. Platz Akademie Graz „Kurzprosa“ 2016.
www.andreaspargger.com.

"Was verstehen wir unter leuchtenden Wurzeln? Wir möchten glauben, dass die Literaturinstitute Wurzel-Orte, Orte der Radikalität sind. Wir denken, dass es notwendig ist, den eigenen literarischen Standpunkt erst einmal grundsätzlich in Frage zu stellen, um etwas Lesenswertes zu schreiben; Diskussionen und Konfronationen an den Instituten helfen häufig dabei. Leuchtend sind für uns vor allem auch die "abwegigeren" Entwürfe, über die man ins Stolpern gerät, Zungenbrecher, die sich wildernd und sabotierend in sprachlichen Konventionen und literarischen Traditionen zu bewegen wissen."
Die HerausgeberInnen




Montag, 3. April 2017 20:00 Uhr (Eintritt frei)
NATASCHA GANGL: Wendy fährt nach Mexiko
Einleitung: PETER WATERHOUSE, in Kooperation mit RITTER Literatur (Klagenfurt/Graz)

„Viele werden in dieser Zeit aufgefordert, Deutsch zu lernen und Deutsch zu sprechen. Wer Deutsch spricht und gerne liest und gerne Deutsch geschriebene Bücher und Literatur und Gedichte liest, wird sich bei vielen Büchern und Gedichten fragen: Ist das Deutsch? Oder ist das eine literarische Sache oder ein Gedicht, Deutsch geschrieben und doch nicht deutsch? Das neu erschienene Mexiko-Buch von Natascha Gangl beginnt mit einem englischen Namen und einem nicht-deutschen Land. Vielleicht ist Wendy eine Engländerin, so wie ich eine Engländerin bin. Jedenfalls im Titel. Die ersten Worte im Buch: Tu voz. Ein österreichischer Dialekt? Oder zu übersetzen in: Du willst? Oder bedeutet es: Deine Stimme? Wahrscheinlich: Stimme, so wie im Italienischen tua voce. Wer weiß.“
Peter Waterhouse: „Immer bin ich ein Rennreiter und habe es nicht eilig. Natascha Gangls Wendy fährt nach Mexiko lesend“ (in: manuskripte, H. 213)

Mindestens eine Generation Mädchen ist mit der adretten und ehrgeizigen Reithoftochter Wendy aufgewachsen. Diese Comic-Figur, Inbegriff strahlender Mittelmäßigkeit und philiströser Entsprechung, dient als Folie für eine Reise- und Liebeserzählung, die ihre Leser in Zonen emotionaler wie sozialer Eskalation einer Mega-Metropole führt. So wie in Mexiko manche Häuser aus mit Müll und Lehm befüllten Plastikflaschen gebaut werden, „upcyclet“ Natascha Gangl Liedtextzeilen aus Rancheras und Reklameparolen und webt die Fundstücke des fremden Sprachraums in eine Textur von höchster metaphorischer Dichte ein. Durch vertraute Oberflächen einer vom Kommerz geprägten Hybrid-Kultur dringen archaische wie christlich-bizarre Blut-Obsessionen und Leidens-Phantasmata, welche die Weltsicht der Reiterin durchwirbeln. Deren Sehnsucht, die Distanz zu den verstorbenen Lieben aufzuheben, öffnet Gedankenschleusen zu einer flirrenden, von Traumlogik und animistischer Zauberei geprägten Zwischenwelt. Natascha Gangls Buchdebüt bewegt sich in atemberaubender Gewandtheit zwischen irrlichternder Exotik und lakonischer Präzision.

© Marcel Rius Natascha Gangl
1986 in Bad Radkersburg (Steiermark) geboren. Studium der Germanistik in Graz und der Philosophie in Wien sowie Szenisches Schreiben beim DRAMA FORUM von uniT Graz. 2013/14 Hausautorin am Staatstheater Mainz. Längere Aufenthalte in Spanien und Mexiko. Theaterstücke: Zugvögel. Ein Schauflug (2008); In Bahnen (2008); Das kleine Hasenstück oder Meister L . lernt laufen (2010); Pandemie. Gebäre dich selbst (2012); Nein ich will! Eine Hochzeit für alle (2014). Hörspiel: Meine Träume erzähle ich Ihnen nicht (2014). Buchdebüt: Wendy fährt nach Mexiko (2015, Ritter Verlag)





© Naomi Waterhouse

Peter Waterhouse
1956 in Berlin geboren, wuchs in der Bundesrepublik und in Österreich auf. Nach dem Studium der Germanistik und Anglistik promovierte er 1984 mit einer Arbeit über Paul Celan. Er ist Schriftsteller und Übersetzer und lebt in Wien. Mitglied des Übersetzerkollektivs Versatorium, Mitbegründer des Neuberg College und der Silent University Österreich. Preise: u.a. H.C. Artmann-Preis (2004), Erich-Fried-Preis (2007), Ernst-Jandl-Preis (2011), Großer Österreichischer Staatspreis (2012).
Zuletzt erschienen: Der Fink. Einführung in das Federlesen (2016 Matthes & Seitz Berlin); Die Auswandernden (gem. mit Nanne Meyer, 2016, starfruit publications)


Unterstützt von der Stadt Graz und dem bka Kunst und Kultur.




Donnerstag, 6. April 2017 20:00 Uhr (Eintritt: 3,-)
Tippgemeinschaft
Die Jahresanthologie der Studierenden am Deutschen Literaturinstitut Leipzig


© Moritz Zeller

Die Tippgemeinschaft – die Jahresanthologie der Studierenden am Deutschen Literaturinstitut Leipzig 2017 stellt sich vor! Das studentische Projekt des Deutschen Literaturinstituts vereinigt Texte verschiedenster Art miteinander und fügt alles zu einem leckeren "Sandwich" zusammen. Lesen werden Mia Göhring, Peter Lünenschloß, Anne Oltscher und Theresa Pleitner.







© Peter Lünenschloß

Peter Lünenschloß: Geboren 1984 in Berlin. Bachelor-Studium der Mathematik an der Technischen Universität Braunschweig. Master-Studium Logik und Wissenschaftstheorie an der Universität Leipzig. Seit 2014 Student am deutschen Literaturinstitut Leipzig.










© Theresa Pleitner

Theresa Pleitner: Geboren 1991 in Stuttgart. Gehörte zu den Jahrespreisträger*innen des Lyrix-Wettbewerbs 2008, ausgeschrieben vom Deutschlandradio Kultur. Der Einladung zum „Treffen Junger Autoren“ folgte sie 2011, 2016 war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses. Sie studierte Psychologie in Heidelberg von 2010-2013, arbeitete danach in einer psychiatrischen Klinik und als Menschenrechtsbeobachterin in Chiapas, Mexiko. Seit 2014 studiert sie literarisches Schreiben in Leipzig, seit 2016 im Master Psychologie in Berlin.








Mia Göhring: 1995 in Berlin geboren. Lebt und arbeitet seit 2015 in Leipzig.

© Franz Grünewald

Anne Oltscher: 1993 in Nürnberg geboren, seit 2015 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.














Montag und Dienstag, 10.& 11. April 2017 10:00-17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
Der Literaturmarkt für Einsteiger
mit Martin Jankowski

Nach einem ersten inhaltlichen Überblick über die Literaturszene samt sinnvoller Kontaktvorschläge und „Unbedingt versuchen! - auf jeden Fall sein lassen!“-Empfehlungslisten diskutieren wir die klassischen Einsteigerfragen für angehende Autoren: Wie kann ich in einem harten Markt eine berufliche Existenz planen und starten? Wie komme ich zu meinem ersten Buch? Welche Möglichkeiten bietet die Berliner Literaturszene? Und welche Fallen?
Im zweiten Workshop-Teil untersuchen wir dann die Möglichkeiten zur Veröffentlichung und beruflichen Vernetzung. Die persönlichen Ansätze der Teilnehmer finden hierbei umfassend Berücksichtigung. Für Ihre jeweilige Zielsetzung werden konkrete und passgenaue Umsetzungsschritte erarbeitet!


Tag 1: Überleben in Berlin
- Welche Netzwerke gibt es hier?
- Wie sieht es für mich aus mit Stipendien und Förderungen? Welche Chancen habe ich?
- Wie sieht der Markt vor Ort aus?
- Coworking spaces und Arbeitsplatzmanagement: Was will ich und wie gehe ich vor?

Tag 2: Marktüberblick
- klassische Verlagslandschaft, E-Publishing und Self-Publishing
- Messen, Festivals und Lesereihen: Wie nehme ich teil? Was ist wichtig?
- Mein erstes Buch ist fertig – wie geht es jetzt für mich weiter?

Anmeldungen bitte bis 24.03.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Martin Jankowski, geb. 1965 in Greifswald lebt seit 1995 als freier Autor, Herausgeber und Kulturkurator in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher (Lyrik, Prosa und Sachthemen), gehört zu den Mitbegründern des „internationalen literaturfestival berlin“, des „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ und leitet seit 2005 die „Berliner Literarische Aktion“. Der Autor und Projektleiter realisiert zahlreiche internationale Literaturprojekte; als Literaturdozent ist er an zahlreichen Universitäten weltweit zu Gast, aktuell an der Portland State University (Oregon, USA). (
www.martin-jankowski.de)

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.








Dienstag, 18. April 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
SALON EXTERN. Jordanien - Berlin
Programm mit temporärer Ausstellung zum Projekt "Architekturen - Städtebilder"

Das Projekt „Architekturen – Städtebilder“ von Jana Ritter (freie Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin) und Bostjan Dvorák (Sprachwissenschaftler, Übersetzer) vereint unter dem Begriff der Architekturen verschiedene Orte und deren Ansichten sowie Kulturen und den künstlerischen Ausdruck der Regionen. Ausgangspunkt der Reise ist immer Berlin. Die Arbeit der beiden Akteure wird durch eine weltoffene und neugierige Denkweise geprägt. Die Programme zeigen Menschen innerhalb ihrer natürlich belassenen oder überbauten Umwelt, ihre Freuden, Konflikte und Fragen in einer zunehmend differenzierten, globalisierten Welt. In drei Einzelprogrammen, von denen der erste Teil am Dienstag in der Lettrétage gezeigt wird, spielt auch der Einbezug der Zuhörenden und Zusehenden eine Rolle. Das „audiovisuelle Programm“ umfasst in allen drei Programmteilen temporär ausgestellte Bilder, begleitet durch Texte aus den Weltgegenden und adäquate Musik.


Zum Programmteil: „Architekturen: Jordanien – Berlin“: Die Fotografien entstanden während eines Aufenthaltes in Jordanien (Amman, Aqaba, Petra) im April 2011.Von 220 Bildern wurden schlussendlich 14 für eine erste reine Ausstellung ausgewählt. Die Bilder der Felsenstadt Petra laden zum langsamen, bewussten Betrachten ein. Felsige Landschaften wechseln sich ab mit Steinzeichnungen, wobei viele dieser „Abbildungen“, einen fast abstrakten Charakter annehmen. Licht und Schatten vertiefen sich wie Schluchten und Öffnungen im Bild, mitunter in einem direktem und schroffen Wechsel. Der Ort lebt. Er zeigt sich magisch und wird zu Recht zu einem der neuen „Weltwunder“ gezählt.

Jana Ritter
Die 1959 geborene Jana Ritter tanzt auf vielen Hochzeiten. Nachdem sie zwischen 1979 und 1984 ein Studium der Kulturwissenschaften unter anderem mit den Schwerpunkten Museumspädagogik, Musik und Kunstsoziologie absolvierte, lebt und arbeitet sie heute überwiegend in Berlin. Dort ist Ritter für die Staatlichen Museen Berlin als freie Mitarbeiterin laufend an verschiedenen kunst- und kulturhistorisch orientierten Ausstellungen beteiligt. Gleichzeitig ist sie als Künstlerin und Musikerin aktiv. Seit 1997 war Ritters künstlerisches Werk in Einzelausstellungen z.B. in Bochum, Kassel und Magdeburg zu sehen; seit 2007 nun endlich auch in Berlin, zuletzt mit „Das schöne Detail“ in Berlin-Schöneberg. Darüber hinaus führten sie künstlerische Arbeitsaufenthalte und Konzertreisen bereits nach Jordanien, Israel und Russland.

©
Bostjan Dvorák
Bostjan Dvorák auf sein Verwandtschaftsverhältnis mit dem böhmischen Komponisten Antonín Dvorák (1841-1904) zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Er selbst ist selbst Akademiker mit bemerkenswert vielfältigem Profil. Nach seinem Studium plus Promotion im Bereich Sprachwissenschaften in Tübingen ist er heute als Dozent und Forscher am Institut „Slovenica“ der renommierten Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Dieser Arbeitsplatz ist denkbar passend, denn zu Dvóraks Forschungsinteressen zählt auch die Zoologie und so kommt es, dass er die Interessensgebiete der beiden Humboldt-Brüder in einer Person zur Abbildung bringt. Darüber hinaus ist er als Übersetzer tätig und engagiert sich als Sprach- und Kulturmittler in Bosnien, Kroatien, Mazedonien und Slowenien.





Mittwoch, 19. April 2017 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 3,-)
Literarisches Quartett zu Carolin Emckes Essay "Gegen den Hass"
Diskussion

Nach dem Veranstaltungsmarathon zu Klaus Manns 110. Geburtstag werden wir uns zeitgenössischen Themen stellen. Genauso, wie sich Klaus Mann den Themen seiner Zeit stellte. Leider sind die Probleme unserer Zeit denen seiner gar nicht so unähnlich. Das fünfte Literarische Quartett unserer Initiative stellt sich den Herausforderungen Demokratiefeindlichkeit, Populismus, Fanatismus, Rassismus, Nationalismus etc.

Carolin Emcke, eine der wichtigsten Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland, wurde vor wenigen Monaten in der Paulskirche zu Frankfurt am Main mit dem Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

"Sie setzt dem dogmatischen Denken, das keine Schattierungen berücksichtigt, ein Lob des Vielstimmigen, des »Unreinen« entgegen - weil so die Freiheit des Individuellen und auch des Abweichenden zu schützen ist. Allein mit dem Mut, dem Hass zu widersprechen, und der Lust, die Pluralität auszuhalten und zu verhandeln, lässt sich Demokratie verwirklichen. Nur so können wir den religiösen und nationalistischen Fanatikern erfolgreich begegnen, weil Differenzierung und Genauigkeit das sind, was sie am meisten ablehnen." (Fischer-Verlage)

Die Akteure des Abends diskutieren die Argumente und die Denkanstöße Carolin Emckes zur Verteidigung der humanistischen Haltung und einer offenen Gesellschaft vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungswelt.


Akteure

Karl Kelschebach
Student an der Freien Universität Berlin, Deutsche Philologie und Politikwissenschaften mit Lehramtsoption

Ármin Langer
war u.a. Rabbinerstudent am progressiven und egalitär ausgerichteten Abraham Geiger Kolleg in Potsdam, jetzt Student der jüdischen Theologie an der Universität Potsdam; Gründer der »Salaam-Schalom«-Initiative (2013), die sich für den jüdisch-islamischen Dialog einsetzt, Autor von "Ein Jude in Neukölln: Mein Weg zum Miteinander der Religionen" (2016)

Frank Träger
Gymnasiallehrer für Politik, Ethik und Religion; Fachberater im Bereich des Staatlichen Schulamtes Brandenburg an der Havel; Gründer und Vorsitzender der Klaus Mann Initiative Berlin e.V.

Eine Veranstaltung der Klaus Mann Initiative Berlin e. V.

NN

© Carolin Emcke „Gegen den Hass“. Leserechte mit freundlicher Genehmigung des S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2016 vom 14.02.2017 exklusiv für Klaus Mann Initiative Berlin e.V.



Donnerstag, 20. April 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
Einer wird davon träumen – Gedichte zwischen San José und Berlin.
Lesung, Poesiefilm und Gespräch in spanischer und deutscher Sprache


Mit: Luis Chaves, Timo Berger und Freund*innen des Autors.
Moderation: Peter Holland und Christiane Quandt.

Regelmäßig landet Costa Rica beim Ranking der glücklichsten Länder der Erde auf den vorderen Plätzen. Aber schon Claude Lévi-Straus beschrieb die triste Kehrseite der Tropen. Luis Chaves erkundet in seinen Gedichten das vermeintliche Paradies: Die Hauptstadt San José erscheint bei ihm nachts von einem Aussichtspunkt betrachtet als bürokratisches Sternbild, das am nächsten Tag unter einem Smogdom verschwunden sein wird. Und auch die eigenen Schwächen und Ticks nimmt er in seinen Texten selbstironisch aufs Korn.

Luis Chaves ist der international bekannteste Schriftsteller des kleinen zentralamerikanischen Landes und zählt inzwischen auch zu den wichtigsten Stimmen der lateinamerikanischen Lyrik. 2015 weilte er als Gast des Berliner Künstlerprogramms für ein Jahr in Friedenau. Das Titelgedicht zu der im März im Verlag Hans Schiler erschienenen Werkauswahl ist dort entstanden. „Während ich aus den Minusgraden zurückkehre und eine beiläufige Bemerkung vortäusche“ lässt unschwer erkennen, dass Chaves auch in Berlin seinen kritischen und homorvollen Blick nicht verloren hat. – Der von Timo Berger übersetzte Band versammelt im Deutschen erstmals eine umfassende Auswahl aus dem bisherigen lyrischen Werk von Luis Chaves.

© Timo Berger

Luis Chaves, geboren 1969 in San José, Costa Rica, gilt als einer der führenden zeitgenössischen Schriftsteller Zentralamerikas. Nach einem Studium der Agrarökonomie begann Chaves als Autor und Übersetzer aus dem Englischen zu arbeiten. Er war Herausgeber des Poesie-Fanzines „Los amigos de lo ajeno“. 2012 erhielt Chaves für sein Werk »La máquina de hacer niebla« den Nationalpreis für Poesie des Kulturministeriums von Costa Rica. Zuletzt veröffentlichte er seine gesammelten Gedichte unter dem Titel „Falso documental“ (Seix Barral, Buenos Aires, 2016).

© Sarah Otter

Timo Berger, geboren 1974 in Stuttgart, ist Publizist und Übersetzer aus dem Spanischen und Portugiesischen. Zuletzt erschien von ihm seine Übersetzung des Romans „Kryptozän“ von Pola Oloixarac (Verlag Klaus Wagenbach, 2016). Er ist seit 2006 Kokurator der Latinale und war 2016 einer der Kuratoren des Berliner Literaturfestivals Stadtsprachen. Mit Luis Chaves freundete er sich an, als beide für einige Zeit in Buenos Aires lebten.





Montag und Dienstag, 24. & 25. April 2017 10:00-17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
Die Autorenlesung- Methoden für den Erfolg im Literaturbetrieb
mit Moritz Malsch und Tina Kemnitz

Lesungen – für die einen sind sie die ungeliebte Pflicht eines Profis der Selbst- und Buchvermarktung. Für diejenigen, die das Potential sehen und schätzen sind sie aber ein willkommener und wichtiger Bestandteil des Jobprofils. Daran vorbei kommt man als erfolgssuchender Autor allerdings sowieso nicht. Wenn Sie sich darauf einlassen – ob Sie nun müssen oder (hoffentlich) wollen - zeigen wir Ihnen, wie man eine Lesung professionell vorbereitet und zum Erfolg werden lässt.

An Tag 1 erfahren Sie, wie Sie im Literaturbetrieb ankommen – von den ersten Schritten in die Literaturszene vor Erscheinen des ersten Buchs bis zur professionellen Selbstvermarktung erfolgreicher Autoren. Welche „handwerklichen“ Fähigkeiten und Methoden sind unerlässlich, damit ich überhaupt zu Lesungen eingeladen werde? Wie kann ich „nachhelfen“, wo gerate ich in eine Sackgasse? Was ist mit dem Bourdieu‘schen Begriff des „Symbolischen Kapitals“ gemeint? Wie kann ich mit selbst ausgerichteten Veranstaltungen und eigenen Veranstaltungsformaten punkten? Wie schaffe ich es, dass diese Aktivitäten mich nicht von anderen Arbeiten abhalten?

An Tag 2 erfahren Sie, wie man eine Lesung konkret gestaltet: Wie moderiert man sich selbst und die Lesestelle an? Wie viel darf verraten werden, was soll erzählt, was vorgelesen werden? Wie erstellt man eine Lese-Strichfassung? Wie funktioniert professionelles Sprechen und Vorlesen? Was kann ich tun, damit meine Lesung spannend ist und die Zuhörer aus Interesse und Begeisterung bleiben. Nicht etwa aus Höflichkeit. Oder gar nicht. Poets welcome!

Anmeldungen bitte bis 07.04.2017 unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.

Moritz Malsch ist Mitbegründer und –betreiber des Literaturhauses Lettrétage. Als Lektor, Übersetzer und Kleinverleger ist er seit rund zwölf Jahren in der Berliner Literaturszene aktiv. Er studierte Germanistik und Musikwissenschaft an der TU Berlin und arbeitete rund zwei Jahre lang in einem kleinen Literaturverlag. Seit Gründung der Lettrétage 2006 sammelt er Erfahrungen in allen Bereichen des literarischen Veranstaltens – von der inhaltlichen Konzeption von Lesungen und Veranstaltungsprojekten übers Fundraising bis hin zum Management eines Literaturhauses.


Tina Kemnitz ist Diplom-Sprechwissenschaftlerin und Literaturvermittlerin. Sie arbeitete viele Jahre als Dozentin für Sprecherziehung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ (HfS) Berlin und ist selbst Vorleserin und Sprecherin. In ihrer Buchempfehlungsshow macht sie bundesweit Kinder und Jugendliche auf Bücher neugierig. Erwähnt sein soll auch die – leider viel zu kurze – Zusammenarbeit mit Harry Rowohlt (CD „Stories von Kurt Vonnegut“).
www.sprechart.de / www.tollesbuch.de

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.



  © Richard Heidinger






Mittwoch,26. April 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm.3,-)
Ibn Rushd Lecture
Vortrag und Diskussion mit Housamedden Darwish

Der syrische Philosoph Housamedden Darwish wird über arabisches politisches Denken, die syrische Revolution und Fragen des Asyls sprechen. In seinem Buch "Kritische Texte zum arabischen politischen Denken, der syrischen Revolution und dem Asyl" (bislang nur in arabischer Sprache erschienen) setzt sich Housamedden Darwish kritisch mit den vorherrschenden Ideen zu den Themen Nationalismus, Demokratie, der syrischen Revolution und der Frage des Asyls auseinander.

Zunächst geht es um das Verhältnis zwischen Nationalismus und Demokratie: wie hängen die beiden zusammen, bedingen sie einander gar? Und wie hängen diese Fragen mit der syrischen Revolution zusammen, was war ihr Hintergrund, ihre frühe Entwicklung und ihre Perspektiven; kann sie als Revolution betrachtet werden, als Bürgerkrieg, Stellvertreterkrieg, oder als was sonst? Was waren die politischen und sozio-ökonomischen Faktoren, die sie hervorriefen, und welche Rolle spielte Bashar Al-Assad bei ihrer Entwicklung? Schließlich wird es um die weitreichenden Folgen der politischen Entwicklung in Syrien gehen, insbesondere in bezug auf die Situation in Deutschland. Hier beleuchtet Darwish die rassistischen und unmoralischen Einstellungen von Flüchtlingen zueinander, nimmt aber auch die Motive der deutschen Empfangsgesellschaft unter die Lupe, bei der er teils eine von der Pflicht, teils eine von der Furcht, aber auch eine von Sympathie und Liebe geleitete Ethik diagnostiziert.

Diese Ibn Rushd Lecture wird in arabischer Sprache vorgetragen, ein ins Englische übersetzter Text liegt aus. Beiträge sind jedoch wie immer in arabisch, deutsch und englisch möglich, und werden von uns nach bestem Vermögen gedolmetscht.
Dr. Housamedden Darwish studierte Philosophie und spezialisierte sich auf Hermeneutik und Methodologie der Sozial- und Humanwissenschaften. Er arbeitete an der Universität von Aleppo und promovierte 2010 an der Universität Bordeaux III. Derzeit ist er Gastwissenschaftler am Orientalischen Seminar der Universität Köln.




Donnerstag, 27. April 2017 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Abecedarisch
Lesung

Lesung der parasitenpresse mit Kathrin Bach (Berlin), Christoph Danne (Köln), René Hamann (Berlin), Pablo Jofré (Berlin/Chile), Adrian Kasnitz (Köln) und Christoph Georg Rohrbach (Greifswald)

© Ginés Olivares
Neue Bücher und Autor*innen stellt die parasitenpresse vor. Neben dem Debüt Schwämme von Kathrin Bach und O. von Christoph Georg Rohrbach, fängt René Hartmann in Wart und Gegenwart die Zeit von den 90er Jahren bis heute ein. Abecedar des Chilenen Pablo Jofré ist ein Album der wichtigsten Dinge. Adrian Kasnitz setzt den Zyklus mit Tages-Gedichten fort und Christoph Danne entführt uns mitunter nach Griechenland.







Sonntag, 30. April 2017 16:00 Uhr (Eintritt frei)
KUNSTANSAGE
Kunst und Peformance


Macht beruht auf Sprache und Gehörtwerden. Doch gerade Machtinhaber oder jene, die nach der Macht streben, verwenden immer mehr eine Sprache, bei der man nur noch weghören möchte. Angesichts dieser aktuellen politischen Tendenzen widmet sich dieser Abend Gegenkonzepten, die sich mit der gegenwärtigen politischen Relevanz von Sprache in künstlerischen Formaten auseinandersetzen. Der Fokus liegt auf der Frage, inwiefern gerade Kunst und Literatur die Grundlage zu aktivem revolutionären Handeln und Denken schaffen können. Organisiert wird der Abend vom jungen Berliner Kunstverein artburst berlin (ehemals Art van Demon), der zum Anlass des Events seine Namensänderung feiern wird. Es ist an der Zeit für eine Kunstansage!