Januar 2008


Samstag, 5. Januar 2008, 19:30 Uhr, 5 Euro

Lesungsreihe der Zeitschrift Belletristik
Verlagshaus J. Frank

Ein Ort, Sechs Termine, 24 AutorInnen: Lesungen gegen den Einheitsbrei. Die Letréttage-Lesungen der Literaturzeitschrift „Belletristik“.
Diesmal lesen Johanna Melzow, Hannes Bajohr, Lutz Steinbrück und Jutta Blume.

Weitere Informationen unter
www.belletristik-berlin.de.



Samstag, 12. Januar 2008, 19:30 Uhr, 5 Euro

Kommunales Sortiment. Ein Gruppengedicht
Nora Bossong, Tom Bresemann, Greta Granderath, Angela Sanmann, Philip Maroldt und Björn Schäfer.
Eine Lesung der S³ LiteraturWerke.


Renshi, Version 2.0: Angeregt von einem Projekt des poesiefestival berlin 2006 antworten sich sechs junge Berliner Autoren mitten ins Gedicht. Aus verschiedenen Teilen der Welt kamen ihre Kettenglieder über’s Jahr 2007 zusammen: Stille Post – glocalized. Uraufgeführt anlässlich des internationalen poesiefestivals berlin 2007, jetzt unplugged in der Lettrétage.



Mittwoch, 16. Januar 2008, 19:30 Uhr, 7 Euro

Mon coeur ouvre les bras/Mein Herz öffnet die Arme
Re-Chercher Jacques Brel

scorbüt
Caroline du Bled: Stimme, Performance, Gesang
Heiko Michels: Stimme, Performance, Gitarre
Frank Scheewe: Stimme, Performance, Cajon

Jacques Brel, eine der extremsten Gestalten des französischen Chansons, war ein Großmeister des Pathos. Was passiert, wenn man diesen Liedern ihre Musik entzieht? Wenn man sie nackt als Texte vor sich legt? Wenn man dann beobachten kann, wie sie langsam wieder in den spitzen Mund, die vibrierende Geste, die Musik fließen?
Scorbüt experimentieren mit ihren „Chansonperformances“ seit Jahren auf Bühnen in Paris und Berlin. Mit ihrer literarischen und musikalischen Brel- Recherche widmen sie sich erstmals ausschließlich dem exzessiven Chansonnier.
Zu erleben sind nicht nur Songs und Songtexte, sondern auch Lyrik, Kurzgeschichten und Theaterstückfragmente. Zu erleben ist eine zweisprachige Pathos-Recherche mit Sprache, Theater und Musik.



Mittwoch, 23. Januar, 19.30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Tochter der Schlaflosigkeit
Elisabeth Sutterlüty liest Tagebuchnotizen und Gedichte von Alejandra Pizarnik
Anschließend: Gespräch mit Jan Wagner
In der Reihe Lateinamerikanische Literatur

„Was passiert mit einer jungen argentinischen Dichterin in den Jahren von 1950 bis 1960, die unbedingt Rimbaud sein möchte? Sie wird zwangsläufig ein exzessives, schmerzliches Leben führen. Und sie wird trotz ihres großen Talents (...) nicht nur am ausbleibenden Erfolg scheitern, sondern ihr Leben opfern.“ (Der Freitag) Alejandra Pizarnik, 1936 in Buenos Aires als Tochter russisch-jüdischer Emigranten geboren, schuf ein intensives lyrisches Werk aus spannungsgeladenen Klängen und Bildern, dabei wollte sie immer einen großen Roman schreiben, eine narrative Behausung als Stätte der Zuflucht. Schreiben war ihre Überlebensstrategie. So wurde das Tagebuch zum Spiegel ihres täglichen Kampfes zwischen Exzess und Disziplin, aber vor allem zu ihrem ersten Arbeitsmittel: Hier notiert sie ihre Bewunderung für Dostojewski, ihre Seelenverwandtschaft zu Artaud, ihre Faszination für die magischen Momente der Filme Bergmans, die „erotische Tristesse“ ihrer Liebesaffären und ihren Zorn auf die Konventionen des literarischen Lebens in Buenos Aires und Paris.
In der Reihe Lateinamerikanische Literatur – Lesung & Gespräch trägt die Schauspielerin Elisabeth Sutterlüty ausgewählte Tagebuchnotizen und Gedichte von Alejandra Pizarnik vor. Im Anschluss folgt ein Gespräch mit dem Autor und Literaturkritiker Jan Wagner, der Pizarniks Texte für die Frankfurter Rundschau rezensiert hat.

Ich habe das Meer gesehen, ein Meer, das nicht müde wird, es selbst zu sein, ein Meer, das es nie über wird, immer zu sich selbst zurückzukehren.

(Tagebuchnotiz vom 21. März 1958)

Elisabeth Sutterlüty, geboren und aufgewachsen in Wien, Schauspielausbildung am Franz-Schubert-Konservatorium, Engagements am Volkstheater Wien, Oper Strasbourg, Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, Schauspiel Erfurt, Ensemblemitglied Shakespeare Company Berlin seit 2005 (Hamlet: Ophelia), Auftritt mit dem Soloprogramm „Hotelgeschichten“ in der Lettrètage im Frühjahr 2007.



Donnerstag, 24. Januar, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Schneider+ - Drei kurze Beiträge zum Thema Endzeit
Ein Kabarettabend von und mit Nikolaus Schneider

Das heutige Thema bei Schneider+ könnte brisanter kaum sein, geht es doch um die Endzeit, in der wir alle leben und der wir uns daher, ob wir wollen oder nicht, auch alle stellen müssen. Entscheidend dabei ist die diffizile Beantwortung der Frage, wie man sich optimal auf dieses Ende vorbereitet oder zumindest wie man am besten damit umgeht. Die drei Gastredner Schneiders haben auf ihre je eigene Weise Antworten auf diese Frage gegeben:

Der Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Beat Maria Brandenberger kann der Endzeit am Beispiel von Arnold Böcklins Bild Die Toteninsel durchaus auch positive Seiten abgewinnen. Er schildert die Vorzüge seines ästhetischen Ansatzes, für den kulinarische Genüsse und künstlerisch anspruchsvolle Folterszenen kein Widerspruch sind.

Die Lebensleistung Hanns Henny Heidenreichs, des Nestors der geisteswissenschaftlichen Rationalisierungs- und Abkürzungswissenschaften, besteht im beherzten Kampf gegen unnötige neue Publikationen. Mit seinen elaborierten Computerprogrammen zur Vermeidung überflüssiger Romane, Gedichte und Bekenntnisbände hat Heidenreich sich zwar nicht nur Freunde gemacht, aber vielen von uns viel Lebenszeit geschenkt.

Der europäische Unternehmer des Jahres, der Österreicher Franticek Prokop schließlich hat das Bestattungswesen nicht zuletzt durch eine erhebliche Erweiterung der Produktpalette um funerale Parfüms, Mode, Möbel und Immobilien revolutioniert. Bei Schneider+ plaudert Prokop aus seinem Leben und hält neben diesem und jenem Bonmot auch manche Anregungen für unerschrockene Jungunternehmer bereit.



Mittwoch, 30. Januar 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Guy de Maupassant: Stark wie der Tod
Schauspielerlesung von und mit Denis Abrahams

Selten ist eine glückliche Liebe in der französischen Literatur des Fin de Siècle so zart beschrieben worden wie in Guy de Maupassants (1850-1893) Stark wie der Tod. Das Altersschicksal eines begehrten Portraitmalers der Pariser Oberschicht liest sich als psychologische Studie ebenso ergreifend wie als Meditation über die Vergänglichkeit von Jugend, Schönheit und Sinnlichkeit.
Olivier Bertin findet in der Verbindung mit der bildschönen Madame de Guilleroy jenen animierenden Eros, den er für sein kreatives Schaffen benötigt, jene Geborgenheit, nach der er sich als alternder Junggeselle mehr und mehr sehnt, und er findet darin die wohltuende Anerkennung seines künstlerischen Ranges.
Da soll eines Tages die Tochter seiner Freundin in die Gesellschaft eingeführt werden. Annette ist so bezaubernd schön, wie ihre Muter es einst war. Weit mehr noch aber gleicht sie dem Bild, das er einst von ihrer Mutter gemalt hat. Dieses Déjà-vu sinnlichen Begehrens führt dem Maler seine eigene Vergänglichkeit vor Augen. Den quälenden Schmerz endlicher Liebe empfindend, scheint für Bertin mit einem Mal alles bedeutungslos zu werden, was er im Leben und in der Kunst erreicht hat.
Fern von Moral und Pathos und psychologisch hoch versiert erzählt Maupassant diese Liebesgeschichte abwechselnd aus der Position des Malers und der der Gräfin. Die Schrecken des Alterns und die ausweglose Sehnsucht nach Dauerhaftigkeit hat wohl nur Oscar Wilde in seinem Roman Das Bildnis des Dorian Gray ähnlich eindringlich beschrieben. 1889 veröffentlicht, erscheinen in Stark wie der Tod die Widersprüche und Abhängigkeiten zwischen Kunst und Leben vollkommen zeitlos. Hervorzuheben ist auch die Genauigkeit der Übersetzung von Caroline Vollmann, die durch ihre unaufdringlich moderne Sprache diese Geschichte und ihre Figuren erscheinen läßt, als seien sie von heute.

Alle Lettrétage-Veranstaltungen sind nicht-öffentliche Abende für Vereinsmitglieder und Freunde.