März 2008


Samstag, 1, März 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Lesungsreihe der Zeitschrift Belletristik
Verlaghaus J. Frank

Ein Ort, Sechs Termine, 24 AutorInnen: Lesungen gegen den Einheitsbrei.

Die Lettrétage-Lesungen der Literaturzeitschrift „Belletristik“.
Diesmal lesen Tom Bresemann, Marion Dick und Sebastian Himstedt.

Weitere Informationen unter www.belletristik-berlin.de


Mittwoch, 12. März 2008, und Samstag, 15. März 2008, jeweils 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

"Die Sünde ist das einzige echte Farbelement..."
Eine szenische Oscar-Wilde-Lesung. Gelesen und gespielt von Denis Abrahams.
Zusammengestellt von Christina Deloglu.

Wilde? Klar – eine Ikone! Dandy und Hohepriester des Ästhetizismus, Zuchthäusler und Märtyrer, Vater und Geliebter – Denis Abrahams zeigt viele Facetten Wildes: einen, der in seinen Erzählungen zynisch und doch augenzwinkernd die Gesellschaft seiner Zeit beschreibt, der in seinen Märchen und Briefen mit nahezu kindlicher Offenherzigkeit träumt, liebt und leidet bis zum bitteren Ende. Historische Dokumente sowie sein im Zuchthaus verfasster Brief de profundis an seinen Geliebten Lord Alfred Douglas lassen die ethische und künstlerische Leistung des von der Gesellschaft erst umjubelten, dann wegen seiner Homosexualität verurteilten und geächteten Schriftstellers nur erahnen. De profundis – ein Liebesbrief und eine Bilanz, ein Versuch, sich inmitten der Trümmer seiner Existenz das Bewusstsein seiner künstlerischen Würde und die für ihn damit verbundene geistige Selbsterhaltung zu bewahren.

Denn Du befandest Dich in jenem Alter, in dem alles, was man tut, nicht mehr ist als das Auswerfen der Saat, und ich befand mich in jenem Alter, in dem alles, was man tut, nichts Geringeres ist als das Einbringen der Ernte.

Was bleibt – Kaffee trinken mit Nietzsche in der Hölle?



Dienstag, 18. März 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Fräulein Else von Arthur Schnitzler
Schauspielerlesung mit Kerstin Slawek zusammengestellt von Christina Deloglu.

In der nuancenreichen Erzählung "Fräulein Else" beschränkt Arthur Schnitzler sich – nach "Leutnant Gustl" – zum zweiten Mal auf einen inneren Monolog. Er gibt die Gedanken wieder, die einer aufgewühlten Neunzehnjährigen durch den Kopf gehen, die sich vor einem angeblichen Familienfreund ausziehen soll, um 30 000 Gulden für ihren überschuldeten Vater zu beschaffen. Einerseits fürchtet sie um ihre Selbstachtung, andererseits hält sie es für ihre Pflicht, das Opfer für die Familie zu bringen. Arthur Schnitzler versteht es, sich in die Lage der Unglücklichen zu versetzen und an diesem Beispiel zugleich die Doppelmoral der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts anzuprangern: "Fräulein Else" ist nicht nur ein literarisches, sondern auch ein psychologisches Meisterwerk.

In ihrer Konfliktsituation, in welcher Else in ständiger Gedankenvariation ihren Handlungsspielraum auszuloten versucht, zeigen sich immer wieder auch weitere Aspekte Elses Begehrens: Todessehnsucht und exhibitionistische Wünsche, Liebesbedürftigkeit und kaum eingestandenes Emanzipationsstreben. In Elses lustvoller Imagination öffentlicher Exhibition und gleichzeitiger schamhafter Abwehr einer erzwungenen Entblößung vor Dorsday ist der immer wieder deutlich werdende Zusammenhang zwischen männlicher Dominanz über das Weibliche und einem sich dagegen wehrenden weiblichen Emanzipationsstreben zu erkennen. Doch letztlich wird für Else klar, dass sie sich nicht alleine auf das Zimmer Dorsdays wird begeben können, dass sie zu dieser Erniedrigung nicht in der Lage sein würde. So verbindet sich in ihrer überraschenden Entscheidung die exhibitionistische Sehnsucht mit dem von Dorsday ausgeübten Entblößungs-Zwang das eine weitere Entscheidung unwiderruflich mit sich bringt.....



Mittwoch, 19. März 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Leutnant Gustl von Arthur Schnitzler
Schauspielerlesung von und mit Denis Abrahams

Wien um 1900. Leutnant Gusl, ein junger Offizier in k.u.k.-Uniform, wird beim Verlassen eines Konzerts von einem Bäckermeister angeblich beleidigt. Da ein Bäcker nicht satisfaktionsfähig für einen Offizier ist, sieht sich Gustl vor die Notwendigkeit gestellt, Selbstmord zu begehen, um seine Ehre wiederherzustellen. Seine Verzweiflung treibt ihn durch halb Wien bis in den Prater, wo er auf einer Bank die Nacht verbringt. Ab er am Morgen in seinem Stammkaffeehaus zufällig erfährt, daß der Bäckermeister in der Nacht an einem Schlaganfall gestorben ist, sieht er keinen Grund mehr, sich umzubringen. Mit Leutnant Gustl führte Arthur Schnitzler die literarische Technik des inneren Monologs in die deutsche Literatur ein. Schnitter schildert die Geschichte konsequent aus der Innenperspektive des I^eutnant Gustl. Die äußere Wirklichkeit spiegelt sich nur im Bewußtsein des Helden wider. Tief taucht Schnitzler in die durch und durch domestizierte Psyche der Hauptfigur ein. Gustls Assoziationsketten springen zwischen Erinnerungsfetzen, Vorurteilen und eingedrillten Redensarten umher. Dementsprechend folgenlos bleibt Gustls „existentielle Krise". Nach dem Tod des Bäckermeisters nimmt er sein Alltagsleben wieder auf, als wäre nichts geschehen.

Arthur Schnitzler wurde am 15.05.1862 als Sohn eines Arztes in Wien geboren und studierte selbst Medizin. Er arbeitete zunächst als Assistenzarzt, gab jedoch nach ersten literarischen Erfolgen den ungeliebten Beruf auf und lebte fortan als freier Schriftsteller. Er konzentrierte sich auf die Darstellung der Wiener Gesellschaft des Wiener Fin de Siècle und der Schilderung des Zerfalls des k.u.k.-Reiches. Jjatnanl Gustl entstand 1900, ein Jahr nach Schnitzlers Lektüre von Freuds Buch über die Traumdeutung. Angehörige der k.u.k.-Armee fühlen sich durch Schnitzlers Erzählung verunglimpft, wodurch dem Autor sein Reserveoffiziersrang aberkannt wurde. Arthur Schnitzler starb am 21.10.1931 in Wien.



Donnerstag, 20. März 2008, 19:30 Uhr
EINTRITT FREI

Hier keine Kunst. Roman von Marc Degens.
Autorenlesung von und mit Marc Degens.

Ein zweiunddreißig Jahre alter Taugenichts, der von seiner Großmutter "Jürgen" genannt wird, verläßt sein Elternhaus und zieht nach Berlin, um einen Roman zu schreiben. Doch der Plan scheitert. Bereits nach drei Tagen kehrt der Möchtegern-Schriftsteller zurück zu seinen Eltern in die münsterländische Provinz. Hier ent- und verwirft er reihenweise neue Buchprojekte, schreibt einen Artikel für die Lokalzeitung, gibt seine erste Lesung in einer Videothek ... Er läßt sich von Mutter bekochen, schaut mit Vater fern und schlägt die restliche Zeit in Kneipen und Spielhallen tot. Doch die Tage der Behaglichkeit enden, als die Eltern erfahren, daß ihr Sohn gar nicht studiert. Und sie Großeltern werden

»Wirre Handlung, großartige Stilsicherheit!« Das könnte der Klappentext dieses schrillen Schelmenromans sein. Ein Werk über die Spätpubertät, von der Berliner zurück zur Bonner Republik. »Was Eckhard Henscheid für die Neue Innerlichkeit war, ist Marc Degens für die Popliteratur.« Das hat noch keiner geschrieben. Warum eigentlich nicht? Hier keine Kunst ist ein burleskes, im besten Sinne leicht zu lesendes Buch mit einem ganz eigenen Komikstil. Hier keine Kunst ist ein literarischer Spaß, eine schräge, zeitgenössische Geschichte vom Ernst des Erwachsenwerdens und eine Karikatur des Künstlers als junger Mann.

Marc Degens, geboren 1971 in Essen, studierte in Bochum Germanistik und Soziologie. Herausgeber des Online-Feuilletons satt.org und der Heftreihe "Schöner Lesen", die seit 2004 vielerorts in Süßwarenautomaten vertrieben wird. Erfinder und Moderator des Bühnenfeuilletons "Die Begeisterungs-Show". Lebt seit 2007 in Eriwan, Armenien

www.hier-keine-kunst.de



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