Juni 2008


Mittwoch, 4. Juni 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro, inklusive Textheft und CD

Dichtung und Belichtung
Autorenlesung mt Musik
Fabian Faltin und Johann Reißer

Zwei Frauen suchen Pilze, ein Mann sucht Information. Die Städte Berlin und Wien, gebrochen im Widerschein von Pailletten und Neonreklamen. Großstadt- und Landmenschen, gefangen in prophylaktischem Glauben, verirrt in rhizomatischen Vernetzungen des Scheins. Fabian Faltin und Johann Reißer laden ein, mit Lyrik- und Prosaobjektiven durch mehrfach belichtete Seinsnotunterkünfte zu zoomen, sich anhand heterotoper Kristallisationen von Diskursen und Oberflächeneffekten zu verorten und in Verflechtungen von Sprache und Musik zu verfangen.

Johann Reißer, geboren 1979 in Regensburg, lebt in Berlin. Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Regensburg und der Humboldt-Universität Berlin. Leitung des transdisziplinären Projektes „Rhizom machen“ (www.rhizom-machen.de) an der Humboldt-Universität. Veröffentlichungen von Gedichten in verschiedenen Zeitschriften, Veröffentlichung von Kurzprosa im Berliner SuKuLTuR-Verlag.

Fabian Faltin, geboren 1980 in Wien, Studium der Ökonomie, Philosophie und Sozialpolitik in London und Paris. Lebt als Autor und Musiker in Berlin und Wien. Veröffentlicht u.a. in den Zeitschriften Dum, Monu und Perfect Day. Zahlreiche Auftritte und Österreich-Tour mit der Konzeptband Pop Metzger. 2008 Auszeichnung vom Royal Institute of British Architects für seine Texte über Kunsträume der Zukunft.



Samstag, 14. Juni 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Speaking Spoken Words Again
Autorenlesung von Nikola Richter und Monika Rinck

Wie schützt man sich vor Wiederholungen - oder ist das gar nicht wünschenswert? Hilft das Einspeichern falscher Erinnerungen? Folgt nicht sogleich ein déjà-vue wie ein Nackenschlag? Droht Selbstimitat? Der Popanz Originalität? Die Rassel Serialität? Ist KD im Recht, wenn sie empfiehlt: Wenn sonst nichts klappt - Wiederholung wiederholen? Einstweilen gilt es, gesprochene Worte nochmals zu sprechen. Oder, wie es Thomas Immler, Schädlingsexperte an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Weihenstephan, formuliert: "Der Spinner mag es gerne warm und trocken. Den kriegen wir nicht mehr los."

Nikola Richter, geboren 1976 in Bremen, studierte Germanistik, Anglistik und Komparatistik in Tübingen, Norwich und Berlin. Danach Stipendien-, Praktika- und Jobmarathon. Konzeption und Leitung des Online-Literaturmagazins www.schriftstelle.de. Gründerin der Berliner Lesebühne visch & ferse. Arbeitet jetzt für die Zeitschrift für Kulturaustausch. Richter veröffentlichte Erzählungen und Lyrik, arbeitet als Theaterautorin und lebt in Berlin.

Monika Rinck, geboren 1969 in Zweibrücken, Studium der Religionswissenschaft, Geschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Bochum, Berlin und Yale. Lebt als Autorin in Berlin. Von ihr erschienen u.a. der Essay Ah, das Love-Ding (kookbooks, 2006) und der Gedichtband Verzückte Distanzen. Veröffentlichte außerdem Essays, Prosa und Gedichte in Zeitschriften und Anthologien.



Freitag, 20. Juni 2008, 19:00 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Worum es sich dreht
Sternentexte von Aristoteles, Kopernikus, Galileo Galilei, Luther und anderen, gelesen von Denis Abrahams

Im Rahmen der Ausstellung Sternenbilder // Mathematische Gesichter des Universums

Aus gegebenem Anlass und kurz vor der Sommersonnenwende richten wir einen nicht minder poetischen und philosophischen wie wissenschaftlichen Blick in den Himmel. Anhand von Schlüsseltexten bewegt sich Denis Abrahams auf der elliptischen Kreisbahn der jahrtausendelangen Diskussion ums "richtige" Modell des Kosmos - und streift dabei all ihre theologischen und philosophischen Implikationen.

Denis Abrahams, aufgewachsen in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums erhielt er erste Rollen an den Staatstheatern in Mainz und Wiesbaden, wo er auch sein erstes Festengagement hatte. Er nahm an einem Projekt des italienischen Regisseurs Cesare Lievi in Brescia teil und gastierte am Theater „Die Rampe“ in Stuttgart. 2001 übernahm er eine Rolle in Christof Nels „Madame Butterfly“ an der Oper Frankfurt. Von 2002 bis 2005 war Denis Abrahams festes Ensemblemitglied am Theater der Stadt Koblenz. Dort rief er u.a. die Lesereihe Spätlese ins Leben. Seit 2005 lebt Denis Abrahams als freier Schauspieler und Rezitator in Berlin.



Samstag, 21. Juni 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Dostojewski: Weiße Nächte
Eine Liebesgeschichte, gelesen von Denis Abrahams


Jeden Sommer, zur Zeit der „weißen Nächte“, wird es nicht dunkel in Sankt Petersburg. In einer dieser Nächte begegnen sich zwei einsame junge Menschen. Er ein menschenscheuer Träumer, sie ein junges Mädchen, das verzweifelt versucht sich ein eigenes Leben aufzubauen. Sie beschließen, sich in der nächsten Nacht wieder zu treffen und sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen. Doch das Mädchen stellt eine Bedingung: der junge Mann darf sich auf gar keinen Fall in sie verlieben...
Dostojewskis „empfindsamer Roman“ nimmt den Leser (oder den Zuhörer) mit auf eine Berg- und Talfahrt der Gefühle und Hoffnungen, um am Ende alle Sehnsüchte seiner Hauptfiguren ironisch zu entlarven.

Denis Abrahams, aufgewachsen in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums erhielt er erste Rollen an den Staatstheatern in Mainz und Wiesbaden, wo er auch sein erstes Festengagement hatte. Er nahm an einem Projekt des italienischen Regisseurs Cesare Lievi in Brescia teil und gastierte am Theater „Die Rampe“ in Stuttgart. 2001 übernahm er eine Rolle in Christof Nels „Madame Butterfly“ an der Oper Frankfurt. Von 2002 bis 2005 war Denis Abrahams festes Ensemblemitglied am Theater der Stadt Koblenz. Dort rief er u.a. die Lesereihe Spätlese ins Leben. Seit 2005 lebt Denis Abrahams als freier Schauspieler und Rezitator in Berlin.



Freitag, 27. Juni 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Tochter der Schlaflosigkeit
Elisabeth Sutterlüty liest Tagebuchnotizen und Gedichte von Alejandra Pizarnik

„Was passiert mit einer jungen argentinischen Dichterin in den Jahren von 1950 bis 1960, die unbedingt Rimbaud sein möchte? Sie wird zwangsläufig ein exzessives, schmerzliches Leben führen. Und sie wird trotz ihres großen Talents (...) nicht nur am ausbleibenden Erfolg scheitern, sondern ihr Leben opfern.“ (Der Freitag)
Alejandra Pizarnik, 1936 in Buenos Aires als Tochter russisch-jüdischer Emigranten geboren, schuf ein intensives lyrisches Werk aus spannungsgeladenen Klängen und Bildern, dabei wollte sie immer einen großen Roman schreiben, eine narrative Behausung als Stätte der Zuflucht. Schreiben war ihre Überlebensstrategie. So wurde das Tagebuch zum Spiegel ihres täglichen Kampfes zwischen Exzess und Disziplin, aber vor allem zu ihrem ersten Arbeitsmittel: Hier notiert sie ihre Bewunderung für Dostojewski, ihre Seelenverwandtschaft zu Artaud, ihre Faszination für die magischen Momente der Filme Bergmans, die „erotische Tristesse“ ihrer Liebesaffären und ihren Zorn auf die Konventionen des literarischen Lebens in Buenos Aires und Paris.

Ich habe das Meer gesehen, ein Meer, das nicht müde wird, es selbst zu sein, ein Meer, das es nie über wird, immer zu sich selbst zurückzukehren.
(Tagebuchnotiz vom 21. März 1958)

Elisabeth Sutterlüty, geboren und aufgewachsen in Wien, Schauspielausbildung am Franz-Schubert-Konservatorium, Engagements am Volkstheater Wien, Oper Strasbourg, Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, Schauspiel Erfurt, Ensemblemitglied Shakespeare Company Berlin seit 2005 (Hamlet: Ophelia), Auftritt mit dem Soloprogramm „Hotelgeschichten“ in der Lettrètage im Frühjahr 2007.

Elisabeth Sutterlüty liest aus: In einem Anfang war die Liebe Gewalt. Tagebücher. Herausgegeben von Ana Becciu, übersetzt von Klaus Laabs. Zürich: Ammann, 2007. ISBN 3-250-10-484-1 Mit freundlicher Genehmigung des Ammann Verlags.



Samstag, 28. Juni 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Die lasterhaften Lieder des Francois Villon

Francois Villon, einer der genialsten Dichter des späten Mittelalters, war ein vagabundierender Rebell, ein tolldreister Abenteurer und der erste "Poète maudit" der Literaturgeschichte.
Der Lyriker und Übersetzer (u.a. von Baudelaire, Mallarmé und Valéry) Matthias Müller-Lentrodt trägt die unsterblichen Balladen und derben Spottverse Villons (in den meisterhaften Übersetzungen von P. Zech und K.L. Ammer) mit der gleichgesinnten Leidenschaft des Poeten vor.

"Ich bin Franzose, was mich bitter kränkt,
geboren in Paris, das bei Pontoise liegt,
an einen klafterlangen Strick gehenkt
und spür am hals, wie schwer mein Hintern wiegt."


Vierzeiler, den Villon schrieb, als er zum Tod verurteilt wurde