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September 2008


Samstag, 6. September 2008, 20:00 Uhr, 5 Euro

In Echt
Eine Lesung des Forum der 13 mit Crauss, Markus Hallinger, Herbert Hindringer, Synke Köhler, Thorsten Krämer, Lothar Quinkenstein und Marcus Roloff

Mittlerweile gehört Literatur im Netz zum Leben wie Strom aus der Dose. Das 1999 gegründete Online-Literaturprojekt „Forum der 13“ ist eines der bekanntesten deutschsprachigen Internetportale für literarische Texte. In kontinuierlichem Wechsel loten die TeilnehmerInnen die Möglichkeiten von Literatur immer wieder neu aus, arbeiten an dieser unabschließbaren Netz-Anthologie: Die Plattform als Freiraum zu verstehen, der die Grenzen von Text – ‚gattungsapodiktik war mir schon immer suspekt‘ (Sabine Scho) – ausdünnt und neu vermisst. Gepostet werden Lyrik und Kurzprosa sowie experimentelle Texte und neuartige Text-Bild-Collagen. Direkte und spontane Reaktionen aufeinander spinnen ein Labyrinth des Schreibens. Heute Abend lesen und kommentieren die Forums-Autoren Crauss, Markus Hallinger, Herbert Hindringer, Synke Köhler, Thorsten Krämer, Lothar Quinkenstein und Marcus Roloff live und in Farbe.



PREMIERE Freitag, 12. September 2008, 20:00 Uhr, 8/6 Euro
Weitere Vostellungen am Samstag, 13. und Sonntag, 14. September, jeweils um 20:00 Uhr

Fräulein Else
Mit Natascha Jeutter, Regie: Johannes Arnold
Eine Produktion des Theater 11. August


Fräulein Else, ein Mädchen aus gutem Hause, wird von ihren Eltern zur Prostitution aufgerufen. Einerseits erwägt sie die Möglichkeit sich zu verweigern. Andererseits traut sie sich die Konsequenz der Entscheidung nicht zu: der Verantwortung gegenüber ihrem Vater zu entsagen und sich von einer Familie loszulösen, mit der sie sich längst nicht mehr identifiziert. In der Fremde, dem Kurhotel, in dem sie auf Kosten ihrer Tante logiert, hat sie dabei weder sozialen noch beruflichen Halt: Was bleibt, ist ihre Gedankenwelt, in der sie sich immer neu erfinden kann. Ganz auf sich gestellt muss Else eine Entscheidung treffen.

Wie in einem Kaleidoskop zeigen sich in Schnitzlers berühmtem Inneren Monolog immer wieder ganz unterschiedliche Facetten von Elses Innenleben. Todessehnsucht, exhibitionistische Wünsche, Liebesbedürftigkeit und Emanzipationsstreben reihen sich ungefiltert, in einer assoziativen Spontaneität zu einem fließenden Strom unterschiedlichster Bewusstseins- und Gefühlszustände.



Samstag, 20. September 2008, 20:00 Uhr, 5 Euro

Schreibende Wildschweine vs. seiernde Jungliteraten
Saisoneröffnung der S³ LiteraturWerke mit Tom Bresemann, Philip Maroldt, Björn Schäfer und anderen

Tom Bresemann, Philip Maroldt, Björn Schäfer, Christian Röse, u.a. stellen sich den letzten Fragen und ersten Antworten. Es gibt auch in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 viel zu entdecken.
Tom Bresemann Gedichtband Makellos geht in die zweite, erweiterte Auflage, Christian Röse wird exklusiv aus seinem aktuellen Romanprojekt lesen, Philip Maroldt hat seit Neuestem immer das Heilige Buch dabei und so weiter und so fort...

Wenn das Wort Lesung erschallt, geht der Grossteil der Menschen in Deckung und gähnt heimlich in die Manteltasche.[...] Die S³ LiteraturWerke zeigen aber, wie man das Publikum bei der Stange hält.
030-Magazin für Berlin

www.s3-berlin.de
www.myspace.com/s3literaturwerke



Freitag, 26. September, 20.00 Uhr, 5 Euro

Don Paterson
Lesung im Rahmen des internationalen Literaturfestivals Berlin
Moderation: Martin Jankowski
Sprecherin: Michaela Steiger

Don Paterson wurde 1963 im schottischen Dundee geboren. Der passionierte Gitarrist brach mit 16 Jahren seine Schulausbildung ab, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und ging 1984 nach London, um als Musiker zu arbeiten. Dort begann er sich mit Lyrik zu beschäftigen und schrieb erste Gedichte. Sein mehrfach ausgezeichnetes Debüt Nil Nil (Ü: Null-Null; dt. in Kerzenvogel, 2006) erschien 1993, als er sich bereits mit dem Jazz-Folk-Ensemble »Lammas« etabliert hatte. Seit 1995 ist er Lyrik-Redakteur für einen großen englischen Verlag in London und unterrichtet an der schottischen University of St Andrews.

Alltagsmotive wie ein Billardspiel in einem Pub oder eine Bahnhofsansage können ebenso zum Ausgangspunkt der lyrischen Verwandlung werden wie fremdsprachige Gedichte. So finden sich Adaptionen von Kavafis und Rilke in Patersons letztem Gedichtband Landing Light (2003; dt. Weiß wie der Mond, 2006). Mit The Eyes (1999; Ü: Die Augen) und Orpheus (2006) veröffentlichte Paterson auch zwei Einzelbände mit Übertragungen von Machado und Rilke. Neben der Herausgabe von Gedichtanthologien schrieb Paterson Hörspiele, Theaterstücke und zwei Bücher mit Aphorismen, zuletzt »The Blind Eye« (2007; Ü: Das blinde Auge). Zu den zahlreichen Auszeichnungen des Dichters zählen der Whitbread Poetry Award, der Geoffrey Faber Memorial Prize und der T.S. Eliot Prize, den Paterson zwei Mal erhielt. Er lebt in St Andrews in der Grafschaft Fife.

Die deutschen Übertragungen liest Michaela Steiger.

www.literaturfestival.com



Samstag, 27. September, 19:30 Uhr
/a> Unkostenbeitrag 5 Euro

Giwi Margwelaschwili: Officer Pembry u.a.
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Verbrecher Verlag

Officer Pembry ist überrumpelt - in einem rund einhundert Jahre alten Thriller namens Das Schweigen der Lämmer soll seine Zukunft eingeschrieben sein. Er soll einem intelligenten Kannibalen namens Hannibal Lecter zum Opfer fallen, wenn dieser aus dem Gefängnis ausbricht. So jedenfalls behauptet es der Beamte Meinleser von der Prospektiven Kriminalpolizei, der alles andere als verrückt zu sein scheint. Pembry muss also, um seinem Schicksal entgehen zu können, zur Lektüre greifen, und das Buch gegen den Strich lesen, um seine Haut zu retten.

Giwi Margwelaschwili wurde 1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren. Seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war. Sein Vater lehrte Philosophie und Orientalistik. 1946 wurde er zusammen mit seinem Sohn vom sowjetischen Geheimdienst NKWD entführt. Der Vater wurde ermordet, Giwi Margwelaschwili in Sachsenhausen interniert, anschließend nach Georgien verschleppt. Dort lehrte er Deutsch. Erst 1987 konnte er nach Deutschland ausreisen. Ihn begleitete eine Unzahl von in der Emigration auf Deutsch geschriebenen Romanen und Erzählungen. 1994 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und ein Ehrenstipendium des Bundespräsidenten. 1995 erhielt er den Brandenburgischen Literatur-Ehrenpreis für sein Gesamtwerk, 2006 die Goethe-Medaille. Er ist Mitglied des P.E.N. und lebt in Berlin.
Werke u.a.: Muzal - ein georgischer Roman, Das böse Kapitel, Kapitän Wakusch, Der ungeworfene Handschuh und Zuschauerräume.



Montag, 29. September 2008, 19:00 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro

Troia ist tiefer
Ein poetischer 3D-Virenscan nach § 923 mit 3 Pferden
Multimediale Textinszenierung von und mit „falschtechst-schlachtfest“ (Dirk Baumeister, Frank Ruf, Christian Schloyer, Richard Götting)

Was ist Troia? 1. Die korrumpierte Alltagssprache vielleicht und in der Mitte Super-Sträuble-Priamos. 2. Er wirft uns das Ding vor die Fyße. 3. Wir erkennen das Prinzip (wir arbeiten im Zoom). Wir schlucken den Bundestroia-Köder und bauen 4. nach Muster 923 unsere 3 Pferde. (Unsere Flagge: Schwarz-Rot-Rot-Rehgryn. Der Substanzschutz ist schwarz. Das Spiel ist rot-rot. Die Zweckentfremdung rehgryn.) 5. Spielt Hyper-S. Schach? Spielen wir mit Tarnung oder Anpassung? Wer ist am Zug? Wir erkennen das Prinzip Falle. Zuviel Farbe und wir sind im Eimer – zu wenig und wir kommen nicht rein. Lösung: Osmanische Troione (kurz S-Osmose) – Yberdosis Pferd im troianischen Vorhof. Bei geringer Konzentration verlässt S dann T, woraus folgt: Sieg! (Troia ist schiefer.)

Profil
falschtechst-schlachtfest, das sind die Lyriker Dirk Baumeister, Frank Ruf und Christian Schloyer sowie der 3D-Kunstfotograf Richard Götting. Ihre ersten gemeinsamen Auftritte hatten die vier Künstler in der Erlanger Autorengruppe Wortwerk. Dann gingen sie für ein paar Jahre getrennte Wege, um sich im Dezember 2007 erstmals als eigenständige Künstlergruppe zu formieren. Ihr erstes Projekt Troia ist tiefer, eine multimediale Textinszenierung in 3D, stellen sie auf dem diesjährigen Erlanger Poetenfest vor.

Dirk Baumeister
Der 1973 in Offenbach am Main geborene Lyrik-Preisträger der Nürnberger Kulturläden ist in seinem „bürgerlichen“ Leben Informatiker. Das ehemalige Wortwerk-Mitglied war einer der Mitbegründer der Erlanger Autorengruppe. Veröffentlichungen (Auswahl): Opa is jetzt tot, in: Über das Leben, die Uni und den ganzen Rest, Unicum Edition, Bochum 1994; Romeo & Julia in St:cken, zusammen mit Carsten Wilhelm, Bodoni, Berlin 2000; Beiträge in den Wortwerk-Anthologien, Fürth 2001 und 2002.

Frank Ruf
Geboren 1977 in Schwabach, Studium in Erlangen, ebenfalls Mitbegründer der Gruppe Wortwerk und deren Mitglied seit 2000. Er war Radiopraktikant u.a. in Sydney (2004) und Gast-Dozent am Germanistisch-Romanistischen Institut der University of Delhi (2006/07). Literarische Veröffentlichungen in den Wortwerk-Anthologien und zuletzt in der Zeitschrift laufschrift Nr. 18 mit Gedichten und einem Dossier über Indien.

Christian Schloyer
Der Überraschungserfolg beim 12. open mike in Berlin (2004) und der Leonce-und-Lena-Preis 2007 machen den 1976 in Erlangen geborenen Lyriker zu einem „Senkrechtstarter“ (BR) in der jüngeren deutschsprachigen Lyrik. Vorläufiger Höhepunkt ist sein „Exerzitium in romantischer Magie“ (FAZ), der Gedichtband spiel ∙ ur ∙ meere, erschienen bei KOOKbooks (Idstein/Berlin 2007). Schloyer ist Initiator der Gruppe Wortwerk sowie Redaktionsmitglied der Zeitschriften laufschrift und BLUMENFRESSER. Außerdem ist er Mitorganisator der TEXTARENA in Nürnberg.

Richard Götting
Als Kind eines Fotografen-Ehepaars ist ihm die Kamera in die Wiege gelegt worden. 1979 beendete er seine Ausbildung und war seitdem in den Bereichen People, Stills, Werbung und Architektur u.a. in Stuttgart, Frankfurt und Berlin tätig – und immer wieder intensiv mit der künstlerischen Fotografie beschäftigt. Inzwischen widmet er sich ganz der der Kunst- und Aktfotografie. Seit den ersten Experimenten in der Stereofotografie 1998 ist er inzwischen zu einem der wenigen 3D-Berufsfotografen in Deutschland geworden.

Manifest
Autonomie in der Kunst heißt eben nicht, von allem losgelöst zu sein und sich in der Bedeutungslosigkeit einzurichten. Autonomie der Kunst bedeutet, eine Position einzunehmen, von der aus die Dinge anders gesagt und genannt und gesehen werden können, was Sprachkritik bedeutet, was Gesellschaftskritik bedeutet – was heißt, Kunst zu leben. Das ist Autonomie der Kunst.



Alle Lettrétage-Veranstaltungen sind nicht-öffentliche Abende für Vereinsmitglieder und Freunde.