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Oktober 2008


Mittwoch, 1. Oktober 2008, 20:00 Uhr, 5 Euro

Junge Lyrik aus Argentinien: Fabian Casas und Washington Cucurto
Im Rahmen der Reihe Lateinamerikanische Literatur und ihre deutschen Vermittler – Lesung & Gespräch (IV)
Es lesen und sprechen Denis Abrahams (Schauspieler), Timo Berger (Übersetzer und Gesprächsgast), Edmundo Bejarano (Filmemacher) und Katharina Deloglu (Konzeption und Moderation).

Die Lettrétage lädt zu einer Humboldtschen Entdeckungsreise in die lebendigen Literaturen Lateinamerikas ein. Dabei gilt es, die Entdeckungen ebenso wie ihre deutschsprachigen Entdecker kennenzulernen und auf ihren Spuren literarisches Neuland zu betreten. Dieses Mal werden zwei argentinische Autoren mit dem lyrischen Teil ihrer Werke vorgestellt: Fabián Casas und Washington Cucurto. Casas, der im vergangenen Jahr mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet wurde, zählt zu den bedeutendsten Autoren der jüngeren argentinischen Literatur. In einfachem, lakonischem Stil erzählen seine Gedichte von Politik und Populärkultur, getragen vom Rhythmus der Straßensprache von Buenos Aires. Cucurto, Stipendiat der Akademie Schloss Solitude, mischt in seiner Lyrik Hochkultur mit Alltagssprache, melodramatische Cumbia mit barocker Sinnlichkeit.
Zur Einführung stellt der Filmemacher Edmundo Bejarano die Autoren mit Ausschnitten aus seinem Dokumentarfilm Los titanes del ring vor (spanisch mit deutschen Untertiteln) und ermöglicht dadurch einen gemeinsamen Start der Lesereise nach Lateinamerika. Nach der Lesung des Schauspielers Denis Abrahams wird Timo Berger, der deutsche Übersetzer, im Gespräch über seine persönliche Auseinandersetzung mit den Gedichten erzählen. Auf seinen Spuren verspricht die Erkundungsreise in die jüngere argentinische Lyrik spannende Entdeckungen.



Freitag, 10. Oktober 2008, 20:00 Uhr, 8/6 Euro
Weitere Vostellung am Samstag, 11. Oktober, 20:00 Uhr

Fräulein Else
Mit Natascha Jeutter, Regie: Johannes Arnold
Eine Produktion des Theater 11. August


Fräulein Else, ein Mädchen aus gutem Hause, wird von ihren Eltern zur Prostitution aufgerufen. Einerseits erwägt sie die Möglichkeit sich zu verweigern. Andererseits traut sie sich die Konsequenz der Entscheidung nicht zu: der Verantwortung gegenüber ihrem Vater zu entsagen und sich von einer Familie loszulösen, mit der sie sich längst nicht mehr identifiziert. In der Fremde, dem Kurhotel, in dem sie auf Kosten ihrer Tante logiert, hat sie dabei weder sozialen noch beruflichen Halt: Was bleibt, ist ihre Gedankenwelt, in der sie sich immer neu erfinden kann. Ganz auf sich gestellt muss Else eine Entscheidung treffen.

Wie in einem Kaleidoskop zeigen sich in Schnitzlers berühmtem Inneren Monolog immer wieder ganz unterschiedliche Facetten von Elses Innenleben. Todessehnsucht, exhibitionistische Wünsche, Liebesbedürftigkeit und Emanzipationsstreben reihen sich ungefiltert, in einer assoziativen Spontaneität zu einem fließenden Strom unterschiedlichster Bewusstseins- und Gefühlszustände.



Mittwoch, 22. Oktober 2008, 19:30 Uhr, 5 Euro

Paul Celan – Erich Einhorn: Du weißt um die Steine
Gastspiel des Ersten Wiener Lesetheaters mit Gästen aus Berlin
Vortragende: Michael Ernst (Wien), Eva Fillipp (Wien), Martin Heesch (Berlin) und Helus Hercygier (Berlin)
Idee, Auswahl und Programmgestaltung: Helga Golinger (Wien)

Bei dem mit einer Unterbrechung von 18 Jahren zwischen Paul Celan und seinem gleichaltrigen Jugendfreund Erich Einhorn geführte Briefwechsel, 1944 aufgenommen und in den Jahren 1962 bis 1967 weitergeführt, handelt es sich in erster Linie um ein Gespräch über Dichtung. Neben dem Briefwechsel zwischen Celan und Einhorn werden daher auch Gedichte von Alexander Blok, Sergej Jessenin, Jewgeni Jewtuschenko, Ossip Mandelstam, Arthur Rimbaud und Paul Valéry vorgetragen. Unter anderem wird Le bateau ivre (Das trunkene Schiff) von Arthur Rimbaud gelesen, allerdings nicht in der im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten Version von Paul Zech, sondern in der deutschen Übertragung von Paul Celan – wie auch die Mehrzahl der übrigen vorgetragenen Gedichte von Paul Celan ins Deutsche übertragen wurde. Abgerundet wird der Lyrikteil der Lesung mit Gedichten von Paul Celan.

1. Wiener Lesetheater



Mittwoch, 29. Oktober 2008, 19:00 Uhr, 5 Euro

Die lyrikedition 2000 präsentiert: Eberhard Häfner
und seinen neuen Gedichtband »In die Büsche schlagen«


Björn Kuhligk:
»Hier ist nun Eberhard Häfners neuer Gedichtband und man kann nur sagen: Hut, Mütze und alles, was man auf dem Kopf tragen könnte � runter damit vor diesen Sprachsedimenten, vor dieser grandiosen Sprachbefühlung und -empfindung.
Es sind schlichtweg Gedichte, die die Hirnwindungen schwingen lassen. Es sind Gedichte, nach deren Lektüre wir uns Eberhard Häfner als einen glücklichen Lyriker vorstellen müssen«

Wem sage ich das

Es myzeln die Pilze schon über die Stränge
im feuchten Satzgewebe der Schenke
schrumpft die Blume im Kaulquappenmund
ein paar Proleten breitbeinig am Tresen
zerstoßen Nelken und Zimt
rasierklingenscharf

lass mich nicht sehen, was ich höre
Schwertlilien kreuzen berauscht die Klingen
im Sehloch der Regenbogenhaut
bei den Proleten am Tresen
die kleine Iris zusammen mit Nelken und Zimt
rasierklingenscharf







Alle Lettrétage-Veranstaltungen sind nicht-öffentliche Abende für Vereinsmitglieder und Freunde.