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Februar 2012


Dienstag, 7. Februar 2012, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Charles Dickens: Das Geheimnis des Edwin Drood

Buchpremiere anlässlich des 200. Geburtstags von Charles Dickens
Es liest Denis Abrahams
In Zusammenarbeit mit dem Manesse Verlag



Der junge aufstrebende Unternehmer Edwin Drood verschwindet in einer stürmischen Weihnachtsnacht plötzlich und spurlos – wurde er ermordet? Ein Verdächtiger führt einen Verdächtigen vor - doch wo ist die Leiche? Charles Dickens verstarb unerwartet und viel zu früh während der Arbeit an dem Roman, der sein letzter werden sollte, und hinterließ seinem Publikum die Ungewissheit über einen nicht aufgelösten Plot, dessen Fortsetzung Leser wie Forscher seit hundertvierzig Jahren zu Spekulationen reizt. Die Anglistin Ulrike Leonhardt hat die Herausforderung angenommen und alle losen Fäden kunstvoll zu einem dichten Gewebe versponnen: Elemente der modernen Detektivgeschichte, des viktorianischen Melodramas, des psychologischen Entwicklungsromans, der Schauergeschichte und der sozialkritischen Satire verbinden sich zu einer spannenden, unterhaltsamen Lektüre für kalte dunkle Abende. Denis Abrahams trägt anlässlich des 200. Geburtstags des großen englischen Autors ausgewählte Kostproben vor.

Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.





Mittwoch, 8. Februar 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Wordpharmacy

Morten Søndergaard präsentiert sein neues poetologisches Experiment


Der dänische Lyriker Søndergaard fällt immer wieder durch seine faszinierenden Sprachexperimente auf. Komplexe Sprachstrukturen greifen in scharfsinnige Beobachtungen über. Søndergaard selbst begreift seine eigenen Texte als Kunstwerke, die mit naturwissenschaftlicher Exaktheit die poetischen Möglichkeiten von Sprache ausloten.
Mit seinem neuen Kunstprojekt Pharmacy of Words wagt er sich wieder an ein außergewöhnliches poetologisches Experiment. Wissenschaft und Sprache werden eindrucksvoll miteinander verknüpft. Søndergaard verpackt allerlei Wortarten wie Präpositionen, Konjunktionen, Pronomina und Artikel für jede Lebenslage in unauffälligen Pillenschachteln. Substantive oder Adjektive gibt es sogar in der vorteilhaften Familienpackung. Ein Beipackzettel hilft bei der richtigen Medikation und gibt Tipps bei der Anwendung. So etwa: "Auf Kinder unter zwei Jahren sind Adjektive nur mit Einverständnis der Eltern anzuwenden." Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder – schauen Sie in der Lettrétage vorbei.

Morten Søndergaard, geboren 1964 in Kopenhagen, schreibt Lyrik und Prosa. Søndergaard arbeitet nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Übersetzer, Herausgeber und Musiker. Søndergaards lyrisches Debüt Sahara i mine hænder (Sahara in meinen Händen) wurde 1992 veröffentlicht. Zahlreiche Werke folgten, die bei den Literaturkritikern auf hohen Zuspruch stießen. Neben einer Reihe von dänischen Auszeichnungen und Stipendien wurde Morten Søndergaard 2003 und 2007 für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert. 2010 brachte er den Gedichtband Processen og det halve kongerige (The Process and Half the Kingdom) heraus. Søndergaards Werke wurden mittlerweile bereits in 7 Sprachen übersetzt.



Samstag, 11. Februar 2012 und 18. Februar 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Strafaufgabe (Literarische Performance des FANG Magazins)

Berliner Schüler lesen Bonner Strafaufsätze. Eine multimediale Performance von Alexander Bartsch und Susann Hochgraef


Wie wird Fehlverhalten heute in der Schule bestraft? Das Schema "Vor die Tür!" hat ausgedient. Die zeitgenössische Schulpädagogik setzt mit dem Verfassen von Strafaufsätzen auf eine perfidere Strategie. Die schriftliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Fehlverhalten führt zu wunderbar naiv-subversiven Texten: Von nervtötenden Schnaken im Erdkunderaum über das zu oft gerollte „R“ im Deutschunterricht bis zum möglichen Rückfall ins Mittelalter und sogar der Verlängerung der gesamten Menschheitsgeschichte – die Fantasie der Kinder kennt keine Grenzen, das eigene Fehlverhalten zu erklären und mögliche Folgen für die Allgemeinheit zu schildern. Die multimediale Performance konfrontiert normative Texte aus der pädagogischen Praxis mit den Strafaufsätzen von Kindern.

Alexander Bartsch, geboren 1984 in Hildesheim, gründete 2010 mit André Patten das FANG Magazin für literarische Experimente. - Prosa, Lyrik, Collagen, Readymades, Experimentelles - Literarische Performances in verschiedenen Städten Deutschlands und Österreichs.

Susann Hochgraef, geboren 1987 in Berlin, studiert Literatur und schreibt sowohl Lyrik als auch Prosa. Seit 2011 veröffentlicht sie regelmäßig literarische Beiträge im FANG Magazin.









Mittwoch, 15. Februar 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Gedichtgespräch: Marlies Schmidl / Boris Schapiro


Gibt es einen treffsicheren Weg, aufeinander zuzureden, als in und mit Gedichten, reizendere Missverständnisse?

Marlies Schmidl, geborene Berlinerin und Autorin zweier Gedichtbände, und Boris Schapiro, gebürtiger Moskauer, u.a. Teilnehmer der letztjährigen Gesprächsreihe „Überlandleitung“, begegnen sich in der Lettrétage und stellen ihre Texte in den Mittelpunkt dieser Begegnung. Sie werden aus ihren Büchern bzw. aus unveröffentlichten Texten lesen, dabei aufeinander reagieren, Motive aufnehmen bzw. weiterspinnen, Schnitte setzen und serendipitische Abzweige erfahren.

"Eine Hälfte des Tags / klopft an der roten Tür / der anderen Hälfte" (B. Schapiro) - Sie sind herzlich eingeladen, dabei zuzuhören, und damit: Einlass zu gewähren.



Mittwoch, 22. Februar 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Neue Übersetzungen amerikanischer Lyrik

Christine Pfammatter, Norbert Lange, Mathias Traxler und Tobias Amslinger stellen neue Übersetzungen von James Laughlin und Charles Bernstein vor


James Laughlin war der Gründer eines der bedeutendsten Verlage für amerikanische Lyrik des 20. Jahrhunderts. In seinem Verlag New Directions publizierte er die frühen Gedichte von Lyrikern wie Dylan Thomas und Marianne Moore. Keineswegs sollte man jedoch über sein eigenes lyrisches Schaffen hinweg sehen. Laughlins literarischer Kosmos umfasst das Leben in all seinen Facetten: ob sexuelle Liebe, persönliche Erinnerungen an Dichterfreunde und geliebte Familienmitglieder, Laughlin beschreibt das Geschehen immer mit reichlich Anmut und Witz. Seine kurzen Verse vermitteln durch ihre Verdichtung eine große Klarheit. Christine Pfammatter ermöglicht mit ihrer Neuübersetzung von Laughlins dichterischem Werk einen frischen Blick auf den oft zu Unrecht unterschätzten Lyriker und Verleger.

James Laughlin (* 1914, † 1997) wuchs in Pittsburgh, Pennsylvania, auf und studierte an der Harvard Universität. 1934 reiste er für einen längeren Aufenthalt nach Paris, wo er berühmte Persönlichkeiten wie Gertrude Stein und Alice B. Toklas kennenlernte. 1936 gründete Laughlin seinen eigenen Verlag New Directions, in dem er schon bald Werke namhafter Autoren wie Elizabeth Bishop, Tennessee Williams, Henry Miller und Vladimir Nabokov publizierte. Neben seiner Tätigkeit als Verleger verfasste er auch selbst Lyrik, die er in seinen Gedichtsammlungen wie etwa The House of Light oder The Pig, veröffentlichte. Mit Christine Pfammatters Neuübersetzung im vergangenen Jahr ist James Laughlins dichterisches Werk zu Recht wieder in den Vordergrund gerückt.

Christine Pfammatter, geboren 1969 in Leuk-Stadt, studierte Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte in Bern und Fribourg. Nach ihrem Studium lebte sie für einige Zeit in Paris und New York. Neben ihrem Prosawerk Zuviel Sonne veröffentlichte Pfammatter zahlreiche ihrer Texte in Literaturzeitschriften und Anthologien. 2011 brachte sie den James Laughlin-Sammelband Dylan schrieb Gedichte heraus. Sie lebt und arbeitet als Schriftstellerin und Übersetzerin in Berlin.


Charles Bernstein, geboren 1950 in New York, wird der literarischen Avantgardebewegung der sogenannten Language Poetry zugeordnet. Bernsteins Arbeiten werden häufig durch ihre innovative Sprache als postmodern bezeichnet. Er selbst beschreibt seine Dichtung als Spiel zwischen den Genres und Formgattungen. Bis dato veröffentlichte er mehr als 16 eigenständige Gedichtbände und drei Bücher mit Aufsätzen und Reden. Bernstein lehrte an verschiedenen Universitäten, wie der Columbia, der Brown University und in Princeton. Heute lehrt er an der University of Pennsylvania.

In der Lettrétage haben Interessierte nun die Gelegenheit, spannende Einblicke in die Übersetzungsarbeit zu gewinnen. Die Bernstein-Übersetzer Norbert Lange, Mathias Traxler, Tobias Amslinger und Léonce W. Lupette arbeiten derzeit an einer Übersetzung des Gedichtbandes All the Whiskey in Heaven / Selected Poems und präsentieren exklusiv ihre ersten Ergebnisse - direkt aus der Übersetzungswerkstatt!

Norbert Lange, geboren 1978 in Gdingen/Polen, kam in den Achtzigerjahren mit seinen Eltern nach Deutschland und wuchs im Rheinland auf. Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Judaistik in Berlin, später am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Lange veröffentlichte zwei Gedichtbände und zuletzt 2010 den Aufsatzband Das Geschriebene mit der Schreibhand. Seit 2008 lebt und schreibt er in Berlin.

Foto: Eberhard Fischer
Mathias Traxler, geboren 1973 in Basel, studiert Jura in Basel und Fribourg. 2006 war er Teilnehmer des 14. open mike der Literaturwerkstatt Berlin. Im gleichen Jahr wurde im Theaterdiscounter Berlin die szenische Lesung WALLeinsamkeit (Regie: Dana Sauerland) mit Gedichten und Texten von ihm aufgeführt. Seine Texte erschienen bisher in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien. 2011 brachte er seinen ersten Gedichtband You’re welcome heraus. Traxler lebt und arbeitet seit 1999 in Berlin.


Foto: Rebecca Schuster
Tobias Amslinger, 1985 in Stuttgart, studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Er ist zudem Absolvent des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig. Amslinger hat zahlreiche seiner Texte in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 2006 wurde sein Theaterstück maliks buch in Bremen uraufgeführt. 2009 brachte er zusammen mit Léonce W. Lupette sein Lyrik-Debüt Einzimmerspringbrunnenbuch heraus.



Mittwoch, 29. Februar 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
gleichzeit Text-Tour

Der junge Theaterverlag gleichzeit aus Wien bringt vier seiner AutorInnen in die Lettrétage nach Berlin.


Marianne Strauhs, Claudia Tondl, Izy Kusche und Philipp Weiss gehören zu den interessantesten jungen AutorInnen in Österreich. Erleben Sie an einem einzigen Abend vier unterschiedliche und vielseitige Textwelten, die in einer Szenischen Lesung von Berliner SchauspielerInnen präsentiert werden.

Im Anschluss an die Veranstaltung freuen sich die AutorInnen und das Team von gleichzeit über Austausch und Diskussion.

Marianne Strauhs, geboren 1982 in St. Pölten, war bis 2005 Teilnehmerin des zweijährigen Lehrgangs Szenisches Schreiben an der Karl-Franzens-Universität Graz, studierte bis 2007 Bühnengestaltung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und machte im Juli 2010 ihren Master in Theaterdramaturgie an der Akademie für Darstellende Künste Ludwigsburg. Für ihre Arbeit als Dramatikerin erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. 2011 realisierte sie Material Girl am Phönix Theater Linz und Die Visionärrinnen am Cabaret Voltaire in Zürich. Marianne Strauhs lebt und arbeitet in Wien.

Claudia Tondl, geboren 1980 in Wien, studierte an der Universität Wien Anglistik, Philosophie und Pädagogik. Später studierte sie Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Für ihre Stücke (u.a Lingua Franka, Entkörperung.Zwei.Null, leben lügen lagern) wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im Juni 2011 wurde ihr Stück Monad’s Likes an der Garage X – Theater Petersplatz uraufgeführt (Regie: Carina Riedl).





Izy Kusche, geboren 1973 in Hamburg, schreibt Theaterstücke und Prosa und publiziert in diversen Anthologien und Magazinen. Er studierte germanistische Literaturwissenschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Sprachwissenschaft in Halle/Saale. Gemeinsam mit Sebastian Fust realisierte er zuletzt zahlreiche Uraufführungen (Du und der Vergnügungspark, Ich glaube an Raum und L’Afrique et le Réduit).

Philipp Weiss, geboren 1982 in Wien, schreibt Prosa und Theaterstücke. Seine zahlreichen Publikationen erschienen unter anderem im Residenz Verlag, in kolik, Volltext, manuskripte und im Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter. Er erhielt diverse Auszeichnungen, u.a. das Hermann-Lenz-Stipendium 2006 und den 3. Litarena Literaturpreis 2007. 2009 wurde er für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert. Zuletzt präsentierte er in Wien sein Theaterstück Seifenblasenoper. Eine Kritik der runden Vernunft.