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September 2017



Dienstag, 05. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
CON_TEXT VIII: War im Park / Krieg im Park
Ausstellung und Führung mit Yevgenia Belorusets und Charlotte Warsen

Ein zentral gelegener Park in Kiew, in dem sich der kriegerische Konflikt in der Ostukraine in die alltägliche Kulisse der Stadt mischt: Das ist der Ort, zu dem die bildende Künstlerin
Yevgenia Belorusets (Ukraine/Deutschland) und die Dichterin Charlotte Warsen (Deutschland) ihre Berliner Besucher*innen führen wollen.

Die Künstlerinnen, die sich in ihrer Praxis zwischen Literatur, bildender Kunst und politischem Aktivismus bewegen, entwickeln für die Dauer eines Abends gemeinsam eine Versuchsanordnung, in der das Publikum in den Dialog zwischen ihren Arbeiten einbezogen wird. Die fotografische Serie von Yevgenia Belorusets, die in Momenten der Eskalation des Krieges im Osten der Ukraine entstand, und die Texte von Charlotte Warsen erkunden die Möglichkeiten und Grenzen der Worte und Bilder zwischen politischen Ängsten, solidarischen und poetischen Gesten. (Wie) lässt sich gegen Ansprüche des Dokumentarischen eine Zone des Träumerischen behaupten? Gerade dann, wenn so vieles in den fortlaufenden Ereignissen undeutlich, traumatisch und entfremdend bleibt - oder weit entfernt scheint?

Die Veranstaltungsreihe CON_TEXT vesucht das Format Lesung neu zu denken und zu thematisieren. Jeweils ein/e Autor/in und ein/e Künstler/in einer anderen Sparte erarbeiten gemeinsam eine Woche lang in der Lettrétage ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat. TänzerInnen, MusikerInnen, Bildende und Darstellende KünstlerInnen sowie FilmemacherInnen sind die künstlerischen PartnerInnen der AutorInnen. Ausgehend vom literarischen Text entwickeln die KünstlerInnen-Tandems interdisziplinäre Formate und thematisieren dabei den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Die so entstehende literarische Veranstaltung wird als ein eigenes, weit über die bloße Textpräsentation hinausgehendes, künstlerisches Werk begriffen. Die KünstlerInnen arbeiten ohne inhaltliche Vorgaben, der Prozess ist ergebnisoffen.

Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlußkonferenz statt. Zu jeder Veranstaltung erscheinen vorab ein Interview mit einem Experten und im Nachhinein eine kurze filmische Dokumentation im Lettrétagebuch. Dort findet sich auch weitere Information zur Veranstaltungsreihe und zu den beteiligten KünstlerInnen und Veranstaltungsterminen.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.




© Jurij Kruchak
Yevgenia Belorusets lebt als Künstlerin und Autorin in Kiew und Berlin. Sie ist Mitbegründerin und Herausgeberin der ukrainischen Zeitschrift für Kunst und Literatur „Prostory" und Mitglied der Kuratorengruppe „Hudrada". Die Künstlerin arbeitet mit den Medien Video, Fotografie und Installation, ihre Arbeiten befinden sich an der Schnittstelle von Kunst, Literatur und Aktivismus. Seit 2014 engagiert sie sich in sozialen Initiativen im Osten der Ukraine. Zahlreiche internationale Ausstellungen, u.a. in der Gedenkstätte Berliner Mauer sowie auf der 56. Biennale in Venedig. „Die Siege der Besiegten" wurde 2016 in Kiew gezeigt.

© Valerie Schmidt
Charlotte Warsen ist Dichterin, Malerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt ‚Kulturtechnik Malen‘ an der Düsseldorfer Kunstakademie. Sie promoviert in der Philosophie und organisierte mit Freunden die Veranstaltungsreihe 'Politik der Lyrik' im Theater Vierte Welt und im Studio Я des Maxim-Gorki-Theaters. Ihr erstes Buch vom speerwurf zu pferde erschien 2014. Für ihre Gedichte erhielt sie 2016 den GWK-Förderpreis für Literatur, 2017 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats.






Mittwoch, 06. und Donnerstag, 07. September 2017, 10:00 bis 17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
Erfolgreich Projektanträge stellen
Workshop

mit Katharina Deloglu

Ob Lesereihe in der Kiezkneipe oder Literaturfestival, ob Autorenkonferenz oder Hörspiellabor - für Berliner Literaturveranstalter*innen gibt es zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten aus öffentlichen Mitteln. Doch welche passt zum geplanten Projekt? Was muss ich bei der Antragstellung unbedingt beachten, was vermeiden? Wie erstelle ich einen realistischen Finanzplan? Was verbirgt sich hinter "Kofinanzierung", "Fehlbedarf" und "Eigenleistung"? Wie überhaupt entwickle ich ein Projekt, das meinen persönlichen Kompetenzen entspricht und wo finde ich - wenn nötig - die geeigneten Partner?

Nach einem Überblick über das Spektrum an Finanzierungsmöglichkeiten für Literaturveranstaltungsprojekte (Kommune, Land, Bund) und einer Checkliste formaler Kriterien sehen wir uns den Antrag und seine einzelnen Bestandteile gründlich an. Wir lernen Projektmittel-Ausschreibungen genau zu lesen und zu verstehen und betrachten exemplarisch erfolgreiche geförderte Projekte. Eine Analyse des eigenen Antragsteller-Profils und ein erster Entwurf eines eigenen Projektantrags runden den zweitägigen Workshop ab.

Wer möchte, kann gern einen eigenen Projektentwurf mitbringen.

Anmeldungen bitte bis 28.08.2017 (verlängerte Anmeldefrist) unter weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27.





Katharina Deloglu studierte Komparatistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Mainz, Tours und Madrid und promovierte an der HU Berlin in Neuerer Deutscher Literatur. Bis 2005 war sie als Kultur-Journalistin für u.a. SZ, FR, NZZ, F.A.Z, 3sat Kulturzeit und als freie Mitarbeiterin des Goethe-Instituts Frankfurt tätig. Als Mitgründerin und -betreiberin der Lettrétage ist sie seit 2006 zuständig für die Konzeption und Umsetzung des laufenden Veranstaltungsprogramms sowie die Fördermittelakquise und Leitung verschiedener internationaler Projekte, zuletzt CROWD - CReating Other Ways Of Dissemination und CON_TEXT. Jurytätigkeiten: Autorenstipendien des Berliner Senats 2011, Anna Seghers-Preis 2012.

Der Workshop ist Teil des Programms "Wort.Kunst.Markt", welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem "Netzwerk freie Literaturszene Berlin" für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm Qualifizierung Kulturwirtschaft (KuWiQ) und des Landes Berlin - Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.




Donnerstag, 07. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 3,-)
Konzept Feuerpudel
Anonyme Lesebühne mit Zeichnungen

Das Konzept*Feuerpudel ist eine monatliche Lesebühne für Autor*innen in Berlin. Oder sollte es „Vorlesebühne“ heißen? Denn beim Pudel liest einer, namentlich Diether Kabow, Texte vor, deren Urheber*innen sich anonym unters Publikum mischen. Auf diese Weise geben wir schreibenden Menschen die Möglichkeit, ihre Texte unter die Leute zu bringen, ohne dass sie selbst performen. Warum? Weil die Wirkung des Textes dann nicht von der Person der*des Autor*in abhängt. Autor*innen können heimlich im Publikum sitzen, sich gemütlich einen antrinken, unerkannt über ihre Texte sprechen oder einfach nur beobachten, wie ihre Texte – und nicht sie selbst – ankommen.

Konzept*Feuerpudel ist eine Lesebühne für die Neugierigen und Chaot*innen, Austester*innen, Anfänger*innen und alte Hasen. Ihre Texte entwickeln ein Eigenleben und die Autor*innen neue Perspektiven auf das eigene kreative Schaffen und sie erhalten die Möglichkeit, ihre Arbeit kritisch zu reflektieren.

Die Texte werden vor der Lesung durchgesehen, aber nicht ausgewählt – das Los entscheidet. Jede*r kann einen Text einreichen. Acht Texte werden am Abend verlesen. Drei wählt das Publikum zu Gewinnern. Zur Preisverleihung können die Autor*innen den schützenden Mantel der Anonymität ablegen und sich feiern lassen – wenn sie es möchten. Die kleinen, unerhörten Schreiber*innen, die heimlichen Textverliebten und genialen Angsthasen werden geliebt und gesucht.





Freitag, 08. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei, Spenden erbeten)
Es liest Alexander Skidan
Im Gespräch mit Tillmann Severin

Der Lyriker, Essayist, Kritiker und Übersetzer Alexander Skidan gehört zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen russischen Kulturszene. Für Kulturwissenschaftler Michail Jampolski ist Skidan „eine einzigartige Erscheinung in der zeitgenössischen russischen Literatur. Er vereint die Rationalität eines scharfsinnigen Analytikers und unparteiischen Kritikers mit einem feinen Gespür für das Poetische.“ Seine Prosa und Lyrik wurde mit den bedeutendsten russischen Literaturpreisen ausgezeichnet, so auch dem Andrei-Bely-Preis. Seine Gedichtbände wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Autor Norbert Niemann schreibt: „Skidans Lyrik versteht sich als Kommentar zur postsowjetischen Wirklichkeit […] Er beobachtet einen gesellschaftlichen Prozess zunehmender sozialer und ideologischer Verwerfungen, bei dem sich alte und neue politische und religiöse Systeme vermischen, ineinander schieben, verkeilen. […] Was Alexander Skidan interessiert, ist die ‚linguistische spur des realen‘.“ In der Lettrétage spricht der LCB-Stipendiat mit Schriftsteller und Übersetzer Tillmann Severin und liest aus seinem Werk. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Russisch mit Verdolmetschung statt.

Alexander Skidan geboren 1965 in Leningrad, lebt derzeit in St. Petersburg, Russland.





Samstag, 09. September 2017, 11:00 Uhr (Für Mitglieder des Freien Deutschen Autorenverbands kostenlos, alle anderen werden um eine kleine Spende gebeten)
Textremisten
Textwerkstatt mit Jordan T.A. Wegberg

Die Textremisten treffen sich einmal monatlich in der Lettrétage, um reihum eigene Texte vorzustellen, die dann von den Teilnehmern ausgiebig besprochen werden. Die maximale Lesezeit beträgt 10 Minuten. Es können alle Prosaformen wie Kurzgeschichten, Romankapitel oder Essays präsentiert werden. Wir geben einander Tipps, Ratschläge, Anregungen, Feedback und Motivation.

Natürlich ist sowohl das Besprechen der Texte als auch die Teilnahme an den öffentlichen Lesungen freiwillig – wer möchte, kann auch nur zum Zuhören zu den
Textremisten kommen!




Montag, 11. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
CURIEPOLIS
Debütlesung mit Fabian Herrmann



Auf der Erde – in naher Zukunft, scheint es? – entsteht ein neuer Staat, die technologisch und sozial fortschrittliche Curiepolis. Erfinderin Annika Palmstroem aus Deutschland, sechzehnjährig, freut sich, als die Curiepolitaner sie zu sich einladen. Mit der Rakete geht es von Europa nach Curiepolis. Science Fiction? Aber – wieso ist da ein gelehrtes Eichhörnchen? Was hat es mit der Sternenschnecke auf sich, dem steinernen Raben, der Rätsel stellt? Dazwischen tummeln sich faunartige Wesenheiten, Halbgöttern ähnlich, aber auch Menschen: Um sich in diesem fraktal feuerwerkenden Kosmos nicht zu verlieren, brauchen Annika und ihre curiepolitanischen Freundinnen all ihre wissenschaftlichen Kenntnisse, aber vor allem einander – ohne Freundschaft droht der thermodynamische Alptraum. Ein Jugendbuch, ein Märchen? „Ein Forschungsroman“, sagt Fabian Herrmann, der sich selbst als Dichter-Technologe bezeichnet.

Fabian Herrmann geb. in München, studierte unter anderem Physik in Jena und ist seit 2006 Diplomphysiker. Seit 2012 perfektioniert er seinen ersten
Curiepolis-Roman und weitere sollen folgen. Fabian Herrmann lebt in Berlin.




Dienstag, 12. September 2017, 19:00 Uhr (Eintritt frei)
Wir sind die Neuen
Mit Ilona Beier, Doris Lautenbach, Astrid Müller und Katja Mischke


Der Freie Deutsche Autorenverband Berlin e.V. (FDA), dessen Mitglieder in den verschiedensten Bereichen schreiben, vertritt durch Lesungen, Kongresse, Workshops, Fachvorträge und Anthologien die Interessen von Schreibenden. Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen die Literatur und der Prozess des Schreibens. Regelmäßig veranstaltet der FDA Begrüßungslesungen für die neu in den Verein aufgenommenen Mitglieder.
Unter der Moderation von Stephanie Mattner gestalten die vier Autorinnen Ilona Beier, Doris Lautenbach, Astrid Müller und Katja Mischke die diesjährige Debütlesung.

Ilona Beier ist gebürtige Thüringerin, wuchs im Saarland auf und hat in Berlin Familie und Heimat gefunden. 2011 folgte sie dem Aufruf des Wettbewerbs "Berlin schreibt". Unter der Leitung von Lyriker und Literaturwissenschaftler Michael Speier entstand ein literarischer Spaziergang durch den Bezirk Spandau. Einer von zwölf Beiträgen der Stadt, zusammengefasst im Buch "DAS GROSSE BERLIN GEDICHT". Es ist im Handel erhältlich. Die Freude zu schreiben blieb. Menschen und ihre Geschichten sind ihr Thema. Ilona Beier schreibt Kurzgeschichten, Essays und Lyrik.







Doris Lautenbach, geboren in Berlin, ist Autorin und Hörbuch-sprecherin. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Sprecherin und gründete Vorlesegruppen für Kinder. Ihre Geschichten sind in mehreren Anthologien veröffentlicht. Doris Lautenbach tritt regelmäßig auf Lesebühnen und Literaturveranstaltungen auf. Außerdem schreibt sie auf ihrem
Blog über Kunst und Kultur in Berlin. Ihre beiden Hörbücher "Berlin skurril" und "Berlin skurril 2" waren 2016 in der Kategorie 'Bestes Hörbuch' nominiert. 2017 erschien ihr Buch „Wünsch dir was, aber pass auf!“ im Stuttgarter Storyhouse Verlag. Sie lebt in Berlin.


Astrid Müller ist 1968 in Schleswig-Holstein geboren und lebt seit 1988 in Berlin. Sie entwickelt beständig neue Interessen, ist Dekorateurin, Sozialpädagogin und Gesundheitswissenschaftlerin und verwirklicht sich auch als freischaffende Keramikerin. Immer wieder ist sie unterwegs – allein und auf eigene Faust, meistens in Südostasien. Zunächst kam sie dort mit Yoga in Berührung, später dann mit Meditation. „Erleuchtung für Zweifler. Eine spirituelle Reise nach Thailand, Laos und Kambodscha“ ist ihr erstes Buch.






Katja Mischke, 1975 geboren, arbeitet als selbstständige Medienproduzentin und Publizistin. Sie beschreibt ihre Welt in Geschichten, Gedichten, Zeichnungen, Fotos und Filmen. Bereits Ende der 90er verschlug es sie in die Medien, sie wurde ein Teil des Berliner Künstlerkollektivs mobtik und leitete bis zu ihrer Selbstständigkeit das Programm eines internationalen TV Senders.











Mittwoch, 13. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
WIE ALCHEMIE UM- & UMGESCHRIEBEN
Lesung mit Ute Eckenfelder

Die Autorin Ute Eckenfelder möchte mit ihren Gedichten das Prozesshafte der Sprache herausarbeiten; denn Sprache hat mit Alchemie gemein, dass sie sich nicht scheut, mit unterschiedlichsten Materialien, sinnlichen, bildhaften und geistigen Substanzen zu experimentieren. So entsteht eine Vielfalt ihres Sprechens, wodurch nicht nur die Sprache selber, sondern auch wir von der Sprache immer wieder umgeschrieben werden. Vielleicht so wie Rilke – für unsere heutigen Ohren etwas zu pathetisch – formulierte: "Jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, liebt in dem Schwung der Figur nichts als den wendenden Punkt."

Ute Eckenfelder, geboren 1938 in Sulz am Neckar. Studium der Erziehungswissenschaften sowie langjährige Tätigkeit als Dozentin am Pestalozzi-Fröbel-Haus. Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in zahlreichen Zeitschriften, u.a. Lichtungen, Jahrbuch der Lyrik, Ostra-Gehege, Sinn und Form sowie im Rundfunk. Publikationen: Mitlesebuch 19 (1997), Einblicke (1998), Falkner, bis grün dich durchwächst (2002), Ist wo die Eule (2006), War oder wird Eiszeit (2010). Zuletzt erschien der Lyrikband G‘schnipf für Zieglers Ziegen (Keiper 2014/ Podium 2016).




Donnerstag, 14. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt frei)
METROFOLKLORE
Patricia Hempel liest aus ihrem Romandebüt


»Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn einem das Flattern durch Mark und Bein schießt, sobald die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Anbetung einer unerreichbaren Geliebten ist zwar in der Theorie ganz nett, stellt aber in Wahrheit kein erfülltes Lebenskonzept dar. Doch selbst wenn einem Ovid mit seinen Verführungskünsten unter die Arme greift – wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftig auftretenden Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Mit romantischen Gesprächen über Spermabeschaffung am Frühstückstisch? Alea non iacta est. Noch können Monogamie und schreiender Nachwuchs auf den geeigneten Lebensentwurf hin überprüft werden. Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.

© Annette Hauschild/Ostkreuz
Patricia Hempel, geboren 1983 in Berlin, studierte erst Ur- und Frühgeschichte, bis es sie von Berlin nach Hildesheim und von der Archäologie zum literarischen Schreiben zog. Es folgten Veröffentlichungen in Zeitschriften, Magazinen und Anthologien und 2014 die Ernennung zur Wolfsburger Stadtschreiberin. Heute arbeitet Patricia Hempel als freie Journalistin und Autorin in Berlin. »Metrofolklore« ist ihr erster Roman.













Sonntag, 17. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Atomtod und Rüschenhemd
Berlin in den Neunzigerjahren – ein literarischer Rückblick mit Markus Liske






Die Veranstaltung fällt leider aus.





Donnerstag, 21. September 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/erm. 4,-)
Cronos Cube
Vorstellung des Liesmich Verlags mit Thekla Kraußeneck


CRONOS CUBE ist der Erstlingsroman von Thekla Kraußeneck. Sie entwirft ein dystopisches Szenario im Jahr 2030 und zeigt uns eine Welt, in der Drohnen über den Straßen Europas patrouillieren, Smartphones getrackt und Internetverläufe überprüft werden – jede*r ist ortbar. Die permanente Überwachung und eine vom Staat aufoktroyierte Transparenz setzen der Gesellschaft sowohl seelisch als auch finanziell zu. Menschen ohne Perspektive vegetieren in riesigen Wohnblöcken vor sich hin. Das Virtual-Reality-Spiel Cronos Cube wird zum Ausweg für Spaßsüchtige oder Verzweifelte – als letzter Hort freier Meinungsäußerung aber auch zur Brutstätte des Widerstands.

Erschienen ist der Text 2017 im "Liesmich Verlag". Liesmich ist ein 2013 gegründeter, unabhängiger Verlag aus Leipzig mit belletristischem Schwerpunkt. Die Grenzen zwischen den Kompetenzbereichen der einzelnen Mitwirkenden sind fließend. Jeder darf sich frei einbringen und aktiv mitgestalten. Der Verlag setzt auf ungewöhnliche Vermarktungsstrategien, organisiert mobile Lesungen und entwirft Fahrrad- und Landkarten. Es ist erklärtes Ziel des Verlags, insbesondere unkonventionelle Ideen zu fördern und (bisher) unbekannten Autor*innen eine Plattform zu bieten. Der Liesmich Verlag sucht nach Geschichten, die aus der Reihe tanzen.

Thekla Kraußeneck, Jahrgang 1987, ist Berlinerin und bringt ihren lebenslangen Schreibprozess mit ihrem Debütroman „Cronos Cube“ in Buchform. Die passionierte Gamerin arbeitet seit vielen Jahren als freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung und studiert in München Ethnologie und Philosophie.













Dienstag, 26. September 2017, 19-21Uhr & Freitag, 29. September 2017, 20 Uhr (Eintritt frei)
CON_TEXT IX: The hairy goddess‘ misstory
Offener Arbeitstag & Öffentliche Präsentation von und mit Érica Zingano, Tatiana Ilichenko, Marion Breton, Barbara Marcel, Tom Nobrega

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Vorgestern. Wir trauern. Das 21. Jahrhundert ist gestorben, aber noch bereiten wir seine Beerdigung vor. Schau auf deine Hände, beide Hände. Auf der einen Hand liegt die Geschichte einer Apokalypse. Wie jede Geschichte über die Zeit, natürlich wird es in einer großen Klimax enden, bing bang, bow wow wow. Natürlich ist die Hauptfigur dieses Abenteuers Gott, der auf den Schultern seiner Armee verschlüsselter Engel steht. Auf der anderen Hand liegt die umgedrehte Version dieser Geschichte: diese können wir Revolution nennen. Eine Revolution, die als haarige Göttin reinkarnierte. Sie / er ist überall, überall fühlt sich so nah wie nirgendwo an. Immanent in unseren unordentlichen Rucksäcken, brüllend in unseren inneren Dschungeln. Diese Version ändert die Geschwindigkeit der Züge und Autos und Flugzeuge, durch die wir die Welt wahrnehmen. Wähle ein Wort und mache dich auf den Weg. Mysterium. Chaos. Rauch. Tiere. Magie. Zünde noch ein Streichholz an. Es ist eine fortlaufende Geschichte. Sie kommt in einem Päckchen, geliefert von DHL. Die Sonne ist das dritte Zeichen auf dem Weg. Einem langen Weg. An deiner Fingern Spitze.

Die Veranstaltungsreihe CON_TEXT vesucht das Format Lesung neu zu denken und zu thematisieren. Jeweils ein/e Autor/in und ein/e Künstler/in einer anderen Sparte erarbeiten gemeinsam eine Woche lang in der Lettrétage ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat. TänzerInnen, MusikerInnen, Bildende und Darstellende KünstlerInnen sowie FilmemacherInnen sind die künstlerischen PartnerInnen der AutorInnen. Ausgehend vom literarischen Text entwickeln die KünstlerInnen-Tandems interdisziplinäre Formate und thematisieren dabei den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Die so entstehende literarische Veranstaltung wird als ein eigenes, weit über die bloße Textpräsentation hinausgehendes, künstlerisches Werk begriffen. Die KünstlerInnen arbeiten ohne inhaltliche Vorgaben, der Prozess ist ergebnisoffen.

Insgesamt finden zehn Abendveranstaltungen und eine Abschlußkonferenz statt. Zu jeder Veranstaltung erscheinen vorab ein Interview mit einem Experten und im Nachhinein eine kurze filmische Dokumentation im Lettrétagebuch. Dort findet sich auch weitere Information zur Veranstaltungsreihe und zu den beteiligten KünstlerInnen und Veranstaltungsterminen.

CON_TEXT wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.




© Lotto Theißen
Érica Zíngano wurde 1980 in Fortaleza, Brasilien, geboren und lebt seit 2014 in Berlin. Ihre künstlerische Praxis übertritt Grenzen zwischen Lyrik und visueller Kunst in unterschiedlichen Richtungen. Als eine Frau, die sich tagtäglich mit fremden Sprachen beschäftigt und sich daher ständig in einem Zustand linguistischer Verrenkungen wiederfindet, hat Érica Zíngano eine Leidenschaft für das Phänomen der Stimme und hat zunehmend die Aussprache von Gedichten in performativen Aktionen und Lesungen untersucht.

© Moritz Metzner
Tatiana Ilichenko ist eine Künstlerin und Filmemacherin aus Russland, zurzeit lebt sie in Berlin. Tatiana studierte Art in Context an der Universität der Künste in Berlin, bildende Kunst und Philosophie am Bard College Berlin, Film an der russischen staatlichen Filmhochschule in Moskau und beschäftigte sich intensiv mit Tanz, Performance und physischem Theater. Ihre Projekte wurden bereits in zahlreichen Institutionen sowie auf Kunst- und Performance-Veranstaltungen in Berlin und in Europa präsentiert. Zudem arbeitet sie regelmäßig für politische Dokumentarfilme und unterschiedliche Formen gesellschaftlicher Organisation.


Marion Breton Génération 90. Wohnhaft in Berlin und geboren in Paris unter dem Namen Marion – einem Namen, den ihr Großvater für ein böses Omen ansah: « Marion? Souillon », das heißt Tölpel! Als Antwort auf diese anfängliche Verwünschung nannte sie sich manchmal selbst Ablana Thanalba (Hocus Pocus auf Hebräisch), als ob sie die Welt verzaubern und sich auf einen gemeinsamen locus (im Lateinischen loci, loca, für Uterus) berufen müsste, in welchem sie ihr bestimmtes Wesen als sponge-actor entwickelt. Sie schluckt und verdaut alle Arten von Stimmungen und Materialien: Videos, Poesie, Texte und Schriften. Aber bei nochmaliger Überlegung wäre sie wohl eher ein Tölpel in ihrer Tonne; einer Tonne wo sie alle aufheben und –sammeln könnte, die sie auf ihrem Weg findet, und wo sie die Bedingungen eines unproduktiven Lebens, einer unermüdlichen Erneuerung der Trägheit, begreifen könnte.


Tom Nobrega spricht mit einem Akzent, selbst in seiner eigenen Sprache. Er nutzt zwei Hörhilfen, hat sieben Nägel aus Titan in seinem Knöchel, trägt Kontaktlinsen und drei künstliche Zähne. Er hat kein Zuhause, hat kein Handy und ist sich nie sicher, wo genau in der Welt er in den nächsten Monaten sein wird. Er wurde in Sao Paulo, Brazilien, geboren, hat jedoch mehr als nur einen Namen und eine Nationalität – die offiziellen, die emotionalen und die mythischen eingeschlossen. Er ist ein notorischer Reisender und macht eine Menge nicht direkt nützlicher Dinge wie zum Beispiel seltsame Äußerungen in einer nichtexistierenden Sprache, eine unglaubliche Menge an Gegenständen verlieren, Amulette finden, astrologische Kalender lesen, Gedichte schreiben, wiederholende Gesten machen und Musikinstrumente spielen, die er eigentlich gar nicht spielen kann. Gerade widmet er sich der Unknown University, einer mysteriösen Universität ohne festen Ort, die jeden seiner Schritte begleitet, selbst wenn er ihr gar keine Aufmerksamkeit schenkt.


Barbara Marcel (Rio de Janeiro, 1985) ist eine in Berlin lebende Filmemacherin und Künstlerin, deren Werke die Beziehung zwischen Natur, ihrer kulturellen Geschichte und ihrer kolonialen Imaginationen untersucht. Während ihrer künstlerischen Forschung im Rahmen ihrer Promotion an der Bauhaus-Universität in Weimar setzt sich Marcel mit Essay-Filmen als historiographische Medien für dekolonialisiertes Denken auseinander, wobei der Botanische Garten Berlin-Dahlem und seine Pflanzen gegenwärtig Gegenstand ihrer Studien sind.