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Lesereihe: Datenschreiber


Acht Daten, elf Autoren, rund sechzig Jahre Geschichte. Um den Nukleus eines mehr oder minder zufällig „Gegebenen“ (lat. datum) herum – sei es tragisch oder trivial, esoterisch oder paranoid – sammelt sich der Sternenstaub der Historie zu einem „schmutzigen Schneeball“.

Paul Celan fragt im Meridian, seiner Büchnerpreisrede: Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Daten her? Welchen Daten schreiben wir uns zu? Er bezieht sich dabei auf den 20. Jänner, der für ihn sowohl den Tag bezeichnet, an dem Büchners Lenz, in einem Zustand am Rande des Wahnsinns, durch den Wald geht, als auch den Tag der Wannseekonferenz sowie der Ermordung von Celans Mutter durch die Nazis.

Das Datum wird zur Keimzelle jeglichen literarischen Schreibens: als Schnittstelle von Wirklichkeit und Fiktion, von individueller Biographie und historischem Ereignis, als Initialzünder für die Verdichtung von Bedeutung.

Kalenderdaten, Sinnesdaten, digitale Datenmassen – was machen sie mit uns, was machen wir mit ihnen, wie orientieren wir uns, worauf lenken wir unsere Aufmerksamkeit, wie stellen wir Sinn her (und wie haltbar ist der heute produzierte Sinn)? Wie verhält sich die Person des Autors, wie verhält sich der Mensch zum literarischen Text? Welcher Zusammenhang besteht zwischen beiden und der (historischen) Wirklichkeit? Wie konstruieren wir Bedeutungszusammenhänge? Was ist die Aktivierungsenergie für künstlerisches Schaffen? Was können wir – über den Weg der Kunst – erreichen?
Diese Fragen sollen im Mittelpunkt unserer Veranstaltungsreihe stehen.

Idee: Philip Maroldt

Gesamtleitung: Moritz Malsch & Philip Maroldt


Ausführliche Informationen gibt es unter www.datenschreiber.net sowie auf unseren jeweils aktuellen Programmseiten.

Wir bedanken uns beim Berliner Senat für die finanzielle Unterstützung sowie bei den Medienpartnern Zitty und Radio Eins.









Lettrétage - Das junge Literaturhaus