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Lesereihe: Luces in the sky[pe]


Es klingt etwas schräg, etwas irritierend, etwas amerikanisiert (oder eher hispanisiert?), in jedem Fall aber experimentell: Luces in the sky[pe] will auch für Beatles-Fans mit Fremdwörterbuch noch ein Rätsel bleiben. „Glanzlichter am Himmel der jungen spanischen Prosa“, so die kreative Paraphrase, werden auf das Parkett der alten Gründerzeitvilla am Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg geholt. Die neue Veranstaltungsreihe des Literaturhauses Lettrétage verbirgt ihre Verve nicht: Acht junge Autoren aus Spanien sollen entdeckt werden. Unabhängig von den wirtschaftlichen Maßgaben des Buchmarkts werden Romanauszüge und Erzählungen junger spanischer Autoren erstmals ins Deutsche übersetzt und an acht Abenden dem Berliner Publikum präsentiert. Und wie der Titel verrät, ist das Format dabei besonders innovativ: Eine Autorenlesung via Videoübertragung, eine Schauspielerlesung der eigens dafür angefertigten Übersetzungen und ein Autorengespräch mit Dolmetscher via Skype gestalten die einzelnen Abende. Spanische Sprachkenntnisse sind nicht notwendig.


Dieser Entdeckungsparcours durch die junge spanische Literatur ist idealistisch, versucht er doch, eine längst bekannte Problematik zu überwinden: Übersetzungen sind teuer, Autoren aus dem deutschen Sprachraum zu drucken, ist für Verlage hierzulande dagegen wesentlich günstiger. Außerdem will das wirtschaftliche Risiko für die Verlage kalkuliert sein. Auf zugkräftige, auflagenstarke und omnipräsente Namen zu setzen, verspricht mehr Sicherheit. Literatur aus dem Ausland ganz unabhängig von wirtschaftlichen Vorgaben zu entdecken, wird dagegen zunehmend zum Luxus, den sich unter hohem Risiko oft nur noch unabhängige Klein- und Kleinstverlage leisten. Und diese landen oftmals in der literarischen Nische. Kurz: Die Gesetze des Literaturmarkts diktieren Mechanismen, durch die vor allem junge Autoren aus de, Ausland häufig ins Hintertreffen geraten.


Luces in the Sky[pe] will dagegensteuern, will mit einer individuellen Auswahl den Blick für die literarische Qualität gerade junger Autoren schärfen: für innovative literarische Ansätze, für neue Erzählformate, für interdisziplinäre Mischformen, die die Grenzen der Literatur zu benachbarten Künsten und Medien erweitern. Und schließlich für Autoren, die den kritischen Dialog mit wachen Lesern suchen. Wer ab September die Lettrétage besucht, den erwarten mit Luces in the sky[pe] Autoren/-innen, die zu den bedeutendsten Stimmen der jungen spanischen Literatur zählen und als Stipendiaten und/oder Literaturpreisträger mehrfach ausgezeichnet worden sind: Pilar Adón (Madrid 1971), Álvaro Colomer (Barcelona 1973), Óscar Esquivias (Burgos 1972), Pablo Gutiérrez (Cádiz 1978), Vicente Luis Mora (Córdoba 1970), Alberto Olmos (Segovia 1975), Blanca Riestra (La Coruña 1970) und Óscar Sipán (Huesca, 1974).


Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt vom spanischen Kulturministerium, der spanischen Botschaft in Berlin, Pro Spanien und der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften (ALG). Medienpartner sind das RBB Kulturradio und die Wochenzeitung der Freitag. Wir bedanken uns bei unseren Förderen und Medienpartnern!

Ausführliche Informationen gibt es hier.



Lettrétage - Das junge Literaturhaus